Topic der Woche: "Steht der #Nordatlantik vor dem #Kipppunkt?"
- Spoiler: Wir spielen russisches Roulette - mit sechs Kugeln.
Lt. einer Studie von dänischen Klimaforschern (Peter Ditlevsen, Susanne Ditlevsen) ist es viel wahrscheinlicher als bisher allg. angenommen:
Bei anhaltenden THG-Emissionen könnte die #AMOC um die Mitte des Jahrhunderts, möglicherweise sogar jederzeit ab 2025, zusammenbrechen.
Zusammenfassung einer Einschätzung durch Prof. Stefan Rahmstorf:
» Dies ist kein #Alarmismus, sondern alarmierend. «
Die Atlantische Umwälzströmung (#AMOC) sorgt für den Austausch warmer und kalter Wassermassen im Ozean.
Daten aus verschiedenen Quellen belegen, dass sich diese Umwälzströmung in vergangenen Jahrzehnten bereits abgeschwächt hat.
Filmfans ist die daraus resultierende Gefahr dank Roland Emmerichs Blockbuster "The Day After Tomorrow" aus dem Jahr 2004 bekannt - auch wenn der Film mehr den Regeln Hollywoods als denen der Physik folgt.
Die Umwälzbewegung des Ozeans beeinflusst nicht nur das Klima stark, sondern versorgt auch die Tiefen der Meere mit Sauerstoff und ist damit lebenswichtig für das gesamte Ökosystem.
Was wären die Folgen, wenn die Atlantikzirkulation zusammenbricht?
Wenngleich die genauen Folgen bislang unabsehbar sind, lässt sich Folgendes annehmen:
Die bereits vorhandene Kälteblase westlich der Britischen Inseln (siehe Grafik - das ist die einzige Weltgegend, die sich in den vergangenen 100 Jahren trotz wachsender Treibhausgasmengen in der Luft nicht erwärmt hat) würde sich stark ausdehnen, auch über Landgebiete. Trotz globaler Erwärmung dürfte das zu einer deutlichen Abkühlung in Nordwesteuropa führen, vor allem auf den Britischen Inseln und in Skandinavien. Der Meeresspiegel im #Nordatlantik würde zusätzlich bis zu einem Meter ansteigen. Europa drohten deutlich heftigere Stürme. Die tropischen Niederschlagsgürtel würden sich nach Süden verschieben – Trocken- und Regenzonen würden damit nicht mehr über den Landschaften und Ökosystemen liegen, die dazu passen. Der Ozean würde deutlich weniger fossiles Kohlendioxid aufnehmen.
Der Paläoklimaforscher Wallace Broecker warnte schon 1987 angesichts seiner Kenntnis der Erdgeschichte vor "unangenehmen Überraschungen im Treibhaus" durch abrupte Veränderungen der Atlantikzirkulation:
"Wir spielen russisches Roulette mit dem Klima."
Rahmstorf: » Es besteht immer noch große Unsicherheit darüber, wo der #Kipppunkt des #AMOC liegt, aber die neue Studie liefert weitere Hinweise darauf, dass er viel näher ist als wir dachten. «
Da mehrere Ansätze/Studien zu ähnlichen Schlussfolgerungen führen,
» muss dies sehr ernst genommen werden, insbesondere wenn es um ein Risiko geht, das wir mit 99,9 %iger Sicherheit ausschließen wollen. Jetzt können wir nicht einmal mehr ausschließen, dass der #Kipppunkt in den nächsten ein oder zwei Jahrzehnten überschritten wird. «
» Dies ist kein Alarmismus, sondern alarmierend. Wir Klimaforscher dürfen zu derartigen Großrisiken nicht schweigen oder sie herunterspielen, und die #Politik sollte sie nicht ignorieren. Es gibt nur einen Weg, diese Risiken möglichst kleinzuhalten: Sehr schnell die Abhängigkeit von Kohle, Erdöl und fossilem Gas verringern, um uns so bald wie irgend möglich komplett daraus zu befreien. Denn nur #Nullemissionen von Kohlendioxid stabilisieren das Klima. «