„Ich fühle mit ihnen, ich fühle, was sie leiden…“ – „Eugen Onegin“ am Salzburger Landestheater
Elena Deinhammer
„Eugen Onegin“, basierend auf dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin, ist wohl Piotr Iljitsch Tschaikowskis meistgespielte Oper, die Anfang des Jahres in einer Produktion an der Opéra Garnier in Paris besondere Aufmerksamkeit erregt hat, da Ralph Fiennes, der einst selbst als titelgebender Onegin in der Romanverfilmung seiner Schwester Martha Fiennes zu sehen war, Regie führte. Auch dort konnte jedoch bemerkt werden, was auf viele Neuproduktionen dieser Oper zutrifft: Während zahlreichen Werken durch moderne, sich teilweise stark vom Libretto entfernende Inszenierungen nicht nur ein neues Bild, sondern auch – mehr oder weniger gelungen – neue Inhalte oder Bedeutungsnuancen verliehen werden, wird „Eugen Onegin“ meist in klassischer Weise und der Vorlage getreu auf die Bühne gebracht, selbst wenn eine zeitliche Verlegung in die Gegenwart stattfindet, wie dies zum Beispiel in Mario Martones Inszenierung von 2025 an der Mailänder Scala der Fall ist. Dadurch kann es nicht nur zu einer übertriebenen, beinahe klischeehaften Darstellung der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, am Land wie in der Stadt, kommen, sondern gleichsam zur Bildung eines Klischees von „Eugen Onegin“-Inszenierungen selbst. Am Salzburger Landestheater wählt Regisseurin Alexandra Liedtke jedoch einen anderen Zugang und zeigt das emotionale Drama auf äußerst gelungene Weise in zwar abstrahierter, doch dadurch nicht bildloser, sondern vielmehr auf das Wesentliche fokussierter Bildsprache. Vereint mit einem trotz kleiner Besetzung klangstarken Orchester und einer überzeugenden Besetzung, aus der vor allem Tatev Baroyan als Tatjana hervorstach, gelangte dieser „Eugen Onegin“ in Salzburg zu einer bewegenden Aufführung. (Rezension der Aufführung v. 15. März 2026) […]


