#Rodrik, #IWeber, #Kaczmarczyk und Co. sollten sich mit dem #SurplusMagazin nicht zu sehr unter die Lenkung des #Jacobins Umfelds begeben. #Jacobin steht jetzt nicht gerade vor #Vorsicht und #Besonnenheit. Gut das es #Jacobin gibt, aber fĂŒr die sollte man nicht als Hebel herhalten. Nur umgekehrt.
Patrick Kaczmarczyk: Warum beruht der "Erfolg" der Autoindustrie nicht auf Innovation, sondern auf RechenkĂŒnsten?

Ein GesprĂ€ch ĂŒber vermeintliche Erfolge der europĂ€ischen Automobilindustrie, deren Wettbewerb eher als darwinistisch und zerstörerisch – und wenig innovativ – bezeichnet werden sollte. Wirtschaftlicher Wettbewerb gilt in der öffentlichen Debatte gemeinhin als Garant fĂŒr den Fortschritt. Patrick Kaczmarczyk jedoch wirft ein, dass diese These so nicht stehenbleiben kann, solange man die Frage nach der QualitĂ€t des Wettbewerbs nicht stellt. Ist es ein Wettbewerb, der hauptsĂ€chlich auf Lohnkostenbasis ausgetragen wird? Oder ĂŒber Investitionen und ProduktivitĂ€tssteigerungen? Anhand der europĂ€ischen Automobilindustrie hat er aufgezeigt, wie darwinistisch und zerstörerisch – und wie wenig innovativ – der Wettbewerb im europĂ€ischen Automobilmarkt war. Entgegen weitlĂ€ufiger Vorstellungen sind selbst die deutschen Autohersteller, die gemeinhin als fĂŒhrend in Europa gesehen werden, wenig erfolgreich gewesen, wenn man den Blick auf SchlĂŒsselindikatoren wie die Profitmargen, Cashflows und InnovationskapazitĂ€t in alternativen Antriebstechnologien richtet. In Europa, wo der Pkw-Markt im Laufe der Zeit stagnierte, zeigen die Daten, wie es den deutschen Unternehmen gelang, Marktanteil auf Kosten anderer Hersteller zu steigern. Einen Wendepunkt in der Branche stellen die 2000er Jahre dar, in denen die deutschen Produktionsstandorte ihre WettbewerbsfĂ€higkeit durch radikale Umstrukturierungsmaßnahmen im Inland (sowohl innerhalb der Unternehmen als auch als auch bei den Zulieferern) und durch Auslagerung der Produktion nach Osteuropa erhalten konnten. Nach der Finanzkrise profitierten die deutschen Unternehmen zudem von gĂŒnstigeren Refinanzierungsbedingungen, die im finanzialisierten Automobilmarkt immer wichtiger wurden, da ein großer Teil des Absatzes ĂŒber die eigenen Autobanken ablĂ€uft. Aufgrund des darwinistischen VerdrĂ€ngungswettbewerbs in Europa wurde die Produktion in Deutschland vor allem durch Kosten- und Refinanzierungsvorteile erhalten. Anstatt, dass man durch eine kluge Investitions- und Lohnpolitik die Industrie zur VerĂ€nderung und Transformation gezwungen hĂ€tte, spezialisierte man sich immer mehr auf die Produktion einer aussterbenden Technologie, verpasste technologisch den Anschluss an Hersteller in Asien und in den USA, und blockierte zudem jegliche Initiativen fĂŒr eine nachhaltigere Gestaltung der Industrie in BrĂŒssel. Dies betraf ebenso die gesamte Wertschöpfungskette, die nun vor den Scherben der Politik der letzten 20 Jahre steht. In seinem Buch „Kampf der Nationen“ kritisiert Patrick somit die gĂ€ngige Wettbewerbspolitik, die in den vergangenen Jahrzehnten hauptsĂ€chlich ĂŒber Druck auf die Löhne, weniger ĂŒber die ProduktivitĂ€t gefĂŒhrt wurde. Zudem erlĂ€utert er, dass die Politik ĂŒberhaupt nicht die richtigen Bedingungen fĂŒr einen wirtschaftlich fortschrittlichen Wettbewerb auf die Beine gestellt hat, weil es dafĂŒr eine viel weitreichendere internationale Zusammenarbeit brĂ€uchte, insbesondere in der Lohnpolitik. Ziel mĂŒsste eine wirtschaftliche Kooperation der Staaten sein, die sicherstellt, dass nur die Unternehmen, nicht aber die Staaten miteinander im Wettbewerb stehen. In der Theorie existieren bereits diverse Modelle, aber sie finden kaum Anwendung in der Praxis. Hier dominiert noch kurzfristiges und mikro-orientiertes Denken. Patrick Kaczmarczyk ist Referent fĂŒr Wirtschaftspolitik in Berlin. Zuvor arbeitete er als Berater fĂŒr die Vereinten Nationen in Genf. Dort befasste er sich in der UNO-Organisation fĂŒr Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) mit Analysen zur KapitalmarktstabilitĂ€t in Entwicklungs- und SchwellenlĂ€ndern mit Schwerpunkt in Projekten zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage im Nahostkonflikt. Neben seiner BeratungstĂ€tigkeit promovierte er als Stipendiat des Economic and Social Research Council (ESRC) der britischen Regierung am Institut fĂŒr politische Ökonomie der UniversitĂ€t Sheffield.

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