#Gurkenwasser trinken: gesundes Mittel gegen #MuskelkrĂ€mpfe. Die FlĂŒssigkeit, in der die #Essiggurken eingelegt sind, besteht im Wesentlichen aus Essig, KrĂ€utern und GewĂŒrzen. Ideale Kombination gegen MuskelkrĂ€mpfe, drosselt die AktivitĂ€t der impulsgebenden Nervenzellen und wirkt #krampflösend.

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Moore binden dreißig Prozent des Kohlenstoffs auf der Erde, obwohl sie nur vier Prozent der LandfĂ€chen bedecken. Doch in vielen Teilen der Welt werden sie zerstört, gerade in Deutschland. Was tun?

Die Pioniere sind ĂŒberall. Da ist das britische Start-up Ponda, das aus dem fluffigen Inneren der SamenstĂ€nde von Rohrkolben FĂŒllungen fĂŒr warme Jacken und SchlafsĂ€cke zaubert, H&M ist interessiert. Da ist die Firma Baufritz, die mit DĂ€mmplatten ebenfalls aus Rohrkolben experimentiert, die luftgefĂŒllten Zellen der StĂ€ngel sind ideal zur Isolierung. Da sind Unternehmen aus Bayern, die Trockenbauplatten aus Schilf, GrĂ€sern und Kolben fertigen. Da sind Vorreiter:innen, die mit ihrer Ernte ReetdĂ€cher decken, mit dem Heu ein Nahheizwerk betreiben oder mit Solarpaneelen auf den FlĂ€chen Energie einsammeln. Und ĂŒberall im Land von Greifswald bis Weihenstephan schwĂ€rmen Forschende aus, analysieren, tragen Daten zusammen, so viel und prĂ€zise wie nie zuvor – ĂŒber die Moore.

Ihre Botschaft: SchĂŒtzt die nassen Landschaften. Nutzt ihre SchĂ€tze. Entwickelt Ideen. Denn Moore sind die wichtigsten KlimaschĂŒtzer, sie speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle WĂ€lder der Erde zusammen. Obwohl diese Ökosysteme nur 4 Prozent der weltweiten LandflĂ€chen bedecken, binden sie etwa 30 Prozent des Kohlenstoffs auf dem Planeten. Weil sie nass sind. Den Kohlenstoff, den die Pflanzen mit der Fotosynthese aus dem CO2 der Luft ziehen, lagern sie im feuchten Boden ein. Ähnlich wie eingelegte Gurken im Einmachglas, werden die Pflanzen samt Kohlenstoff im Wasser konserviert. Nicht nur das, Moore sind Horte fĂŒr Artenvielfalt und helfen, die Wasserversorgung einer Region zu erhalten, weil ihr Torf wie ein Schwamm das Nass speichert. Sie kĂŒhlen die Umgebung durch Verdunstung und sind eine Barriere gegen BrĂ€nde. Sie sind wichtige NĂ€hrstoffspeicher in ĂŒberdĂŒngten Ökosystemen, denn dank ihrer NĂ€sse binden sie auch Stickstoff und Phosphor im Torf oder bauen es biogeochemisch ab. Es gibt sie von Sibirien ĂŒber die USA bis Kanada, von Brasilien ĂŒber den Kongo bis nach Indonesien. Als Hochmoore in den Bergen, Feuchtgebiete im Dschungel, Niedermoore in den weiten Ebenen, SĂŒmpfe an den KĂŒsten.

Moorwendestimmung

Doch in vielen Teilen der Welt werden Moorlandschaften seit gut 200 Jahren zerstört, das heißt: trockengelegt. Um StĂ€dte wie Singapur, New Orleans, St. Petersburg, Sydney, Paris oder Berlin im sumpfigen Grund zu bauen. Um Torf zum Heizen zu gewinnen oder schottischem Whiskey seinen rauchigen Torfgeschmack zu verleihen. Um nach Öl zu bohren, Viehweiden zu gewinnen oder Ackerbau zu betreiben. 15 Prozent der Moore weltweit sind nach SchĂ€tzungen des Greifswald Moor Centrums inzwischen entwĂ€ssert, in Deutschland gar 95 Prozent der 1,8 Millionen Hektar. Allein hierzulande blasen diese trockengelegten FlĂ€chen jedes Jahr 53 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Luft, etwa 7 Prozent der Gesamtemissionen Deutschlands. Warum? Wieder hilft ein Blick auf die eingelegte Gurke. Lupft man den Deckel vom Glas und schĂŒttet das Wasser ab, zersetzt der Sauerstoff die Gurke binnen weniger Tage. Ähnlich werden trockengelegte Moore von CO2-Fressern zu CO2-Schleudern. „Wenn wir sie wiedervernĂ€ssen, stoppt der Prozess sofort“, sagt Franziska Tanneberger, Leiterin des Greifswald Moor Centrums. „Bis zu 40 Millionen Tonnen CO2 ließen sich in Deutschland so jĂ€hrlich einsparen, das entspricht fast dem CO2-Ausstoß aus Industrieprozessen in Deutschland.“

Eine Moorwende liegt in der Luft. Pionier:innen in Ökonomie und Landwirtschaft, in Wissenschaft und bei NGOs gehen voran, unterstĂŒtzt von Stiftungen an allen Ecken des Landes. Fördermittel werden mehr, die Regale mit populĂ€rwissenschaftlichen Veröffentlichungen im Buchhandel fĂŒllen sich. Moorbuch, Mooratlas, Moorwissen. Tanneberger: „Es herrscht Aufbruchstimmung.“ Aber immer noch weitgehend im Verborgenen. In Kreisen der Fachwelt, bei NaturschĂŒtzer:innen, in Fachabteilungen von Ministerien. Die Bundesregierung fördert mit der Nationalen Moorschutzstrategie seit 2022 die WiedervernĂ€ssung und Moorwirtschaft mit 48 Millionen Euro – nicht viel, aber ein Anfang.

Paludilandwirt:innen im Rhinluch, Brandenburg: Basti und Juliane Petri auf ihrer Moorraupe, die in weichem Boden nicht versinkt (li), BewÀsserungsgraben (re.). Fotos: Anja Dilk

Falsche Subventionen, wenig Kenntnisse

Doch gleichzeitig fließen Milliardensubventionen aus BrĂŒssel fĂŒr Ackerbau auf trockengelegten FlĂ€chen. Eine neue Autobahn soll von Niedersachsen nach Schleswig-Holstein durch ein Moor gebaut werden. Die CDU warnte noch vor einiger Zeit in einer Plakatkampagne mit Fotos von Baumskeletten im wiedervernĂ€ssten Moor bei Anklam vor einem Absaufen der Landschaft, obwohl die BĂ€ume da nie hingehört haben und „VernĂ€ssung die einzige Chance ist, ein Absaufen des Landes durch intakte Böden in der Klimakrise zu verhindern“, Ă€rgert sich Tanneberger. Bei Landwirt:innen und Konsument:innen sind die Kenntnisse ĂŒbers Moor kaum grĂ¶ĂŸer. Neulich, schreibt Tanneberger in ihrem 2023 erschienenen Buch Das Moor, stieß sie auf eine niedersĂ€chsische Molkerei, die fĂŒr ihre Produkte von angeblich klimafreundlichem GrĂŒnland warb – auf trockengelegtem Moorboden. Und wer im Supermarkt weiß schon, dass Milch, Joghurt und KĂ€se, die mit Futter von entwĂ€sserten Moorböden hergestellt werden, einen fĂŒnfmal höheren CO2-Abdruck haben als die von normalem Ackergrund? Eine Kennzeichnungspflicht gibt es ohnehin nicht. Schon viele Sprachen spiegeln die GeringschĂ€tzung der Moore wider. Spanisch: Tierra Desolada, trostloses Land; Englisch: Wasteland, ĂŒberflĂŒssiges Land;  Polnisch: Nieuzytki, nicht nutzbares Land.

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Dass es der Schwung der Pionier:innen so schwer hat, aus seiner Blase herauszukommen, liegt nicht nur an mangelndem Wissen. Es hat auch mit dem Image des Moores zu tun, „einer 2.000 Jahre alten Kulturgeschichte eines Angstraumes“, sagt der Germanist Niels Penke von der UniversitĂ€t Siegen, der gerade mit der Freiburger Germanistin Joana van de Löcht ein Buch darĂŒber geschrieben hat.

WAS IST PALUDIKULTUR?

Der Begriff leitet sich vom lateinischen palus, Sumpf, ab und meint nichts anderes als eine Landwirtschaft auf nassem Grund, die den Torf im Boden erhĂ€lt. Paludikultur selbst gibt es seit Jahrhunderten, frĂŒher gewannen Menschen zum Beispiel das Schilf fĂŒr ReetdĂ€cher aus dem nassen Moor. Heute bauen Paludilandwirt:innen Pflanzen wie Torfmoose, Schilf, Erlen und Rohrkolben gezielt an, lassen Tiere grasen, die NĂ€sse vertragen, oder nutzen die Areale fĂŒr Solarenergie.

Jahrhundertelang hat sich der Mensch gefĂŒrchtet vor dem Moor. Es galt als Hort von Krankheiten, Malaria, MĂŒcken, Infektionen. Drohte Menschen zu verschlucken mit Haut und Haar. War Ort, an dem sich Geister und DĂ€monen herumtrieben. „Solche ErzĂ€hlungen haben den Angsttopos Moor weitergetragen“, erklĂ€rt van de Löcht. Das Moor als dunkler RĂŒckzugsort fĂŒr Schmuggler:innen und Kriminelle, ein rechtsfreier, bedrohlicher, kaum zugĂ€nglicher Raum, dĂŒster und dunkel gurgelnd, Moorleichen gebĂ€rend. In der Literatur ist das Moor seit Jahrhunderten Schauplatz fĂŒr Verbrechen. Gespenster, Irrlichter, Teufel und alle, die von der Gesellschaft ausgeschlossen waren, lebten in ihm. Ab dem 18. Jahrhundert wurden Moore in Deutschland langsam trockengelegt und besiedelt, um Land und Ackerboden fĂŒr eine wachsende Bevölkerung zu schaffen. Der Angstraum bekam ein neues Gesicht. Denn das Wirtschaften in den Moorkolonien war eine Fron – Torf zum Heizen abbauen, GrĂ€ben ziehen mit einfachem GerĂ€t. Ein kurzes Leben geprĂ€gt von harter körperlicher Arbeit, Hunger, Cholera, Armut.

„O, schaurig ist’s, ĂŒbers Moor zu gehn, wenn es wimmelt vom Heiderauche, sich wie Phantome die DĂŒnste drehn und die Ranke hĂ€kelt am Strauche“, heißt es im berĂŒhmten Gedicht Der Knabe im Moor von Annette Droste-HĂŒlshoff. In J.R.R. Tolkiens Herr der Ringe mĂŒssen die Hobbits auf dem Weg nach Mordor durch die TotensĂŒmpfe. Van de Löcht: „Die negativen ErzĂ€hlungen halten sich bis heute – das gefĂ€hrliche, dunkle Moorlevel ist die Krönung in vielen Computerspielen.“

Hell und frisch und grĂŒn

Ein warmer FrĂŒhsommertag 2024. Das Moor von Basti und Juliane Petri ist hell und frisch und grĂŒn. Die Sonne hĂ€ngt ĂŒber dem Rhinluch, einer weiten Niedermoorlandschaft im Norden Brandenburgs. Frösche quaken am Rande des Staugrabens, bedeckt von samtig schimmernden Wasserlinsen. Der Wind treibt den ersten Goldstaub, die Samen des Rohrglanzgrases, ĂŒber die Ebene. Über Feldwege geht es zu einem Klinkerbau, Moorhof 7, dem neu renovierten Überbleibsel einer preußischen Moorkolonie. Die Petris sind Pioniere der Klimalandwirtschaft, die sich Paludikultur nennt. „Willkommen“, ruft Juliane Petri, serviert Kaffee und NĂŒsse. Ihr Mann kommt gleich zum Thema: „Wir wollen unserem kleinen Sohn keine tote Erde hinterlassen, sondern diese Landschaft so nutzen, dass sie blĂŒht.“Nach dem Mauerfall hat seine Mutter mit der Moorwirtschaft begonnen, in Abstimmung mit der Kommune wurden seitdem die 280 Hektar der Familie wiedervernĂ€sst. „Wir sind hier das gallische Dorf“, sagt Juliane Petri. Entschlossene WiderstĂ€ndler:innen, umgeben von konventionellen Höfen mit 5.000 bis 13.000 Hektar FlĂ€chen fast ausschließlich auf trockengelegtem Boden. Zum GlĂŒck ist das Miteinander gut, denn dass mal Wasser aus Petris Feuchtgebieten auf die Nachbarfelder sickert, ist in Mooren nicht vermeidbar. Und wovon leben die Petris? Basti Petri lacht: „Vor allem von KnĂ€ckebrot fĂŒr Pferde.“

Freizeitpferde, die viel in Boxen stehen, werden dick von Futter mit viel Zucker und Proteinen. Das Heu aus Rohrglanzgras dagegen, das die Petris einmal im Jahr ernten, ist die ideale DiĂ€tkost mit wenig Kalorien. Und wie wird es geerntet auf nassem Grund? Zum Beispiel mithilfe der Moorraupe, eines umgebauten Skipistenbullys, der wie ein Panzer auf KettenbĂ€ndern fĂ€hrt und weniger Gewicht pro Zentimeter auf den Boden bringt als ein Fuß, der einen Menschen trĂ€gt.

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Und da sind noch die WasserbĂŒffel hinten auf der Moorwiese. Mit ihren breiten Hufen und dem federnden Gang sinken sie nicht ein im weichen Boden, der robuste Pansenmagen ist unempfindlich fĂŒr Parasiten und kann alles verdauen, was hier wĂ€chst. NĂ€hern sich Besucher:innen, gruppiert sich die Herde zu einer Wagenburg wie Bisons in der PrĂ€rie. Die Petris verkaufen ihr Fleisch nicht und machen auch keinen Mozzarella aus ihrer Milch wie manch andere Paludi-Wirt:innen – zu weit entfernt ist der urbane Absatzmarkt –, sondern nutzen die Tiere zur Pflege des GrĂŒnlandes. Und testen weiter, was sich noch machen lĂ€sst mit Biomasse aus dem Moor.

Noch nicht marktreif

Mit einem halben Dutzend Forschungseinrichtungen hat die Familie schon zusammengearbeitet. Papier, Blumengranulat, Baustoffe – vieles haben sie erprobt, noch nichts ist marktreif. Juliane Petri: „Manchmal fĂŒhlen wir uns wie Staubsaugervertreter:innen: Stets kommen neue Modelle an den Start.“ Neben dem PferdeheugeschĂ€ft hat sich das Duo daher andere Standbeine aufgebaut. Er arbeitet fĂŒr UmweltverbĂ€nde, sie im Deutschen Verband fĂŒr Landschaftspflege und im Landesumweltamt Brandenburg.

Was sich verĂ€ndern mĂŒsste, damit sich die Paludiwirtschaft richtig lohnt? Es brĂ€uchte mehr und lĂ€ngerfristige staatliche Förderung, die bislang in jedem Bundesland unterschiedlich ist und oft nur fĂŒnf bis zehn Jahre lĂ€uft. Schließlich mĂŒssen die Petris in einen Fuhrpark aus teuren Sonderanfertigungen investieren, und können nur ein- bis zweimal im Jahr ernten, die Nachbar:innen auf trockengelegtem, gedĂŒngtem Boden dagegen fĂŒnf- bis sechsmal. Auch das Wassermanagement in der Region mĂŒsste sich anpassen. Noch wird viel Wasser kĂŒnstlich in dem GeĂ€st von KanĂ€len gehalten, um den Kanutourismus auf der Rhin am Laufen zu halten. Doch das Moor braucht dieses Wasser. Gerade jetzt, wo die Klimakrise Fahrt aufnimmt. Immer hĂ€ufiger fegen Winde wie ein Föhn ĂŒber das Land und heizen die Verdunstung an. Und es bedarf verlĂ€sslicher Abnahmegarantien in der Wirtschaft, fĂŒr die Petris und andere Paludipionier:innen.

So etwas wie eine Allianz der Pionier:innen also.

Bei der Auftaktrunde Ende April 2024 in Berlin gibt es Salat mit WasserbĂŒffelsalami, Wirtschaftspower, Politprominenz, namhaften Expert:innen und 1,8 Millionen Euro Fördergeld vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Das Ziel: „Den großen Hebel finden“, sagt Claudia BĂŒhler, VorstĂ€ndin der Umweltstiftung Michael Otto in Hamburg, die zusammen mit der Michael Succow Stiftung und dem Greifswald Moor Centrum 2021 die Moor-Initiative toMOORow gegrĂŒndet hat und nun mit der Allianz der Pioniere die Wirtschaft ins Boot holen will. Gemeinsam sollen Unternehmen, Landwirt:innen und Forschung GeschĂ€ftsmodelle und Wertschöpfungsketten entwickeln, die sich rechnen – fĂŒr Companys, Moorbauern und MoorbĂ€uerinnen. Eine Machbarkeitsstudie liegt auf dem Tisch, sieben Wirtschaftsfelder fĂŒr Produkte aus nasser Bewirtschaftung hat toMOORow ausgemacht. Von Bau, Papier, Verpackung ĂŒber Chemie und Möbel bis Energie. 14 Big Player tĂŒfteln mit einem Netz von Forschungseinrichtungen und Start-ups derzeit an konkreten Ideen. Jeden Monat treffen sich Expert:innenrunden zum Erfahrungsaustausch. Firmen wie Procter & Gamble Service und Strabag sind dabei, Tengelmann, die Baumarktkette Toom, Baufritz und Otto selbst.

Der Versandriese will Ende des Jahres mit dem ersten Moorprodukt in die Testphase gehen: Paludi-Kartons. Genauer: „Es wird ein Mix, Boden und Außenlagen aus Moormaterial und anderer Recyclingmasse“, erlĂ€utert Projektleiterin Karla Jabben. Details sind noch in der Entwicklung. FĂŒr welche KartongrĂ¶ĂŸe taugt das Material? Welche Pflanzenfasern sind geeignet, wann sollten sie gemĂ€ht, wie gelagert werden? Und wie bekommt Otto gemeinsam mit Landwirt:innen verlĂ€sslichen Liefernachschub und QualitĂ€t hin? Etwa 15 bis 20 Prozent Moor sollen mal im Karton stecken. Damit die Kund:innen das auch merken, werden die Packungen im Moorlook designed. Der Testlauf geht an 10.000 Kund:innen, Infomaterialien ĂŒber Paludikultur, Einladungen zu Moorbildungsevents und Fragebogen zur Kartonage inklusive. Wie finden die Verbraucher:innen das Material, mögen sie die Haptik, sind die Kartons stabil genug? Und bleibt die Botschaft „Moorschutz ist wichtig“ hĂ€ngen? Auch Moorschutzevents sollen folgen. LĂ€uft der Test positiv, will Otto den Landwirt:innen langfristig eine verlĂ€ssliche Abnahmemenge garantieren. Die Frage ist nur, wann?

Moorhof 7 bei KĂ€mmen im Rhinluch, Heimat der Familie Petri (li.), WasserbĂŒffel auf saftiger Moorwiese (re.). Fotos: Anja Dilk, IMAGO / imagebroker

Es braucht ein Multitool

Solche Initiativen sind erst der Anfang. Eine Moorwende braucht ein Multitool – an allen Hebeln gleichzeitig schrauben: Moorwirtschaft muss sich ökonomisch auszahlen, es braucht eine Infrastruktur fĂŒr die neuen GeschĂ€ftsfelder â€“ von QualitĂ€tsstandards, Erzeuger:innengemeinschaften, Beratungsstellen, Maschinen in Massenanfertigung bis industriell skalierter Produktion und sicheren Lieferketten, mehr Förderungen, bessere Wassergesetze und viel mehr FlĂ€chen fĂŒr die Nasswirtschaft.

Denn bislang werden jĂ€hrlich nur etwa 2.000 Hektar wiedervernĂ€sst. Bis zum Start einer WiedervernĂ€ssung dauert es oft bis zu zehn Jahre. Vielerorts ist der Besitz zersplittert, ein Flickenteppich aus FlĂ€chen in öffentlicher Hand,bei Landwirt:innen oder anderen Privatbesitzer:innen. Nur wenn alle EigentĂŒmer:innen einer VernĂ€ssung zustimmen, kann es losgehen. Oft braucht es jahrelange Verhandlungen, Angebote zum FlĂ€chentausch, AufkĂ€ufe durch Landesregierungen, Kommunen, Stiftungen oder NGOs wie den Naturschutzbund Deutschland (NABU), der seit Jahrzehnten europaweit in den Kauf von MoorflĂ€chen investiert. Um herauszufinden, in welchem Zustand aktuell all diese MoorflĂ€chen in Deutschland sind und wie sie sich verĂ€ndern, macht das ThĂŒnen-Institut fĂŒr Agrarklimaschutz in Braunschweig gerade mit neuen Messmethoden Inventur. An 150 Standorten wird bis Mitte 2025 ein Netzwerk fĂŒr ein systematisches Monitoring aufgebaut. Die Forschenden erfassen damit Parameter wie gespeicherte Kohlenstoffmenge oder Wasserstand im Moor, eine wesentliche Basis fĂŒr eine Bewertung der deutschen MoorflĂ€chen in nie dagewesenem Stil – und Ausgangspunkt fĂŒr eine effiziente WiedervernĂ€ssung.

Und die ist unverzichtbar: Um allein in Deutschland bis 2050 auf Netto-Null CO2 zu kommen, mĂŒssen nach Berechnungen des Greifswald Moor Centrums mehr als 50.000 Hektar im Jahr wieder nass werden. „Aber bisher gilt: Jede:r darf, keine:r muss“, kritisiert Felix GrĂŒtzmacher, Moorexperte beim NABU in Berlin. „Doch ohne klare gesetzliche Vorgaben und Schwerpunktregionen, in denen wir alle KrĂ€fte bĂŒndeln, werden wir das nicht schaffen.“ Moor-Forscherin Tanneberger spricht von einem „Zwischenzustand“. Der Aufbruch ist spĂŒrbar, die Umsetzung verheddert sich in den Fallstricken des Status quo. Gerne vergleicht sie die Moorwende mit dem Kohleausstieg. „Bei beidem geht es darum, die Hebel komplett umzulegen. Ein vollstĂ€ndiger Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft – mit dem Unterschied, dass der Kohlekumpel nicht mit einer neuen GeschĂ€ftsidee ins alte Bergwerk fahren kann, Landwirt:innen im wiedervernĂ€ssten Moor aber weiter wirtschaften können.“ Nur anders.

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Solche Hebel mĂŒssen ĂŒberall in der Welt umgelegt werden, wo es Moore gibt. Nur dann werden wir die Kraft dieses gewaltigen Ökosystems im Kampf gegen die globale Klimakrise nutzen können. Und es tut sich etwas. In Louisiana, USA, in Brasilien, im Kongo und in den Niederlanden. Die folgenden Seiten sind eine Reise in die Welt des Moorschutzes. In der Hoffnung, eine neue Lust auf nasse Natur zu entfachen. Schönheit in den entlegensten Feuchtgebieten zu entdecken. Und vor allem: Um Wissen ĂŒber ihren immensen Wert fĂŒr Mensch und Tier zu transportieren.

Das Forscher:innenduo Niels Penke und Joana van de Löcht schreibt Ende des Jahres einen Preis fĂŒr positive Moorliteratur aus, „um der 2.000-jĂ€hrigen Angstgeschichte um die Moore etwas entgegenzusetzen“.

Juliane und Basti Petri haben gerade die MoorgrĂŒn GmbH gegrĂŒndet, ein Start-up fĂŒr Coaching, Fortbildung und Beratung von Landwirt:innen rund um die Paludikultur: „So kann es gehen, versucht es einfach mal – zusammen können wir’s schaffen.“

https://www.bachhausen.de/moore-sind-wie-essiggurken/

#essiggurken #moore

Phoebe Plummers: „Wir sind nur Kids, die Angst haben“ | Good Impact

Klimaktivistin Phoebe Plummers bewarf im Oktober van Goghs GemĂ€lde Sonnenblumen mit Tomatensuppe. Wie blickt sie jetzt darauf zurĂŒck?

Good Impact

@kascha Ah, ein Rezept fĂŒr #Salzgurken! Ich liebe ihre zuckerfreie starke SĂ€ure. Auf jeden Fall ist das etwas ganz anderes als die im Westen noch mehr als im Osten gezuckerten, in Essigwasser eingelegten Gurken.

In der DDR waren Salzgurken und (leicht gezuckerte) #Essiggurken etwa gleich verbreitet. Seither sind Salzgurken in D selten geworden.

#saureGurken

Gurken einmachen mit Olbi

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