Bildungswende in Baden-Württemberg – jetzt mitgestalten!

Ab dem 08. Dezember startet unsere Landtags-Petition für eine neue Lernkultur, die ALLEN Kindern und Jugendlichen zugutekommt.

Wir wollen Schule neu denken mit mehr Selbstbestimmung, individueller Förderung und zeitgemäßen Lernformen statt Frontalunterricht und Notendruck.

👉 Alle Infos zur Petition: https://neue-lernkultur-jetzt.de

#Bildungswende #NeueLernkultur #Petition #BadenWürttemberg #BildungFürAlle #Landtag #Schulreform

#21: Mindmaps als Grundlage zur Interaktion mit KI-Sprachmodellen

Dieser Artikel ist eine Dokumentation von meinem 21. Experiment bei Kreation 2.0 – meiner Kreativitäts-Challenge im Kontext von KI. Ich habe es am 30. April 2025 durchgeführt und am 1. Mai 2025 aufgeschrieben.

Idee

Ab Mitte Mail gestalte ich für EPALE ein ‚Mobile Learning‘-Angebot zum Thema „Twin Transition: Nachhaltigkeit und Digitalisierung“. Die Gestaltung als Mobile Learning Angebot war relativ spontan: Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren – und Mobile Learning schien mir sehr passend für ein selbstbestimmtes, offenes und partizipatives Lernformat. Als ich mich nun aber dann an die konkretere Konzeption setze, merkte ich schnell: So klar war mir gar nicht, was ich damit verbinde. Deshalb wollte ich mich genauer mit Mobile Learning auseinandersetzen und dazu lernen. Im Kontext meiner KI-Experimente war ich neugierig, wie Ki-Technologie mich dabei unterstützen kann.

Vorgehen

Schritt 1: Der intuitive Weg wäre gewesen, einfach bei einem KI-Sprachmodell nach einer Definition zu Mobile Learning zu fragen – und dann ein bisschen dazu zu chatten. Dieser Weg führt bei mir aber meist nur zu sehr oberflächlichem Wissen: Mir wird schnell etwas angezeigt, ich lese es durch, aber ich eigne es mir nicht wirklich an. Oft ist es auch sehr erschlagend, was ein KI-Sprachmodell auf solch eine Eingabe hin generiert.

Schritt 2: Ich überlegte mir deshalb, dass ich ganz bewusst von meinem mentalen Modell von Mobile Learning in meinem Kopf ausgehen wollte. Dazu schien es mir ein guter Weg zu sein, eine Mindmap zum Thema Mobile Learning aufzuzeichnen. Das habe ich gemacht – mit diesem Ergebnis:

Ich war beim Zeichnen der Mindmap (zum Beispiel im Bereich der Definition) häufiger in Versuchung, doch schnell mein Smartphone zu schnappen und wenigstens kurz mal zu recherchieren, was andere schreiben. Dieser Versuchung habe ich aber bewusst widerstanden, weil ich es erstmal wichtig fand, das zu Papier zu bringen, was sich schon in meinem Kopf befand – auch wenn ich das in vielen Bereichen reichlich dürftig fand und ich mir dabei auch sehr unsicher war.

Schritt 3: Meine aufgezeichnete Mindmap fotografierte ich und teilte sie mit einem KI-Sprachmodell. Meine erste Aufforderung war, diese Mindmap zunächst ohne Kommentierung oder Ergänzungen zusammen zu fassen. Das funktionierte (fast) vollständig. Ich erhielt diese Übersicht:

  • Definition
    Lernen …
    mit mobilen Endgeräten
    flexibel, selbstbestimmt
    passend zur jeweiligen Herausforderung
  • mögliche Herausforderungen
    Ablenkung statt Konzentration
    Information Overload
    zunehmende Smartphone-Skepsis
  • Komponenten
    Social Media / Messenger
    Multimediale Inhalte, insbesondere Audio, Bilder
    noch aktuell oder wird VR/AR-Perspektive wichtiger?
  • Ideen
    aktuellen Kontext einbringen lassen
    Peer-to-Peer-Austausch
    zentrale Plattform? > Interaktion
  • Schritt 4: Meine Idee war es nun, dieses mentale Modell von mir im Chat mit dem KI-Sprachmodell zu reflektieren und auf diese Weise zu erweitern. Ich nutzte dazu diesen Prompt:

    Ich würde gerne die einzelnen Bereiche mit dir durchgehen. Bitte gehe dabei immer von meiner Darstellung aus und leite mich an, daran weiterzudenken, indem du mir Denkanstöße zu meiner Darstellung gibst, Widerspruch äußerst oder Fragen stellst.

    Wir starteten dann mit dem ersten Bereich. Mir wurden dazu Fragen gestellt. Ich chattete dazu und zeichnete zugleich meine Mindmap weiter, die sich auf diese Weise immer weiter füllte. Das hier war am Ende entstanden:

    Schritt 5: Zum Abschluss war ich erst versucht, direkt noch einmal das KI-Sprachmodell um eine Zusammenfassung zu bitten, was ich eigentlich gelernt habe, aber entschied mich dann dafür, dass es gerade hier wichtig ist, das zunächst für mich zusammenzufassen und zu reflektieren. Diese Aspekte sind mir aus meiner Sicht bewusster geworden:

    • Bei der Definition ist jetzt der Fokus auf ‚flexibles Lernen – orts- und zeitunabhängig‘.
    • Ich deute die Herausforderungen in Lerngelegenheiten um.
    • Bei den Komponenten nutze ich bewusst den Kontext der Lernenden.
    • Es gibt viele Ideen für Peer Austausch.

    Auf dieser Grundlage – und mit der geteilten ausgeweiteten Mindmap, schrieb mir dann auch das KI-Sprachmodell eine Art Zusammenfassung:

    • Mobile Learning verstehst du als Lernen unterwegs, das durch mobile Endgeräte ermöglicht wird. Es ist flexibel, selbstbestimmt und besonders dann wirksam, wenn es situativ und kontextbasiert an reale Herausforderungen anknüpft.
    • Anstelle rein technischer Vorteile rückst du die Lernenden selbst in den Mittelpunkt – ihre Kontexte, Interessen und alltäglichen Erfahrungen werden zum Ausgangspunkt für Lernprozesse. Dabei betrachtest du Herausforderungen wie Ablenkung, Selbststeuerung oder Reizüberflutung nicht nur als Problem, sondern auch als pädagogische Chance: durch Reflexion können Lernende Medienkompetenz und Selbstregulation entwickeln.
    • Die Komponenten des Mobile Learning bestehen für dich nicht nur aus Tools wie Messenger, Audio oder Social Media, sondern aus offenen Fragen: Was fördert echten Austausch? Wann hilft Technik dem Lernen – wann stört sie?
    • Ein zentraler Fokus liegt auf Peer-to-Peer-Austausch – durch Formate wie Walk+Talk, Lernsnack-Sharing, Peer-Feedback oder gemeinsames Gestalten realer Aufgaben. So entsteht ein sozial eingebettetes, kreatives und alltagsnahes Lernen.

    Damit kann ich nun in der Tat gut weiter arbeiten!

    Ergebnis und Reflexion

    In diesem Experiment habe ich erstens aus aktuellem Anlass zum Thema Mobile Learning gelernt. Zweitens – und das finde ich für mich wahrscheinlich am wichtigsten – habe ich einen guten Weg gefunden, wie man KI-Chats aufbauend auf bestehenden mentalen Modellen im Kopf gestalten kann. Das finde ich für mein eigenes Lernen hilfreich, aber ganz genauso auch im Kontext meiner Lehre. Ich werde dazu ganz sicher noch weiter experimentieren und dann dazu bloggen.

    #KünstlicheIntelligenzKI_ #NeueLernkultur

    Kreation 2.0 | eBildungslabor

    Workshop-Konzept: Mehr Komposterde statt Zementmischer in der KI-Debatte in der Pädagogik!

    Ich habe heute zwei Workshops beim 5. Marburger Forum für Unterrichts- und Schulentwicklung gestaltet. Dieses Forum ist meinem Eindruck nach eine sehr schöne Veranstaltung, die wichtige Impulse und viel Raum für Vernetzung bietet. Ich war zum ersten Mal dabei.

    In meinen Workshops ging es um KI. Vormittags habe ich das Konzept Prompting als Spiel vorgestellt und wir haben dazu gemeinsam erkundet. Nachmittags war das Thema dann ‚KI und Bildung – tiefer gebohrt!‘. Grundlage dieses Workshops waren die Bilder von Zementmischer und Komposterde, über die ich schon vor einiger Zeit gebloggt habe und die deutlich machen, wie unterschiedlich wir die Bewegung, die durch KI in der Bildung aisgelöst wird, nutzen können:

    • als Zementmischer: Bestehendes wird verfestigt
    • als Komposterde: aus dem fruchtbaren Boden kann Neues wachsen.

    Im folgenden stelle ich das Workshopkonzept zum Weiternutzen vor. Es setzt konsequent auf soziales Lernen und nutzt dazu einen klar strukturierten Rahmen, für den man ca. 90 Minuten einplanen sollte.

    Intro: Shruggie und High Five

    Der Workshop fand direkt nach der Mittagspause statt und die Teilnehmenden kannten sich untereinander nicht. Deshalb kombinierte ich einen inhaltlichen Einstieg mit Bewegung und Vorstellung. Dazu gab es zwei ‚Zeichen‘:

    • ein Schulterzucken im Shruggie-Stil: ¯\_(ツ)_/¯
    • ein High Five

    Wir bewegten uns durch den Raum, wenn sich zwei Personen trafen, konnten sie sich für eines der beiden Zeichen entscheiden und sich dazu dann berichten, was sie (im ersten Fall) im KI-Kontext sehr widersprüchlich empfinden und wo sie viele Fragen haben. Oder was sie (im zweiten Fall) im KI-Kontext schon ausprobiert und für gut befunden haben.

    Zementmischer-Lego: Baut eine pädagogische Situation, die Bestehendes verfestigt!

    Im Anschluss an das schnelle Intro waren Tische mit Lego vorbereitet. Die Teilnehmenden fanden sich zu 4-6 Personen zusammen. Ich erläuterte die Bilder von Zementmischer und Komposterde. Die Aufgabe war darauf aufbauend dann, mit Lego eine pädagogische Situation zu bauen, in der KI als Zementmischer wirkt, d.h. Bestehendes verfestigt wird. Mit den Lego-Steinen funktioniert so etwas erfahrungsgemäß immer sehr gut, weil man mit den Händen ins Denken kommt.

    Komposterde-Konzepte erschließen

    Anschließend verteilte ich ‚Komposterde‘ – und zwar in Form von diesen 6 Begriffen:

  • Selbstbestimmung
  • Growth Mindset
  • Soziales Lernen
  • Prozessorientierung
  • Partizipation
  • Selbstwirksamkeit
  • Jeder Begriff wurde mehrmals verteilt. Alle mit dem gleichen Begriff fanden sich in einer Gruppe zusammen. Die Aufgabe war es nun, sich gemeinsam diesen Begriff zu erschließen. Als kleine Hilfestellung gab es dazu diese Anregungen, die die Teilnehmenden als QR-Code auf ihren Begriffszetteln aufgedruckt hatten.

    Marktschreier-Gruppenpuzzle: Nimm meinen Begriff!

    Anstatt ein klassisches Gruppenpuzzle zu machen, bei dem sich die Gruppen gegenseitig ihre Begriffe vorstellten, nutzten wir eine ‚Marktschreier‘-Version davon. Jede Person durfte sich für insgesamt drei der sechs Konzepte entscheiden und musste zugleich versuchen, das ‚eigene‘ Konzept an möglichst viele zu ‚verkaufen‘. Dabei ging es um eine möglichst überzeugende Argumentation, warum dieses Konzept sehr gut als Komposterde im Kontext von KI geeignet ist.

    Komposterde-Lego: Baut die pädagogische Situation um!

    Nachdem alle Beteiligten sich für drei Konzepte entschieden hatten, kamen sie wieder an den ursprünglichen Lego-Bautischen als Gruppe zusammen. Die Aufgabe war nun, die ursprünglich gebauten pädagogischen Situationen mit den mitgebrachten Konzepten so zu verändern, dass die Komposterde wirkt und der Zementmischer aufgebrochen wird.

    Blitzlicht im Plenum

    Den Abschluss des Workshops bildete ein schnelles Blitzlicht im Plenum mit Erkenntnissen, die man gerne mit allen teilen wollte. Bei mehr Zeit könnte man sicherlich auch die einzelnen Bauwerke und Transformationen davon genauer vorstellen.

    Fazit

    Der Workshop ist sehr niederschwellig umsetzbar und braucht außer einem Sack Lego und ein paar Begriffe-Karten keine Utensilien. Ich mochte daran vor allem drei Aspekte:

  • Es gab sehr viel Austausch in immer wieder wechselnden Zusammensetzungen.
  • Das Bauen mit Lego macht das Nachdenken über pädagogische Situationen sehr konkret.
  • Die Herausforderung des ‚Umbauens‘ einer Zementmischer-Situation in eine Komposterde-Situation eröffnet eine sehr praktische Transformationsperspektive.
  • Einschränkend ist anzumerken, dass die Methode mit Menschen, die noch kaum Erfahrungen mit KI in der Bildung gesammelt oder dazu noch wenig reflektiert haben, wahrscheinlich schwieriger umsetzbar ist. Denn das Konzept baut sehr stark auf entsprechende Vorerfahrungen zumindest bei einem Teil der Teilnehmenden auf. Wenn das gegeben ist, dann kann ich das Konzept zur Weiternutzung sehr weiter empfehlen.

    #KünstlicheIntelligenzKI_ #NeueLernkultur

    5. Marburger Forum für Unterrichts- und Schulentwicklung

    Philipps-Universität Marburg

    Raum für Transformation öffnen: ‚Kann weg!‘-Schneeballschlacht

    Wenn wir Bildung verändern wollen, dann sind wir oft in bisherigen Routinen gefangen. Das erschwert es uns, neu und anders zu denken. Hinzu kommt, dass es dann auch ganz objektiv an Raum mangelt, dass etwas Neues entstehen kann. Mit der Methode ‚Kann weg!‘-Schneeballschlacht lässt sich diese Herausforderung spielerisch aufgreifen.

    Vorgehen

    Die Methode ist sehr einfach und kann in Workshops oder auch als Zwischen-Interaktion in Vorträgen gleichermaßen genutzt werden. So gehst du vor:

  • Alle erhalten einen leeren DinA4-Zettel und notieren auf diesem Zettel einen Aspekt, der weg kann oder von dem es weniger braucht. Dabei können sie sich mit Nebensitzer*innen austauschen.
  • Wenn ein Aspekt notiert ist, wird der Zettel zerknüllt und als Schneeball zu einer anderen Gruppe (oder auch einfach quer durch den Raum geworfen). Wer den Zettel auffängt oder findet, öffnet das Papier, liest was darauf notiert ist – und ergänzt einen weiteren Aspekt. Zusätzlich/ alternativ können auch die bisherigen Einträge unterstützt werden (= ein Herz oder Stern dazu malen, zustimmend kommentieren …)
  • Danach wird der Zettel wieder zerknüllt und weiter geworfen.
  • Zum Abschluss landen alle Schneebälle in einem großen Papierkorb.
  • Hintergrund

    Das Spiel ist für alle Beteiligten gleichermaßen spannend und befreiend. Zugleich gelangt die Gruppe in Interaktion miteinander. Der gut gefüllte Papierkorb am Ende symbolisiert für alle Beteiligten ganz wunderbar: „Wow, so viel kann weg! Das ist toll. Dann haben wir jetzt ja Raum für neue Ideen!“ Vor diesem Hintergrund finde ich diese Methode optimal zum Einstieg in Workshops geeignet, wenn es um Transformation in der Bildung geht.

    Mein Lieblingsbeispiel für die Tatsache, dass Transformation durch bestehende Routinen und Strukturen blockiert ist, ist die Veränderung der Lernkultur hin zu selbstbestimmten Lernen mit personalisierter Lernbegleitung. Vor dem Hintergrund von klassischem Unterricht ist hier sehr oft die Erwiderung von lehrenden Personen: „Das geht nicht. Dazu fehlt mir die Zeit!“. Diese Erwiderung ist stimmig, wenn es weiterhin dabei bleiben würde, dass die lehrende Person vor der Lerngruppe steht und unterrichtet. Wenn dagegen dieser klassische Unterricht und damit auch die frontalen Phasen zurückgedrängt oder ganz abgeschafft werden, ist plötzlich viel mehr Zeit für anderes da. Genau das kann allen Beteiligten durch eine einleitende ‚Kann weg‘-Schneeballschlacht bewusst werden.

    Praxis: „Kann weg“-Schneeballschlacht als Vortrags-Murmelrunde

    Ich habe die Methode heute im Rahmen eines Vortrags bei der Initiative Professionell in der Lehre (PROFiL) an der Ludwig Maximillians Universität München genutzt. Hier erfüllte die Methode den Sinn einer Murmelphase und hatte ansonsten inhaltlich das gleiche Ziel.

    Ich habe mich für diese Methode aus mehreren Gründen entschieden:

    • Ich hoffe, dass alle Zuhörenden – auch wenn sie sich sonst vielleicht nicht an viel von dem Vortrag erinnern – das Bild mit den Schneebällen und dem gemeinsam gefüllten Papierkorb mitnehmen – und damit gut weiter vorankommen bei der Transformation von Lehre.
    • Es gab vor meinem Vortrag schon ein paar Grußworte. Deshalb dachte ich, dass ein Wachmacher schön sein könnte.
    • Der Raum war relativ eng bestuhlt, weshalb Bewegung (z.B. mit Kartenaustausch oder ähnlichem) nicht gut funktioniert hätte. Zugleich wollte ich gerne, dass die Kolleg*innen als gesamte Gruppe ein bisschen in den Austausch kommen.

    Bei der Durchsicht von einigen ‚Scheebällen‘ fand ich besonders die Kommunikation auf den Zetteln sehr schön. Zum Teil wurde richtiggehend aufeinander aufgebaut:

    Ansonsten auch sehr viel ‚geliked‘ …

    … und kommentiert.

    Fazit: große Empfehlung!

    Ich hatte die Methode im Internet gefunden und für mich inhaltlich angepasst. Trotzdem war ich zunächst etwas zögerlich, ob sie nicht zu wild sein könnte. Doch auch in dem (bei mir) feierlichen, seriösen Rahmen einer universitären Festveranstaltung war der Impuls meines Eindrucks nach ganz genau richtig. Zudem braucht die Methode kaum Vorbereitung oder Materialien, sondern sie lässt sich sehr niederschwellig umsetzen.

    In diesem Sinne deshalb: Viel Freude beim Ausprobieren!

    #MethodenLernformate #NeueLernkultur

    PROFiL - das Lehrqualifizierungsprogramm der LMU - LMU München

    PROFiL - das Lehrqualifizierungsprogramm der LMU

    2025: Zeit für Lernfreude!

    In meiner Social-Media-Bubble bin ich Anfang 2024 auf die Idee gestoßen, sich für das neue Jahr eine Art ‚Motto‘ zu überlegen, an dem man die eigenen Aktivitäten ausrichtet. Jetzt ist Anfang 2025 und ich will das gerne auch für mich umsetzen. Ich habe für mich für das heute ganz neue Jahr 2025 das Motto ‚Lernfreude‘ gewählt.

    Warum Lernfreude?

    Lernfreude ist ein Schlüsselbegriff für notwendige Veränderungen in der Bildung, weil sie in vielen Bereichen das genaue Gegenteil unseres traditionellen Bildungssystems darstellt. Anstatt im Laufe der eigenen Bildungsbiografie immer neugieriger zu werden, mehr Fragen zu entwickeln und gemeinsam mit anderen nach Antworten zu suchen, wird Kindern spätestens in der Grundschule die Lernfreude oft systematisch ausgetrieben. Dieser Trend setzt sich auch in der weiterführenden Schule, in der Berufsbildung, an den Hochschulen und in der Erwachsenenbildung fort. Lernen ist für viele ein notwendiges Übel, aber ganz bestimmt keine Freude!

    Wenn man das ändern will, muss man an den Grundsätzen des Bildungssystems rütteln. Hier steht immer noch das überholte System von Unterricht mit fremdbestimmter Stoffvermittlung und Schubladen-Bewertung im Fokus. Das ist nicht spannend, oft sehr demotivierend und kaum selbstwirksam. Viele – insbesondere reformpädagogisch orientierte – Schulen zeigen schon heute, dass Bildung auch ganz anders aussehen kann: ausgehend von den Lernenden, mit offenen Lernprozessen und authentischen Herausforderungen und viel Raum zum gemeinsamen Erkunden und Entwickeln.

    Vor diesem Hintergrund finde ich die Forderung nach mehr Lernfreude nicht nur pädagogisch wichtig und sinnvoll, sondern auch strategisch sehr hilfreich. Denn sie legt genau an den richtigen Stellen den Finger in die Wunde und fordert Veränderungen ein. Meine Hoffnung ist, dass der Fokus auf Lernfreude etwas ist, hinter dem sich viele Menschen versammeln können, um gemeinsam mehr zu bewirken.

    Zum Beispiel kann der Fokus auf Lernfreude im Kontext von Digitalisierung und aktuell insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz als gemeinsamer Nordstern wirken. Denn bei Lernfreude geht es vor allem darum, befähigt und motiviert zu werden, das Lernen selbst zu lernen. In einer zunehmend digitalisierten, komplexen und dynamischen Welt ist das die grundlegende Kompetenz für gesellschaftliche Handlungsfähigkeit. Ebenso ist Lernfreude ein Schlüssel für ein demokratischeres Bildungssystem. Auch die gesamtgesellschaftliche Herausforderung nach einer nachhaltigen Entwicklung lässt sich nicht bewältigen, wenn wir weiter bei fertigen Antworten, statt neuen Fragen stehen bleiben. Auch hierzu braucht es also mehr Lernfreude.

    Wie lässt sich mehr Lernfreude realisieren?

    Um meinen Beitrag zu mehr Lernfreude zu leisten, möchte ich auf drei Ebenen ansetzen:

    1. Individuelle Ebene

    Ich nehme mir vor, mich selbst immer wieder daran zu erinnern und mir Räume zu schaffen, selbst eine neugierige und lernfreudige Person zu sein bzw. noch besser zu werden. Im letzten Jahr habe ich es im Kontext von KI gemerkt, wie sehr eine gestaltende Perspektive entsteht, wenn ich mit Neugierde und dann mit ganz viel Ausprobieren an solche Themen herangehe. Solch ein Vorleben ist dann nicht nur für mich individuell sehr bereichernd, sondern (hoffentlich) auch ein gutes Vorbild für andere.

    2. Gestaltung von Lernangeboten

    Mein Schwerpunkt wird sicherlich die Umsetzung von mehr Lernfreude im Rahmen meiner eigenen Lernangebote sein. Ich habe es dabei sehr häufig mit Multiplikator*innen zu tun. Wenn diese Menschen erleben, wie Lernfreude funktioniert und was sie bewirken kann, werden sie überzeugt und befähigt, das auch in ihren eigenen Lernangeboten umzusetzen. Meine Leitfrage kann somit immer sein: Wie kann ich dazu beitragen, dass Lernende in von mir gestalteten Lernangeboten positive Lernerfahrungen machen, d.h. befähigt und motiviert werden, anschließend weiterzulernen und eine immer lernfreudigere Haltung zu entwickeln?

    3. Gesamtgesellschaftliche Impulse

    Ich gestalte nicht nur Bildung, sondern teile auch meine Gedanken und Impulse über Bildung und setze mich so für Veränderungen ein. Zum Teil mache ich das hier in meinem Blog, zum Teil nutze ich Social Media, zum Teil spreche ich bei Veranstaltungen oder auf Podiumsdiskussionen und zum (sicherlich wichtigsten) Teil verbünde ich mich mit anderen, um gemeinsam für gute Bildung aktiv zu sein. Meine Ausgangsbasis sind hier vor allem die Communities, die sich rund um OER, die OERcamps und die edunautika gebildet haben. Außerdem bin ich Mitglied im Bündnis Freie Bildung. Im Rahmen dieser Aktivitäten immer wieder zu mehr Lernfreude aufzurufen, die Hintergründe zu erläutern und Vorschläge zu formulieren, was es auf einer strukturellen Ebene dazu braucht, scheint mir ein wichtiges Unterfangen zu sein.

    Fazit

    Das war eine kurze Erläuterung und Begründung für mein Jahresmotto 2025. Ich bin gespannt, was sich daraus in den nächsten Monaten ergibt.

    Vielleicht hast du beim Lesen Lust bekommen, einen pädagogischen Tag an deiner Schule oder eine Fortbildung in einer Bildungseinrichtung zu diesem Thema zu gestalten. Das fände ich sehr spannend! Vielleicht wählst du für 2025 auch ein ganz anderes Jahresmotto. Ich bin neugierig, davon zu erfahren!

    Beitragsbild: Wie kritzelt man Lernfreude? Ich habe es mit einer Spirale versucht, bei der man über das Staunen über die Welt (Wow!), zum neugierigen Fragen (Häh?) bis hin zum Erkunden und Gestalten (Yeah!) kommt. Und immer so weiter …

    #neueLernkultur #Reflexion

    Bündnis Freie Bildung – Netzwerk für freie Bildung und Software

    KI und Lernen: Fünf Mal tiefer gebohrt!

    Ich bezeichne mich selbst nicht als Expertin für KI. Stattdessen sehe ich mich als lernende Person. Was auf den ersten Blick wie ein Understatement wirken könnte, ist für mich das genaue Gegenteil: Ich halte „lernende Person“ (nicht nur) im Kontext von KI für die mit Abstand klügste und sinnvollste Rolle, die man in der pädagogischen Diskussion einnehmen kann. Denn gute pädagogische Praxis zeichnet sich für mich nicht vorrangig durch die Vermittlung fertiger Antworten aus, sondern durch die Ermächtigung zur Formulierung guter Fragen und die Begleitung bei der Entwicklung von Antworten. Wenn man als lernende Person immer wieder neue Erkenntnisse zum eigenen Lernen teilt, lebt und unterstützt man genau solch eine gute pädagogische Praxis.

    Manchmal bedeutet solch eine gute pädagogische Praxis das Eingeständnis: „Ich habe mich geirrt und muss mich nun korrigieren.“ Zu meinem aktuellen Lernen, das ich in diesem Blogbeitrag teilen will, passt ein anderes Bild aus meiner Sicht jedoch besser: Ich war in den letzten Monaten nicht auf einem Irrweg und muss nun umkehren, sondern ich habe inzwischen tiefer gebohrt und bin zu neuen Erkenntnissen gekommen. Die Erkenntnisse, die ich davor hatte, haben diese neuen Erkenntnisse lange verdeckt. Irgendwann gab es jedoch immer mehr Risse in der damaligen Erkenntnis-Oberfläche. Ich sah neues Licht durchschimmern und machte mich ans Lernen. Irgendwann hatte ich dann eine neue Schicht freigelegt …

    In diesem Blogbeitrag möchte ich über fünf solcher Erkenntnisse berichten:

    Tiefer bohren #1:
    KI-Technologie hilft bei der Angst vor dem leeren Blatt und beim Umgang mit Informationsfülle.
    → Wir sollten uns von KI-Technologie zum aktiven Denken herausfordern lassen!

    In vielen KI-Impulsen der letzten Monate habe ich von meinem „Lieblings-Prompt“ berichtet: „Schreibe mir eine Liste mit 10 Ideen zu …“. Ich hielt diesen Prompt für relativ schlau, weil es natürlich schon einen guten Schritt weiter ist im Vergleich zu einem Prompt im Sinne von: „Schreibe mir ein Konzept zu …“. Schließlich mache ich bei der Listen-Variante kein direktes Copy & Paste, sondern nehme die generierten Ideen nur als Grundlage, um selbst zu denken.

    Inzwischen habe ich allerdings gemerkt, dass mir der Prompt trotzdem zu abkürzend ist. Immer häufiger hatte ich den Eindruck, dass ich offenes Brainstormen und Ideenüberlegen mit der Zeit verlerne, wenn ich das immer an ein KI-Sprachmodell auslagere. Ich habe deshalb begonnen, zunächst immer erst einmal selbst zu denken und zum Beispiel spazieren zu gehen. Erst nachdem ich mir dann eigene Gedanken gemacht habe, bin ich mit dem genannten Prompt in Interaktion mit einem KI-Sprachmodell gegangen.

    Inzwischen bin ich zum Schluss gekommen, dass dieser Prozess noch besser geht: Das Spazierengehen ist schon einmal ein guter Anfang, um in einen aktiven Prozess des Denkens und Lernens zu kommen. Das sollte ich dann aber auch in der Interaktion mit einem KI-Sprachmodell fortsetzen. Anstatt mich zurückzulehnen, mich von den generierten Ideen berieseln (und oft vielleicht auch unbewusst einengen) zu lassen und meine eigene Rolle primär auf die Auswahl zu beschränken, versuche ich deshalb nun stattdessen, in eine direktere Interaktion zu gehen. Konkret lässt sich das zum Beispiel mit einem Prompt in dieser Form abbilden:

    „Wir spielen ein Spiel. Unser Thema ist … Wir schreiben immer abwechselnd eine Idee dazu. Ich starte mit einer Idee von mir. Dann bist du an der Reihe. Dann wieder ich. Du kommentierst meine Ideen nicht. Das geht immer so weiter, bis ich ‚Zusammenfassung‘ schreibe. Dann endet das Spiel, und du fragst mich, welche Idee ich besonders vielversprechend finde und teilst dann deine Auswahl.“

    Dieser Prompt lässt sich natürlich beliebig variieren, zum Beispiel indem man festlegt, dass die Ideen des KI-Sprachmodells möglichst verwandt zu den eigenen Ideen sein sollen oder – gerade in die andere Richtung gehend – einen ganz anderen Bereich aufspannen sollen. Egal, wie man es konkret ausgestaltet, bleibt es immer dabei, dass man sich in einem aktiven Brainstorming-Prozess begibt. Man verhindert damit, durch Technologie-Nutzung zu verdummen, hat mehr Freude durch Selbstgestaltung und kommt dazu noch auf bessere Ideen!

    Ganz ähnlich ist es im Kontext des Umgangs mit Informationsfülle. Hier habe ich vielfach empfohlen, sich Texte oder andere Inhalte erst einmal zusammenfassen zu lassen, um dann besser entscheiden zu können, mit was man sich vertiefter befassen will. Inzwischen finde ich auch hier – ähnlich wie beim Brainstorming –, dass das oft hilfreich sein kann, aber es oft noch hilfreicher ist, diesen Prozess der Zusammenfassung bereits zu einem aktiven Lernprozess zu machen, der sich in Interaktion mit einem KI-Sprachmodell gestalten lässt. Das könnte in solch eine Richtung gehen, wie ich früher Texte mit den Voyant-Tools „durchleuchtet“ habe. Das war dann auch ein anderer und ebenfalls zusammenfassender Zugang, aber in jedem Fall ein „denkender“ und aktiver. Ich bin hier gerade noch am Nachdenken und Experimentieren, wie Ähnliches vielleicht auch mit KI-Sprachmodellen gelingen kann.

    Tiefer bohren #2:
    KI-Technologie lässt sich intuitiv nutzen
    → KI-Technologie fordert zu kontra-intuitiver Nutzung heraus

    Weder eine ausschließlich theoretische Beschäftigung noch – erst recht nicht – ein Ignorieren der Technologie halte ich für zielführend. Stattdessen habe ich in Fortbildungen sehr oft dafür plädiert, dass Erkunden, Experimentieren und Ausprobieren von KI-Technologien ganz entscheidend sind. Als „Hilfestellung“ habe ich dazu unter anderem vorgeschlagen, dass man sich von KI-Sprachmodellen selbst helfen lassen kann. Einer meiner Lieblingsvorschläge an Kolleginnen und Kollegen in meinen Fortbildungen dazu war: Schreibe auf, was deine Rolle bzw. deine Herausforderung ist – und frage ein KI-Sprachmodell nach möglicherweise nützlichen Prompts für dich.

    Dieser Vorschlag resultierte dann in Prompts wie: „Du bist ein erfahrener KI-Experte, der gute Prompts formulieren kann. Ich bin Lehrerin an einer Sekundarschule und unterrichte Englisch und Geschichte. Mir sind kollaborative Lernprozesse wichtig. Außerdem möchte ich digitale Medien als selbstverständlichen Bestandteil in Lernprozesse integrieren. Schreibe mir eine Liste mit 10 Prompts, die ich in Interaktion mit KI-Sprachmodellen nutzen kann, die für die Vorbereitung und Durchführung meines Unterrichts hilfreich sein können.“

    Mit solch einem Prompt kommen häufig durchaus einige hilfreiche Folge-Prompts heraus, die Kolleginnen und Kollegen dann als Ausgangspunkt für ihre eigenen Erkundungen nutzen konnten. Die Erkenntnis meiner Tiefenbohrung ist nun allerdings: Diese Folge-Prompts sind fast durchgängig in der Logik der KI-Vermarktung einer Automatisierung und Vereinfachung geschrieben. Sie führen deshalb gerade nicht dazu, dass bestehende Unterrichtssettings hinterfragt werden. Die Voraussetzung dazu wären aktive Lernprozesse auch und gerade bei den lehrenden Personen. Intuitive KI-Nutzung macht hingegen oft das Gegenteil. (Um nicht missverstanden zu werden: Automatisierung und Vereinfachung kann oft sehr, sehr sinnvoll sein. Mein Blick ist hier aber die Perspektive von Lernen. In diesem Bereich trifft das nicht zu!)

    Wenn man ChatGPT als das aktuell vorherrschende KI-Sprachmodell öffnet, wird man begrüßt mit: „Wie kann ich dir helfen?“ Ironischerweise ist genau dieses Angebot von den Technologie-Anbietern für lehrende und lernende Personen alles andere als hilfreich, weil es Lernen tendenziell verhindert. Plakativ ausgedrückt müsste besser darüber stehen: „Wie kann ich dazu beitragen, dich zu verwirren und Chaos zu stiften, sodass du zu Reflexion, Lernen und Nachdenken angeregt wirst?“

    Leider steht genau das nicht über dem Prompt-Eingabefeld – und es würde sich sicherlich auch deutlich schlechter verkaufen. Deshalb müssen wir es pädagogisch selbst machen und uns immer wieder fragen: Wie gehe ich in Interaktion mit einem KI-Sprachmodell, damit ich lerne und nicht vereinfache? Für solch eine Herausforderung einer „kontra-intuitiven“ KI-Nutzung habe ich schon vor einiger Zeit den Begriff des KI-Eduhacking vorgeschlagen. Das finde ich immer noch eine sinnvolle Perspektive, aber würde an ganz vielen Stellen bei meinen damaligen Thesen noch viel tiefer bohren. Zum anderen finde ich inzwischen zusätzlich eine bewusste und gezielte pädagogische Gestaltung der KI-Technologie wichtig, die als Lern-Technologie in einer zunehmend komplexen Welt gestaltet ist – und nicht als „Vereinfachungs- und Automatisierungs-Technologie“.

    Tiefer bohren #3:
    KI-Technologie macht menschliche Werte wichtiger
    → KI-Technologie fordert zur Entwicklung menschlicher Möglichkeiten heraus

    Eine wichtige Erkenntnis für mich im letzten Jahr war das Unterscheidungsmerkmal, dass Menschen – im Gegensatz zu Maschinen – über „körperliche Intelligenz“ verfügen. In meinen Workshops habe ich das vielfach an der Fähigkeit zu Resonanz gezeigt: Wir haben uns alle durch den Raum bewegt, und die Aufgabe war es – ohne ein zentrales Zeichen – irgendwann stehen zu bleiben. Wenn dann alle stehen, sollte applaudiert werden. Das klappt auch in großen Gruppen jedes Mal wieder großartig. Denn Menschen verfügen eben über die erwähnte körperliche Intelligenz und können auf diese Weise aufeinander Bezug nehmen und sich gegenseitig „erfühlen“.

    Ich finde sowohl dieses Experiment als auch die damit verbundene Aussage – originär menschliche Werte werden im Kontext von KI wichtiger – weiterhin sinnvoll und wichtig. Inzwischen gehe ich aber noch einen Schritt weiter. Ich habe begonnen, mich mit der Intuition als einem wesentlichen menschlichen Alleinstellungsmerkmal zu beschäftigen. Und mein bis jetzt wichtigstes Learning dazu ist, dass diese Intuition nicht statisch und gegeben, sondern sehr dynamisch, entwickelbar und damit eine entscheidende pädagogische Herausforderung ist. Vielleicht stimmt sogar die These, dass KI-Interaktion umso zielführender ist, je entwickelter die eigene Intuition ist. Die spannende Frage ist deshalb nicht so sehr: „Müssen wir uns im Kontext von KI mehr auf originär menschliche Werte besinnen?“, sondern viel konkreter: „Wie entwickeln wir in Lernprozessen Intuition und finden einen besseren Zugang zu ihr?“

    Intuition lässt sich dabei als individueller Zugang zu einem nicht-bewussten assoziativen Netzwerk fasse. Sie entwickelt sich durch die Erfahrung von und die Auseinandersetzung mit der Welt. Die pädagogische Herausforderung ist deshalb, allen Lernenden eine möglichst vielfältige Welterfahrung und -Auseinandersetzung zu ermöglichen. Reinhard Kahl hat dazu schon lange vor der KI-Zeit ein Zitat geprägt, das hier wunderbar passt: „Zukunft entsteht in radikaler Gegenwart.“

    Mit dieser Perspektive kommen wir vielleicht auch endlich ein bisschen weiter bei der Frage: „Was müssen wir heutzutage noch lernen und lehren?“ Es geht dann zum einen weiterhin um Kompetenzen, aber eben auch um ganz reale Erfahrungen. Im Fokus darf aber eben nicht die Vermittlung dieser Erfahrungen stehen (das klingt ja auch schon nach Widerspruch in sich!), sondern die auf den Erfahrungen aufbauende Konstruktion der eigenen Welt – und damit auch der Intuition.

    Tiefer bohren #4:
    Verständnis zu KI-Technologie ermöglicht sinnvolle Nutzung
    → Verständnis von KI-Technologie ermöglicht die Entwicklung veränderter Praxis

    In meinen KI-Impulsen habe ich vielfach die These vertreten, dass eine sinnvolle Nutzung von KI-Technologie durch ein Verständnis der KI-Technologie erreicht wird. Das würde ich zu großen Teilen auch weiterhin unterschreiben. Wer nicht verstanden hat, dass KI-Sprachmodelle im Kern eine Wahrscheinlichkeitsberechnung auf Basis einer riesigen Datenbasis sind, wird beispielsweise sehr irritiert sein, wenn auf einen identischen Prompt hin unterschiedliche Antworten generiert werden. Oder wenn in Antworten sachlich falsche Informationen bzw. sogenannte Halluzinationen auftauchen. Wer die Technologie dahinter einordnen kann, ist darüber allerdings nicht überrascht. Soweit ist die frühere Aussage also sicherlich korrekt. Allerdings sehe ich heute – nach genauerem Nachdenken – den Automatismus kritisch, der in meiner Aussage mitschwang: „Wenn man die Technologie versteht, nutzt man sie auch sinnvoll.“

    Inzwischen denke ich, dass ein Verständnis der Technologie eine notwendige, aber ganz bestimmt noch keine hinreichende Bedingung für eine sinnvolle Nutzung ist. Das liegt vor allem daran, dass eine Interaktion mit Maschinen in der Form, wie es mit KI-Sprachmodellen seit einiger Zeit in der breiten Öffentlichkeit und damit auch in der Pädagogik möglich ist, eine neue Form von Interaktion darstellt. Es gibt hierzu noch kein fertig entwickeltes Handwerkszeug, das wir einfach aus der Schublade ziehen könnten. Natürlich gibt es viele Vorarbeiten und vor allem Grundsätze, auf die wir aufbauen und an denen wir uns orientieren können. Die konkrete methodische und didaktische Ausgestaltung benötigt aber aus meiner Sicht noch viele Gestaltungsexperimente und neues Denken.

    Was sich ansonsten entwickelt, sieht man typischerweise bei adaptiven KI-Lehrsystemen. Hier bauen wir im Wesentlichen und in den meisten Fällen eine Lehr-Lernsituation nach, wie wir es „schon immer“ gemacht haben. Die Innovation beschränkt sich darauf, dass der Prozess individualisierter, effizienter, schneller, direkter und damit auch kostengünstiger gestaltet werden kann. Ohne Zweifel ist das beim Erlernen von Basiskompetenzen eine großartige Sache. Wir sollten aber über die Freude darüber nicht vergessen, dass wir eigentlich viel mehr pädagogische Innovation brauchen. Unsere Herausforderung ist die Ermächtigung von Lernenden (und uns selbst) zu gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit in einer zunehmend komplexen Welt. Dazu braucht es weit mehr als Wissensvermittlung, Lehre und Unterricht, sondern eine pädagogische Lerngestaltung, die Lernende tatsächlich zu aktiven Konstrukteur*innen ihres eigenen Lernens macht.

    Tiefer bohren #5:
    KI-Technologie ist ein Sparring-Partner im ko-kreativen Prozess → KI-Technologie ist eine programmierbare Maschine

    Ich habe in meinen KI-Impulsen ganz viele Bilder (sowohl selbst gekritzelte als auch KI-generierte) gezeigt, auf denen ein Mensch und ein Roboter zusammen Pingpong spielen. Erklärt habe ich das Bild damit, dass KI-Technologie eine Art Sparring-Partner in einem ko-kreativen Prozess sein kann. Mensch und Maschine gestalten in diesem Bild gemeinsam. Das Bild ist natürlich insofern treffend, dass der Prozess tatsächlich so abläuft, dass ich etwas eingebe, darauf erfolgt eine Reaktion der Maschine, und daraufhin gebe ich wieder etwas ein. Mit neueren Chat-Varianten wie zum Beispiel der Canvas-Ansicht bei ChatGPT kann dieses Pingpong sogar noch enger ineinandergreifen.

    Inzwischen finde ich das Bild dennoch nicht mehr sinnvoll. Gratian hat in einem Beitrag auf die politische Dimension des Begriffs der Ko-Kreation hingewiesen, den er durch eine Übertragung auf eine Maschine als entwertet empfindet. Mich stört das Bild vor allem aus einer Perspektive des Lernens: Pingpong spielen suggeriert Gleichberechtigung: Wir spielen uns die Bälle hin und her! Das kann vielfach die Realität sein. Meine pädagogische Orientierung ist aber, dass ich gerne zu klügeren Menschen kommen will. In Interaktion mit Maschinen können Menschen deutlich klüger sein, wenn sie nicht gleichberechtigt mit einer Maschine Pingpong spielen, sondern wenn sie diese als programmierbare Maschine verstehen, die sie in ihrem Sinne nutzen und gestalten können.

    Solch eine Perspektive nimmt sehr viel weg vom Science-Fiction-Zauber, der den Begriff KI weiterhin umgibt. Genau deshalb ist sie so wichtig, denn damit öffnet sie einen gestaltenden, rationalen und damit lernförderlichen Blick auf KI. Ich komme dann viel mehr dazu, mir über kluge Prompts im Sinne von „Eingabebefehlen“ Gedanken zu machen. Und ich erkenne auch, wie viel hilfreicher es wäre, wenn ich mehr über das „Innenleben“ der Technologie bestimmen könnte. Das bedeutet dann zum Beispiel, über eine lokale Installation eines KI-Sprachmodells die darin festgelegten Parameter – wie die sogenannte Temperatur – selbst einstellen zu können, je nachdem, an welcher Herausforderung ich gerade arbeite.

    Mein Fazit

    Das war ein Rundumschlag zu meinen vertieften Erkenntnissen aus meiner KI-Beschäftigung in den letzten Wochen. Mich freut daran besonders: Ich weiß schon jetzt, dass das sicherlich nicht das Ende meines Lernens sein wird, sondern dass ich auch bei diesen Erkenntnissen in den nächsten Wochen hoffentlich noch ganz viel weiter lernen und tiefer bohren kann. Ich werde darüber berichten!

    Beitragsbild: Tiefer bohren bei KI in der Bildung!

    #KünstlicheIntelligenzKI_ #NeueLernkultur

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    Ein Bericht von der Zukunftsmanufaktur im Bildungshaus Riesenklein in Halle (Saale) im Oktober 2024

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    Methoden-Update: Aktives Lernen gestalten mit Kollaboration und Kreativität

    In diesem Blogbeitrag dokumentiere ich meinen heutigen Workshop, der im Rahmen der Digitagung der Initiative Technik Zukunft in Bayern stattfand. Die Tagung stand dieses Jahr unter dem Motto „Teaching Twin Transition: Digitalität und Nachhaltigkeit“. Für den Workshop habe ich mit einigen neuen Ansätzen experimentiert und mich dabei vor allem von den interaktiven Trainingsmethoden von Sivasailam Thiagarajan (Thiagi) inspirieren lassen.

    Ziel und Rahmen des Workshops

    Der zweistündige Workshop richtete sich an Lehrkräfte von weiterführenden Schulen in Bayern. Sie sollten ein „Methoden-Update“ erhalten. Es ging also um methodische Inspirationen für selbstbestimmtes, kreatives und kollaboratives Lernen.

    Da man Methoden nicht gut theoretisch vermitteln kann, sondern sie am besten praktisch ausprobiert, haben wir genau das gemacht. Die Lehrkräfte waren in der Rolle von Lernenden, die sich das Thema „methodische Gestaltung von Lernen in einer veränderten Lernkultur“ mit den von mir vorbereiteten Methoden erarbeiteten. So konnte selbstbestimmtes, kollaboratives und kreatives Lernen zugleich praktisch erlebt werden.

    Alle Methoden können auch einzeln genutzt und inhaltlich vielfältig angepasst werden. Für einen Gesamtüberblick ist hier meine (sehr, sehr einfache) Präsentation, die hauptsächlich den Zweck erfüllte, dass die Teilnehmenden die Anleitungen bei Bedarf immer noch einmal nachlesen konnten.

    Präsentation zum WorkshopHerunterladen

    Energizer zum Einstieg: Schnick-Schnack-Schnuck mit Fan-Parade

    Ich wollte mit einem sehr aktivierenden Energizer starten und entschied mich für Schnick-Schnack-Schnuck mit Fan-Parade.

    Hier ist eine Anleitung:

    • Die Teilnehmenden spielen zunächst in Zweierteams gegeneinander Schnick-Schnack-Schnuck. Es gelten die einfachsten Regeln: Es gibt nur Schere, Stein und Papier.
    • Die Person, die gewinnt, sucht sich eine neue gegnerische Person aus dem Kreis der Teilnehmenden. Die unterlegene Person verwandelt sich in ihren größten Fan und läuft ihr ab dann laut jubelnd und anfeuernd hinterher.
    • Das Spiel endet, wenn nur noch zwei Personen übrig sind, die gegeneinander in einem letzten Match antreten – und dabei von ihren zuvor „eingesammelten“ Fans bejubelt werden.

    Ich mag das Spiel, weil es super einfach ist, sehr schnell gute Laune verbreitet, alle munter macht und die Stimmung für den folgenden Workshop setzt: Wir können uns gegenseitig über Erfolge freuen!

    Kaltstart: Domino-Orientierung

    Nach solch einem Energizer würde normalerweise ein mindestens kurzes, frontales Intro folgen, in dem ich die Ziele des Workshops und auch mich selbst vorstelle. Außerdem gibt es meistens organisatorische Fragen zu klären: Machen wir eine Pause? Muss ich mitschreiben? Was benötige ich während des Workshops? …

    Um den Workshop dieses Mal direkt „von mir weg“ zu gestalten und die Verantwortung in die Hände der Lernenden zu legen, habe ich all diese Infos stattdessen in ein „Domino“ gepackt. Auf DIN-A4-Zetteln stand jeweils in der unteren Hälfte eine Frage, die dann in der oberen Hälfte des nächsten Zettels beantwortet wurde. Die einzelnen Zettel lagen kunterbunt durcheinander gemischt auf den Tischinseln im Raum. Die Aufgabe lautete: Setzt das Domino kollaborativ zusammen!

    Mein Domino (hier noch sortiert) als BeispielHerunterladen

    Diese Übung hat sehr gut funktioniert. Alle lasen ihre Fragen und suchten bei anderen nach den passenden Antworten bzw. überlegten, wo sie mit ihrem Zettel andocken konnten. Schließlich war das Domino fertig gelegt, die Gruppe hatte ihr erstes Erfolgserlebnis und alle wussten über den Workshop Bescheid.

    Von den Teilnehmenden zusammengesetztes ‚Domino‘

    Auf der Meta-Ebene haben wir kurz reflektiert, wozu wir diese Methode transferieren könnten. Neben einer Nutzung zum Einstieg wie bei uns, erschien uns das auch zum Abschluss von Lerneinheiten und zur Rekapitulation des Gelernten hilfreich. Und natürlich könnte solch ein Domino auch von den Lernenden selbst erstellt werden.

    Vorstellung und Kennenlernen: Daten-Visualisierung und Austausch

    Für die nächste Methode hatte ich Stifte und Papier auf den Tischen verteilt. Die Aufgabe lautete, eine „Vorstellung“ zu zeichnen und dabei vorgegebene Merkmale für die Form, die Farbe und die Größe zu nutzen:

    • Farbe: Was ist für dich die wichtigste Kompetenz im Kontext von Nachhaltigkeit und Digitalisierung
      • Grün: Selbstlernkompetenz
      • Rot: Fähigkeit zur Kollaboration
      • Gelb: Kreativität
    • Form: Mit welcher „Brille“ kommst du vorrangig zum Workshop?
      • Quadrat: Digitalisierung
      • Kreis: Nachhaltigkeit
      • Dreieck: Sowohl als auch
    • Größe: Wie sehr bist du im Workshop präsent?
      • klein: Ich habe sehr viel anderes im Kopf / bin tendenziell abgelenkt.
      • groß: Ich bin voll und ganz dabei!
    Visualisierung einer Teilnehmerin, die Selbstlernkompetenz als Kompetenz am wichtigsten findet, sowohl einen Nachhaltigkeits- als auch einen Digitalisierungshintergrund hat und sich ganz auf den Workshop konzentrieren kann.

    Zum Kennenlernen schrieben die Teilnehmenden noch ihren Namen auf ihr Blatt und bewegten sich damit durch den Raum. Das Ziel war es, mit mindestens drei anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und dabei jeweils die Gründe für Unterschiede in der Darstellung zu erfragen. (Beispiel: Deine Form ist viel kleiner als meine. Warum bist du denn tendenziell abgelenkt? Du hast ein Quadrat gezeichnet und ich einen Kreis: Was machst du denn im Kontext von Digitalisierung? …). Als Bonus-Aufgabe durfte man sich mit den Personen abklatschen, die (fast) das gleiche Muster gezeichnet hatten wie man selbst.

    Auf diese Daten-Visualisierungs-Idee zum Einstieg kam ich übrigens über einen LinkedIn-Beitrag von Jördis – und habe mich gefreut, so etwas direkt mal ausprobieren zu können.

    Auch hier haben wir viele Transfer-Möglichkeiten der Methode überlegt – insbesondere nicht nur als Einstieg zum Kennenlernen, sondern auch zur Darstellung von Vielfalt in einer Lerngruppe oder einer Veranstaltungs-Evaluation. Man kann mit der Methode beliebig spielen – und hat immer mindestens die Ebenen Farbe, Form und Größe zur Auswahl, die man beliebig gestalten kann.

    Inhaltliche Auseinandersetzung: Konzepterschließung

    Die nächste Methode stellte eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den drei Konzepten des Workshops dar: Kollaboration, Kreativität und Selbstermächtigung der Lernenden. Hier habe ich mich besonders gefreut, dass es sehr gut geklappt hat, auf klassischen Input zu verzichten. Stattdessen erhielt jede Kleingruppe mehrere Konzepterschließungsaufgaben zu je einem Konzept:

    • einen kurzen Text, der in eigenen Worten zusammengefasst werden sollte.
    • die Herausforderung, das Konzept ausgehend von einer Ausgangsthese mit 6-Warum-Fragen zu hinterfragen. Beispiel: Kreativität ist eine Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert. -> Warum ist Kreativität eine Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert? Weil es neue Antworten auf große Herausforderungen braucht? -> Warum braucht es neue Antworten? …
    • die Aufgabe, Synonyme und Antonyme zum jeweiligen Begriff zu finden.
    • die Aufgabe, das Konzept kleinschrittiger zu zerlegen, indem man eine Mindmap drumherum gestaltet.
    • die Einladung zu einem Kopfstand: Was wäre das dümmstmögliche, was man machen könnte, um die Entwicklung des Konzepts garantiert zu verhindern?
    • die Frage nach einem Praxisbeispiel aus der Schule für das jeweilige Konzept.

    Hier ist das Beispiel für Kreativität:

    Aufgaben zur Erschließung des Konzepts KreativitätHerunterladen

    Insbesondere durch die Bereitstellung des Textes war es den Kleingruppen möglich, diese Konzepterschließungsaufgaben zu bearbeiten, auch wenn vielleicht noch keine oder nur wenig Vorkenntnisse zum Thema vorhanden waren. Die Aufgaben zielen ansonsten vor allem auf das Anknüpfen an Vorerfahrungen und Wissen.

    Die erarbeiteten Inhalte wurden dann in Form eines Gruppenpuzzles mit den anderen Gruppen geteilt.

    Für den Transfer eignen sich solche Konzepterschließungsaufgaben sicherlich auch sehr gut im Rahmen des Flipped-Classroom-Modells. Lernende haben sich dann zuvor schon Inhalte erarbeitet und können darauf gemeinsam aufbauen.

    Ideenentwicklung 1: Wettstreit im Umschlag

    Nachdem wir uns die drei Konzepte genauer erschlossen hatten, standen wir als nächstes vor der Frage der Umsetzung: Wie gestalten wir Lernen mit Kollaboration? Wie gestalten wir Lernen mit Kreativität? Und wie ermächtigen wir Lernende zur Übernahme der Verantwortung für ihre Lernprozesse?

    Wir gestalteten diese Ideenentwicklung mit einem klassischen Brainstorming – und einem spielerischen Wettstreit:

    • Jede Kleingruppe erhielt einen leeren Briefumschlag mit einer der drei Fragen. Die Aufgabe war es, so viele und so gute Ideen wie möglich in vier Minuten zu entwickeln, auf Karten zu notieren und in den Umschlag zu stecken. Auf den Rückseiten der Karten wurde ein „Gruppensymbol“ aufgezeichnet (Kreis, Dreieck, Viereck …).
    • Nach Ablauf der Zeit wurden die Umschläge im Uhrzeigersinn weitergegeben und Ideen zur nächsten Frage entwickelt.
    • Nachdem Ideen für alle drei Fragen entwickelt waren, wurden die Umschläge noch einmal weitergegeben – und die Gruppen durften nun je einen Umschlag (mit ziemlich vielen Ideen darin!) öffnen. Ihre Aufgabe war es, die fünf besten Ideen zu kuratieren und diese dann im Plenum vorzustellen.
    Ein paar der gesammelten Ideen in einem Umschlag

    Für das spielerische Element wurden die kuratierten Karten danach umgedreht und mithilfe der dort zu findenden Gruppensymbole zusammengezählt, welche Gruppe insgesamt die meisten der schließlich ausgewählten Ideen beigesteuert hatte. Sie erhielt großen Applaus!

    Umgedrehte, kuratierte Karten mit den Gruppensymbolen

    Ich mag diese Art der Ideensammlung und -kuratierung sehr. Kritisch wurde angemerkt, dass es für manche Teilnehmenden schwierig sein könnte, dass ihre Idee nicht in der Auswahl berücksichtigt wird. Hier kann zum einen helfen, später auch nicht-ausgewählte Ideen zu dokumentieren. Zum anderen sollte deutlich gemacht werden, dass gerade aus einem Überfluss an Ideen neue und gute Ideen entstehen können. Der gesamte Prozess ist also wichtig – und zu diesem haben alle einen Beitrag geleistet.

    Ideenentwicklung 2: 35er-Countdown

    Da ich die Auswahl und Bewertung von entwickelten Inhalten in den Händen der Lernenden als sehr zentral für eine veränderte Lernkultur erachte, wollte ich noch eine zweite Methode in diese Richtung ausprobieren lassen. Dazu wurden dieses Mal individuell Ideen entwickelt (= eine Idee, die Lernen freudvoller macht, mit einem Gegenstände-Brainstorming). Die Ideen wurden auf Karten geschrieben, deren Rückseite ich vorher vorbereitet hatte.

    Schnelle Beschriftung der Karten-Rückseiten (auf der Hinfahrt im Zug)

    Die Teilnehmenden bewegten sich nun durch den Raum. Wenn sie eine andere Person trafen, stellten sie sich gegenseitig ihre Ideen vor – und durften dann 7 Punkte auf die Ideen verteilen (z.B. eine Idee bekommt 4 Punkte, die andere 3 Punkte. Oder eine Idee bekommt 7 Punkte, die andere 0 Punkte …). Die Zahl wurde auf die Rückseite eingetragen. Dann wurden Karten getauscht und das nächste Gespräch gesucht. Insgesamt gab es 5 Runden. Eine Karte konnte also maximal 35 Punkte erhalten.

    Bewertete und berechnete Karten

    Wenn alle Karten fertig bewertet waren, nahmen alle Platz und ich zählte von 35 herunter. Wessen Karte eine von mir genannte Zahl hatte, stand auf. Ich zählte herunter, bis 5 Personen standen (= die bestbewerteten Ideen). Diese wurden laut im Plenum vorgelesen.

    Diese Methode erinnert mich sehr stark an das Crowd-Sourcing der Liberating Structures. Durch die „Verhandlung“ über die Punkte finde ich sie noch gewinnbringender. In ähnlicher Weise habe ich die Methode auch papierfrei mit dem Tool Brainstormrank umgesetzt (vielleicht gestalte ich hier noch eine Variante mit der Punkte-Aufteilung statt nur „besser“ oder „schlechter“).

    Argumentationstraining: Pro und Kontra Kugellager

    Von der Ideenentwicklung sind wir als nächstes noch zu einer Argumentations-Trainings-Methode gekommen. Der Hintergrund war hier, dass Ideen allein ja nicht viel helfen, wenn man nicht auch Menschen überzeugen kann, diese umzusetzen. Um genau das zu unterstützen, haben sich die Teilnehmenden auf zwei Seiten einer Schnur aufgestellt: die Menschen auf der einen Seite schlüpften in die Rolle von „Blockierern“. Sie sind der Ansicht, dass Lernen so bleiben kann und sollte, wie es schon immer war. Die Menschen auf der anderen Seite waren Veränderungsagenten. Sie finden es wichtig, dass Lernkultur grundlegend verändert wird.

    Die Methode funktionierte dann wie folgt:

    • Die jeweiligen Gruppen beratschlagten für sich, was gute Argumente für/gegen Veränderung sein könnten.
    • Sie trafen sich zu einem Paar-Streitgespräch mit einer Person aus der anderen Gruppe.
    • Danach kamen die Gruppen wieder zusammen und schärften ihre Argumente.
    • Es gab ein weiteres Paar-Streitgespräch.
    • Zum Abschluss reflektierten wir gemeinsam, was vor dem Hintergrund der erlebten Rollenspiele gute und überzeugende Argumente für Veränderung sein könnten.

    Ich mag diese Methode sehr gerne – vor allem dann, wenn Menschen mit dabei sind, die ganz bewusst ihre Rolle übertreibend spielen – und so Raum für Reflexion und Lernen schaffen.

    Rekapitulation: „Das ist noch gar nichts!“

    Zum Abschluss eines Workshops finde ich es wichtig, dass Raum da ist, das Gelernte zu rekapitulieren. Zweitens ist es gut, wenn konkret etwas aus Workshops entsteht. Dazu ist es hilfreich, sich eine konkrete Sache zu überlegen, die man am besten direkt in den nächsten Tagen angehen will. Unterstützt werden können diese Ziele mit der Rollenspiel-Methode „Das ist noch gar nichts!“:

    • Stellt euch vor, ihr trefft in drei Monaten zufällig drei Teilnehmende dieses Workshops auf der Straße.
    • Ihr kommt miteinander ins Gespräch darüber, was ihr aus dem Workshop mitgenommen und umgesetzt habt.
    • Versucht dabei bewusst zu übertreiben und euch gegenseitig zu übertrumpfen: „Das ist ja noch gar nichts!“

    Die Diskussion endete nach der vereinbarten Zeit. Bei uns waren es 4 Minuten.

    In einem kurzen „Silent Thinking“ überlegten sich dann alle Teilnehmenden ihren nächsten, konkreten Schritt.

    Feedbackrunde: Stand-Up Blitzlicht

    Damit waren wir dann schon beim Ende des Workshops angekommen. Um das typische Blitzlicht zu verhindern, bei dem viel wiederholt wird, machten wir ein „Stand-Up Blitzlicht“. Dazu standen alle auf. Eine Person begann und teilte eine Überlegung und nahm dann Platz. Wer etwas sehr Ähnliches gesagt hätte, nahm zeitgleich Platz. Wer weiterhin stand, sagte den nächsten Punkt. So ging es weiter, bis alle wieder saßen – und wir den Workshop mit Applaus für alle für ein sehr erfolgreiches, gemeinsames Lernen beenden konnten.

    Fazit

    Ich habe den Workshop als sehr stimmig und gut funktionierend erlebt, weil er sehr konsequent die Verantwortung zum Lernen auf die Lernenden überträgt – und dazu kollaborative und kreative Räume öffnet. Mit den Methoden werde ich sicherlich noch weiter experimentieren. Ich kann sie nach den heutigen Erfahrungen sehr zur Weiternutzung empfehlen.

    Viel Freude und Erfolg beim Lernen und Erkunden!

    #Kollaboration #MethodenLernformate #NeueLernkultur

    DigiTagung 2024 - Technik - Zukunft in Bayern

    Ein Lerntag zum Thema ‚Pädagogische Haltung‘

    Den heutigen Samstag habe ich in Rostock verbracht, genauer gesagt: bei der EuSiB. EuSiB steht für Europäische Stiftung für innovative Bildung. Unter ihrem Dach vereint sie mehrere Bildungseinrichtungen – von der Krippe über die Grundschule, den Zirkus, weiterführende Schulen bis hin zum Pädagogischen Kolleg. Der Anlass meines Besuchs war der heutige EuSiB-Tag, an dem alle Beschäftigten in den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen zusammenkommen und gemeinsam lernen. Er findet alle zwei Jahre statt.

    Ich blogge über meinen Besuch aus drei Gründen:

  • Das Thema des diesjährigen EuSiB-Tages war „Pädagogische Haltung“. Ich habe zu diesem Thema sowohl bei der Vorbereitung als auch heute im Austausch einiges gelernt. Ich bin davon überzeugt, dass es ein sehr zentrales und grundlegendes Thema ist, das in der pädagogischen Diskussion mehr Raum zur Reflexion bräuchte. Dafür möchte ich mit dem folgenden Beitrag gerne ein bisschen werben.
  • Meine Rolle bestand in der konzeptionellen Mitgestaltung des Tages. Ich habe mich mit dem Vorbereitungsteam mehrmals im Vorfeld getroffen, und wir haben überlegt, wie wir den Tag methodisch gestalten und aufbauen können. (Das war vor allem deshalb herausfordernd, weil die Teilnehmenden explizit viel Input gewünscht hatten und wir das natürlich trotzdem mit offenen und selbstgesteuertem Lernen zusammen bringen wollten.) Das Konzept, das wir heute genutzt haben, halte ich für sehr gelungen. Mit meiner Dokumentation will ich ermöglichen, dass andere es weiter nutzen können.
  • Ich kannte die EuSiB vor diesem Projekt noch nicht und nutze den Blogbeitrag auch dazu, um den Kolleg*innen virtuell zuzuwinken und mich für die sehr inspirierende Zusammenarbeit zu bedanken. Für alle, die diesen Text lesen, die EuSiB auch noch nicht kennen und sich gerne mit spannenden Bildungsakteur*innen vernetzen möchten, kann dies vielleicht ebenfalls ein Anstoß dazu sein. Auf der Website eusib.de gibt es ausführliche Informationen zum heutigen EuSiB-Tag und zur EuSiB selbst.
  • Damit aber genug der Vorrede. Los geht es mit meinem Bericht zum heutigen Tag. Ich erzähle dabei einfach chronologisch, was wir gemacht und gelernt haben und wie wir dabei vorgegangen sind.

    1. Ankommen und Einstieg im Plenum

    Damit alle sich gut einfinden und es schon vorab zu ersten Gesprächen und Austausch kommen konnte, gab es eine großzügige Ankommenszeit von einer Stunde mit Kaffee, Obst und Kuchen. Anschließend begrüßte die Leitung des Pädagogischen Kollegs, an dem die Veranstaltung stattfand, und der Vorstand der EuSiB führte in das Thema ein. Danach übernahm die Vorbereitungsgruppe, stellte vor, was die Kolleg*innen am Tag erwartete, und sorgte mit einem ersten „Winkgewusel“ für Orientierung. Dazu wurden Fragen gestellt wie: „Wer ist zum ersten Mal bei einem EuSiB-Tag?“ oder „Wer kommt von Bildungseinrichtung XY?“ oder „Wer gehört zum nicht-pädagogischen Personal?“ … Wenn die Frage zutraf, reagierte man mit Winken. Mit dieser schnellen Sichtbarmachung waren alle gut angekommen, orientiert und voller Vorfreude auf den weiteren Tag.

    2. Parcours der guten Haltungen

    Unsere Einschätzung im Vorfeld war, dass viele Kolleg*innen mit dem Begriff der (pädagogischen) Haltung zunächst wahrscheinlich nicht viel anfangen können bzw. unsicher sind, wie sie sich dazu äußern sollen. Deshalb wollten wir eine sehr niederschwellige Möglichkeit für eine erste Annäherung und vor allem auch einen Austausch untereinander bieten. Das Format, das wir hierfür entwickelt haben, nannten wir „Parcours“. Es ähnelt ein bisschen einem Stuhltanz, zumindest insofern, dass es mehrere Stühle gibt, Musik gespielt wird, sich alle durch den Raum bewegen und wenn die Musik stoppt, man sich zu einem Stuhl begeben muss. Damit sind die Gemeinsamkeiten zum Stuhltanz aber schon erschöpft. Denn erstens sollten sich an jedem Stuhl immer mehrere Leute treffen. Zweitens schied niemand aus, sondern auf dem Stuhl lag ein Zettel mit einer Herausforderung zum Thema Haltung, die man gemeinsam angehen sollte. Die Herausforderungen waren teilweise etwas zum Machen (Beispiel: Haltung auch körperlich zeigen und etwas balancieren oder pantomimisch vorspielen), zum Erzählen (Beispiel: In welchen Momenten in deinem beruflichen Alltag bist du dir unsicher, wie du dich verhalten sollst?) oder zur Reflexion (Beispiel: Wo „wohnt“ deine pädagogische Haltung, wie sieht sie aus?). Die Runden zur Bewältigung der Herausforderungen dauerten immer nur ein paar Minuten. Dann setzte wieder Musik ein, die Kolleg*innen konnten sich wieder bewegen, neu mischen und zur nächsten Herausforderung zusammenfinden.

    Beispiel für eine Stuhl-Station im Parcours

    Nach einer Dreiviertelstunde hatten alle ein erstes Bild zum Thema pädagogische Haltung und waren mit vielen anderen Kolleg*innen ins Gespräch gekommen.

    3. Input und Übung zu den Reckahner Reflexionen

    Nach dem sehr interaktiven Einstieg war eigentlich ein Input von Annedore Prengel im Plenum geplant, die aber wegen Krankheit nicht teilnehmen konnte. Als Alternative wurde ein Video mit ihr geschnitten und gezeigt, in dem sie die sogenannten Reckahner Reflexionen vorstellt.

    Die Reckahner Reflexionen sind zehn Leitlinien, die als Orientierung für gute Beziehungen in pädagogischen Settings dienen können. Sie wurden über mehrere Jahre von einem Kreis engagierter Pädagog*innen aus der Menschenrechtsbildung erarbeitet und von Annedore Prengel initiiert. Mein Eindruck war, dass die Leitlinien zunächst sehr unspektakulär und fast schon selbstverständlich wirken. Wenn man jedoch darüber reflektiert und vor allem miteinander ins Gespräch kommt, merkt man schnell, wie viel darin steckt und wie hilfreich sie zur Orientierung sein können.

    Ich dokumentiere die Reckahner Reflexionen hier als H5P-Inhalt, sodass du sie auch gut weiterverwenden und z. B. anderswo einbetten und verbreiten kannst:

    Im Video-Impuls wies Annedore Prengel darauf hin, dass in empirischen Untersuchungen, die im Kontext der Erarbeitung durchgeführt wurden, herauskam, dass rund 25 Prozent aller pädagogischen Interaktionen (zwischen erwachsenen Lehrenden und jüngeren Lernenden) nicht den Reckahner Reflexionen entsprechen, weil sie entweder lediglich neutral oder sogar negativ für die pädagogischen Beziehungen einzuordnen sind. Besonders besorgniserregend ist, dass diese Interaktionen oft nicht zufällig oder aus der Not heraus passieren (z. B. aus Zeitmangel oder aufgrund gelegentlicher Fehler), sondern dass sie z. B. bei Hospitationen bewusst so vorgeführt werden. Die Lehrpersonen scheinen also davon überzeugt zu sein, dass sie mit der Missachtung der Reckahner Reflexionen gut und richtig handeln.

    Aus Sicht von Annedore Prengel könnten drei Aspekte hier helfen:

  • Das Thema pädagogische Beziehungen und Haltung sollte immer wieder und auch schon in der pädagogischen Ausbildung, thematisiert werden.
  • Es sollte eine gute und konstruktive Feedback-Kultur im Kollegium etabliert werden. Man muss sich gegenseitig sagen können, wenn man denkt, dass sich ein*e Kolleg*in falsch verhält.
  • Es sollte mehr „Kunstfehlerlehre“ in der Pädagogik etabliert werden, d. h. dazu forschen, welche typischen und häufigen Fehler im Kontext von pädagogischen Beziehungen gemacht werden und wie man damit umgehen kann.
  • Neben dem wertvollen Input fand ich es bemerkenswert, wie gut und resonanzreich der Video-Impuls funktionierte. Das hätte ich so nicht erwartet.

    ‚Anmoderation‘ des Video-Impuls von Annedore Prengel

    Anschließend bildeten wir Kleingruppen, um uns vertiefter mit den Reckahner Reflexionen auseinanderzusetzen. Jede Gruppe erhielt dazu als Material mehrere Karten, auf denen typische und fiktive pädagogische Beziehungssituationen geschildert wurden. Die Aufgabe war, zu überlegen, welche der zehn Leitlinien in der jeweiligen Situation beobachtet werden kann.

    Fiktive pädagogische Beziehungssituationen zur Reflexion

    Das funktionierte ziemlich gut. Im Ergebnis hatten zumindest in meiner Gruppe alle Beteiligten ein gutes Verständnis der Leitlinien.

    4. Input von Katrin Halfmann und anschließende Fragerunde

    Nach einer Kaffeepause gab es einen zweiten Input, diesmal von Katrin Halfmann, die vor Ort war. Sie fokussierte sich auf die Frage der praktischen Umsetzung: „Wie komme ich zu einer guten pädagogischen Haltung?“

    Besonders prägnant fand ich ihre Aussage, dass es in herausfordernden Situationen normal ist, den Impuls zu spüren, einer spontanen Erstreaktion zu folgen. Wenn also z. B. ein Kind auf einen freundlichen „Guten Morgen“-Gruß reagiert, indem es einem entgegen schleudert, man solle sich „verpissen“, dann wird die Erstreaktion wahrscheinlich sein, dass man verletzt, verärgert oder überrumpelt ist und das Kind direkt maßregeln möchte. Für eine gute pädagogische Haltung und die Möglichkeit eines Beziehungsaufbaus zum Kind ist es jedoch hilfreicher, erst einmal durchzuatmen und sich zu fragen: Was ist der Hintergrund dieser Situation? Warum agiert das Kind so? Und zweitens: Was braucht das Kind in dieser Situation bzw. was will es uns mitteilen? Mit diesen Überlegungen ist eine reflektierte, pädagogische Reaktion möglich, die den Teufelskreis von Störungen und Maßregelungen durchbricht.

    Katrin Halfmann arbeitet hierfür viel mit dem Bild eines „inneren Teams“. In herausfordernden Situationen melden sich verschiedene innere Stimmen zu Wort, und es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um auch die Stimmen zu hören, die nicht der spontanen Erstreaktion folgen. Dabei muss man stets die Balance zwischen Engagement für das Kind und Selbstschutz finden.

    Nach einer Fragerunde zu diesem Input folgte eine ausführliche Mittagspause.

    5. Lerngewusel

    Nach dem inhaltsreichen Vormittag war der Nachmittag mit einem sogenannten „Lerngewusel“ offener gestaltet. Hier konnte man zwischen Workshops, Gesprächsrunden oder dem individuellen Stöbern in Büchern und Materialien zum Thema wählen oder sich auch am Lagerfeuer austauschen. Besonders gelungen fand ich, dass auch Bündnispartner*innen außerhalb der Institutionen für Angebote angefragt wurden. Auch ich habe so z. B. eine Gesprächsrunde zu „Haltung und Digitalisierung“ angeboten (dazu schreibe ich in einem extra Blogbeitrag, da ich es sehr spannend fand). Weitere Angebote kamen von „Endstation Rechts“ oder dem „Ökohaus Rostock“. So wurde das Thema „Pädagogische Haltung“ sehr breit gefächert und Verbindungen zu Themen wie Demokratiebildung, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung hergestellt.

    Die Lerngewusel-Angebote waren teils fortlaufend, teils nur eine halbe Stunde lang oder über die gesamten 1,5 Stunden. So war es gleichermaßen herausfordernd wie bereichernd, aus der Fülle der Möglichkeiten ein Programm zusammenzustellen.

    6. Abschluss im Plenum und Ausschwingen

    Am Nachmittag kamen alle noch einmal im Plenum für einen gemeinsamen Abschluss zusammen. Ursprünglich hatten wir überlegt, hier noch eine längere, gemeinsame Reflexion mit Ausblick zu machen, aber unsere Einschätzung, dass nach so viel Input ein kürzeres Format besser wäre, stellte sich als richtig heraus. So beschränkten wir uns auf ein kurzes „Silent Writing“, bei dem alle für sich relevante Aspekte notieren konnten, die sie mitnehmen wollten. Anschließend konnte man sich darüber in kleinen Gesprächsrunden austauschen. Den Abschluss bildete ein weiteres „Winkgewusel“, diesmal mit Fragen zum Tag, was zugleich eine Brücke zum Einstieg schlug.

    Nach dem offiziellen Programm blieb noch Zeit für ein gemeinsames „Ausschwingen“ mit Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken. 🙂

    Fazit

    Ich fahre sehr erfüllt von meinem Besuch in Rostock nach Hause. Vielen Dank an alle Beteiligten! Für dich kann der Blogbeitrag vielleicht ein Anstoß sein, das Thema „Pädagogische Haltung“ auch in deinem Kollegium anzuregen. Und/oder du kannst unseren Lernparcours oder das Lerngewusel als methodische Ideen mitnehmen, die sich sicherlich auch gut auf andere Kontexte übertragen lassen.

    #NeueLernkultur #Veranstaltungsberichte

    Europäische Stiftung für Innovative Bildung (EuSiB) – illkommen bei der Europäischen Stiftung für innovative Bildung

    Selbstlernkompetenz und KI

    #Lernangebote

    Mini-Impuls für lernende Lehrende

    🔗 https://ebildungslabor.de/b/2AJ

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