Fall #FernandesUlmen:
Erinnern ihr euch an die offenen Briefe der Tech-MilliardĂ€re und KI-Vordenker, die vor KI-SchreckÂszenarien warnten?
Die eine starke Regulierung von autonomer KI forderten, weil sonst die Menschheit durch Roboter und Biowaffen ausgelöscht werde?
Diese privilegierte soziale Gruppe â weisse, reiche MĂ€nner â skizziert zwar durchaus plausible Gefahren, die von ZukunftsÂtechnologien ausgehen. Doch sie blendet aus, welche SchĂ€den ihre KI-Modelle bereits jetzt anrichten.
Und auch die regulatorische SuperÂmacht EU hat sich verkalkuliert.
Sie klassifiziert gemĂ€ss ihrem «AI Act» KI-generierte Inhalte und Deepfakes als ein geringes «TransparenzÂrisiko» fĂŒr die Gesellschaft.
Wer also generative KI-Modelle nutzt, muss die Erzeugnisse einfach ausreichend kennzeichnen. Wie bei einer PackungsÂbeilage von ArzneiÂmitteln.
Doch wie sich nun anhand des Falls von Collien Fernandes zeigt, wird das alles nicht mehr genĂŒgen.
Die Schweiz hat fĂŒr einmal gar keine schlechte Gesetze. Die beiden StraftatbestĂ€nde IdentitĂ€tsdiebstahl 179 und 197a "Weiterleiten von nicht-öffentlichen sexuellen Inhalten" könnten angewendet werden bei sexualisierten Deepfakes.
Die Zahlen des BFS: Insgesamt wurden 2025 194 Straftaten zu Art. 197a erfasst. Davon sind 148 aufgeklÀrte Straftaten. (Doch es könnte sich hier um Sextortion und "echte Bilder" handeln)
An Schweizer Schulen sind weibliche Teenager bereits gefÀhrdet und Opfer von sogenannten Nudify-KIs.
Damit stossen wir auf das eigentliche Kernproblem: die RechtsÂdurchÂsetzung.
Alle StraftatÂbestĂ€nde in Europas Staaten sind wirkungslos, wenn PlattformÂanbieter nicht in die Pflicht genommen werden.
Und diese denken gar nicht daran, zu kooperieren. Im Gegenteil: Sie unterÂstĂŒtzen sogar teilweise die frauenÂfeindliche Maga-Agenda des US-PrĂ€sidenten Donald Trump.
Was macht die Schweiz?
Hier haben die verantÂwortlichen Tech-Konzerne von der Schweiz noch nichts zu befĂŒrchten. Die Vernehmlassung zur Plattformregulierung ging soeben zu Ende.
Der zustĂ€ndige SVP-Bundesrat Albert Rösti will zwar die NutzerÂrechte ein wenig stĂ€rken. Sie mĂŒssen nichts gegen die von ihnen verursachen SchĂ€den â wie Desinformation, Deepfakes, Propaganda, Sucht â unternehmen, sondern diese lediglich «ausweisen».
Doch eine einfache «KI-Kennzeichnung» ist eine Ohrfeige fĂŒr Tausende von Frauen, die damit digital entwĂŒrdigt werden.
Neben klaren Verboten, ProduktÂsicherheitsÂansĂ€tzen und verbindlichen Pflichten fĂŒr Konzerne brĂ€uchte es dringend auch einen nationalen Aktionsplan gegen CyberÂgewalt und feministische Kurse zur digitalen SelbstÂverteidigung fĂŒr junge Frauen.
Kein gutes Rezept hingegen ist die EinfĂŒhrung einer IdentifikationsÂpflicht und einer AltersĂŒberprĂŒfung via ID im Netz, wie sie derzeit einige fordern.
Denn das ist eine Forderung, die am Ende Wasser auf die MĂŒhlen einer globalen ĂberwachungsÂkampagne wĂ€re, die derzeit hinter den Kulissen im Gang ist.
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