Lernreflexion mit dem Modell von Graham Gibbs

Für einen Workshop mit den Kolleg*innen der Lernwelt Sachsen-Anhalt arbeite ich gerade zum Reflexionsmodell nach Graham Gibbs. Da ich erstens Lernreflexion für sehr relevant für gute Bildung halte und mir zweitens das genannte Modell grundsätzlich hilfreich und gut anwendbar erscheint, teile ich es in diesem Blogbeitrag.

Hintergrund: Lernwelt Sachsen-Anhalt

Die Lernwelt Sachsen-Anhalt ist ein pädagogisches Entwicklungsprojekt, das zunächst einmal sehr stark aus der Not geboren ist (= eklatanter Lehrkräftemangel vor allem in der Fläche in diesem Bundesland), aber genau diese Herausforderung versucht, im Sinne einer Transformation in Richtung mehr selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen zu nutzen.

In den letzten Monaten sind im Rahmen der Lernwelt vor allem so genannte ‚Lernabenteuer‘ entstanden. Dabei handelt es sich um interaktive Moodle-Inhalte zu unterschiedlichen, fächerübergreifenden Themen, die sich Lernende im Rahmen einer frei gestaltbaren Lernzeit selbstbestimmt erschließen können. Über ein Lernbüro gibt es pädagogische Begleitung bei Bedarf.

Diese Lernabenteuer sind 2026 zum zweiten Schulhalbjahr mit positiver Resonanz angelaufen. Besonders wichtig erscheint den Beteiligten, dass Schülerinnen und Schüler mit Lernen und Schule dank dieser Lernabenteuer wieder positive Erfahrungen verbinden. Aufbauend auf solch einer ermöglichten Lernfreude will das Team nun weiter arbeiten und in den Angeboten insbesondere auch die Selbstlernkompetenz der Lernenden stärken. Lernreflexion erscheint hierfür als ein wichtiger Schlüssel.

Das Reflexionsmodell nach Graham Gibbs

Für die Lernwelt Sachsen-Anhalt (aber ganz genau so auch übertragbar auf viele andere Lernangebote) scheint mir das Modell von Graham Gibbs sehr hilfreich. Das Modell stammt aus den 80er Jahren und ist in diesem Sinne nicht besonders neu oder überraschend. Ich empfehle es aus drei Gründen:

  • Selbstgesteuertes Lernen: Das Modell geht von einem Lernen in Erfahrung aus und verbindet dieses zugleich mit Handlungsorientierung. Es passt somit zu Prinzipien, die in der Pädagogik sehr breit geteilt werden. Insbesondere für ein selbstgesteuertes Lernen, wie es in der Lernwelt Sachsen-Anhalt angelegt ist, scheint es mir sehr geeignet.
  • Vertikale Kompetenzentwicklung: Die Herausforderung der Lernreflexion wird mit diesem Modell im Sinne einer vertikalen Kompetenzentwicklung angegangen. Das bedeutet: Lernreflexion ist nicht eine zusätzliche Kompetenz, die zu anderen Lernherausforderungen additiv dazu kommt. Stattdessen soll die Lernreflexion ermöglichen, zu einem vertiefteren Lernen zu gelangen.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die Reflexion ist in dem Sinne ganzheitlich angelegt, dass bei den gemachten Lernerfahrungen z.B. auch die damit verbundenen Gefühle in den Blick genommen werden.
  • Vereinfacht lässt sich das Modell von Graham Gibbs als sequenzielle Abfolge von Schritten beschreiben:

    Beschreiben → Fühlen → Bewerten → Analysieren → Schlussfolgern → Handeln

    Hilfreicher ist aber, wie im Namen ersichtlich, dieses Modell in der Lernreflexion als iterativen Zyklus zu durchlaufen. Während des Lernens kann der Zyklus in diesem Sinne mehrmals durchlaufen und die Reflexion auf diese Weise immer weiter vertieft werden.

    Die einzelnen Bereiche des Zyklus lassen sich dabei folgendermaßen beschreiben:

    1. Beschreibung

    Ein guter Ausgangspunkt ist zunächst eine deskriptive Betrachtung des eigenen Lernens. Lernende stellen sich die Fragen: Was habe ich in welcher Situation gemacht? Das Ziel ist es, die Situation zunächst ohne weitere Bewertung darstellen zu können.

    2. Gefühle

    An diese sachliche Beschreibung kann sich dann die Ebene der Gefühle anschließen. Lernende stellen sich die Frage: Wie ging es mir in der Situation und wie habe ich mich gefühlt? Das Ziel ist es, die eigenen Emotionen bewusst wahrzunehmen.

    3. Bewertung

    Anschließend geht es darum, diese Beschreibung und die wahrgenommenen Gefühle einer ersten Bewertung zu unterziehen. Lernende stellen sich die Frage: Was lief gut und was lief schlecht? Auf diese Weise sollen die gesammelten Erfahrungen einer ersten Einschätzung unterzogen werden.

    4. Analyse

    An die Bewertung sollte sich im Sinne eines vertiefenden Lernens die Analyse anschließen. Lernende stellen sich hier die Frage: Warum ist es so passiert? (Oder auch: Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? Welche Muster erkenne ich?). Auf diese Weise verstehen Lernende, warum sie wie lernen konnten.

    5. Schlussfolgerung

    Die Analyse ist die Voraussetzung für das Festhalten möglicher Konsequenzen. Lernende stellen sich dazu die Frage: Was hätte ich anders machen können? In diesem Sinne können sie konkrete Erkenntnisse zu ihrem Lernen festhalten.

    6. Handlungsplan

    Den Abschluss eines Zyklus bildet die Übertragung der vorherigen Schritte in einen Handlungsplan für zukünftiges Lernen. Lernende stellen sich die Frage: Wie lerne ich zukünftig? Es geht somit im Sinne einer vertikalen Kompetenz darum, über die Reflexion zu einem in Zukunft besseren, weil tieferen Lernen zu gelangen.

    Umsetzung

    Im Rahmen der Gestaltung von selbstgesteuertem Lernen besteht die pädagogische Herausforderung nun darin, erstens im Sinne eines ‚das Lernen lernen‘ Raum zu geben, damit Lernende die Bedeutung von Lernreflexion für ein vertiefteres Lernen für sich erkennen und entwickeln können. Zweitens und vor allem gilt es in Lernprozessen Räume zur Reflexion zu gestalten, in denen diese Schritte iterativ angewandt werden können.

    Um diesen Prozess zu unterstützen habe ich das Modell hier als H5P-Inhalt zur Weiternutzung aufbereitet:

    Bei der Lernwelt Sachsen-Anhalt geht es sehr stark um personalisierte Lernangebote, in denen Lernende überwiegend für sich lernen. Für Lernen im sozialen Raum könnten die sechs Schritte jeweils um die damit verbundene soziale Dimension erweitert werden. Das bedeutet also die oben genannten Fragen immer auch in einer ‚Wir-Form‘ zu stellen (z.B. Wie haben wir gelernt? Wie ging es mir und wie ging es anderen? Welche Form von Lernen wollen wir für uns als Gruppe ermöglichen? …).

    Fazit

    Ich finde den Lernreflexionszyklus von Graham Gibbs gerade wegen der Einfachheit und Prägnanz ein hilfreiches Instrument zur pädagogischen Gestaltung insbesondere von selbstgesteuerten Lernprozessen. Auf einer weitergehenden Ebene ordne ich Lernreflexion als einen wichtigen Treiber für Selbstentwicklung ein. Denn durch die Entwicklung einer reflektierten Praxis, ist Raum um über die eigene Intention mehr Klarheit zu gewinnen und auf dieser Basis dann nicht nur für das eigene Weiterlernen, sondern auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht Handlungsmöglichkeiten entwickeln und umsetzen zu können.

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