Zynismus in anderen Farben

Es gibt einen europäischen Hebel gegen Trump – aber die alten weissen Männer sind dafür zu doof

Florian Rötzer (72) und Moshe Zuckermann (wird 77) raubten mir letzte Nacht meinen Schlaf. Vor einem halben Jahr haben sie ein Buch vollendet, und schon ist es veraltet. Lesen Sie selbst: Sind die digitalen Medien ein Trojanisches Pferd, das die Menschen so verblödet, dass KI diese Leere auffüllen kann? – Wir haben ja zusammen ein Buch geschrieben. Früher hätte man von einem Briefwechsel gesprochen. Wir haben den Titel gewählt: ‘Durch die Wüste der Gegenwart’. Es ist schon etwa ein halbes Jahr her, dass wir das Manuskript abgeschlossen haben. Hast du denn seitdem etwas erlebt, was ein bisschen über das von uns festgestellte Wüstenartige hinausginge, vielleicht gar eine kleine Oase gesichtet?”

Was lehrt uns das? Sie wissen es nicht.

Was sagt es uns, wenn ein CDU-Mann in der hiesigen Medienöffentlichkeit der Erste ist, der einen WM-Boykott in die Debatte wirft? Hat er diese Agenda damit etwa kontaminiert? Die unverwüstliche Alina Schwermer/taz ordnet das wie immer angemessen ein:

WM-Boykott als Ultima Ratio: Würden Sie wegen Trump auf Fußball verzichten? – Wenn Trump Grönland annektiert, sollte Europa dann die Fußball‑WM 2026 in Nordamerika boykottieren? Oder besser schon vorher damit drohen?”

Realistische oppositionelle Fussballfans kamen auf die gute Idee, den DFB in die Bredouille zu bringen, indem sie eine Urabstimmung über einen WM-Boykott fordern – für 2034! (in Saudi-Arabien). Insofern entbehrt die Formulierung des taz-Layouts “besser schon vorher”, gemünzt auf dieses Jahr, nicht einer gewissen satirischen Qualität. Denn gemünzt auf #boycottqatar2022 war ja die nicht vollkommen abwegige Ausrede: “zu spät”.

Ja gut, unter dem real existierenden Trump sind all diese Massstäbe umgeworfen. Weil er es kann.

Was also kann “Europa”? (was immer das sein mag)

Zu was ist ein politisches Gebilde unter dieser Bezeichnung fähig? Gelegentlich beansprucht die EU, eine konsistente Verkörperung davon zu sein. Von neoliberaler Ideologie durch- und zersetzt, hat sie den real existierenden Fussballkapitalismus als politische Kanonenkugel frei flottieren lassen. Kann sie ihn nun noch als Hebel nutzen? Ich fürchte nein. Obwohl er jetzt der ideale Hebel wäre.

Denn die Fussball-WM ist zweifellos in diesem Jahr das die Welt am meisten beherrschende Medienereignis. Möglicherweise im mehrheitlichen Rest der Welt weit mehr beherrschend, als im Gastgeberland USA selbst. Das möge Trumps Problem sein. Europas Problem sind die nächtlichen TV-Sendezeiten. Europas Stärke wiederum ist, dass es der ökonomisch stärkste Nachfrager dieses kapitalistischen Medienereignisses ist.

Dummerweise haben die dummen Mafiosi, die den europäischen Profifussball (der Herren) beherrschen, sich längst in die Fänge des Trump-Clans begeben. Ähnlich dämlich, wie sich der Fifa-Don Gianni Infantino schon im Darm von Donald Trump eingerichtet hat.

Die stärkste Waffe der europäischen Uefa ist die Champions League. Ihre Umstellung auf ein Ligasystem mit 36 Teilnehmern an acht Spieltagen ist medienstrategisch und sportlich gelungen. Und also ausbaufähig. Infantinos Versuch, das im letzten Sommer mit einer “Club-WM” in den USA zu kontern, ist nur so mittel gelungen: hohe Prämienkosten, aber nur geringe TV-Einnahmen (nur 25% der erwarteten).

Wenn irgendwas im Profifussball (der Herren) noch die erwarteten Einnahmen toppen kann, dann ist es die Uefa-eigene Champions League. Das Einzige, womit sie Gianni Infantino noch das Fürchten lehren kann. Logischerweise können die Europäer (die Herren) also damit auch Infantinos Wirtstier das Fürchten lehren.

Weltweiter Ausbau der Champions League als WM-Konkurrenz

Infantinos “Club-WM” war strategisch keine dumme Idee. Die Uefa hat mit der Champions League die Waffe in der Hand: Ausbau des Liga-Systems plus weltweite Einladung an aussereuropäische Teilnehmer.

Exkurs deutsche Bundesliga: wenn sich die vor Kapital kaum laufen könnenden Fussballkonzerne aus dem süddeutschen und dem westfälischen Raum auf diesem Weg aus ihr entfernen würden, könnte sie wieder zu einem fairen sportlichen Wettbewerb zurückkehren. Mann wird doch wohl noch träumen dürfen … Exkurs Ende.

Da der Kapitalismus die Tendenz hat, sportliche faire Wettbewerbe zugunsten von Planungssicherheit für Investor*inn*en ausserkraft zu setzen, könnte/muss die Politik das Zepter in die Hand nehmen. Die Champions League lädt also nicht nur die Copa-Libertadores-Halbfinalisten aus Südamerika zur Teilnahme ein. Sondern auch Spitzenclubs aus Afrika (Ägypten, Marokko, Nigeria, Südafrika, Cote d’Ivoire u.a.).

Ein Problem ist der riesige asiatische Markt, der zwar medial durchdrungen ist, aber (noch) kaum sportlich. In China ist das einstige Flaggschiff Guangzhou Evergrande Taobao F.C. in der bisher grössten Immobilienpleite der Geschichte des Kapitalismus untergegangen. So, als wenn die deutschen Steuerbehörden einem am Tegernsee, in der Nähe des Bundeskanzlers, wohnhaften Wurstfabrikanten ein lebenslängliches Betätigungsverbot im Fussball verordnet hätten.

In Indien, dem grössten Land der Welt, sieht es noch bescheidener aus. Allessandro del Piero, der 2006 noch dem “deutschen Sommermärchen” den sportlichen Gnadenschuss versetzt hatte, hat sich dort vergeblich um Entwicklungshilfe bemüht. Gerade darum muss die Uefa einen indischen Teilnehmer gewinnen, um den grössten Markt der Welt vor Trump zu erobern. Unser Autor Gilbert Kolonko steht gewiss für ein bescheidenes Beraterhonorar zur Verfügung.

In Trumps tödlicher Umarmung

Die Uefa hat die Vermarktung ihres fettesten Fisches in die Hände eines US-Vermarkters vergeben. Und der vergab die TV-Rechte für kommende vier Jahre an die Trump-Buddys von Paramount.

Sie raufen sich aktuell mit Netflix um das Monopol auf dem globalen Streaming-Abomarkt. Das ist kein Kampf Gut gegen Böse, sondern banale kapitalistische Vernichtungskonkurrenz – gemäss der Losung des grossen deutschen Führers Peter Thiel.

Es mag ja sein, dass Sie sich “nicht für Fussball interessieren”. Dann kommt es eben so, wie Eric Bonse/taz schreibt: “Trump greift nach Grönland und droht erneut mit Strafzöllen. Statt aufzuspringen und zurückzuschlagen, werden erst einmal Phrasen gedroschen.”

Tipp für die alten Männer

Die amtierenden spanischen Fussballweltmeisterinnen geben ein gutes Beispiel, wie revolutionär und gleichzeitig realpolitisch eine Männermafia im Fussballverband auf links gedreht wird. Ihre Vorgängerinnen im Weltmeisterinnen-Amt aus den USA gaben gegen Trump ein nicht minder gutes Beispiel ab.

Und jetzt DFB, Bundesregierung, Uefa, EU: DU!

Zynismus in anderen Farben – Beueler-Extradienst

@tazgetroete Warum schreibt #EricBonse für Euch? Der gehört eher zur Linie des rechten #cicero (für den er ebenso schreibt)
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@tazgetroete
#ericbonse hat im #Bundestalk Positionen vertreten, die mich extrem an der @tazgetroete zweifeln lassen: man solle versuchen, jetzt mit Russland ein europäisches Haus zu bilden?
#ericbonse - Sie sind entweder total naiv und sehen nicht, dass Russland hier imperialistische Ziele verfolgt und sich Europa zum Untertan machen will, ODER (und das will ich nicht hoffen) Sie folgen einer fremden Agenda.
▶️ https://podcasts.apple.com/de/podcast/bundestalk-der-politik-podcast-der-taz/id1574921410?i=1000698073474
Neue Allianz zwischen Trump und Putin - welche Chancen hat die Ukraine noch?

Podcast-Folge · Bundestalk - Der Politik-Podcast der taz · 06.03.2025 · 52 Min.

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#ericbonse hat im #Bundestalk Positionen vertreten, die mich extrem an der @tazgetroete zweifeln lassen: man solle versuchen, jetzt mit Russland ein europäisches Haus zu bilden?
#ericbonse - Sie sind entweder total naiv und sehen nicht, dass Russland hier imperialistische Ziele verfolgt und sich Europa zum Untertan machen will, ODER (und das will ich nicht hoffen) Sie folgen einer fremden Agenda.
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Deutschland bekommt es nicht auf die Kette

Ei­gent­lich war die EU-Lie­fer­ket­ten­richt­li­nie bereits be­schlos­se­ne Sache. Doch nun droht aus Deut­sch­land eine Last-Minute-#Blockade der #FDP. Er­in­ne­run­gen an den Streit um Ver­bren­ner­mo­to­ren werden wach

Von #EricBonse, Brüssel
und Leila #vanRinsum, Berlin

Kurz vor Abschluss will die FDP das EU-#Lieferkettengesetz torpedieren

https://www.taz.de/!5983055

FDP-Blockade von Lieferkettenrichlinie: Sie bekommen es nicht auf die Kette

Die EU-Lieferkettenrichtlinie war beschlossene Sache. Nun droht aus Deutschland wie bei den Verbrennermotoren eine Last-Minute-Blockade der FDP.

Wo ist eigentlich Lauterbach?

Jongleure und eine Jongleurin – Was ist schon eine Milliarde?

Gestern im Westfalenstadion. Diese Krise ward lange nicht gesehen. Gut, die zweite Halbzeit beim 1:1 der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA gegen den Tabellenletzten war auch schlimm. Noch bedeutender war, dass in Deutschlands grösstem Fussballstadion 1.000 Plätze freiblieben. Dauerkarteninhaber*innen sind gelegentlich verhindert. Die meisten in Dortmund haben aber lange Telefonlisten von Freund*inn*en, die die gerne mal für ein Spiel ausleihen. Anders als bei den Plastikvereinen mit Ministadien (Leverkusen, Wolfsburg, und irgendwas-mit-heim), wo im Winter gähnende Leere auf den Tribünen herrscht. Die leeren Plätze in Westfalens Stadion markieren den Riss im Business.

Es sind die zuschauerstarken Borussias in Dortmund und Mönchengladbach, deren Führungen für diesen Riss hauptverantwortlich sind. In einem Beschlussvorgang, der als schlechtes Drehbuch von jedem Filmstudio zurückgewiesen worden wäre, haben sie sich demonstrativ von ihren Fans und Vereinsmitgliedern abgewandt. Wie können sie da erwarten, dass das Stadion wie ein “12. Mann” hinter einer disparaten Truppe von Jungmillionären steht? Im speziellen Fall BVB kommt noch hinzu, dass ein Verpassen der Qualifikation zur Kapitalvermehrungsmaschine-für-die-die-jetzt-schon-zu-viel-davon-haben Champions League zu einem Crash der GmbH & Co. KGaA führen dürfte. Nicht amüsant.

Heimlich wissen sie tief in sich drin, dass ihre Zeit und ihre Art der Machtausübung zu Ende geht. Noch mal eine Trainerentlassung, noch einen TV-Vertrag abschliesssen, und dann schnell ab in die Rente …

Die mit – unseren – Milliarden jonglieren

Herrjeh werden Sie sagen, wenn Sie sich nicht für Fussball interessieren, was ist schon eine Milliarde? Sie werden an die missratene Haushaltperformance der “Ampel” denken, und mit Grausen an diesen Finanzminister. Zu besinnlichen Weihnachtszeit präsentiert die FAZ in ihrer Paywall das Benko-Desaster, von dem wir gar nicht so viel wissen wollen: “Abschied vom Hochhaus: Benko soll Signa-Anteile am Chrysler Building verkaufen – Sechsundvierzig Seiten im A3-Format braucht es, um das Organigramm der Signa Holding darzustellen. Der Sanierungsverwalter versucht, sich im komplexen Dickicht zurechtzufinden.” So macht mann das, wenn mann sich teure Berater*innen zur Vermeidung des Steuernzahlens leisten kann.

Mit Benko erwischt es gewiss keinen Falschen. Wie auch die 150/170 Leute, die auf einer imaginären “Epstein-Liste” stehen sollen. All diese Affären dienen als Erpressungspotential um das Politikpersonal gewogen zu halten. Wer nicht spurt, den holen die Dinge ein.

Flinten-Uschis Balance auf der Rasierklinge

Angemessen erregt agiert die Präsidentin der EU-Kommission. Nun hat das neue Premium-Medium des Springerkonzerns Politico seine Folterwerkzeuge präsentiert. Das wird nur von Elitenangehörigen bezahlt und gelesen, zu denen selbstverständlich, das ist der Kern des Springer-Geschäftsmodells, alle Journalist*inn*en gehören, die meinen beruflich dabeisein zu müssen. Gute und schlechte. Eric Bonse/taz und Michael Maier/Berliner Zeitung gehören für mich zu den Guten.

Dass Springer nun dieses Klavier spielt, das schon so lange unbenutzt in der Brüsseler Gegend rumsteht, weist darauf hin, dass die Story auch einen rechten Twist nehmen kann – Munition zur EU-Wahl am 9.6. Erinnern Sie sich noch, dass die deutschen Parteien vor fünf Jahren viel Wind um “Spitzenkandidat*inn*en” für den Vorsitz der EU-Kommission machten? Darum ist es dies Mal merkwürdig still geworden. Hat ja auch nichts gebracht. Jedenfalls nichts Gutes.

Die ehemalige EU-Kabinettschefin Petra Erler rekapituliert das merkwürdige Zulassungsverfahren für die Corona-Impfstoffe und setzt sie zu den damaligen PR-Strategien in Beziehung. Ich persönlich zweifle nicht, dass die Impfung mir genützt hat. Ich war zwar einmal infiziert, aber symptomfrei. Mein Vater (91) machte alle Impfzyklen mit und hat ohne Infektion überlebt. Solche individuellen Erfahrungen sind relevant, auch politisch. Sie ersetzen aber selbstverständlich keine wissenschaftliche Evaluation (dieser Link ist mit Firefox paywallfrei). Gibt es die? Und wer bezahlt sie?

Es ist in jedem privaten Umkreis wahrnehmbar, dass jahreszeitgemäss, und weil das Wetter die Menschen in geschlossene Räume treibt, die Atemwegsinfektionen erneut massenhaft grassieren, aber – scheinbar – nicht vergleichbar lebensgefährdend verlaufen. Oder doch? Wer weiss es?

Was macht eigentlich der Bundesgesundheitsminister? Es gab Zeiten, da verfolgte er uns in den Medien mehr, als wir vertragen konnten.

Wo ist eigentlich Lauterbach? – Beueler-Extradienst

Danke, #EricBonse in @tazgetroete!
Was #vonderLeyen da bietet, lässt einen als Europäer und Deutscher vor Scham im Boden versinken. In nationalen Regierungen würde solches Versagen Ruf nach Rücktritt nach sich ziehen 🤔

https://www.taz.de/!5963981

Zickzack-Kurs der EU in der Nahostfrage: Kakofonie in Brüssel

Die EU-Außenpolitik bietet derzeit ein chaotisches Bild. Ursula von der Leyen fährt den eigentlich Zuständigen gern in die Parade.

#EU-Kommission verhängt #Verbot von #Mikroplastik

Brüssel will die Ver­schmut­zung der Umwelt mit Kunst­stoff­par­ti­keln bis 2030 um 30 Prozent re­du­zie­ren. Dafür schiebt die Behörde dem Verkauf einen Riegel vor

Aus Brüssel #EricBonse
https://www.taz.de/!5959784

Europäischer Umweltschutz: EU verhängt Mikroplastikverbot

Brüssel will die Verschmutzung der Umwelt mit Mikroplastik bis 2030 um 30 Prozent reduzieren. Dafür wird der Verwendung ein Riegel vorgeschoben.

Werden nun #Rechte die #Soros-Lücke füllen?

Mit dem Teil­rü­ck­zug der #OpenSocietyFoundation​s aus Europa fürchten NGOs und Po­li­ti­ker man­geln­de Un­ter­stüt­zung für De­mo­kra­tie. Be­son­ders in Polen und Ungarn

Aus Wien und Brüssel #FlorianBayer und #EricBonse
https://www.taz.de/!5953317

Teilrückzug der Soros-Stiftung aus EU: Eine Lücke für Rechtspopulisten

Mit dem Teilrückzug der Open Society Foundations aus Europa fürchten NGOs und Politiker mangelnde Unterstützung für Demokratie.