"Der Lehrling und sein Meister" von Ishay Landa gehört zu den mit Abstand wichtigsten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Landa zeichnet in ausführlicher Detailarbeit die enge ideengeschichtliche Verbindung und historische Allianz zwischen Wirtschaftsliberalismus und Faschismus nach.
Er untersucht dabei zuerst die historische Entwicklung innerhalb des liberalen Lagers, bei der sich der Liberalismus in Sozialliberalismus und Wirtschaftsliberalismus spaltete. Der heutige Liberalismus ist so im Wesentlichen wirtschaftsliberal geprägt und hat humanitäre, materielle Gleichheit ersetzt durch Vertragsfreiheit, Privateigentum und Unternehmergeist. Der Wirtschaftsliberalismus wurde so zur zentralen Ideologie des sich entwickelten Kapitalismus. Die darin angelegte Trennung der Gesellschaft in besitzende und lohnarbeitende Bevölkerungsteile legitimierte der Wirtschaftsliberalismus, indem er Armut als individuelles Versagen naturalisiert und dabei auch dankbar rassistische Vorurteile mit einbezog. Als Wirtschaftsliberalismus und Kapitalismus im Verlauf des 19ten und frühen 20ten Jahrhunderts zunehmend durch erstarkende Arbeiter*innenbewegungen in Frage gestellt wurden, wurde die ideologische Verwandtschaft zwischen Liberalismus und Faschismus immer deutlicher. In den 1920er Jahren begrüßten führende wirtschaftsliberale Ökonomen wie Ludwig von Mises (den die AfD noch heute als Begründer der "Verbraucherdemokratie" zitiert) die helfende Hand des Faschismus mit großer Klarheit. Landa zeichnet dabei die enge Nähe zwischen liberalen und faschistischen Denker*innen nach und zeigt anhand unzähliger Zitate, wie tief die praktische und ideologische Nähe war und ist. Wer nachlesen möchte, was Max Horkheimer meinte, als er sagte, dass jene zum Faschismus schweigen sollten, die nicht bereit sind, vom Kapitalismus zu reden, der ist kein anderes Buch wärmer zu empfehlen als Ishay Landa's "Der Lehrling und sein Meister".
