Die Freude des Melancholikers: Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan
WDR 3 – Der Schriftsteller Dževad Karahasan wurde 1953 im heutigen Bosnien-Herzegowina geboren. Die im Jugoslawienkrieg umkämpfte Stadt Sarajevo spielt in seinem Werk eine große Rolle. Jetzt lebt er wieder dort und vor allem in Wien.
Als während der Belagerung Sarajevos einmal ein Granatsplitter in die Bibliothek Dževad Karahasans einschlägt und eine hübsche Ausgabe des “Grünen Heinrich“ zerstört, fragt sich der bosnische Autor, was um Himmels willen der serbische Granatwerfer gegen Gottfried Kellers Roman hatte, und ergänzt, erst spät hätten er und seine Frau realisiert, dass der Granatsplitter statt ihre Bücher auch sie selbst hätte treffen können. Mit seinem “Tagebuch der Übersiedlung“, dem sehr persönlichen Zeugnis der Belagerung Sarajevos, machte Karahasan international auf sich aufmerksam. Heute ist er der wohl bedeutendste lebende Schriftsteller Bosniens. Der Krieg und seine Folgen lasten auf den Seelen der Menschen in Karahasans Büchern. Die Figuren in seinen Romanen und Erzählungen fremdeln mit der Welt wie ihr Autor. Der ist auch ein faszinierender Intellektueller, eine Art moderner Sokrates, der an die Kraft des Gesprächs glaubt.
Mit seiner unnachahmlichen Stimme in nahezu perfektem Deutsch bedauert er dann etwa, dass Menschen es verlernt hätten, mit den Toten zu kommunizieren, oder fordert, im Paradies müsse es auch eine Ecke für Melancholiker wie ihn geben, in der sie ihre Freude am Traurigsein pflegen könnten.
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Anatomie der Melancholie. Der serbische Autor Dževad Karahasan
Vor 30 Jahren im Februar 1996 endete die blutige Belagerung der Stadt Sarajewo im Herzen Bosniens. Der Schriftsteller Dževad Karahasan hatte der Stadt während des Bosnienkrieges mit seinen Büchern eine unverwechselbare Stimme gegeben.
