Ich nutze meinen „europäischen Monat“ dafür etwas zu schreiben, was mir einfach am Herzen liegt, ohne dass es wirklich Content ist.
Ich schreibe über die beiden Serien, die mich am meisten beeindruckt haben. Das haben schon viele. Niemand braucht meine Texte darüber, aber vielleicht macht es ja an dem ein oder anderen Spaß.
523 Better Call Saul & Breaking Bad - Danke, Pete du Depp - feddit.org
Warum schreib ich jetzt auch über “Better Call Saul” und “Breaking Bad”? [SPOILER, SPOILER, EVERYWHERE!] Das mit dem Spoiler gilt für die ganze Textserie, trotzdem glaube ich meine Texte können auch für Leute, die sie noch nicht gesehen haben ein guter Teaser für die Serie sein. Trotzdem die Warnung… denn wer ungekennzeichnet spoilert liebt Geschichten nicht. Ich schreibe das hier für mich. Es ist schön, wenn es jemand liest, wenn es jemanden etwas gibt. Am allerschönsten wäre es, wenn es auch nur eine einzige Person dazu bringt, Better Call Saul und Breaking Bad wirklich anzuschauen. Aber ich schreibe es vor allem für mich. Ich brauche es, über diese Serie zu reflektieren, sie zu zerlegen, zu zerdenken, zu überdenken, alles nochmal zu verwerfen und neu zu denken. Ich brauche das, weil dieses Universum etwas ist, was in dieser Tiefe wirklich selten ist. Diese Serie ist mutig. Sie wagt es, eine Geschichte zu erzählen, in der es keinen wirklich sympathischen Charakter gibt und das ohne übertriebene Bösewichte wie Homelander. Stattdessen präsentiert sie Figuren, die man versteht. Man begreift, warum sie handeln, wie sie handeln. Und trotzdem sitzt man da und denkt: Oh nein, bitte nicht, bitte mach das nicht… und dann machen sie es doch. Ich leide mit ihnen. Für mich sind das nicht nur Seriencharaktere, sondern klassisch tragische Figuren, deren Tragödien zwar übersteigert, aber dennoch zutiefst meschlich wirken. Sie reißen sich gegenseitig in Abgründe, oft ohne es bewusst zu wollen, gefangen in furchtbaren Kausalitätsketten. Better Call Saul und Breaking Bad sind keine Heldengeschichten darüber, wie geil es ist, ein Mafiaanwalt oder Drogenboss zu sein. Es sind Geschichten darüber, dass man, wenn man in solchen Kreisen ist, drin bleibt. Dass man sich an die Regeln halten muss oder tot ist. Und manchmal kennt man diese Regeln nicht einmal. Walters einzige Superkraft ist seine Fähigkeit, andere von seinen narzisstischen Ideen zu überzeugen. Ob er ein genialer Chemiker ist? Davon sieht man nichts, ich will es ihm auch nicht absprechen, aber Meth kochen ist die Arbeit eines guten Labortechnikers, nicht die eines Genies. Was man sieht, ist ein Mann mit einem unglaublich gekränkten Ego, unter dem alle leiden müssen. “I’m the one who knocks.” “I did it for me.” Es geht in diesen Serien nicht um Machtfantasien, sondern um die Demystifizierung des Verbrechens. Es geht darum, dass jeder Mensch brechen kann, dass jedem breaking bad [sinngemäß „vom rechten Weg abkommen“, „eine kriminelle Laufbahn einschlagen“] passieren kann. Und das erzählen sie mit Walter White, einem Mann der die Welt schon immer durch die Brille seiner latenten narzisstischen Kränkung gesehen hat. Wie kam ich zu diesem Universum: Ich habe mich sogar richtig gewehrt, sie anzuschauen. Vor ein paar Jahren hatte ich ein Netflix-Abo. Alle redeten von Breaking Bad. Also dachte ich: Eine Staffel gucke ich. Und ich guckte sie. Walter White war so unsympathisch, so krankhaft von Folge 1 an, besonders aber in der Szene mit dem auf dem Boden verteilten Emilio. Ich dachte: Will diese Serie wirklich die Heldengeschichte erzählen, wie Walter reich wurde und sich im Drogengeschäft durchsetzte? Aber das tat sie nicht, nicht als Heldengeschichte. Sie zeigte, wie Walters Egozentrik und Narzissmus (bei fiktiven Charkteren wage ich Ferndiagnosen) alle um ihn herum in Tod und Verderben führte. Doch das wusste ich lange nicht, denn nach Staffel eins hörte ich auf zu schauen, wenn ich mir auch immer offen hielt: irgendwann schau ich die noch… Das erfuhr ich dann endlich, als ich sie Jahre später mit Pete zusammen sah. Und dann gab er mir den besten Tipp der Welt, den ich hier an alle, die die Serie noch nicht gesehen haben weitergeben möchte: >Guckt zuerst Better Call Saul bis zur letzten Folge. Dann hört auf. Dann guckt Breaking Bad. Und dann die letzte Folge von Better Call Saul. Das ist fantastisch. So war mir die Serie total zugänglich. Und ja, Pete hat mich oft scheiße behandelt. Aber dieser Tipp für dieses erste Seherlebnis werde ich ihm immer dankbar sein. Danke, Pete du Depp!







