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Wie sich der Wert von Lokaljournalismus fĂŒr die Demokratie gerade besonders zeigt

Seit zwei Monaten vernetzen sich Lokalredaktionen aus ganz Deutschland, um ĂŒber die Folgen der Geheimplan-Veröffentlichung zu berichten.

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MediendiÀt nach Verengung der RÀume

Best of 24. Januar 2023

KĂŒrzlich sprach Leser Gerhard Esdar ein Generationenproblem an. Ich misstraue dem Generationenbegriff. Er berĂŒhrt ein reales Symptom, erklĂ€rt es aber nicht. Ich erwische mich selbst dabei, vermehrt Medienquellen abzustellen: alte Standards wie DLF-Nachrichten oder Tagesschau. Dort macht sich das hier breit: “Journalismus im Befeuerungsmodus: ‘Zeitenwende’ ohne Zögern? – Mediale Mobilmachung: Warum die Formulierung ‘zögerliche Haltung’ in Nachrichten nichts zu suchen hat. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die Position des Kanzlers wird sie dennoch eifrig genutzt.”, erklĂ€rt von Sebastian Köhler/telepolis. Ich ertrage das nicht. Ist das politisch gut oder schlecht? Weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass es fĂŒr mein Wohlbefinden besser ist. Und wem nĂŒtzt es, wenn es mir schlechter geht? Auf jeden Fall den Falschen.

Eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung wĂŒnscht keine Kriegseskalation in der Ukraine. Diese Mehrheit findet sich in der veröffentlichten Meinung (öffentliche oder private Medien, oder gar politisch relevante Parteien) nicht wieder. Viele dieser Mehrheit sind Teil der “Boomer”, also nicht mehr so jung wie in den 80ern, als sie noch wĂŒtend demonstriert haben (und die GrĂŒnen grĂŒndeten). Sie kannten den (Vietnam-)Krieg aus dem Fernsehen, und die Weltkriege aus den ErzĂ€hlungen von Eltern und Grosseltern.

Und dann machten sie einen schwerwiegenden Fehler, massenhaft.

Weil sie sich von Eltern und Grosseltern so genervt fĂŒhlten, haben sie ihre Kinder nicht genauso genervt, sondern damit in Ruhe gelassen. Aus egoistischen Motiven: weil sie von ihnen geliebt werden wollten, als gleichberechtigte (und so der Traum: nie alternde) “Kumpel” akzeptiert. Das ist grĂŒndlich schief gegangen. “Die Jugend” ist undankbar, klebt sich auf Strassen, hasst “uns” fĂŒr unsere Klimavernichtung – alles (Wichtige) mal wieder falsch gemacht. Jetzt wissen die Kinder mehr ĂŒbers Klima als “wir” – aber leider (fast) nichts ĂŒber Krieg (ausser aus den Ballerspielen am PC).

Und “der Politik” können sie mit einigem Recht nichts abgewinnen. Nur die DĂŒmmsten unter den Jungen versuchen dort Karriere zu machen (was auch prompt klappt). Die Mehrheit hasst schmutziges GeschĂ€ft. Aus gutem Grund. Hier finden sich nun die Jungen und die Alten wieder zusammen. Nur gedanklich, ĂŒberhaupt nicht organisationspolitisch. Das fĂŒhrt dann zu den heute bekannten Wahlbeteiligungen: die grösste Fraktion ist immer die, die nicht hingeht.

Nun bietet sich das an, was in den frĂŒhen 80ern klappte – unser Autor Andreas Zumach war seinerzeit fĂŒhrend daran beteiligt: ein BĂŒndnis der Friedens- und der Umwelt-, heute Klimabewegung. Es braucht einen Plan fĂŒr Druck auf die Medien- und Parteienwelt (sehenswertes Video von “Panorama 3”, 8 min), fĂŒr ein eigenes SolidaritĂ€tsverstĂ€ndnis, fĂŒr InternationalitĂ€t weit ĂŒber Europa hinaus. Und fĂŒr UnabhĂ€ngigkeit von geostrategischen Interessen von Staaten, Regierungen und Parteien. Dass das möglich ist, ist historisch bewiesen. Ebenso, was fĂŒr eine harte, langwierige Arbeit das ist.

Machen Sie mit? Dann lesen sie hier mal schön weiter:

Stefan Reinecke/taz: “Mehr Waffen – und dann? – Bei der militĂ€rischen UnterstĂŒtzung der Ukraine scheint nur eine Devise zu gelten: immer mehr. Dabei braucht es auch Debatten ĂŒber Ausstiegsszenarien.”

Florian Rötzer/overton: “Was bezweckt der Druck auf Deutschland und die Lieferung von Leopard-Panzern? – Man will uns weismachen, dass es um Moral und Hilfe fĂŒr die Ukraine geht, im Hintergrund gibt es zumindest auch militĂ€risch-wirtschaftliche Interessen.”

Leser Peter Kramer sandte mir das hier, ich sah es staunend mit offenem Mund: “Da hat jemand eine echte Fleißarbeit zum Thema “RĂŒstungslobbyismus” geschrieben. Und das in einem Anzeigenblatt! Aus DĂŒsseldorf! Heimat von Rheinmetall!. Den Begriff “QualitĂ€tsmedien” muss man wohl neu fassen.” So weit Leser und Freund Peter. Eine 2-Minuten-Recherche meinerseits ergab nun, dass der Autor gar kein DĂŒsseldorfer ist, Kölner*innen sich also wieder hinlegen können. Autor Wilhelm Neurohr lebt in Haltern und hat lange fĂŒr den Kreis Recklinghausen, in dem auch meine Gladbecker Schule liegt, gearbeitet. Und ist, s.o., bereits ĂŒber 70.

Dass sich “die Politik” des “Themas Einsamkeit” zu bemĂ€chtigen versucht, ist an sich schon ein Offenbarungseid. Die Erfahrung lehrt: das hilft den BemĂ€chtiger*inne*n in ihrer PR-Arbeit, den Leidenden dagegen nicht wirklich. Am wenigsten, wenn wie im UK sogar ein “Ministerium” dafĂŒr geschaffen wird (mit wie vielen Planstellen im teuren London?). Hans Otto RĂ¶ĂŸer/Junge Welt nimmt dazu die gierige Ratgeberliteratur auseinander: “Leben im Kapitalismus: Ungesellige Geselligkeit – Soziale Isolation und Einsamkeit zwischen Schicksal und Politik” (dieser Beitrag verschwindet wg. der kaum minder gierigen Verlagsgesellschaft in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv).

Ein weiteres Indiz fĂŒr die hierzulande vorherrschende paranoide Diskursverengung, von dem ich befĂŒrchte, dass es sich pandemisch flĂ€chendeckend ausbreitet: Thomas Moser/overton: “‘Gefahr in Verzug’ – Wer den deutschen Kriegskurs in der Ukraine nicht bedingungslos mittrĂ€gt, wird zum Feind erklĂ€rt – Der Umgang mit dem NDR-Reporter Patrik Baab durch Hochschulen und Medien zeigt, wie tief gespalten das Land ist und wie rĂŒcksichtslos es zugeht, wenn sich ein militarisierter Nationalismus breitmacht.”

Das Beste aus der FR

Micha Brumlik schrieb eine tolle Rezension des hier schon erwĂ€hnten jĂŒngsten Buches von Ulrike Heider: “‘Die grausame Lust’ – Wer nicht hören muss, will fĂŒhlen – Lehrreich und unerfreulich: Ulrike Heider deutet in ihrer pointierten Studie ‘Die grausame Lust’ den Sadomasochismus als Teil einer kapitalistischen Unkultur.”

Mediathekperle “Deadlines”

Hatten Sie die erste Staffel von “Deadlines” gesehen? Ich: ja. Wenn nein, holen Sie es nach. Tolle “unverbrauchte” Schauspielerinnen (eine aus Bonn), ernste Themen aber nicht humorlos, zĂŒgig erzĂ€hlt und inszeniert. Im Februar gibts eine Fortsetzung. Teasertext des ZDF: “Mit 30 Jahren hört der Spaß auf! – Gibt es ‘Deadlines’ fĂŒr Kinder, Karriere und Kapitalismus? Die vier Freundinnen in der Comedy-Serie fĂŒhlen sich nach jahrelanger Unbeschwertheit nun mit gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert.”

Das Letzte: Kennen Sie den Malteserorden?

Ich weiss allenfalls, dass die KrankenhÀuser und Rettungswagen mit Blaulicht haben. Aber hiervon habe ich noch nie gehört oder gelesen. Eine fremde Welt. Wissen Sie davon? Können Sie was davon politisch und gesellschaftlich erklÀren? (der Link wird in einigen Tagen in einer Paywall verschwinden).

MediendiÀt nach Verengung der RÀume

Best of 24. Januar 2023 KĂŒrzlich sprach Leser Gerhard Esdar ein Generationenproblem an. Ich misstraue dem Generationenbegriff. Er berĂŒhrt ein reales Symptom, erklĂ€rt es aber nicht.

Beueler-Extradienst

Löcher in der Medien-Mauer

Wolfgang Kintscher kenne ich noch als NRZ-Redakteur aus der Zeit, als ich fĂŒr den Essener MdL Thomas Rommelspacher arbeitete (2000-05), ein anstĂ€ndiger Lokaljournalist. Nun heisst seine Arbeitgeberin “Funke-Mediengruppe”. Er schreibt hier ĂŒber ein Thema, das zum GĂ€hnen reizen könnte. Ist aber völlig falsch. In Wirklichkeit geht es um das Leben oder Sterben demokratischer Kommunalpolitik. Und seine Verlagsbosse sind die möglichen Mörder. Bei er Funke-Mediengruppe eine Mörderin: Julia Becker, die auch einen Dolch gegen Mathias Döpfner in den Kleidern mitfĂŒhrt 😉

Möglich, dass Frau Becker etwas cleverer um ihr Ansehen bemĂŒht ist, als das in Kintschers Text nicht namentlich genannte rechte Medienhaus Lensing-Wolff, das die Stadt Dortmund wegen zu viel Journalismus verklagt. Was die VerlegermilliardĂ€rs-Lobby – juristisch weitgehend erfolgreich – betreibt, ist eine klassische Mafia-Strategie. Die Ware Information & Meinung muss verknappt werden, um sie zu profitablen Preisen verkaufen zu können. Je mehr davon verboten wird, umso besser die Preise.

Auf bundesweiter Ebene war das die Strategie gegen die “Tagesschau-App”. Die Tagesschau ist seit GrĂŒndung der BRD die erfolgreichste und mit dem grössten Verbraucher*innen-Vertrauen ausgestattete deutsche Medienmarke ĂŒberhaupt. Von den Verlagskonzernen mit neidvoller Wut bekĂ€mpft und verfolgt. Nicht minder “gefĂ€hrlich” sehen die gleichen VerdĂ€chtigen den Versuch von Kommunen, die Öffentlichkeitsarbeit unserer Gemeinwesen von bĂŒrokratischer Langeweile zu befreien. Öffentliche Bekanntmachungen, die das Publikum interessieren, könnten nĂ€mlich unmittelbar zum Ableben schlechter Lokalpresse fĂŒhren.

Schon heute ist es selbst hier im bildungsbĂŒrgerlichen Bonn so, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine Tageszeitung abonniert. Wenn Sie nun noch die schlampigen Abonnent*inn*en dazuzĂ€hlen, die allenfalls den Sportteil lesen, ergibt sich daraus, dass ein klare Zweidrittelmehrheit, realistisch aber eher 80-90% von der real existierenden Kommunalpolitik absolut nichts mitbekommen und ahnungslos bleiben. Die höchste Reichweite hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die WDR-Lokalzeit, bei der freilich schon immer eine Menge junger ambitionierter Leute arbeiten, denen der Weg zum Rathaus am Telefon erstmal erklĂ€rt werden muss.

So sieht es dann in den Kommunalparteien, dem Nachwuchsinternat der deutschen Demokratie auch aus. Eine grosse Leere, bisher mehr qualitativ. Es hat aber lĂ€ngst schon in QuantitĂ€t umgeschlagen – ausser bei GrĂŒnen und FDP, in denen die Marktlage fĂŒr Karrieren derzeit am besten aussieht – weniger Bewerber*innen, mehr Aussichten.

Fazit: wenn der Bundesgesetzgeber nicht mehr Freiheit fĂŒr kommunale Medienarbeit sichert, gibt es einen kollektiven Selbstmord der profitorientierten Verlagsmedien und den von Verboten und Gerichtsurteilen drangsalierten öffentlichen Medien. Die Demokratie geht dann direkt mit ins Grab. Wollen Sie das? Ich nicht.

Guckloch

Hier noch ein kleines Guckloch (kĂŒrzer als 5 min) in der deutschen Kriegsmedienmauer. Friedrich KĂŒppersbusch hat es wieder geschlagen. In der Ukraine wĂ€re das verboten.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

Löcher in der Medien-Mauer – Beueler-Extradienst