Alexander Kluge ist tot, aber der Kampf geht weiter. Hamburg hat es gut gemacht. Und die oppositionelle Bewegung in den USA macht es noch besser
Es gibt viele Gründe Alexander Kluge verehrt zu haben. Die meisten werden heute von diversen Medien digital eingemauert. Ganz gebührenfrei möchte ich ein Beispiel nennen, mit dem ich sehr weit am Rande stehend, bzw. im Büro eines Fraktionsvorsitzenden einer NRW-Regierungskoalition sitzend, befasst war. Alexander Kluge trieb die Konzernbosse der TV-Privatsender RTL (Bertelsmann) und Sat1 (Kohlspender Leo Kirch) in den Wahnsinn, weil er am späten Abend ihren “Audience Flow” crashte.
Alexander Kluge: “Es gibt immer einen Markt für das Besondere!”
Mit ausgereifter Lobbyistenhilfe seines Rechtsberaters Paul-Leo Giani und ausdauernden Telefongesprächen, davon zwei sehr lange mit mir, weil Roland keine Zeit hatte, erkungelte er sich über die SPD-geführten Landesregierungen vielfaltsfördernde Programmfenster als Bedingung für die Zulassung der volksverdummenden privaten TV-Konzernprogramme. Vor fast genau 30 Jahren war es dieses Interview mit Deutschlands vielleicht bester Schauspielerin der Gegenwart, der hochbegabten Ossi Corinna Harfouch. Ich genoss dieses spannende Gespräch in dem sicheren Bewusstsein, dass Helmut Thoma währenddessen in die Kissen heulte – oder wahlweise jähzornig seine Bürowände rauf und runter raste, dabei NRW-Staatskanzleichef Wolfgang Clement am Telefon als Idioten beschimpfend. Diese Imagination liess mich dieses epochemachende weil vorwegnehmende Gespräch, und nicht nur dieses, gleich doppelt und dreifach geniessen.
Und ich bin sicher: Kluge wusste, wie das funktioniert 😉 Grossartig! Ewiger Dank!
Im Schatten des “kleinen Olaf” ist Hamburg doch noch zu bemerkenswerten politischen Leistungen fähig. Auch dort ist also nicht alles schlecht.
In den USA tobt die Bewegung – und hier merkt es (wieder) keine*r?
Haben Sies auch nicht gemerkt? Gestern war es unser Thema im Beueler l’Olivo. Michael Kleff, Pendler zwischen New York City und Beuel, berichtete, was diese kleine Meldung nur andeutet.
Und hier finden Sie das Original.
Warum findet das nicht mehr Aufmerksamkeit professioneller deutscher Massenmedien? Sagen Sies mir! Liegt es nur daran? Eine gute Erklärung über das “scheue Reh” Aufmerksamkeit, aber in diesem Fall nicht hinreichend.
Die Herrschenden und ihre Medien fürchten die Selbstermächtigung gesellschaftlicher Basis. Die mutwillige mediale Verbreitung entsprechender Erfolge würde einen Rattenschwanz von ermutigtem weiterem Widerstand nach sich ziehen. Es könnte Dynamik entstehen. Das muss unbedingt vermieden werden. Und wird begünstigt durch den mangelhaften Bildungsstand und die mannigfachen Abhängigkeiten der Mehrheit professioneller Medienmacher*innen, die sich Politik nur als Parteipolitik vorstellen wollen und können.
Denn die Partei der Demokraten versagt in den USA exakt so, wie es die demokratischen Parteien und Medien bei uns tun. Das sind die real existierenden “Blasen”. In Bonn wissen wir was davon. Die Älteren. Wie es der alte Kluge wusste.