Ich hatte gestern Abend die Freude, mit "White Plume Mountain" einen klassischen Geisterbahn-Dungeon zu leiten. Heißt: Die Anlage ist kaum logisch begründet ("Magie"), in jedem Raum haust was anderes, Teile der Struktur sind buchstäblich Hindernisparcours. Wenn man das spielerisch kurz mal ernst nimmt und versucht, sich dort drinnen taktisch klug zu verhalten, ergibt sich eine bizarr-logische Handlung. Überlegte Reaktion auf irre Lage: Groteske. Vielleicht unserer Zeit angemessen? #pnp #ttrpg

@nisjasper

Vielleicht. 🤔

Ist ja während dem kalten Krieg entstanden, da war das abstrakte Bedrohungsszenario gefühlt ähnlich. Evtl. sind das die Sorte surreale Geisteskinder, die so was hervorbringt.

@Morgunin ganz praktisch regiert sicher auch die Lust am Unsinn und die Suche nach akrobatischen Herausforderungen für die Spielenden. Im konkreten Fall White Plume hat der Autor auch einfach eine Sammlung seiner fiesesten Situationen als Bewerbung verschickt, die prompt veröffentlicht wurde. Überhaupt regiert hier ein anderes Verständnis von D&D als bunter Cartoon-/Superhelden-Welt (die Fallen der alten Batman-Serie!), während die OSR es mit grim&gritty oft schon übertreibt. Aber...
@Morgunin ...interessant bleibt trotzdem, dass das Regelgerüst mit seiner Ressourcenverwaltung und den Reaktionstabellen der SL diesem Wahnsinn Methode verleiht. Die Spielenden sind rationale Akteure, die auf Gewinnmaximierung aus sind, in einer irrationalen Welt. Sie können den Quatsch gegeneinander ausspielen (Monster in Fallen locken oder sie besänftigen, wenn sie sie als denkende Wesen missverstehen). Vielleicht sind das am Ende doch die Wargaming-Wurzeln: Krieg als Chaos, dem...
@Morgunin ...mit begrenzten Informationen eine Strategie entgegengestellt werden muss. Natürlich denkt man auch an Alice im Wunderland als Urtext der modernen Welt: Alles ist Nonsense, aber der Nonsense folgt Regeln. Na, ich will nicht zu tiefsinnig werden. Aber ich finde, wenn man sich suf funhouse dungeons einlassen kann, bieten sie schon was.

@nisjasper

Finde ich gut.👍
Wenn man vorher weiß was Phase ist, kann man da sicher auch eine Menge Spaß haben.

@nisjasper @Morgunin Es gab in der letzten Knock! einen schönen Beitrag über Humor und insbesondere von Monty Pythons Einfluss auf frühe Rollenspiele. Dieser Hang zur Absurdität wird aber in der heutigen Rezeption oft übersehen.
@nisjasper Übrigens fühlt sich das aus Spielersicht erst einmal gar nicht so absurd an, wobei wir ja auch nur drei-vier Kammern erkundet haben.
@bohemiaspielkunst das kommt auch noch hinzu, ja. Gut, dass du das erwähnst. Wobei ich sagen muss, dass bei uns immerhin die Verknüpfung von Chars und mystischen Waffen stattgefunden hat, sowie die Verknüpfung mit dem abwesenden (?) Erbauer des Dungeons. Das ist nicht viel, aber etwas mehr als im Text.

@nisjasper

Die Geschichte des Abenteuers ist mir geläufig. Es war aber nicht seine Intention, dass das jemals so veröffentlicht wird. Die Frage wäre also vielleicht auch was Redakteure dazu animiert das genauso ins Rennen zu schicken? Ist es das absurde daran? Gygax hatte den Tomb of Horror offenbar als Antwort auf Hochmütige Spieler erschaffen. War es so was?

@Morgunin ich glaube, TSR hat einfach gesehen, wie unterhaltsam die Situationen des Abenteuers sind, und das trägt das Modul ja bis heute. Als Turnierabenteuer war dieser Spielmodus damals auch noch verbreiteter, denke ich. "Dungeons als Parcours für die *Spielenden*" war mal ein Verständnis von Rollenspiel. Ich denke an Tunnels&Trolls, wo Dungeons teils quasi Fahrgeschäfte *in der Spielwelt* sind.

@nisjasper

Ja, das war dieses Monty-Haul Gaming, Hack-n-Slay und Dungeon abschlappen, mit dem ich nie großartig etwas anfangen konnte.

@Morgunin na, das wäre noch eine leicht andere Spielart, wo es um rücksichtslosen Punktegewinn geht. Bei dem, was ich meine, ist Überlegung, Taktik, auch Verhandlung ein Mittel, und kann es auch zu schönen Szenen mit überdrehten Dungeonviechern kommen. Aber klar, man muss so nicht spielen wollen, das ist legitim. Ich persönlich wäre auf Dauer auch genervt, finde es aber mal ganz reizvoll.

@nisjasper

Ich denke das Problem für mich war damals, dass diese Spielenden das alles und sich selbst viel zu ernst genommen haben.
Mir tut es auch gut, wenn ich funhouse Sachen spiele, nur sollte irgendwie allen klar sein, was man vor sich hat. Ähnliches mindset ist wichtig.

@nisjasper Den haben wir auch letztens mal mit D&D5.5 gespielt. War schön und ein bisschen bizarr, mit dem Primzahlenrätsel und sowas.
@fab_mow psssst 🤫. Ja, die haben das im Yawning Portal nochmal rausgehauen, ne?
@nisjasper Ja genau. Das war hoffentlich kein großer Spoiler.😅
@fab_mow die Gruppe hat schon verlauten lassen, dass sie Rätsel hasst, also erwarte ich einen Kampf. 😅