Thielemanns elektrifizierender Traum in Blau: „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen
Elena Deinhammer
[caption id="attachment_30872" align="alignleft" width="200"] Bayreuther Festspiele 2025/LOHENGRIN/Piotr Beczała/Foto © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath[/caption]
Bereits in den ersten Momenten, wenn aus der Dunkelheit des Saales die sphärischen Flageolett-Töne des Vorspiels erstehen und sich höchst gefühlvoll zu immer intensiveren Klängen entwickeln, die Melodien sich zärtlich um sich selbst schmiegen, dazu wie in einem Traum nächtliche Wolken, von fahlem Mondlicht durchschienen, über eine Uferlandschaft Brabants ziehen, leuchtet einem unmittelbar ein, was Nietzsche damit meinte, die Musik des „Lohengrin“ sei blau. Diese Empfindung wird tatsächlich nicht zuerst von der durchwegs in Blautönen gehaltenen Inszenierung erweckt, sondern gründet in der Art und Weise, wie Christian Thielemann die Partitur zum Leben und Strahlen bringt. Nach der Aufführung im Jahr 2022, die sowohl die letzte Wiederaufnahme der Produktion unter Regie von Yuval Sharon als auch ein vorläufiger Abschied des Kapellmeisters von Bayreuth sein sollte, erfüllt es mit besonderer Freude, nun doch beider Rückkehr erleben zu dürfen. Überzeugt dieser „blaue Lohengrin“ auch mit ästhetisch reizvollem Konzept und gelegentlich durchblitzenden interessanten, jedoch nicht immer schlüssig zusammengeführten Ideen, so ist des wahren Zaubers Wesen an diesem Abend dennoch ohne Zweifel nicht auf der Bühne, sondern im Graben zu verorten. (Rezension der Vorstellung v. 4. August 2025)
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