Nachvollziehbare Authentizität mit C2PA-Metadaten

BookTok: Die Vorteile nutzen und Risiken erkennen

Die #BookTok-Bestsellerliste

Autorinnen: Florentine Wiegand und Marie Pauline Kullmann Lesezeit: 3 Minuten   TikTok - ein für uns alle weit verbreitetes Phänomen, was auch die Buchbranche sehr bewegt. Über kurze Videos werden uns wissenswerte Informationen, aber vor allem Unterhaltung vermittelt. Der Algorithmus, welcher hinter TikTok steckt, lernt extrem schnell, welche Videos uns gefallen und spielt überwiegend diese ab. Was vor einiger Zeit als eine Plattform überwiegend für junge Menschen der Generation Z galt, hat sich ausgebreitet und der Altersschnitt steigt tendenziell immer weiter an. Zunehmend mehr Menschen nutzen TikTok. Weltweit hat die App über 1 Mrd. monatliche Nutzer:innen. In Deutschland hat die App 20 Millionen Nutzer:innen pro Monat und die Nutzungsdauer mit ca. 39 Minuten täglich übersteigt sogar die von Instagram mit nur 17 Minuten am Tag. Der Einfluss von TikTok auf die Buchbranche Auch Verlage und Buchhandlungen entdecken das Medium für sich. Wenn man selbst auf #BookTok unterwegs ist, stößt man schnell auf die Videos des Hugendubel- und des Thalia-Accounts. Die User können die Buchhändler:innen bei ihrer alltäglichen Arbeit begleiten. Dabei stellen sie Novitäten und Buchempfehlungen vor und produzieren direkt in der Buchhandlung Videos zu den neuesten Trends. Unter #BookTok verbirgt sich die Subcommunity rund um Bücher und ums Lesen. Hier finden sich vor allem Rezensionen, Buchkäufe und Empfehlungen, welche wirkungsvoll in kurzen Videos präsentiert werden. Durch #BookTok erleben auch Klassiker ein Comeback und schon längst erschienene Bücher werden über TikTok wiedergefunden und gefragter. Das führt zum Teil sogar dazu, dass ältere bereits vergriffene Titel wieder neu aufgelegt werden und nun in großen Stapeln in den Buchhandlungen liegen, wie zum Beispiel bei den Titeln „Girl in Pieces“ von Kathleen Glasgow oder „Caraval“ von Stephanie Garber, die beide bereits im Jahr 2016 erschienen sind. #BookTok hat somit gerade im Bereich Jugendbuch und New Adult auch Einfluss auf die Programmplanung der Verlage. #BookTok hat jedoch noch einen weiteren wichtigen Effekt für die Buchbranche, denn durch die Community und die Buchempfehlungen werden gerade die Jugendlichen (wieder) zum Lesen motiviert. Die Social Media Teamleiterin von Hugendubel, Carolin Yildiz, äußert sich gegenüber dem Stern positiv zum Trend #BookTok: „Das Lesen ist wieder cool geworden, junge Menschen halten sich gerne und regelmäßig in den Buchhandlungen auf und teilen innerhalb der Community ihre Begeisterung für Bücher.“ #BookTok bietet somit auch eine große Chance gerade für die junge Zielgruppe, die sowohl Buchhandlungen als auch Verlage nutzen sollten. #BookTok Bestsellerliste In fast jeder Buchhandlung gibt es Aufsteller oder Regale mit Büchern, die extra den Trends von TikTok gewidmet sind. Wenn ein Buch auf TikTok viral geht, steigt meist automatisch die Nachfrage nach diesem Buch, denn das Engagement der Community hat einen direkten Einfluss auf den Buchhandel. Aus diesem Grund präsentiert TikTok zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen „Media Control“ erstmalig auf der Leipziger Buchmesse die #BookTok Bestsellerliste. Diese wird zukünftig einmal im Monat mit den 20 erfolgreichsten Buchtiteln der Community erscheinen. Die #BookTok Bestsellerliste basiert auf den Verkaufszahlen von „Media Control“ sowie auch auf internen Daten von TikTok. Auf der #BookTok Bestsellerliste sind allerdings nur deutschsprachige Titel aufgeführt. Die englischsprachigen Titel werden nicht erwähnt, obwohl BookTok durch die Internationalität gerade auch auf deren Verkaufszahlen in Deutschland einen enormen Einfluss im Buchhandel ausübt und den Trend zum Lesen englischsprachiger Literatur stärkt. Neugierig geworden, welche Titel es auf die erste #BookTok Bestsellerliste geschafft haben? Hier könnt ihr die heiß begehrtesten Titel der ersten #BookTok Bestsellerliste sehen: https://www.media-control.de/tiktok-mc.html?page=1 Habt ihr schon einmal ein Video für #BookTok gedreht? Was für Reaktionen habt ihr bekommen? Schreibt doch gern eure Meinung zu #BookTok in die Kommentare! Und falls ihr es noch nicht getan habt, abonniert doch gern unseren TikTok Kanal: https://www.tiktok.com/@vdzu_verlagederzukunft       Quellen: Textquellen: https://www.stern.de/gesellschaft/booktok--wie-der-tiktok-trend-den-ganzen-buchmarkt-revolutioniert-hat-33347656.html?utm_campaign=alle-nachrichten&utm_medium=rss-feed&utm_source=standard, zuletzt geprüft am: 07.05.23 https://www.boersenblatt.net/news/buchhandel-news/20-erfolgreichste-buchtitel-auf-tiktok-monatlich-285171, zuletzt geprüft am: 12.05.23 https://www.libri.de/de/magazin/booktok-was-ist-das-ueberhaupt/, zuletzt geprüft am: 08.05.2023 https://www.leipziginfo.de/aktuelles/artikel/im-rahmen-der-leipziger-buchmesse-wurde-die-booktok-bestsellerliste-erstmals-offiziell-vorgestellt/, zuletzt geprüft am: 08.05.23 Bildquelle: www.pexels.com, zuletzt geprüft am: 31.05.23

KI – Was ist das?

Autor: Christian Kerntke Lesezeit: 6 min   Künstliche Intelligenz oder KI ist überall. Jeder hat schon einmal davon gehört; dank dem rasenden Erfolg von ChatGPT ist das Thema jetzt erst recht in aller Munde. Manche begegnen dem Ganzen mit Skepsis; wie soll auch eine Maschine besser sein, als der Mensch? Manch andere sehen in dieser Entwicklung lediglich einen weiteren Schritt Richtung Weltuntergang und der Unterjochung des Menschen durch die Maschine à la Terminator. Und manch andere gehen wiederum technologischen Errungenschaften wie dieser vor allem mit Neugierde und Begeisterung entgegen, schließlich stellt vor allem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in erster Linie eine Chance dar; nicht nur für die Wirtschaft, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes. Doch egal in welcher Gruppe man sich in dieser Debatte wiederfinden mag, fest steht, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz in vielerlei Bereichen schon lange nicht mehr eine Frage des „wie“ ist, sondern des „wann“. Die Europäische Kommission sah sich schon vor Jahren mit dieser Herausforderung konfrontiert. Und wie für jeden angehenden, bedeutenden Umschwung bedarf es auch in dieser Angelegenheit einer guten Vorbereitung. So beschloss die Europäische Kommission im Juni 2018 die Gründung einer Expertengruppe – der sogenannten „High-Level Expert Group on Artificial Intelligence“ (AI HLEG) –, die im Wesentlichen das Ziel hatte, die Europäische Initiative für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu unterstützen. Dazu gehörte die Ausarbeitung von Vorgehensweisen für Politik, aber auch die Empfehlung von Lösungsansätzen zu Fragestellungen ethischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Natur, die mit einer verbreiteten Nutzung von KI einhergehen. Mehr als 50 Mitglieder – darunter Vertreter von namenhaften Technologieunternehmen wie Google, IBM, Bosch oder Bayer, aber auch von bekannten Universitäten wie zum Beispiel der „University of Oxford“ – widmeten sich diesem vielfältigen und höchst komplexen Thema. So veröffentlichte die AI HLEG über einen Zeitraum von 2 Jahren (von Juni 2018 bis Juli 2020) insgesamt vier wissenschaftliche Paper, in denen sie ihre Erkenntnisse zusammenfassend und für Laien verständlich darstellte: Ethics Guidelines for Trustworthy AI: Dies umfasst 7 Voraussetzungen, die eine KI erfüllen muss, um als vertrauenswürdig eingestuft werden zu können. Policy and Investment Recommendations for Trustworthy AI: Dies gibt 33 Empfehlungen, wo und wie man vertrauenswürdige KI einsetzen kann. Assessment List for Trustworthy AI (ALTAI): Dies ist eine Checkliste für KI-Entwickler und -Nutzer basierend auf den Erkenntnissen aus den „Ethics Guidelines for Trustworthy AI“. Sectoral Considerations on the Policy and Investment Recommendations: Dies enthält eine Anwendung der Ergebnisse aus der „Policy and Investment Recommendations for Trustworthy AI” auf 3 Sektoren (Öffentlicher Sektor, Gesundheitswesen, Herstellung und das Internet der Dinge). Zudem stellte die Expertengruppe am 8. April 2019 ein Dokument bereit, in dem sie, neben einer Erläuterung der grundsätzlichen Funktionsweise, auch eine umfassende Definition von Künstlicher Intelligenz anbot, auf die sich ihre späteren Ausführungen stützen sollten. So beschreibt die AI HLEG in „A defintion of AI: Main capabilities and scientific disciplines” Künstliche Intelligenz in zwei Teilen: zunächst als Software beziehungsweise Hardware-System, das speziell von Menschen zur Erfüllung eines bestimmten Ziels entwickelt wird und im Anschluss als wissenschaftliche Disziplin die diverse Herangehensweisen und Techniken aus unterschiedlichen Bereichen wie „Machine Learning“, „Machine Reasoning“ und Robotik in sich vereint. Konkret ist also laut der „High-Level Expert Group on Artificial Intelligence“ unter Künstlicher Intelligenz folgendes zu verstehen: “Artificial intelligence (AI) systems are software (and possibly also hardware) systems designed by humans that, given a complex goal, act in the physical or digital dimension by perceiving their environment through data acquisition, interpreting the collected structured or unstructured data, reasoning on the knowledge, or processing the information, derived from this data and deciding the best action(s) to take to achieve the given goal. AI systems can either use symbolic rules or learn a numeric model, and they can also adapt their behaviour by analysing how the environment is affected by their previous actions. As a scientific discipline, AI includes several approaches and techniques, such as machine learning (of which deep learning and reinforcement learning are specific examples), machine reasoning (which includes planning, scheduling, knowledge representation and reasoning, search, and optimization), and robotics (which includes control, perception, sensors and actuators, as well as the integration of all other techniques into cyber-physical systems).” Hinter KI steckt also wesentlich mehr, als man zuerst vermuten mag. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Vorbereitungen auf eine von Künstlicher Intelligenz gesteuerten Zukunft ausreichen werden; gut sieht es schon einmal aus! Ein kleiner Trost für die Skeptiker an der Stelle: in der Definition steht der Mensch noch immer als der treibende, bestimmende Faktor… Doch der Mensch ist nicht unfehlbar. Mögen die Vorteile, die Nachteile übertreffen. Only time will tell...     Quelle: Bild: https://www.abacus.ch/blog/artikel/kuenstliche-intelligenz-in-der-buchhaltung      

Die Buchpreisbindung – unnötiges Relikt aus der Vergangenheit oder unverzichtbare Regelung?

Autorinnen: Kristin Scharn, Mia-Theres Broda Neben Tabakwaren und Mieten im sozialen Wohnungsbau sind Bücher eine der wenigen Waren, die in Deutschland preisgebunden sind. Ein Buch kostet also überall das Gleiche, egal bei welchem Händler man es kauft. Warum ist das eigentlich so? Was bedeutet das und ist das heute überhaupt noch sinnvoll? Preisbindung Bei dem Verkauf von preisgebundenen Produkten verpflichtet sich der Handel vertraglich, den vom Hersteller vorgeschriebenen Endverkaufspreis vom Endkunden zu verlangen. Dadurch ist kein Preiswettbewerb mehr möglich. Prinzipiell verbietet das Kartellgesetz allerdings die Preisbindung. Einige Produkte, wie beispielsweise Bücher, sind jedoch davon ausgenommen. Die Preisbindung ist hier sogar gesetzlich vorgeschrieben. Buchpreisbindung Das Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG) verpflichtet alle Händler dazu, Bücher zu den vom Verlag fest definierten Preisen zu verkaufen. Außer Büchern sind auch Musiknoten, Medienkombinationen, wie beispielsweise ein Buch mit beiliegender CD, kartographische Produkte und E-Books preisgebunden. Nicht preisgebunden sind unter anderem fremdsprachige (importierte) Bücher, Hörbücher und Kalender. Eine weitere Ausnahme bilden Zeitungen und Zeitschriften, welche nicht verpflichtend preisgebunden verkauft werden müssen. Dennoch werden sie aufgrund von brancheninternen Regelungen meistens preisgebunden verkauft. So sichert man die Presse- und Informationsfreiheit und gibt jedem die gleiche Chance an Informationen zu gelangen. Nach Ablauf einer Mindestfrist kann die Preisbindung eines Buches vom Verlag aufgehoben werden. Der Händler kann dann einen eigenen Preis festlegen. Bücher mit Beschädigungen sind ebenfalls nicht mehr an die Buchpreisbindung gebunden. Solche Mängelexemplare sind durch einen Stempel zu kennzeichnen und können dann zu einem anderen Preis verkauft werden. Historische Entwicklung In Deutschland war der Buchhandel der erste Wirtschaftszweig mit einer Preisbindung. Diese entwickelte sich zur Verhinderung der Preisschleuderei, da es im 18. Jahrhundert zu verheerenden Preiswettbewerben mit rabattierten Büchern zwischen Buchhändlern in den Großstädten und Provinzbuchhändlern gekommen war. Um Unterstützung zu erhalten, traten zu dieser Zeit sowohl Buchhändler als auch Verleger dem Börsenverein bei. Der Börsenverein ist ein Verein zur Vertretung der Interessen des Buchhandels. Infolgedessen wurde 1888 die Preisbindung für Bücher mit Hilfe des Börsenvereins unter dem Vorsitz von Adolf Kröner eingeführt. Durch die sogenannte Krönersche Reform verpflichteten sich die Mitglieder des Börsenvereins dazu, Bücher zu den vom Verlag festgelegten Preisen zu verkaufen. Wer die Grundsätze dieser Satzung nicht einhielt, wurde nicht mehr beliefert und gegebenenfalls sogar vom Börsenverein ausgeschlossen. Ein Ausschluss konnte Mitglieder und Nichtmitglieder des Börsenvereins treffen, hatte meist fatale wirtschaftliche Folgen und konnte sogar zum Ruin des Händlers führen. Die Buchhändler und Verleger hielten sich an die Vorgaben und die Buchpreisbindung setzte sich schnell vollständig durch. 1903 ereignete sich der „Bücher-Streit“. Schon zuvor wurden die festen Preise kontrovers diskutiert und besonders von Bibliotheken, wissenschaftlichen Verlagen und Wissenschaftlern kritisiert. Der „Bücher-Streit“ wurde durch die Frage entfacht, ob Festpreise die Bücher teurer oder günstiger machen würden. Zudem wurde hinterfragt, ob die Verlage eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Büchern wollten und ob dies für sie gesamtwirtschaftlich wichtig sei. Außerdem wurden diverse Argumente gegen die Preisbindung vorgebracht. Die Ergebnisse der daraus resultierenden Verhandlungen waren Nachbesserungen im Preisbindungssystem, wie beispielsweise die Einführung von Rabatten für Bibliotheken und die Beilegung des Streits. Durch die Einführung der Buchhändlerischen Verkehrsordnung und der Buchhändlerischen Verkaufsordnung wurde das Preisbindungssystem nachfolgend weiter gestärkt. Trotz einiger Schwierigkeiten und Kritik zur Zeit des Ersten Weltkrieges und der Inflation setzte sich die Preisbindung weiter durch. Zudem wurde sie bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nur minimal verändert. Durch die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem damit einhergehenden Zusammenbruch des Börsenvereins verlor die Satzung der Preisbindung ihre Gültigkeit. Auch wenn einige Besatzungsmächte sie eigentlich nicht genehmigten, wurde sie allerdings weiterhin in der Branche eingehalten. Als 1958 das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen verabschiedet wurde, gewährte man der Preisbindung für Verlagserzeugnisse eine Sonderregelung. Dadurch durften Verlagserzeugnisse trotzdem preisgebunden verkauft werden. 1974 wurden Sammelrevers beschlossen, die es den Buch- und Zwischenhändlern ermöglichten, Sammelverträge abzuschließen. So konnten viele Einzelverträge gebündelt werden. Außerdem wurde ein grenzübergreifendes Sammelrevers zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz geschlossen. Nach dem Eintritt Österreichs in die EU in den 1990er Jahren, wurde eine kartellrechtliche Beschwerde gegen den grenzübergreifenden Sammelrevers bei der EU-Kommission eingereicht und 2000 folgte dessen Verbot. Deshalb benötigte man eine gesetzliche Neuregelung der Buchpreisbindung in Deutschland. 2002 wurde daraufhin das Buchpreisbindungsgesetz verabschiedet, welches bis heute mehrmals überarbeitet und aktualisiert wurde. Die erste Überarbeitung erfolgte 2006 und enthielt beispielsweise die Einführung von Räumungsverkäufen und Kennzeichnungspflicht für Mängelexemplare. 2016 wurden die bis dahin nicht preisgebundenen E-Books in das Preisbindungsgesetz aufgenommen. Zudem wurde eine Reimportklausel eingefügt, welche das Umgehen der Buchpreisbindung durch Reimporte verhindert. Zuletzt wurde das Gesetz 2021 aktualisiert. Wiederkehrende Diskussionen über die Preisbindung In den letzten Jahren kamen immer wieder Diskussionen darüber auf, ob die Preisbindung aufgehoben werden sollte. Der letzte große Aufschrei folgte 2018, nachdem die Monopolkommission (Beratungsgremium, welches die Bundesregierung unterstützt) in einem Gutachten zu dem Schluss kam, dass die Buchpreisbindung den Markt behindere. Doch warum genau sollte dies der Fall sein? Nach Ansicht der Experten stünde der Schutz des Buches als Kulturgut im Gegensatz zum Interesse an einem freien Markt. Ihrer Ansicht nach gäbe es keine ausreichenden Belege dafür, dass die Preisbindung genügend kulturpolitischen Einfluss übe. Es wäre laut Experten aber fragwürdig, ob sich solche Belege finden lassen, und sie sehen die Buchpreisbindung daher als schwerwiegenden Markteingriff. Außerdem hielten sie es für wahrscheinlich, dass die EU die Buchpreisbindung in Bezug auf den grenzüberschreitenden Buchhandel für unvereinbar mit den geltenden EU-Regeln erklären würde. Solch ein Urteil würde der Kommission nach zu einem Wettbewerbsvorteil von ausländischen Unternehmen gegenüber dem inländischen Buchhandel führen. Selbiges sei auch bei der Arzneimittelpreisbindung der Fall gewesen, bei welcher der EuGH geurteilt hatte, dass dieses nicht mit der in der EU geltenden Warenverkehrsfreiheit vereinbar wäre. Dieses Urteil bildete ursprünglich den Anlass des Gutachtens und dem damit verbundenen erneuten Aufflammen der Diskussion über die Buchpreisbindung. Empörung aus der Branche Die Aussagen der Monopolkommission schlugen in Fachkreisen hohe Wellen. Nach der Erscheinung des Gutachtens gab es seitens des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Widerspruch. In einer unmittelbar nach dem Gutachten folgenden Stellungnahme betonte der damalige Geschäftsführer Alexander Skipis, dass durch die Preisbindung keine Wettbewerbsbeschränkung entstehen würde, sondern es bestärke das Buch als Kulturgut und garantiere zudem „ein breites und vielfältiges Buchangebot“. Des Weiteren kritisierte der Börsenverein, dass sich der Bericht der Kommission auf veraltete Studien beziehe und keine eigenen aktuelleren Erhebungen durchgeführt wurden. Der Vergleich mit der Schweiz sei ebenfalls fragwürdig, da die Schweizer Verlage 80% ihres Umsatzes auf dem deutschen Markt erzielen. Dagegen seien die Zahlen der Buchhandlungen jedoch zurückgegangen. Die Sicht von Autor:innen Auch Autor:innen sind davon überzeugt, dass die Buchpreisbindung überlebenswichtig für viele Buchhändler, aber auch für Autor*innen selbst ist. In einem Interview von Deutschlandfunk mit der Bestseller-Autorin Nina George prophezeite diese weitreichende negative Konsequenzen durch eine Aufhebung der Preisbindung. Sie schütze nicht nur das Buch als Kulturgut, sondern sorge auch für niedrige Preise. Wenn die Preisbindung aufgehoben würde, dann würden die Preise steigen. Kleinere Buchhandlungen unterliegen der Konkurrenz und die Programme der Verlage würden sich auf Bestseller beschränken. Dies würde die Vielfalt der Literatur einschränken, so George. Ihrer Meinung nach sei der britische Buchmarkt ein gutes Beispiel. Seit hier die Preisbindung aufgehoben wurde, seien die Honorare für Autor:innen stark gesunken und die großen Ketten profitierten, wohingegen die inhabergeführten Buchhandlungen zu kämpfen hätten. George kritisierte im Interview zudem, dass Autor:innen es ohne Preisbindung schwerer hätten ein Buch zu veröffentlichen, da die Verlage den Fokus dann vor allem auf Bestseller legen würden, die eine Erfolgsgarantie besitzen. Denn für kleinere Projekte würde das Geld fehlen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Debatte um die Buchpreisbindung entwickelt und ob das Gesetz in Zukunft vielleicht reformiert wird. Was denkt Ihr über dieses Thema?   Quellen: Börsenblatt (2018): Monopolkommission will Buchpreisbindung abschaffen. Online verfügbar unter: https://www.boersenblatt.net/archiv/1474127.html, veröffentlicht am 29.05.2018, zuletzt eingesehen am 14.09.2022. Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. (o.J.): Preisbindungsgesetz Deutschland. Online verfügbar unter: https://www.boersenverein.de/fileadmin/bundesverband/dokumente/beratung_service/politik_recht/buchpreisbindung/preisbindung/Wortlaut_Preisbindungsgesetz.pdf, zuletzt eingesehen am 11.09.2022. Bundeszentrale für politische Bildung (2016): Preisbindung. Online verfügbar unter: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20310/preisbindung/#:~:text=Durch%20Preisbindung%20soll%20der%20Preiswettbewerb,Verlagserzeugnisse%20wie%20B%C3%BCcher%20und%20Zeitschriften., zuletzt eingesehen am 11.09.2022. Buzer (o.J.): Synopse aller Änderungen des Buchpreisbindungsgesetz am 01.09.2016. Online verfügbar unter: https://www.buzer.de/gesetz/1037/v200424-2016-09-01.htm, zuletzt eingesehen am 12.09.2022. Deutschlandfunk (2018): „Buchpreisbindung wird uns einen fairen Wettbewerb garantieren“. Online verfügbar unter: https://www.deutschlandfunk.de/buchhandel-buchpreisbindung-wird-uns-einen-fairen-100.html, veröffentlicht am 30.05.2018, zuletzt eingesehen am 14.09.2022. Lehmanns Media GmbH (o.J.): Fragen und Antworten zur Buchpreisbindung. Online verfügbar unter: https://www.lehmanns.de/page/buchpreisbindung, zuletzt eingesehen am 11.09.2022. Monopolkommission (o.J.): Sondergutachten 80: Die Buchpreisbindung in einem sich ändernden Marktumfeld. Online verfügbar unter: https://www.monopolkommission.de/de/pressemitteilungen/206-buchpreisbindung.html, zuletzt eingesehen am 14.09.2022. Rechtsanwaltssozietät Fuhrmann Wallenfels Binder (o.J.): Preisbindung für Bücher. Online verfügbar unter: http://www.preisbindungsgesetz.de/content/info/1001-preisbindung-fuer-buecher.htm, zuletzt eingesehen am 12.09.2022. Schulz, Christina (2003): Die Buchpreisbindung und ihre Wirkungen auf den deutschen Buchmarkt. Online verfügbar unter: https://m.diplom.de/document/222132, veröffentlicht im Mai 2003, zuletzt eingesehen am 12.09.2022. Umlauf, Konrad/Pohl, Sigrid (2018): Eine kurze Geschichte von Buch und Buchhandel. Online verfügbar unter: https://libreas.eu/ausgabe34/umlauf/, zuletzt eingesehen am 12.09.2022. Verch, Ulrike (2022): Alles was Recht ist: Das Buchpreisbindungsgesetz. Online verfügbar unter: https://reposit.haw-hamburg.de/bitstream/20.500.12738/13091/1/Verch_Buchpreisbindung.pdf, veröffentlicht am 30.06.2022, zuletzt eingesehen am 12.09.2022.

Pressefreiheit – ist die Presse wirklich frei?

Seit 73 Jahren garantiert Artikel 5 des Grundgesetzes die Presse-, Meinungs-, Rundfunk- und Informationsfreiheit in unserem Land. Für uns ist dieses Recht selbstverständlich. Doch nicht überall auf der Welt haben die Menschen die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und ihre Meinung frei zu äußern. 2020 wurden weltweit 387 Medienschaffende im Zusammenhang mit ihrer Arbeit inhaftiert, 54 entführt und 50 getötet. Vier Journalist:innen galten als verschwunden. Seither verschlechtert sich die Lage zunehmend. 2022 sind aktuell 762 Medienschaffende inhaftiert und 52 wurden getötet. Der Internationale Tag der Pressefreiheit Am 3. Mai, dem Internationalen Tag der Pressefreiheit, soll auf die Bedeutung und Wichtigkeit der freien Berichterstattung sowie Verletzungen der Pressefreiheit weltweit aufmerksam gemacht werden. Dieser Tag wurde 1993 auch zur Erinnerung an verfolgte und ermordete Journalist:innen ins Leben gerufen. Für besondere Verdienste um die Pressefreiheit verleiht die UNESCO außerdem jährlich den „Guillermo Cano-Preis“ am 3. Mai.   Die Bedeutung der Pressefreiheit Die Pressefreiheit ermöglicht es den Medien frei und unabhängig zu berichten, die Öffentlichkeit zu informieren und Missstände aufzudecken. Sie trägt damit zu einer freien Informationsbeschaffung, Meinungsbildung und -äußerung bei und kontrolliert den Staat und die Politik als eine Art vierte Gewalt. Dadurch bildet sie die Grundlage für eine demokratische Gesellschaft. Trotzdem ist die Pressefreiheit nicht in allen Demokratien immer gesichert.   Pressefreiheit in Deutschland In Deutschland ist die Pressefreiheit als Menschenrecht in Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschrieben. Hier heißt es: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ (Art. 5 Abs. 1 GG) Nachfolgend werden die Grenzen benannt. So muss sich natürlich an geltende Gesetze gehalten werden und Verletzungen der Persönlichkeitsrechte des Einzelnen sowie Diskriminierungen sind untersagt.   Die Rangliste der Pressefreiheit Die international tätige Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“, welche 1985 von vier französischen Journalisten gegründet wurde, engagiert sich für Pressefreiheit und für aus politischen Gründen in Haft sitzende Journalist:innen sowie gegen Zensur. Zudem gibt sie seit 2013 jährlich am 3. Mai die Rangliste der Pressefreiheit heraus, welche die Pressefreiheit in 180 Ländern beurteilt. Quelle: Reporter ohne Grenzen    2021 wurde die Pressefreiheit in nur 12 Ländern mit „gut“ bewertet - der bisher niedrigste Stand, seit es diese Liste gibt. In fast drei Viertel der 180 Länder ist die Pressefreiheit bedeutend eingeschränkt. Deutschlands Bewertung hat sich von „gut“ zu „zufriedenstellend“ verschlechtert. Das liegt vor allem an den vielen Angriffen auf Journalist:innen, die es auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gab. Auch die schrumpfende Pressevielfalt durch den Zusammenschluss von Redaktionen und den Wegfall von immer mehr Lokalredaktionen stellt schon länger eine Gefährdung für die Pressefreiheit in Deutschland dar.   Wie die Pressefreiheit in anderen Ländern eingeschränkt wird Weltweit gibt es zahlreiche Länder, in denen die Berichterstattung eingeschränkt ist und Staats- und Regierungschefs gegen die Presse hetzen und damit Misstrauen schüren. Diktaturen oder autoritäre Regimes, wie z. B. Nordkorea, China und Ägypten, versuchen mit immer perfideren Mitteln die Pressefreiheit zu untergraben. Zunehmend werden unabhängige Informationen unterdrückt und stattdessen illiberale Ideologien verbreitet. Bei Demonstrationen, wie beispielsweise in Haiti, Frankreich und Chile, kommt es immer wieder zu Ausschreitungen gegen Medienschaffende. So wurde in den USA, besonders im Zusammenhang mit den Black-Lives-Matter-Protesten, massive Gewalt gegen Journalist:innen ausgeübt. Außerdem torpedierte der ehemalige Präsident der USA Trump während seiner Amtszeit permanent kritischen Journalismus. Wer in Belarus über die Massenproteste nach der Präsidentenwahl berichtete, wurde vorübergehend festgenommen. Kritische Journalist:innen in Algerien und Marokko werden durch diverse Anklagen eingeschüchtert. In der Türkei geht die Regierung drastisch gegen Medienschaffende vor und es gibt immer wieder Verurteilungen von Journalist:innen. So befinden sich momentan etwa 150 Medienschaffende in diesem Land in Haft. Damit ist die Türkei das Land mit den meisten inhaftierten Journalist:innen weltweit. In Deutschland leben mehrere türkische Journalist:innen im Exil, die in ihrem Land in Abwesenheit zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie kritisch über die Machenschaften der Regierung berichteten. Mit dem Machtantritt Viktor Orbáns 2010 änderte sich auch die Medienlandschaft Ungarns drastisch. Eine staatliche Zentralisierung der einzigen Nachrichtenagentur und aller öffentlich-rechtlichen Rundfunksender sowie die Kontrolle über die regionale Presse sicherte eine zentrale Koordinierung aller Medienberichte. Regierungskritische und investigative Medien wurden eingestellt, sodass keine unabhängige Berichterstattung mehr möglich ist. Obwohl es im Nachbarland Slowenien eine garantierte Medienfreiheit gibt, ist auch hier kritischer Journalismus stark vom Thema abhängig. Wird zum Beispiel über Korruption oder andere heikle Themen berichtet, muss mit Sanktionen oder Anklagen gerechnet werden. Auch in Polen herrscht zunehmend ein pressefeindliches Klima. In den letzten sieben Jahren setzte die polnische Regierung alles daran, die mediale Berichterstattung zu überwachen. Der öffentliche Rundfunk wurde unter anderem durch die Entlassung von 250 Medienschaffenden unter Kontrolle gebracht und aus öffentlichen Sendern wurden „nationale Medien“. Die gefährlichsten Länder für Journalist:innen sind zurzeit Afghanistan, Iran, Irak, Saudi-Arabien, Mexiko und Honduras. Hier muss die Wahrheit im schlimmsten Fall mit dem Leben bezahlt werden, wie mehrere, zum Teil ungesühnte, Journalist:innenmorde in den letzten Jahren zeigen. 2020 wurde nach 30 Jahren erstmals ein Journalist im Iran auf staatliche Anordnung hingerichtet.   Die Situation in Russland In Russland gab es schon vor den momentanen Entwicklungen Einschränkungen der Pressefreiheit durch Gesetze und eine verstärkte, nahezu lückenlose Online-Überwachung. Alle Medien wurden kontrolliert und viele, wie auch die wichtigste Nachrichtenquelle Russlands, das Fernsehen, unterstehen dem Staat. Für viele Medienschaffende sind Einschüchterungen, Übergriffe, Schikane und Verfolgung Alltag und diese Gewalt wird nicht geahndet. Der Krieg gegen die Ukraine schränkt die Berichterstattung weiter drastisch ein. Um der Bevölkerung die Wahrheit über den Krieg vorzuenthalten, geht die russische Regierung verschiedene Wege. Das neueste Gesetz erlaubt Geldbußen und die Verurteilung mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren für Medienschaffende, die nach Russlands Ansicht falsche Informationen veröffentlichen. Es ist verboten, die Worte „Krieg“, „Invasion“ und „Aggression“ frei zu verwenden. Die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter sowie Internetseiten von ausländischen Medien wurden blockiert oder eingeschränkt. Der Fernsehsender „Doschd“ und der unabhängige Radiosender „Echo Moskwy“ samt seiner Internetseite wurden ebenfalls gesperrt. Über von russischen Streitkräften getötete Zivilisten darf nicht berichtet und der Angriffskrieg soll verharmlost und als „spezieller Militäreinsatz“ dargestellt werden. Unterdessen verleugnet Russlands Regierung vehement das Stattfinden von Zensur.   Corona-Pandemie als Anlass für Einschränkungen der Pressefreiheit Während der Corona-Pandemie kam es weltweit zu Einschränkungen und Unterdrückungen von Berichterstattungen zum Pandemiegeschehen. Ägypten untersagte die Herausgabe aller nicht-offiziellen Infektionszahlen, Ungarn und Malaysia bestraften die Verbreitung von „Falschmeldungen“ und in Syrien wurden sogar nur Nachrichten der staatlichen Nachrichtenagentur zugelassen und für alle anderen Medien eine Nachrichtensperre angeordnet. Auch Desinformationen wurden von Staats- und Regierungschefs, wie Donald Trump (USA), Jair Bolsonaro (Brasilien) und Nicolás Maduro (Venezuela), verbreitet. In einigen Ländern, wie Venezuela, dem Kosovo, Serbien und vor allem China, wurden Journalisten aufgrund ihrer Berichterstattung zur Corona-Pandemie festgenommen.   Es bleibt abzuwarten, welche weitere Entwicklung die Pressefreiheit nimmt. Der 3. Mai ruft uns die Missstände in Erinnerung. Es gibt zu viele Ereignisse, die die Pressefreiheit bedrohen. Zu hoffen ist, dass die Lage eine positive Entwicklung nimmt.   Autorin: Kristin Scharn   Bilder: Beitragsbild von ReadyElements von pixabay. Online verfügbar unter: https://pixabay.com/de/photos/bekanntmachung-artikel-3509489/. Reporter ohne Grenzen: Weltkarte der Pressefreiheit 2021. Online verfügbar unter: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/downloads.   Quellen: Anwalt.org (2022): Was bedeutet Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland?. Online verfügbar unter: https://www.anwalt.org/pressefreiheit/, veröffentlicht am 16.01.2022, zuletzt eingesehen am 24.04.2022. Bundesministerium für Justiz: (o.J.): Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 5. Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html, zuletzt eingesehen am 24.04.2022. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (2021): 3. Mai: Welttag der Pressefreiheit. Online verfügbar unter: https://www.lpb-bw.de/pressefreiheit#c68174, veröffentlicht im April 2021, zuletzt eingesehen am 24.04.2022. Reporter ohne Grenzen (2022): Barometer der Pressefreiheit 2022. Online verfügbar unter: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/barometer/2022/journalisten-getoetet, zuletzt eingesehen am 25.04.2022. Reporter ohne Grenzen (o.J.): Pressefreiheit - warum?. Online verfügbar unter: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/pressefreiheit-warum, zuletzt eingesehen am 24.04.2022. Reporter ohne Grenzen (2021): Rangliste der Pressefreiheit. Online verfügbar unter: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2021, zuletzt eingesehen am 24.04.2022. Reporter ohne Grenzen (2021): Rangliste der Pressefreiheit 2021. Online verfügbar unter: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Downloads/Ranglisten/Rangliste_2021/Rangliste_der_Pressefreiheit_2021_-_RSF.pdf, veröffentlicht am 03.05.2021, zuletzt eingesehen am 24.04.2022. WDR (2022): Hohe Haftstrafen angedroht: Wie Russland die Pressefreiheit einschränkt. Online verfügbar unter: https://www1.wdr.de/nachrichten/russland-medien-propaganda-pressefreiheit-100.html, veröffentlicht am 05.03.2022, zuletzt eingesehen am 24.04.2022.

Transmediälität – Aus dem Leben eines Studenten

Ein flüchtiger Blick auf das Handy, um die Uhr zu checken. Es ist 2.24 Uhr, der Akku schwindet der Leere entgegen und mit den letzten drei Prozent wird noch einmal Sk8ter Boi von Avril Lavigne durch die Bluetooth Box gejagt. Es macht sich eine leichte innere Unruhe bemerkbar, welche gewiss in schiere Panik ausbrechen würde, wäre sie nicht tief unter zwei Flaschen Wein und einer halben Flasche Pfeffi begraben. Die Kommilitonen singen laut, es liegt Zigarettenrauch und Geselligkeit in der Luft und um 7.30 Uhr haben alle ein Date mit dem Prof. beim Seminar für Kosten- und Leistungsrechnung. Egal! Man hat sich ja endlich mal näher kennengelernt. Man hat so vielen spannenden Geschichten gelauscht und man hat so viele Geschichten über sich erzählt. Das machen wir ständig. Also ich meine das Geschichten erzählen. Wir erzählen uns Geschichten über die Dinge, die man erlebt hat und über die Dinge, die man erleben könnte. Das machen wir, um uns zu erinnern, um Wissen oder Werte zu vermitteln, um einander besser kennenzulernen oder einfach um die Langweile vom Hof zu jagen.  Ich gebe zu, das war eine ziemlich lange Einleitung, um darauf hinzuleiten, dass ich mit Geschichten arbeite. Um genauer zu sein, untersuche ich transmediales Storytelling. Das ist eine Methode, um Geschichten über verschiedene Medien hinweg weiterzuerzählen. Natürlich spricht man da von großen Erzählwelten, welche euch Tage, um Wochen, um Monate und gar Jahre in ihren Bann ziehen könnten – und nicht um schmuddelige Schandtaten aus der Oberstufe. Vielleicht habt ihr schon einmal von Harry Potter, Tolkiens Legendarium (Der Herr der Ringe, Hobbit, etc.), Game of Thrones oder The Witcher gehört? Genau solche Erzählwelten sind das!   Diese Geschichten sind so groß, komplex und haben so viele verschiedene Menschen erreicht, dass sie eine kulturelle Wahrnehmung und Bedeutung erreicht haben. Dabei transportieren diese Geschichten nicht nur Unterhaltung, sondern auch Werte und Wissen. Der Erfolg solcher Erzählwelten, kann man mitunter auf die aktuelle Medienlandschaft unserer Zeit zurückgeführt werden. Gute Geschichten gab es schon immer, aber heute kann man sie mithilfe von Filmen, Serien, Büchern, Comics, Computerspielen und vielen mehr erzählen. Doch das will gekonnt sein! Was ist eine gute Geschichte, wie kann man sie erweitern und verändern? Wie erschaffe ich eine solide Erzählwelt? Was benötigt man für die konzeptionelle und technische Umsetzung? Wie verknüpfe ich verschiedene Medien mittels einer Erzählwelt? Wie pflege ich meine Community? Wie beeinflussen sich Geschichten gegenseitig? Diesen und vielen weiteren Fragen gehe ich auf dem Grund.   Tatsächlich bin ich durch Verlage der Zukunft mit dem Thema „Transmediales Erzählen“ erstmalig in Kontakt gekommen und nach einigen Verirrungen und auch recht spät konnte ich dann eine tiefe Leidenschaft dafür entwickeln. So war es mir möglich, mich zu motivieren, nach meiner Masterarbeit weiter zu forschen, eigene Fachliteratur zu verfassen und zu veröffentlichen. Des Weiteren konnte ich bereits auf Fachforen, in Hochschule und in Betrieben Vorträge und Learning Sessions abhalten. Das mach ich, weil ich begeistert bin: Begeistert von den Geschichten, die mich geprägt haben, begeistert von all den Möglichkeiten unserer Zeit, denen man bisher noch nicht auf die Schliche gekommen ist und ich bin begeistert von großartigen Inhalten, die einst noch unsere Kulturen prägen könnten.   Ja, ja bei allem überschwänglichen Geschwafel birgt es bestimmt auch noch Entwicklungskraft, wirtschaftliche Beständigkeit und hier und da fett Kohle für Medienunternehmen. Aber das sind eher Argumente, um Stakeholder aus der Wirtschaft zu gewinnen. Doch mit diesen Selbstportrait (sind wir mal ehrlich: es ist eher ein Aufruf) will ich euch auf dieses Thema aufmerksam machen. Wir leben in einer spannenden Zeit.   Die gesamte Medienbranche hat sich in kurzer Zeit so schnell und vielschichtig entwickelt, dass wir einen riesigen Pool an Möglichkeiten haben. Besonders hier in unserem verschlafenen Deutschland mit Paperback und Faxgerät. Dinge, wie Geschichten und Erzählungen, die eigentlich ein oller Hut sind, weil die schon vor langer Zeit umfassend erforscht wurden, gewinnen in der heutigen Zeit neue Geltung und Möglichkeiten. Also haltet Geist und Augen offen und traut euch die wildesten Ambitionen und Begeisterungen zuzulassen.   Ein letzter Absatz noch zu meiner Motivation warum ich so vernarrt in Storytelling bin. Ich könnte ja auch für wissenschaftliche, technische oder administrative Inhalte brennen, oder? Mit der üppigen Einleitung über Geschichten habe ich es schon angedeutet. Das Erzählen von Geschichten ist ein wesentliches Fundament sozialer und kultureller Begebenheiten, wie zum Beispiel das Erinnern oder auch die Vermittlung von Wissen und Werten. Wir alle sind nicht nur Erzähler und Rezipient der Geschichten anderer, sondern auch mitunter deren Teil und besonders der Protagonist der eigenen. Die Geschichten von Heute werden das Morgen prägen und ich will beeinflussen, wie und wodurch diese erzählt werden.     Ich konnte dich begeistern oder deine Begeisterung für Transmedia Storytelling noch weiter entfachen? Großartig! Dann schreib dem Team der VDZ um sich in Verbindung zu setzen. Ich bin nicht allein im Boot der Verrückten, wir haben einen Stammtisch und es gibt viel auszutauschen und voneinander zu lernen.    Autor: Philipp-Jacob      Bildquelle: https://pixabay.com/de/illustrations/geschichtenerz%c3%a4hlen-fantasie-4203628/

Verlage der Zukunft
Innovations- Was?

Der hohe Innovationsdruck in der Verlagsbranche steht außer Frage.  (Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020, S. 15)     Mit diesem als Fakt präsentierten Statement, wird der erste Abschnitt der Innovationsstudie Innovationsmonitor Publishing von Daniel Lenz, Steffen Meier, Okke Schlüter und Alexander Pinker eingeleitet.  In der Studie wurden, anhand einer groß angelegten empirischen Erhebung, Kriterien formuliert und definiert, um den Stand des Innovationsmanagements in Verlagen zu ermitteln. Mit der Kombination aus quantitativer Umfrage und qualitativen, ausführlichen Interviews sollte ermittelt werden, wie die Publisher den Begriff Innovation intern definieren und wie sie damit umgehen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auch auf dem Blick in die internen Prozesse und Vorgehensweisen verschiedener Publisher.   Zweifellos: Den Wahrheitsgehalt des oben angeführten Zitats würden die meisten LeserInnen beim erstmaligen Überfliegen nicht anzweifeln. Digitalisierung, Transformation und die vielen neuen Möglichkeiten - natürlich hat das Folgen auf jedes Unternehmen. Dennoch regt sich ein leiser Widerstand in mir, betrachte ich die Worte 'hoch' und 'Druck' genauer.  Es stellen sich zahlreiche Fragen:  Was ist Innovation eigentlich?  Gibt es so etwas wie einen Innovationsdruck und wenn ja, ist er wirklich so hoch?  Woher kommt dieser 'Druck' und welche Konsequenzen werden befürchtet?  Wen betrifft dieser Innovationsdruck im speziellen oder gilt er pauschal für alle?  Welche Folgen haben die Antworten dieser Fragen für die Publisher von heute und morgen?     (In diesem Artikel sollen diese Fragen aus der Perspektive einer Studentin und Kundin, nicht der einer Expertin, diskutiert werden.)     Innovationsmonitor Publishing  Die Studie erschien 2020 und war ein Projekt der Hochschule der Medien Stuttgart, Alexander Pinker Innovation-Publishing und dem Digital Publishing Report. Sie wurde finanziell durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels gefördert und Teilnehmer der qualitativen Befragung waren Verlage wie HANSER, Thieme, aufbau und S.FISCHER.  Gleich einem Lehrwerk wird zuerst die Ist-Situation in der Verlagsbranche bezüglich des Innovationsdrucks, der unterschiedlichen Definitionen von Innovation und den Trends der Publishing-Branche betrachtet. Darauf folgen die Ausführungen zu den, aus den Interviews und Umfrage gewonnenen, Erkenntnissen bezüglich der Ideenfindung, der Konzeption, der Implementierung und Bewertung von Innovationen.  Auch auf die Agenda, also die Ziele und Trends der StudienteilnehmerInnen bis 2025, wird eingegangen, ebenso wie auf den Punkt Erfolge und Misserfolge im Innovationsmanagement.  Den Schluss bildet ein Anhang mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie sowie einer Übersicht zu Innovationsmethoden und Arbeitsblättern zum Design-Agility für Verlage.     Die wichtigsten Punkte im Überblick:  Ziel der Studie: Definition von Kriterien zur Ermittlung des Stands des Innovationsmanagements in Verlagen und Erstellen eines repräsentativen Statusberichts Ausgangspunkt: Disruption der bestehenden Märkte und Innovation als Handlungsoption, wobei Innovation verschiedenartig definiert wird Die Hälfte der befragten Verlage befürchtet die Substitution ihres Hauptangebots und reagiert mit Konzentration auf die Kernkompetenzen oder Innovationen bis hin zur Neuausrichtung des Geschäftsmodells Das Business Development gewinnt an Bedeutung Interne Ideenimpulse zu Innovationen haben nach Aussage der Teilnehmer höhere Erfolgsquoten, externe Impulse spielen jedoch auch eine Rolle Die Beobachtung der Entwicklung neuer Technologien und Anwendungen gewinnt an Bedeutung Knappe Ressourcen bezüglich des Personals und der finanziellen Mittel werden als Hauptgründe für das Scheitern von innovativen Projekten genannt Innovative Aktivitäten, jedoch kein Management für diese (Ideen-, Innovationsmanagement) Bewertung von Innovationen: Quantitative Erfolgsgröße dominiert (monetär) Trends: Geld und Zeit für Innovationen investieren, Risikobereitschaft und Belebung des Innovationsgeschehens   Das Grundgefühl, das nach Lesen der Studie bleibt, ist das, dass die AutorInnen sich mehr Risikobereitschaft und ein frischeres oder weniger 'Altes-bewehrt-sich'- Denken des Managements der Publisher wünschen. Es wird deutlich, dass auch nur dadurch Innovation (in welcher Form auch immer) geschehen kann. Der Wunsch und Bedarf sei durchaus gegeben, nur die Ressourcen nicht.     Was ist Innovation eigentlich?  Der Begriff Innovation leitet sich aus dem lateinischen Begriff innovatio ab und bedeutet Erneuerung. Bergmann definiert Innovation wie folgt: Ideen, die von einer bestimmten Gruppe als neu wahrgenommen und auch als nützlich anerkannt werden. (Disselkamp, Innovationsmanagement, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2012, S. 17 zit. n. Bergmann 2000, S. 19).  Nach Herrn Bergmann ist eine Innovation also nicht nur etwas Neues, eine Erneuerung, sondern wird auch von anderen als nützlich erachtet. Er bringt zudem den Begriff der Idee mit ins Spiel, wobei der Duden die Idee als einen schöpferischen Gedanken oder Einfall definiert. Eine Innovation kann demnach jede Dimension in jedem Bereich der unternehmerischen Aktivitäten annehmen, solange sie 'nützlich' ist.  Aus der Studie geht hervor, dass Publisher eine sehr individuelle Definition der Innovation haben. Die Aneignung eines bisher nicht genutzten Konzepts oder die Erneuerung eines Produktes werden zum Beispiel als solche bezeichnet. Der neu entstandene Nutzen für den/die EndkundInnen wird hier besonders betont. Die Verbesserung von Produkten und Erschließung neuer Märkte bis hin zur internen Prozessoptimierung und Lösung alltäglicher Probleme sind innovativ.    Aus den Antworten der Studienteilnehmenden wurde folgende Arbeitsdefinition zur Innovation im Publishing formuliert:   Innovationen sind prozess- und produktbezogene Innovationen, die entweder aus der eigenen oder von fremden Branchen abgeleitet werden können. Sie müssen dabei besonders das aktuelle Verständnis der Arbeit im Unternehmen verändern und den Fokus haben, sowohl Mitarbeiter als auch die Kunden zu unterstützen und ihnen einen Mehrwert zu liefern. Im Fokus dieser Maßnahmen stehen zudem auch die Steigerung von Effizienz und Transparenz. […] Innovation ist dabei ein Prozess, der stetig läuft und unter Umständen Strukturen innerhalb des Unternehmens verändert. (Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020, S.21)     Innovationsdruck  Der Duden definiert Druck als: gewaltsame, zwanghafte, jemanden bedrängende Einwirkung von außen.  Innovationsdruck ist dem entsprechend eine gewaltsame oder bedrängende Einwirkung von außen. Diese resultiert nach Befragung der StudienteilnehmerInnen daraus, dass 89% der Befragten Innovationen als 'dringlich' bis 'sehr dringlich' im Unternehmen sehen, um auf dem Markt bestehen zu können. Bei Presse- und Fachverlagen scheint diese besonders groß.  Auch die Angst vor Substitution (also einer resultierenden Verdrängung aus dem Markt) wird als Grund angebracht, wobei 46% dies nicht als fundamentale Bedrohung ansehen. (Vgl. Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020, S. 19.)  Die Einwirkung von außen ist also der Markt, beziehungsweise dessen Entwicklung. Jedoch betrachtet die Studie in diesem Fall weniger den Markt als Gesamtgefüge, als die unterschiedlichen Marktteilnehmer. Die angeführten Punkte sprechen dafür, dass der Druck eher im Inneren der Verlage entsteht. Die Angst, nicht bestehen zu können und substituiert zu werden.   Wer zwingt wen? Zwingt der Markt die Publisher zur Innovation oder zwingen die Publisher sich selbst und den Markt zur Innovation? Die Antwort auf diese Frage kann sehr unterschiedlich ausfallen. Sie hängt vom Verlagstypen ab, wie aus der Studie hervorgeht.     Presse- und Fachverlage  Sie bewerten die Dringlichkeit von Innovationen mit im Schnitt über 95% als 'dringlich' bis 'sehr dringlich'. Auch die Bedrohung durch Substitution wird von über 50% der Befragten als sehr intensiv wahrgenommen.  Betrachtet man diese Einschätzung im Zusammenhang mit dem rasanten Tempo, mit dem sich die Technik und das Internet in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben, ist sie durchaus nachzuvollziehen. Die Konsumierenden stellen neue, erweiterte Ansprüche an die Produkte, die aus diesen Entwicklungen resultieren. Die Verlage müssen demnach reagieren und neue Lösungen für die Befriedigung der Kundenbedürfnisse finden.  23% der befragten Fachverlage bewerteten sich als sehr innovativ. (Vgl. Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020, S. 19.) Doch das müssen sie auch sein, da sie sonst der Nachfrage auf dem Markt nicht entsprechen können oder diese zurückgeht.    Publikumsverlage  Publikumsverlage nehmen die Bedrohung durch Substitution als geringer wahr als Presse- und Fachverlage (39%). (Vgl. Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020, S. 19.)  Das mag daran liegen, dass sie, anders als Presse- und Fachverlage, mit 'Unterhaltung' handeln, nicht mit Neuigkeiten bzw. Fachwissen. Der Zugang zu Unterhaltung in Form von Büchern ist, wenn man die gesamte Konkurrenz betrachtet, mit einem relativ gleich hohen Aufwand verbunden. Hierbei hat sich wenig verändert (und wenn doch eher zum Positiven), was die Kosten des/der KundIn für die Erlangung des Gutes betrifft. Anders sieht das bei Presse- und Fachverlagen aus, bei denen die Transaktionskosten des/der KundIn im Vergleich zu einem potentiellen Substitut viel höher sind (Kosten, Zugang, Barrierefreiheit etc.).  Als Argument ist auch anzubringen, dass es sich hierbei seltener um 'Mussliteratur' handelt, oder anders ausgedrückt: Jemand der gerne liest wird immer beim Buch als Unterhaltungsmittel seiner Wahl bleiben. Die Nachfrage bleibt also relativ konstant, solange die Anzahl der Präferierenden gleichbleibt.  Die Erwartungen der Konsumierenden bezüglich etwaiger Innovationen beschränken sich vermutlich hauptsächlich auf die Produktion neuen Contents und der Buchgestaltung. Ein Druck zur Innovation würde demnach eher von innen, also aus dem Verlag selbst, kommen.     Bildungsverlage  Am geringsten wird die Bedrohung durch Substitution von den Bildungsverlagen eingeschätzt (23%). Die Basis - die Nachfrage, aufgrund derer sie existieren und agieren - ist sehr schwer zu substituieren. Sie bereiten Wissen sach- und fachgerecht zum Zweck der Bildung auf, der nicht entfallen wird und somit ist auch das Risiko für die Verlage viel geringer.  Demzufolge müsste auch der Innovationsdruck von außen geringer sein als bei dem der Presse- und Fachverlage. Dennoch bewerten sich 27% der Bildungsverlage als sehr innovativ (Vergleich: Bei Fachverlagen bewerten sich 23% als innovativ). (Vgl. Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020, S. 19)    Der Druck zur Innovation kann also begründeter sowie weniger begründeter Weise sowohl von innen als auch von außen kommen. Besteht ein Druck von innen, so ist die Bezeichnung 'Innovationsdrang' treffender. Eine nähere Betrachtung dieses Phänomens könnte der Optimierung der Prozesse in Verlagen ebenfalls zuträglich sein.    Was sind die Konsequenzen?  Der Innovationsdruck kann als Folge des Marktmechanismus betrachtet werden und ist in einem bestimmten Maße vonnöten und sinnvoll, um sich als Unternehmen zu behaupten. Probleme entstehen dann, wenn man nicht genug oder zu wenig investiert, um der KundInnennachfrage zu entsprechen.  Gerade durch den Schritt vom Analogen ins Digitale musste sich das Verlagswesen fundamental in seinen Prozessen und Produkten revolutionieren, um mit anderen konkurrierenden Märkten Schritt halten zu können. Themen, die laut der Studie in den kommenden fünf Jahren von großer Bedeutung für die Branche sein werden, sind:  Neue digitale Produkte  Big Data (Datenhaltung)  Künstliche Intelligenz  Cloud Computing  Individualisierte Angebote  Omni-Channel-Vertrieb  (Vgl. Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020, S. 26) Die befragten Publisher haben einen klaren Plan für die nahe Zukunft. Die Agenda 2024 lautet dabei neue zielgruppenspezifische Angebote zu entwickeln und ihre digitalen Geschäftsmodelle auszubauen. (Alexander Pinker) Welche davon sich als zukunftsweisend herausstellen werden, bleibt abzuwarten. Fundamental für den Erfolg von Innovationen ist und bleibt jedoch das Management dieser. Leider fehlen hierbei oft noch die Ressourcen und die spezifische Methodik, sowie Monitoring.  Der erste Schritt sollte also eine genaue, produkt- und unternehmensspezifische Marktanalyse und der Ausbau einer Abteilung für das Management der Innovationen sein. Dies betrifft sowohl die Ideenfindung als auch die Finanzierung, Koordinierung und Schulung oder Akquisition adäquaten Personals.      Autorin: Noemi Boettcher    Bildquelle:  Bild von Gerd Altmann auf Pixabay. https://pixabay.com/de/illustrations/tafel-schritt-aufeinander-folgend-1273117/    Textquellen:   Disselkamp, Innovationsmanagement, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2012, S. 17 zit. n. Bergmann 2000, S. 19.   Lenz, Meier, Schlüter, Pinker; Innovationsmonitor Publishing - Studienbericht 2020, BoD - Books on Demand, 2020.    O A. Duden | Druck | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. https://www.duden.de/rechtschreibung/Druck_Kraft_Auszeneinwirkung (zugegriffen: 30. Juni 2021).    O A. Duden | Idee | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. https://www.duden.de/suchen/dudenonline/Idee (zugegriffen: 30. Juni 2021). 

Verlage der Zukunft
Alles neu macht der August – Die Urheberrechtsreform

Ab dem 1. August treten umfangreiche Änderungen bezüglich des Urheberrechts in Kraft. Aufgrund der Digitalisierung entschied man sich für neue Regelungen, welche weitreichende Folgen für unsere Nutzung von Upload-Plattformen haben werden. Die wichtigsten Informationen einmal hier im Überblick:   Verlage werden wieder an den Einnahmen der Verwertungsgesellschaft Wort beteiligt. Sofern Privatkopien, Bibliotheksausleihen oder anderer gesetzlich erlaubter Nutzung der Werke angefertigt werden, zahlen die entsprechenden NutzerInnen Geld an die Verwertungsgesellschaft, welche dann bis 2015 zwischen AutorInnen und Verlagen aufgeteilt wurden. 2015 entschieden der Bundesgerichtshof und der Europäische Gerichtshof, dass diese Einnahmen allein den VerfasserInnen zustehen.   Das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz erhält eine vorzeitige Entfristung der Schrankenregelungen, die ursprünglich bis 2023 galten. Das heißt, Bildungseinrichtungen dürfen auch nach diesem Zeitpunkt unter anderem 15 Prozent eines veröffentlichten Werks ohne Genehmigung, dafür mit pauschaler Abgeltung für Unterrichtszwecke verwenden, vervielfältigen und verteilen.   Auch die verstärkte Haftung der Plattformen für Urheberrechtsverstöße ihrer UserInnen wird künftig Teil des deutschen Gesetzes sein, Uploadfilter inklusive, auch wenn diese nicht explizit vorgeschrieben sind.   Gestattet sind Inhalte, welche nur in geringem Umfang andere Schöpfungen verwenden. Konkret heißt das, dass diese Nutzung 15 Sekunden Film, 15 Sekunden Tonspur, 160 Zeichen Text oder bis zu 125 Kilobyte für ein Foto oder eine Grafik nicht überschreiten darf.  Der Vorschlag des Bundesrates, die Position bei der Verhandlung von Lizenzen zu verbessern, wurde abgelehnt. VerlegerInnen sollten deshalb den öffentlichen Bibliotheken für digital erschienene Bücher Nutzungsrechte einräumen.    Regelungen des deutschen Urheberrechts  Das Urheberrecht schützt den/ die UrheberIn in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in dessen Nutzung. Die WerkschöpferInnen können dabei nur natürliche, keine juristischen Personen sein. Dabei dürfen nur die jeweiligen SchöpferInnen des Werkes über dessen Nutzung entscheiden. Das Urhberrecht ist nicht übertragbar, lediglich Nutzungsrechte können übertragen werden, z.B. in Form des Verlagsvertrages, in dem sich der Verlag Haupt- und/ oder Nebenrechte sichert. Im Todesfall kann das Urheberrecht an RechtsnachfolgerInnen vererbt werden, ansonsten erlischt es 70 Jahre nach dem Versterben des Autors/ der Autorin. Der Schutz bezieht sich sowohl auf die ideellen als auch materiellen Interessen des Urhebers/ der Urheberin bezüglich des geschaffenen Werkes.   Laut Gesetzgeber sind folgende Werke geschützt:   Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme;  Werke der Musik;  pantomimische Werke einschließlich der Werke der Tanzkunst;  Werke der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst und der angewandten Kunst und Entwürfe solcher Werke;  Lichtbildwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Lichtbildwerke geschaffen werden;  Filmwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Filmwerke geschaffen werden;  Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen.   Das deutsche Urheberrechtsgesetz gilt im deutschen Raum und schützt die Werke nationaler Staatsangehöriger. Durch die Berner Übereinkunft und diverse Zusatzverträge einigte man sich jedoch auf die gegenseitige Anerkennung zwischen den souveränen Staaten. Diese Abmachung haben aktuell 174 Staaten unterzeichnet.   Historische Entwicklungen  Seit über 100 Jahren werden literarische und musikalische Werke urheberrechtlich geschützt, 1901 wurde das entsprechende Gesetz verabschiedet. Im Laufe der Zeit hat sich einiges getan, immer schnellere Entwicklungen beeinflussen unsere Gesellschaft. Neue Kanäle der Verbreitung und Herstellungsmethoden wurden erarbeitet und die Industrialisierung trug zur immensen Ausbreitung von Massengütern bei. Die technische Entwicklung, mit der unter anderem die Erstellung von privaten Kopien ermöglicht wurden, stellten das Urheberrecht vor neue Herausforderungen. Spätestens mit der Erfindung des Internets 1969, nahm die Vernetzung der Welt ein rasantes Wachstum an. Somit bedurfte es vieler Überarbeitungen des Urheberrechts im Laufe der Geschichte.    Das neue Urheberrecht  Mit der fortschreitenden Digitalisierung soll das Urheberrecht nun an jene Entwicklungen angepasst werden. Deshalb beschloss die Europäische Union im April 2019 nach drei Jahren Bearbeitungszeit die „Richtlinie zum Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt.   Aktuell verfolgen die großen Social-Media-Plattformen das Notice-and-Takedown-Prinzip. Wenn sie eine Verletzung des Urheberrechts bemerken bzw. diese gemeldet wird, sollte diese gelöscht werden. Problematisch dabei ist der langsame Bearbeitungsprozess, da sich die Inhalte im World Wide Web rasch ausbreiten können.   RechteinhaberInnen sollen deshalb in der digitalen Sphäre besser geschützt werden, außerdem möchte man in Europa ein einheitliches Urheberrecht wahren. Dadurch soll der Zugang zu online verfügbaren Inhalten ausgeweitet und ein effektiverer Markt geschaffen werden.   Diskutiert, demonstriert und doch beschlossen  Eigentlich klingt das Ganze vielversprechend – mehr Schutz der UrheberInnen in der digitalen Sphäre, weniger Verstöße gegen Gesetz. Und doch gingen 2019 etliche Menschen auf die Straße, um gegen die Urheberrechtsreform der EU zu demonstrieren.   [caption id=attachment_30119 align=alignleft width=250] 2019 demonstrierten tausende Menschen gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform, da sie Zensur befürchteten.[/caption] Grund dafür ist Artikel 17 des Gesetzesentwurfs, welcher den Umgang mit „Diensteanbietern für das Teilen von Online-Inhalten“ regelt. Somit werden Upload-Plattformen ab einer bestimmten Reichweite, wie beispielsweise YouTube, verstärkt in die Pflicht genommen, die Haftung für die Urheberrechtsverstöße ihrer NutzerInnen zu übernehmen, da diese oft schwer zu ermitteln sind bzw. anonym agieren. Jedoch ist es unmöglich für den jeweiligen Betreiber, in der Fülle des Contents alle Beiträge auf etwaige Verstöße zu kontrollieren. Gleichzeitig möchten jene kein Risiko eingehen bzw. so wenig wie möglich Lizenzen erwerben. Deshalb ist eine Kontrolle vor dem Upload der Inhalte notwendig. Und das ist der Streitpunkt: Am besten umsetzen ließe sich dies mit Uploadfiltern, eine Technik, die Inhalte erkennt und auf Zuwiderhandlungen gegen das Urheberrecht prüft.   Kritiker fürchten, dass es dadurch zur Einschränkung der Meinungsfreiheit und zur Verringerung der Vielfalt kommen könnte, da sich diese Art der Technologie nur die Big Player leisten können. Diese wiederum könnten ihre Lösung als Lizenzen anbieten, sodass kleinere Plattformen auf den Erwerb dieser Technik angewiesen sind. Das könnte YouTube und Co. zu den Profiteuren der Reform machen.   Des Weiteren sollen die Schaffenden durch einen direkten Vergütungsanspruch an den Lizenzeinnahmen beteiligt werden.  Das ebenfalls neu eingeführte „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ regelt, dass BetreiberInnen von Online-Seiten, die kleine Textausschnitte verwenden, an die jeweiligen VerfasserInnen Lizenzgebühren bezahlen.     Die Umsetzung in Deutschland  Die Richtlinie der EU gibt einen Rahmen vor, die Umsetzung in nationales Recht liegt bei den Staaten selbst und kann individuell angepasst werden.   Leicht verspätet beschloss der Bundestag nun am 20. Mai die „Anpassung des Urheberrechts an die Erfordernisse des digitalen Binnenmarkts“, welche zum 7. Juni in Kraft trat.    Die Umsetzung der neuen Regelungen wird ab 1. August erfolgen. Dabei bleibt abzuwarten, wie diese konkret aussieht und ob die von den GegnerInnen beschriebenen Horror-Szenarien wirklich zur Realität werden.     Autorin: Michaela Gerland     Textquellen  Buchreport (2021): Bundestag verabschiedet Urheberrechtsreform: Verlegerbeteiligung wird wieder hergestellt. Online verfügbar unter https://www.buchreport.de/news/eu-urheberrechtsreform-bundestag-stellt-verlegerbeteiligung-wieder-her/?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_campaign=Test-Mailpoet+3+NL, zuletzt geprüft am 22.06.2021.  Datenschutzexperte.de (2019): EU-Urheberrechtsreform erklärt: Was ändert sich?. Online verfügbar unter https://www.datenschutzexperte.de/blog/datenschutz-im-internet/eu-urheberrechtsreform-was-aendert-sich/, zuletzt geprüft am 22.06.2021.  Dejure.org (o.J.): Urheberrechtsgesetz. Online verfügbar unter https://dejure.org/gesetze/UrhG/2.html, zuletzt geprüft am 16.06.2021.  Gehring, Robert (2013): Geschichte des Urheberrechts. Online verfügbar unter https://www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/urheberrecht/169977/geschichte-des-urheberrechts, zuletzt geprüft am 22.06.2021.  Kaufmann, Annelie (2021): Neue Regeln fürs Netz. Online verfügbar unter https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/bundestag-beschliesst-urheberrechtsreform-uploadfilter-livestreams-fuball-memes-eu-richtlinie/, zuletzt geprüft am 22.06.2021.  Rath, Christian (2019): Lecker Tantiemen für Verlage. Online verfügbar unter https://taz.de/Urheberrechtsreform-und-VG-Wort/!5582139/, zuletzt geprüft am 22.06.2021.  Schieb, Jörg (2021): EU-Urheberrechtsreform: Ziele, Folgen und Chancen der umstrittenen Richtlinie. Online verfügbar unter https://www.sistrix.de/frag-sistrix/seo-talks/eu-urheberrechtsreform/, zuletzt geprüft am 22.06.2021.  Urheberrecht.de (2021): Urheberrechtsgesetz: Rechtliche Grundlage für den Urheberrechtschutz. Online verfügbar unter https://www.urheberrecht.de/urheberrechtsgesetz/, zuletzt geprüft am 16.06.2021.  Von Koenigsmarck, Michaela (2014): Das deutsche Urheberrecht. In: Breyer-Mayländer, Thomas (Hrsg.): Wirtschaftsunternehmen Verlag. Märkte analysieren und bewerten, Herstellungsprozesse verstehen und planen, Medialeistungen bewerben und verkaufen, Medienprodukte vertreiben, Arbeitsprozesse in Redaktion oder Lektorat organisieren. 5. Auflage, Frankfurt (Main): Bramann Verlag. S. 67-76.    Bildquellen   Beitragsbild von Sora Shimazaki von Pexels. Online verfügbar unter https://www.pexels.com/de-de/foto/kleiner-richterhammer-auf-tisch-in-der-nahe-von-ordnern-gelegt-5668473/.   Bild 1: Pexels. Online verfügbar unter https://images.pexels.com/photos/2058777/pexels-photo-2058777.jpeg?auto=compress&cs=tinysrgb&dpr=1&w=500. 

Verlage der Zukunft
Selfpublishing – Eine Alternative zum Verlag?

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Kooperation mit einem Verlag die einzige Möglichkeit für Schriftsteller, ihre Bücher in die Welt zu bringen. Auch heute denkt der Großteil bei dem Begriff „Buchpublikation“ an diese Form der Veröffentlichung: Der Autor wendet sich an den Verlag, dieser bekommt das Manuskript und verarbeitet es zu einem brauchbaren Buch weiter. Dem Autor wird die viele zusätzliche Arbeit abgenommen, die die Fertigstellung und Vermarktung eines Romans mit sich bringt, und der Verlag kann durch die Bereitstellung des Manuskripts seiner Haupttätigkeit nachgehen – nämlich, Bücher zu verlegen. Es gewinnen also beide Parteien.  Nichtsdestotrotz existiert seit einiger Zeit eine weitere Art des Publizierens. Immer mehr Autoren gehen den Weg des Selfpublishings, obwohl das Thema in seinen ersten Jahren sehr auf Kritik gestoßen ist. Doch was ist Selfpublishing überhaupt?     Definition „Selfpublishing“  Unter Selfpublishing versteht man das Publizieren eines Werkes – in diesem Fall eines Buches – durch den Autor selbst. Der Autor wird zum Selbstverleger und kümmert sich neben dem Verfassen, Lektorieren und Korrigieren des Textes auch um den Druck, die Gestaltung, das Marketing und den Vertrieb.  [caption id=attachment_30090 align=alignright width=350] Autoren waren bis jetzt immer auf die Unterstützung eines Verlages angewiesen, doch in dieser Hinsicht ändert sich einiges.[/caption] Das Selfpublishing ist in den letzten Jahren zunehmend als anerkannte Veröffentlichungsform akzeptiert worden. Obgleich das Thema von vielen Lesern und insbesondere Verlagen mit hochgezogener Augenbraue betrachtet wird, lässt sich nicht bestreiten, dass die Qualität von eigenpublizierten Büchern deutlich zugenommen hat.  Anmerkung: In diesem Artikel wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten sind damit ebenfalls gemeint und sollen nicht ausgeschlossen werden.    Vorurteile gegenüber Selfpublishing  Selfpublisher müssen sich auf ihrem Weg vielen Herausforderungen stellen. Aus der Sicht vieler Leute sind die Bücher von Selfpublishern…  … von schlechter Qualität.  … auf leichtere Weise publiziert worden.  … die Bücher, die kein Verlag haben wollte.  An diesen Vorurteilen halten viele seit Jahren fest, und tatsächlich ist dieses Bild nicht völlig aus der Luft gegriffen: Viele eigenpublizierte Bücher strotzen nur so vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern, schlechter Verarbeitung bezüglich des Drucks und allgemein einem unprofessionellen Aussehen. Derartige Fälle sind jedoch nicht mit dem Selfpublishing als solches gleichzusetzen, da es zahllose Gegenbeispiele gibt, die zeigen, dass Selfpublishing auch anders funktionieren kann. Betrachten wir dafür die eben aufgeführten Punkte einmal im Einzelnen:     Vorurteil 1: Warum werden eigenveröffentlichte Bücher mit schlechter Qualität assoziiert?  Die Frage ist leicht zu beantworten – weil sich laut Definition nur eine einzelne Person um alle zu bewältigenden Aufgaben kümmert. Da der Autor keinen Verlag im Rücken hat, hat er keinen Zugriff auf die Expertise von dessen Mitarbeitern. Die Konsequenz daraus ist, dass eine Menge von Selfpublishern sich dafür entscheidet, alles selbst zu erledigen: Sie lektorieren ihren eigenen Text, erstellen ihr eigenes Buchcover und hoffen, dass es damit getan ist. Die Realität hat jedoch gezeigt, dass gerade dieses Verfahren den Großteil an qualitativ schlechten Büchern hervorbringt: Der Autor hat ab einem gewissen Punkt keine klare Sicht mehr auf seinen so langen und so oft überarbeiteten Text, und insofern er kein professioneller Grafikdesigner ist, wird man auch dort relativ schnell erkennen, dass der Erschaffer des Buchcovers über kein fachliches Können verfügt.  Während es also stimmt, dass die optische und inhaltliche Qualität eines Buches sehr darunter leiden kann, wenn ein Autor alles selbst macht, ist genau das jedoch nicht mehr der Fall: Es gibt mittlerweile zahlreiche Anbieter – teils sogar Verlage selbst –, die Selfpublishern eine Menge an freiberuflichen Lektoren und Coverdesignern zur Verfügung stellen. Autoren beauftragen Profis mit den Aufgaben, für die ihnen selbst das Know-how fehlt. Das kostet zwar Geld, dennoch entscheiden sich immer mehr Selfpublisher für diese Art der Hybridveröffentlichung.  Ein Begriff, der im englischsprachigen Bereich häufig fällt, ist „Indie Publishing“: Während der Autor beim Selfpublishing tatsächlich alles selbst erledigt, stellt er sich beim Indie Publishing sein eigenes Team von „Mitarbeitern“ zusammen, die ihn bei seinem Schreibprojekt unterstützen. Da die Bezeichnung im deutschsprachigen Raum allerdings nicht sehr verbreitet ist, werden die Begriffe oft als Synonyme verwendet und sollen an dieser Stelle nicht voneinander unterschieden werden.     Vorurteil 2: Bücher von Selfpublishern werden auf leichtere Weise publiziert?  Widmen wir uns dem nächsten Punkt. Wie bereits festgestellt, muss ein Selfpublisher deutlich mehr Aufgaben stemmen als ein Verlagsautor. Der Verlag nimmt den Schriftstellern einiges an Arbeit ab:  Er kümmert sich um Lektorat, Korrektorat, Coverdesign etc.  Über ihn gelangen die Bücher in die stationären Buchhandlungen, auf die gängigen Internetseiten und an Staats- und Landesbibliotheken.  Im Gegensatz zum Selfpublisher hat der Verlag Druckereien, mit denen er seit Jahren zusammenarbeitet und über die er seine Bücher drucken lässt.  Durch ihn hat der Autor Zugriff auf eine bereits etablierte Käufergruppe, für die der Verlagsname ausreicht, um dem Buch eine Chance zu geben. Selfpublisher stehen zu Beginn oft dem Problem gegenüber, dass sie nicht wissen, wie sie ihr Produkt an ihre Zielgruppe bringen können.  Dazu kommen immaterielle Dienstleistungen, die sich auf den ersten Blick nicht erkennen lassen: Kommt ein langjähriger Autor mit seinem Manuskript nicht weiter oder ist auf sonstige Weise nicht mit seinem Werk zufrieden, wird er von seinem Verlagslektor aufgemuntert und motiviert. Ihm stehen Leute zur Verfügung, die ihm bei seinem Problem helfen können. Ein Selfpublisher muss das Meiste allein bewältigen. Dies erfordert ein hohes Maß an Disziplin und mentaler Selbstsicherheit.  Die nächste, weit verbreitete Annahme ist, dass es grundsätzlich sehr schwer sei, an einen Verlag zu kommen. Dies ist jedoch nicht der Fall: Zahllose Imprints und Kleinverlage suchen nach Autoren und stehen einer Zusammenarbeit offen gegenüber – vorausgesetzt, der Text passt in das Verlagsprogramm.  Der springende Punkt ist vielmehr, dass Autoren bei Verlagen eher an die großen Publikumsverlage denken, die tatsächlich die meisten ihnen angebotenen Manuskripte ablehnen. Doch auch hier ist die Aussage, dort angenommen zu werden sei „schwer“, wörtlich falsch formuliert. Es ist per se nicht schwer, an einen bekannten Publikumsverlag zu gelangen, es ist unwahrscheinlich. Dazwischen gibt es einen Unterschied. Autoren, die sich über Monate oder gar Jahre hinweg um die Aufmerksamkeit eines solchen Branchenriesen bemühen – teilweise mit Hilfe einer Literaturagentur, die jedoch auch keinen Erfolg garantieren kann –, betreiben dabei immer noch nicht den gleichen zeitlichen und finanziellen Aufwand, mit dem ein Selfpublisher seiner Tätigkeit nachgeht.     Vorurteil 3: Bücher von Selfpublishern sind die Bücher, die kein Verlag wollte?  Kommen wir zum dritten Punkt: Wenn von Selfpublishing die Rede ist, wird der Begriff häufig mit Autoren in Verbindung gebracht, die bei zahlreichen Verlagen angefragt und es schließlich mit dem eigenen Publizieren versucht haben, nachdem sie dort keinen Erfolg hatten. Selfpublisher werden gern dafür belächelt, dass sie dem Urteil eines „richtigen Profis“ nicht vertrauen und stattdessen auf eigene Faust durchstarten möchten. Und tatsächlich werden viele Manuskripte von Verlagen abgelehnt, weil sie entweder nicht die angeforderte Qualität oder einfach nicht das nötige Potential aufweisen. Es gibt aber auch andere Fälle.  Mitunter entscheidet sich ein Autor einfach bewusst dafür, den Weg des Selfpublishings zu gehen, ungeachtet der zusätzlichen Herausforderungen und Hindernisse, die sich ihm dadurch offenbaren. Das Selfpublishing hat nämlich auch seine guten Seiten: Der Autor behält alle Rechte über sein Werk und kann in völliger Unabhängigkeit entscheiden, wie es überarbeitet, gestaltet und vermarktet wird. Es kommt nicht selten vor, dass ein Verlagsautor mit dem finalen Cover, Titel oder inhaltlichen Editieren seines Werkes unzufrieden ist. Ein Verlag muss bei jeder Publikation darauf achten, dass das Buch halbwegs zu der aktuellen Marktsituation passt, ein Selfpublisher hat in dieser Hinsicht mehr Freiheiten.  [caption id=attachment_30097 align=alignleft width=340] Selfpublishing eröffnet anstrebenden Autoren eine Menge Möglichkeiten.[/caption] Selfpublisher sehen außerdem viel mehr von dem Gewinn, als wenn sie mit einem Verlag zusammenarbeiten, da sie die aufgebrachten Kosten allein gestemmt haben. Ob in Printform oder als E-Book – der Verkauf eines Buches ist für einen Selfpublisher deutlich lukrativer als für einen Verlagsautor, der am Anfang zwar keine eigenen finanziellen Investitionen tätigen musste, dafür aber auch einen deutlich niedrigeren Prozentanteil erhält.  So riskant und amateurhaft das Selfpublishing also auf den ersten Blick auch wirkt, so viel Potential birgt es auf den zweiten Blick für Autoren und die Buchbranche im Allgemeinen.     Fazit: Vergleich Traditional Publishing & Selfpublishing  Letztendlich muss jeder Autor selbst wissen, was für ihn das Richtige ist. Entscheidet er sich für einen Verlag, ist dieser der Investor: Er nimmt dem Autor die meisten Entscheidungen ab, trägt das finanzielle Risiko und bietet ihm in schwierigen Zeiten eine Unterstützung, die sich jeder Autor wünscht. Allerdings behält er auch die Kontrolle über das Projekt, arbeitet das Buch so gut wie möglich in den aktuellen Markt ein und behält den Großteil des Gewinns für sich. Dies ist gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass er sich – abgesehen von der Bereitstellung des Manuskripts – um alles kümmert, was mit dem klassischen Publikationsprozess zusammenhängt.  Bei dem Selfpublishing ist dagegen der Autor der Investor: Er muss die finanziellen Kosten stemmen und hat einen höheren zeitlichen Aufwand, was ihm weniger Zeit zum Schreiben gibt. Er wird außerdem mit Zweifeln und Vorurteilen konfrontiert, die er überwinden muss. Er bekommt keinen finanziellen Vorschuss und weiß nicht, ob sich seine Investitionen überhaupt auszahlen werden. Trotz allem behält der Autor jedoch die Entscheidungsgewalt über sein Werk und sucht sich diejenigen aus, die er für sein Projekt engagieren will. Für die einen Autoren ist das ein Grund, es mit dem Selfpublishing zu versuchen, für die anderen ist es das nicht. Beide Wege haben ihre Vorzüge.  Bücher, die von einem Verlag veröffentlicht werden, weisen im Schnitt immer noch eine bessere Qualität auf als eigenpublizierte Bücher. Allerdings verschiebt sich diese Grenze immer mehr. Freelancer bieten Selfpublishern ihre Expertise an, und mittlerweile haben sogar Verlage Plattformen erschaffen, die Selfpublisher für sich nutzen können und über die der Verlag auch Kontakt mit erfolgreichen Selfpublishern aufnehmen kann. Amerikanische Autoren wie E. L. James und Anna Todd machen es vor: Sie veröffentlichen ihre Bücher zuerst selbst und werden auf diese Weise von Verlagen entdeckt.  Der Weg des Selfpublishing kann also für alle Seiten profitabel sein, nicht nur für den Autor selbst.  Obwohl das Selfpublishing in Deutschland derzeit noch nicht sehr verbreitet ist, ist demnach nicht auszuschließen, dass sich in dieser Richtung noch einiges entwickeln wird.      Autorin: Sophia Spahr    Textquellen  Dieckmann, Rebekka (2020): Warum manche Autoren bewusst auf Verlage verzichten. Online verfügbar unter: https://www.hessenschau.de/kultur/erfolgreich-mit-selfpublishing-warum-manche-autoren-bewusst-auf-verlage-verzichten,selfpublishing-autorin-100.html, zuletzt aufgerufen am: 24.06.2021  Johannes, Marcus (2019): Warum Selfpublishing nicht der leichtere Weg ist. Online verfügbar unter: https://marcusjohanus.com/2019/05/12/warum-selfpublishing-nicht-der-leichtere-weg-ist/, zuletzt aufgerufen am: 25.06.2021  Morgan, Nick (2016): Which is better: Self-Publishing or Traditional Publishing? Online verfügbar unter: https://www.forbes.com/sites/nickmorgan/2016/05/05/which-is-better-self-publishing-or-traditional-publishing/, zuletzt aufgerufen am: 25.06.2021  Nentwich, Vera (2019): Zwei, die sich ergänzen. Online verfügbar unter: https://www.boersenblatt.net/archiv/1763946.html, zuletzt aufgerufen am: 23.06.2021    Bildquellen  Beitragsbild von Free-Photos auf Pixabay. Online verfügbar unter: https://pixabay.com/de/photos/laptop-schreibtisch-arbeitsbereich-336373/  Bild 1 von Free-Photos auf Pixabay. Online verfügbar unter: https://pixabay.com/de/photos/schreiben-person-papierkram-papier-828911/  Bild 2 von Pexels. Online verfügbar unter: https://images.pexels.com/photos/5054213/pexels-photo-5054213.jpeg?auto=compress&cs=tinysrgb&dpr=2&h=750&w=1260   

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