SPIEGEL: Sie haben als Reaktion auf die Angriffswelle Veränderungen angekündigt. Was genau?
Whittaker: Wenn jemand zum ersten Mal eine Nachricht von einer unbekannten Nummer erhält, werden künftig zusätzliche Warnhinweise angezeigt. Das Annehmen neuer, unbekannter Kontakte wird in Zukunft nicht mehr mit einem einzigen Klick möglich sein und zwingend einen Warnhinweis enthalten. Wir prüfen noch weitere Ideen und werden dazu bald mehr bekannt geben. Und um es noch einmal klar zu sagen: Signal wird Nutzer niemals in einem zweiseitigen Chat kontaktieren, um sie nach ihrer PIN, ihrem Schlüssel oder anderen Informationen zu fragen.
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SPIEGEL: Die Angreifer konnten zudem einfach den Profilnamen »Signal Support« verwenden und sich so einen scheinbar glaubwürdigen Anstrich geben. Warum verhindert Signal diesen Namensmissbrauch nicht?
Whittaker: Ein automatisches Blockieren bestimmter Profilnamen kommt für uns nicht infrage, denn das könnte womöglich ein Problem beheben, würde aber erheblich größere neue Probleme auslösen.
SPIEGEL: Welche?
Whittaker: Wir stehen bereits jetzt unter massivem Druck bestimmter Regierungen, Inhalte zu scannen, bevor sie verschlüsselt werden – einem Druck, dem wir weder nachgeben wollen noch nachgeben können. Das ginge nur, wenn die App mitlesen und proaktiv Inhalte filtern würde. Genau das lehnen wir kategorisch und prinzipiell ab. Und selbst, wenn wir »Signal Support« blockieren könnten, blockieren wir dann auch »Palestine Action«, weil Großbritannien uns dazu auffordert?

Phishingangriffe im Messenger: Ist die Signal-App noch sicher, Frau Whittaker?
Angreifer attackieren über Signal die deutsche Regierung. Hier äußert sich die Chefin der Chat-App erstmals über unvorsichtige Politiker, Fehler im eigenen Krisenmanagement und das, was sich jetzt für alle Nutzer ändert.












