Constelación Lispector. Enrique Vila-Matas

La autora estadounidense Kate Zambreno.Heather Sten

Aquello que estamos escribiendo, tal vez dará un día pruebas de que, justo cuando lo escribíamos, existíamos…

Origen: Constelación Lispector | Cultura | EL PAÍS

#KateZambreno #VilaMatas

Constelación Lispector

Aquello que estamos escribiendo, tal vez dará un día pruebas de que, justo cuando lo escribíamos, existíamos

El País
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Lesetagebuch Kate Zambreno – Mutter (Ein Gemurmel) III

Dieser Umgang mit der Vergangenheit bedeutet die Notwendigkeit einer Transformation. Wir erzählen uns eine Geschichte. Eine Geschichte, die möglicherweise in entscheidenden Punkten von der ursprünglichen Geschichte abweicht, oder wir machen Skulpturen aus der Vergangenheit wie Louise Bourgeois. Wenn wir schreiben, dass wir uns an der Vergangenheit abarbeiten, heißt das, dass wir eine Form suchen, dass wir versuchen, die Vergangenheit so zu formen, dass sie sich tatsächlich verwandelt.

Luce Irigaray: „Falls wir uns weiterhin in der gleichen Sprache sprechen, werden wir die gleiche Geschichte reproduzieren.“

Natürlich ist dieses Zitat weitreichender auszulegen. Aber für mich bedeutet es jetzt und hier, dass ich meine eigene Erzählung schreiben darf, wohl wissend, dass sie abweicht von den Erzählungen anderer, die Figuren derselben Erzählung sind. Vielleicht ist das der Kern dieses Zitates, der Weisheit die in dieser Aussage liegt. In unseren Lebensgeschichten gibt es keine Wahrheit, sondern nur viele verschiedene Wirklichkeiten.

Der nächste Satz, den ich mir angestrichen habe passt zu den vorherigen Überlegungen. Vielleicht ein Zufall, vermutlich aber nur ein Zeichen, dass ich längst etwas auf der Spur bin, von dem ich noch nicht weiß. „Fotografien bilden die Turbulenzen unter der Oberfläche nicht ab.“ Wenn ich diesen Satz jetzt lese, nachdem ich mir Gedanken zu unseren unterschiedlichen Wahrnehmungen und Geschichten und Erinnerungen gemacht habe, kommt es mir vor, als wäre die Fotografie noch einmal eine Übersetzung in ein Bild dessen, was ich mir vorher klar gemacht habe. Wir scheinen alle dasselbe zu sehen, eine Frau, die neben einem kleinen Mädchen auf einem Strandstuhl sitzt, beide haben die Beine übereinander geschlagen, beide lächeln in die Kamera. Die Geschichte die diesem Bild zugrunde liegt ist für jeden Betrachter, der die beiden nicht kennt, ein Geheimnis und selbst für diese zwei Menschen, die zur selben Zeit dort waren und fotografiert wurden, gibt es eine Geschichte für diesen Moment, den die andere nicht kennt. Die Erschütterung wenn ich das Bild heute ansehe, und ich sehe es fast jeden Tag an, denn es liegt auf meinem Schreibtisch, war zu dem Zeitpunkt, als das Foto aufgenommen wurde, noch nicht absehbar.

#Fotografie #Geschichte #KateZambreno #Mutter #Sprache #Vergangenheit

Lesetagebuch Kate Zambreno – Mutter (Ein Gemurmel) II

Kate Zambreno stellt dem Umgang mit der Erinnerung, den Bourgois zu ihrer Kunst veranlasst hat, ein anderes Beispiel gegenüber. Roland Barthes, der um seine Mutter trauert, der sie in allen alten Fotografien sucht, der etwas über sie schreiben möchte, damit sie erinnert wird. Einmal dieses Loswerdenwollen der Vergangenheit und einmal das Festhalten der Vergangenheit. Dazwischen bewegt sich Zambreno, dazwischen bewege auch ich mich. Zwischen diesen beiden Polen (Bourgeois und Barthes) liegt die Erkenntnis, dass wir immer nur Bruchstücke des anderen erkennen. Die Frage ist, wie wir sie zusammensetzen, was wir mit den leeren Stellen tun, wie beweglich wir das Bild halten, das wir uns einmal gemacht haben. Weil es sehr schmerzhaft sein kann, an einem Bild, das sich längst geändert hat, festzuhalten. Denn tatsächlich steht nicht einmal die Vergangenheit fest, auch sie ist formbar, beweglich, veränderlich. Ich weiß, dass es nur Geschichten sind, die ich mir und anderen von meiner Mutter erzählen kann, Geschichten, die sie unter Umständen ganz anders erzählen würde. Geschichten, die sie mit 30 Jahren so erzählt hat und zwanzig Jahre später etwas anders. 

Die alten Griechen“, schreibt Zambreno, „dachten sich die Erinnerung als großes Haus. Wer einen bestimmten Gedanken oder Gegenstand aufrufen wollte, musste sich gemäß dieser Methode vorstellen, jenen Raum zu betreten, in dem dieser sich befand.“

Wie betritt man diesen Raum, wenn mehrere Jahrzehnte, der Tod, oder radikal andere Lebensumstände die Tür zu ihm zu versperren scheinen? Es ist als wäre ich in diesem Haus, aber ich verlaufe mich ständig. Immer stehe ich vor einer falschen Tür. Nie habe ich wirklich den Mut, an der Tür zu rütteln, mir Einlass zu verschaffen, obwohl sie nicht sofort nachgibt.

Die Erinnerungen in ein Buch legen“, schreibt Kate Zambreno, „um so davon befreit zu werden. […] Schreiben nicht als Erinnern, sondern als Vergessen. Oder wenn nicht als Vergessen, dann als Versuch, etwas hinter sich zu lassen.“

All die Gaben, den Toten dargebracht,

damit sie in ihren Gräbern bleiben.“

Die Toten, die Gräber, das sind auch die Erinnerungen, wir versuchen sie zufrieden zu stellen, ihnen einen Platz einzuräumen, vielleicht einen Altar zu errichten. Wir tun es, damit sie uns nicht heimsuchen. Wir versuchen einen Umgang zu finden. Einen Umgang mit der Vergangenheit, der eine Gegenwart erlaubt.

#Erinnerungen #KateZambreno #Lesetagebuch #RolandBarthes

Lesetagebuch Kate Zambreno – Mutter (Ein Gemurmel)

Gestern lag Kate Zambrenos „Mutter (Ein Gemurmel) bereits im Briefkasten. Eigentlich war es mir ja schon beim Coverbild, Femme maison von Bourgeois klar, und die ersten Sätze bestätigen die Vermutung: das ist eines der Bücher, die mir wirklich etwas bedeuten, die in eine Reihe aufgenommen werden mit Anne Carson und Ilse Aichinger, Marguerite Duras und eben Louise Bourgeois. Ein Buch, das mich begleitet wie eine gute Freundin, das mich nährt wie eine Mutter.

Immer wenn ich diese Art Bücher lese, denke ich, dass ich es genauso machen will, dass das jetzt der ultimative Weg ist, um zu schreiben, um schreibend etwas herauszufinden und zu bewältigen. Und immer wieder stelle ich fest: Das ist genau der Weg für diese Autorin, aber ich bin nicht sie.

Zambreno schreibt also von der wunderbaren Louise Bourgeois, von einer der Zellen, die ich vor Jahren hier in der Kunsthalle erleben durfte, damals lebte Louise Bourgeois noch. Diese Nachbildung ihres Elternhauses also, über dem eine Guillotine schwebt, die, wie Bourgeois sagte, „auch für das Bedürfnis nach einer Zerstörung der Vergangenheit durch die Gegenwart“ steht. Sie (also Bourgeois) sagte: „Um wirklich einen Exorzismus zu vollziehen, der mich von der Vergangenheit befreit, muss ich sie rekonstruieren, mich mit ihr auseinandersetzen, sie in eine Statue verwandeln und sie loswerden, indem ich Skulpturen schaffe. Dann kann ich sie vergessen. Ich habe meine Schuld mit der Vergangenheit beglichen und bin befreit.“

Zambreno weiter: „Auf die Frage, weshalb die Umzäunung wie ein Gefängnis aussehe, antwortete sie: „Weil ich eine Gefangene meiner Erinnerungen bin. Ich bin eine Gefangene meiner Erinnerungen, und mein Ziel ist es, sie loszuwerden.“

Und dann nimmt Zambreno das Bild des Hauses, um damit weiter zu machen, um ihre eigene Gefangenschaft zu untersuchen, sie ahmt die Skulptur Bourgeoise schriftlich nach.

Vielleicht ist diese Auseinandersetzung mit der Mutter, mit der eigenen Kindheit, der Vergangenheit eine Art Suche nach dem Urtext, dem eigentlich zu uns gehörenden Text, der überschrieben wurde durch Erziehung und Sozialisation usw.

#Erinnerung #KateZambreno #LouiseBourgeois #Mutter #Urtext

Kate Zambreno – Book-of-mutter

« [In their newest book "Tone"] [Kate] Zambreno and [Sofia] Samatar imagine an alternative form of social organization based on Susan Stewart’s idea of a “collection” — a group that, existing outside of the market, provides a “stay against the frailties of the very monetary system from which it has sprung.” Whereas capitalism encourages people to hoard, they suggest, a collective can be a path toward beauty. » https://www.newyorker.com/culture/persons-of-interest/kate-zambreno-collects-herself

#katezambreno #sofiasamatar

I finished reading Anna Kavan's Ice yesterday.

https://bookwyrm.social/book/807276/s/ice

The Penguin Classics edition has an informative Afterword by Kate Zambreno.

Ice reads like a dream or nightmare. If you need more apocalypse, this might be for you. Instead of getting fried by global warming, the glaciers are advancing and killing everyone. Evidently, global disaster brings out the worst in people. Let's hope this isn't true.

#Books #AnnaKavan #KateZambreno

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