In den meisten Wochen frühstückt unser Kind in der Kita. Wir verlassen das Haus ohne Frühstück.
Diese Woche ist in der Kita Themenwoche mit Ausflügen. Deswegen sollen die Kinder zu Hause frühstücken und ein zweites Frühstück mitnehmen. Also stehe ich jeden Morgen in der Küche, um Brot zu entrinden, Gemüse zu schälen, Obst zu schneiden. Ich bin nicht sehr schnell, eine halbe Stunde ist schnell vorbei. Und mir gehen nach vier Tagen schon fast die Ideen aus für leckere, gesunde, schnelle Dinge. Ich bin dankbar dafür, dass das bei uns den Rest des Jahres nicht nötig ist.
Aber ich denke an meine Schwiegermutter, die ihr Kind – das andere Elter unseres Kindes – jeden Morgen mit einer Frühstücksbox in den Kindergarten bringen musste, dann schnell (und bei jedem Wetter mit dem Fahrrad) zur (Halbtags-)Arbeit fahren, nach der Arbeit wieder zum Kindergarten rasen (der um 12 Uhr schloss, also schräge Blicke inbegriffen, wenn sie mal erst um 12:03 Uhr aufgetaucht ist), dort ein hungriges Kind abholen und dem dann Mittagessen kochen. So hält man (insbesondere) Frauen im Würgegriff von nahezu uneinlösbaren Verpflichtungen, die exakt null Raum zum Atmen und für eigenes lassen.
Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es, dass alle Kinder, die in die Kita oder die Schule gehen, dort Frühstück und Mittagessen bekommen, und zwar gratis und gesund.
Erstens würde das Eltern – und, seien wir ehrlich, vor allem Mütter – extrem entlasten. Es ist eine Scheißarbeit, die sich auch nicht gut am Vorabend vorbereiten lässt. (Dann ist alles trocken und braun.) Ich habe Verständnis für alle, die ab und an eine Milchschnitte und ein Trinkpäckchen oder anderes ungesunde Zeug in den Rucksack stecken, weil sie sonst nichts mehr im Haus haben oder keine Zeit, noch was vorzubereiten.
Zweitens würde ein gemeinsames Frühstück in Kita und Schule Unterschiede nivellieren zwischen Eltern, die es sich (in jeder Hinsicht) leisten können, sich eine halbe Stunde lang hinzustellen und frisches Brot, Obst, Gemüse mundgerecht zu schneiden, und denen, die es (warum auch immer) nicht schaffen. Abgesehen davon ist es viel effizienter, eine Person dafür zu bezahlen, 20 Gurken zu schälen und zu schneiden, als dass dutzende von Eltern jeweils eine Viertelgurke schälen, schneiden und einpacken.
In ein kostenloses Frühstück und Mittagessen für alle Kinder in Kita und Schule würde ich viel lieber Geld fließen sehen als in irgendein Scheiß-Waffensystem, irgendwelchen KI-Kack oder einen Tankrabatt. Aber an der Stelle bin ich leider einfach aufgewacht …
#FediEltern