Wie hält Papst Leo XIV. es mit dem Digitalen?

Dieser Frage bin am Wochenende mit Theologiestudierenden nachgegangen, die die frisch erschienene #Enzyklika "Magnifica humanitas" analysiert und darüber einen Podcast produziert haben.

Unsere gemeinsame Deutung des Textes hat nicht nur Spaß gemacht, sondern auch einige spannende Einblicke eröffnet. (1/6)

#FediKirche #Kirche #KI #KünstlicheIntelligenz #Digitalität #Netzpolitik #DigitaleBildung

Wahrheit, Arbeit, Freiheit: An diesen drei Größen misst der Papst das Potential, aber auch die Gefahren von KI. Er bemängelt dabei die Dominanz eines technokratischen Paradigmas. Denn, wo die Technik zum absoluten Maßstab wird, werden Menschen auf ihre Rolle als Datenlieferanten, Zahnräder und Waren reduziert. Zivilgesellschaft, Bildungsgemeinschaften und Familie benennt er als Quellen eines ganzheitlichen Menschenbildes, das Wahrheit als gemeinschaftliche Sinnsuche, (2/6)

Arbeit als Form der Selbstverwirklichung und Freiheit als die Entfaltung persönlicher Würde begreift.

Responsible Tech: Den digitalen Technologien schreibt Leo große gesellschaftliche Macht zu. Diese Macht nimmt seinen Analysen zufolge eine neue "private Gestalt" an. Es bedarf daher politischer Regulation, die digitale Plattformen auf das gesellschaftliche Gemeinwohl verpflichtet. Die Enzyklika schlägt unter anderem vor, mehr Transparenz und Beteiligung im Hinblick auf digitale Prinzipien (3/6)

zu schaffen sowie Wirtschaftsleistung gemeinwohlorientiert zu bilanzieren.

Digitalität, aber nachhaltig: An vielen Stellen geht der Papst auf die Bedeutung nachhaltiger digitaler Strukturen ein. Und das im doppelten Sinne: Digitale Nachhaltigkeit stärkt den souveränen Umgang der Menschen mit ihren Daten und dem digital verfügbaren Wissen, ökologische Nachhaltigkeit spielt bei der Produktion und Nutzung von Technologien eine zentrale Rolle. Ansprüche auf Teilhabe und soziale Gerechtigkeit (4/6)

weitet Leo daher von natürlichen Gütern wie Boden, Wasser und Luft auch auf immaterielle Güter wie Algorithmen, Plattformen, Infrastrukturen und Daten aus.

Vieles nützt, aber nicht alles baut auf: Mit zwei biblischen Bildern deutet der Papst die aktuellen technologischen Entwicklungen. Das eine Bild ist der Turmbau zu Babel, bei dem Menschen über sich hinaus wachsen wollen, um himmlische Sphären zu erreichen. Das Gegenbild dazu ist nicht etwa Pfingsten, sondern der Wiederaufbau Jerusalems (5/6)

im Buch Nehemia. Damit verdeutlicht er das Maß an Arbeit und Kollaboration, das nötig ist, um die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern: "Keine Hand allein reicht aus, um die Last der Herausforderungen zu tragen, vor denen die Welt steht, und keine Hand ist so schwach, dass sie keinen Beitrag leisten könnte, »denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet« (2 Kor 12,9)." (6/6)
Im letzten Kapitel der Enzyklika reflektiert Leo die Bedeutung des Digitalen für Fragen von Krieg und Frieden. Diesem Thema werden mein Kollege André Schröder und ich ab September in der neuen Staffel des "Digitalen Espresso" mehr Aufmerksamkeit schenken.

@menneboy ist es möglich, dass der Sancta Sedes den offiziellen Bericht „The Case for a Coordinated AI Pause“ des Anthropic Institute vom 04.06.2026 zur Kenntnis genommen hat?

Oder haben sich Marina Favaro und Jack Clark vom Anthropic Institute ein Herz gefasst, um die Bitte des Heiligen Vaters aufzugreifen und in die Praxis umzusetzen?

Puh...schwer 🤔

@thomas_watercolor Zu den Kontakten des Heiligen Stuhls habe ich leider auch nicht mehr Kenntnisse als jede*r andere. Christopher Olah von Anthropic war bei der Vorstellung der Enzyklika im Vatikan auf jeden Fall vor Ort und hat kurz zu ethischen und politischen Fragen der KI-Entwicklung gesprochen. Anthropic nutzt das Warnen vor KI m.E. derzeit aber auch als Marketingtool.
@menneboy ist das gesichert oder nur eine Vermutung, wegen dem Börsengang?
@thomas_watercolor Du meinst den Marketingfaktor? Ich glaube, darüber kann man ja nur spekulieren. Aber das ist auch gewollt, wenn man die Software nur ausgewählten Unternehmenspartnern zur Verfügung stellt. Man könnte sie ja auch unabhängig bewerten lassen oder selbst einhegen, wenn man sie für sie so gefährlich hält.

@menneboy das ist ein guter Punkt. Das zeigt wieder, wie viel PR und Taktik in dieser Branche mitschwingen. Vielen Dank für die Erläuterung deiner Sichtweise!

Ich Versuche am 15.06 an dem Livestream teilzunehmen, das ist auf jeden Fall sehr spannend.

@thomas_watercolor Wir veranstalten am 15. Juni im @medienkompetenzzentrum eine Podiumsdiskussion zur Enzyklika, die man auch im Livestream mitverfolgen kann. Der Moderator, Renardo Schlegelmilch, war bei der Vorstellung der Enzyklika im Vatikan dabei. Vielleicht verrät er noch ein paar spannende Details. Den Link zum Livestream toote ich in den nächsten Tagen.