Kinder aus armen Familien haben geringere Aufstiegschancen im Leben – noch bevor sie überhaupt laufen können. Das zeigt eine neue Langzeitstudie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe. Geld, Bildung und soziales Umfeld der Eltern kann unser Bildungssystem kaum ausgleichen.

Quelle: https://www.lifbi.de/Portals/2/Publikationen/Transferberichte/LIfBi%20Forschung%20kompakt/LIfBi-Forschung-kompakt%20_07_Soziale%20Ungleichheiten.pdf

@teilenswert Ein Aspekt darf dbei aber m.E. nicht übersehen werden; das wichtige "Vitamin B" wie Beziehungen. Davon haben reiche Eltern mehr als weniger reiche.
@teilenswert bis jetzt sehe ich da eine Sammlung von Fakten die in meinen Augen offensichtlich sind. Spannend fände ich was daraus abgeleitet wird. Besonders spannend fände ich es, wenn da nicht das übliche BlaBla über Chancengleichheit abgeleitete würde sondern echt Ideen entstehen würden.
@Sabbelnator Vielleicht offensichtlich, aber jetzt erst empirisch nachgewiesen. Armut abzubauen wäre in unseren Augen ein guter Anfang. Hast du noch mehr Vorschläge?
@teilenswert Armut abzubauen ist ein schönes Ziel, dass ich aber für eine Utopie halte. Und Utopien sind zwar etwas tolles, aber eben nicht in absehbarer Zeit erreichbar. Habe ich Ideen? Keine die ich für realistisch umsetzbar und gleichzeitig erfolgversprechend halte. Ich kenne nur meine eigene Lösung dieses Problems, aber diesen Weg zu gehen sind heute immer weniger bereit, weil er unbequem und steinig ist und ggf. erfordert Dinge zu tun die gesellschaftlich nicht mehr gern gesehen sind.
@Sabbelnator in unserer Recherche für unseren (ausführlicheren) Instagrambeitrag hatten wir u. a. diesen Artikel zu Lösungswegen gefunden, vielleicht noch interessant: https://www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/322534/ansaetze-zur-verminderung-von-bildungsungleichheiten/
Ansätze zur Verminderung von Bildungsungleichheiten | Bildung | bpb.de

Kein Bildungssystem ist frei von sozialen Bildungsungleichheiten, aber sie lassen sich reduzieren. Welche Ansatzpunkte sind dafür zentral?

bpb.de
@teilenswert danke, sowas finde ich top! Ich stimme zwar nicht mit allen Schlüssen die gezogen wurden überein, aber das ist mal ein konstruktiver Lösungsansatz der da präsent wird.
@Sabbelnator @teilenswert da Kinder aus wohlhabenden Familien bereits Nachhilfe bekommen, weil selbst bezahlt, wenn sich erste Lücken auftun und nicht erst, wenn die Noten so schlecht sind und die Lücken so groß, dass das Kind die Klasse nicht schafft (dann kann ein Antrag gestellt werden, jedes Jahr neu, dauert ewig und ist extrem kompliziert), wäre es toll, wenn da früher Angebote greifen würden.
@bunthoernchen diese Idee gefällt mir. Ich persönlich habe zwar immer wesentlich größere Entwicklungsschritte gemacht wenn ich mal wieder gescheitert bin, aber ich finde diese Idee wirklich gut. Vor allem sollte man hier frohzeitig ansetzen. Da sind wir dann im Bereich der Bildungspolitik angekommen, die immer gern vernachlässigt wird und ein Schulsystem aus den vorletzten Jahrhundert am Leben hält.

@teilenswert OK. Zwingen wir bitte alle Eltern ihren Kindern vorzulesen und ihnen kein Handy als elektronischen Schnuller in die Hand zu geben. Wer bis zum vierten Geburtstag keinen Nebensatz gehört hat wird auch später nur schwerlich einen verwenden.

Und das hängt nicht (OK: nicht nur) an der Kita oder dem Kindergarten. Meine Mutter war Leseoma in einer Grundschule. Von den Kids mit Problemen wurde keinem daheim vorgelesen oder mit dem Kind daheim gelesen.

@teilenswert 10 Minuten vorlesen oder begleitet lesen wäre ein guter Anfang. Jeden Abend. Und mit dem Kids reden statt ständig aufs Handy zu starren...

Es liegt auch daran, dass viele die Bildungseinrichtungen als alleinige Bildungs- und Erziehungsquelle betrachten.

Bei uns im Ort werden U3/Ü3 sehr gemischt, das Problem mit sehr unterschiedlich Anfangsbedingungen in der Schule besteht trotzdem.

@teilenswert Also: Ja, es liegt auch daran dass die Kids von "gebildeten" Eltern früher in die Kita gehen. Hey, beide sind berufstätig (ich hab auch 6 Monate nur 10h/Woche gearbeitet weil wir keinen Platz bekommen haben). Es liegt aber auch daran, dass viele alles auf Kita, Kindergarten und Schule abwälzen und selbst keine Zeit investieren.

(und meine Eltern haben nicht beide studiert, aber vorgelesen und mich in die Bücherei geschleift).

@drchaos Genau darum geht es: Es gibt Eltern, die die Kapazitäten und das Wissen haben, und die, die es nicht haben. Bildung wird vererbt. Wer seinem Kind viel vorliest, dem haben die eigenen Eltern vermutlich ebenfalls viel vorgelesen. Damit sich das ändert, muss Bildung weniger vom Elternhaus abhängen.
@teilenswert @drchaos Ja, und zusätzlich kann es verschiedene Gründe haben, warum Eltern etwas nicht leisten können.
Und wenn dann zusätzlich kein Geld da ist, was eins auf das Problem schmeißen kann, wird es noch schwieriger.
Ich habe viel Vorgelesen. Meine Kinder früh gesprochen. Aber ne LRS ist nicht mit Vorlesen zu beheben.
Dafür braucht es Therapien, die ich schnell bekomme, wenn ich sie selbst zahle. Oder es dauert, weil Anträge gestellt werden müssen.
@teilenswert Wie war das nochmal mit der Korrelation und Kausalität? Könnte es ein, dass mit steigendem sozioökonomischen Status auch das Bewustsein für Bildung steigt und die Eltern entsprechend ZEIT in Ihre Kinder investieren? Was ist daran Unfair?
@DG1JAN @teilenswert
"Unfair" empfinde ich als Wort auch zu ungenau. Es geht NICHT um Chancengleichheit, sondern um Chancengerechtigkeit. Viele Kinder haben deutlich schlechtere Startvoraussetzungen, weil sie schlicht in eine Familie mit weniger Ressourcen geboren worden. Nicht der sozioökonomische Hintergrund der Eltern sollte über den Erfolg entscheiden, sondern die eigene Leistung.
@janjan @teilenswert Was ich im lokalen Umfeld meist sehe, der ökonomische Hintergrund ist nicht so wichtig wie der Soziale. Und da liegt es vor allem am "wollen" oder eben eher am fehlenden Bewusstsein der Eltern. Da wird nicht Vorgelesen oder (analog) mit den Kindern gespielt, sondern man parkt sie schon früh vorm Fernseher/Tablet/Smartphone/Spielkonsole.
@DG1JAN @teilenswert
Ja, sehe ich auch so. Dennoch, die Kinder können nichts dafür und ihnen entsteht ein Nachteil, aufgrund des fehlenden Bewusstseins der Eltern. Diesen Nachteil wird es immer geben, aber Bildung und Schulsystem könnten besser ausgleichend wirken.
@janjan @DG1JAN Danke für das Feedback. Die Studie zeigt, dass das Bildungssystem den ökonomischen Vorteil des Elternhauses nicht ausgleichen kann. Das liegt an verschiedenen Faktoren – und einer ist tatsächlich unfair: Lehrkräfte geben Kindern aus niedrigen Schichten schlechtere Noten bei gleichen Leistungen und empfehlen sie seltener fürs Gymnasium.
@DG1JAN @janjan @teilenswert Die Stadtbibliothek ist hier Gratis. Anderswo kenne ich Kosten von ~10 € im Jahr. Aber man muß eben hingehen. Wenn sie zu weit weg ist, ist das wieder kompliziert.
@Hammerwell @janjan @teilenswert genau so, und darüber hinaus gibt es unzählige weitere kostenfreie Angebote. Dabei hängt es neben dem "Wollen" allerdings oft an den Mobilitätskosten. Ein guter und günstiger (bis kostenfreier) ÖPNV würde da IMHO viel bewirken.
@Hammerwell @DG1JAN @teilenswert
Ok. Natürlich trägt jeder auch Verantwortung für den eigenen (Miss)Erfolg. Aber es geht weniger ums Geld. Wenn die Eltern nie in eine Bibliothek gegangen sind, sprich Bildung genossen haben, werden deren Kinder es sehr wahrscheinlich auch nicht. Kurzum: Ich denke, es ist in Deutschland einfacher arm und dumm zu bleiben, als Wohlstand und Bildung durch Leistung zu erreichen — wenngleich viele letzteres bevorzugen würden.
@janjan @Hammerwell @teilenswert ja, es ist leider zu einfach, es sich Einfach zu machen. Wenn von Zuhause bereits jede intrinsische Motivation fehlt und man auch sonst im sozialen Umfeld keinerlei positive Vorbilder hat wird es auch das Schulsystem nicht richten können. Selbst wenn diese nicht so kaputt wäre, wie das Unsere ist

@DG1JAN @janjan @Hammerwell @teilenswert
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irgwndwas mit kultur ?!?

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da kommt das erfreuliche #ehrenamt zum zug , das leider weniger gefördert als gelobt und gepriesen wird .

@aiquez @janjan @Hammerwell @teilenswert definitiv, die Zivilgesellschaft kann viel auffangen. Nicht nur Kultur, gerade auch Sportvereine (insb. Fußball) hat IMHO in der Vergangenheit viel dazu beigetragen, diesen Kindern und Jugendlichen Erfolgserlebnisse zu vermitteln und aufzuzeigen das sich Leistung lohnt. Aber auch hier werden die Angebote (zumindest vom Gefühl her) immer weniger und neben der Finanzierung fehlen oft auch schlicht die Ehrenamtlichen.
@DG1JAN @aiquez @janjan @teilenswert Wobei auch gerade die lokalen Fußballvereine, die einklich die ganze Arbeit am Anfang machen, zugunsten der großen Vereine ausgehungert werden.

@DG1JAN @teilenswert

Oder: Eltern mit mehr Einkommen haben mehr Geld für Nachhilfe, Zusatzmaterial (das Schulbuch + die lern-CD) dazu und weniger Stress mit den finanziellen Mitteln klar zu kommen und dadurch mehr Kapazitäten (innere Ruhe) um den Kindern zu helfen.

Aber meine eigene Qualifikation ist, dass ich mit Bafög und ALG2 mein Kind in einer Grundschule hatte, wärend ich parallel selbst nochmal die Schulbank gedrückt und später studiert habe...

@teilenswert die Kinder können nichts dafür. Bei manchenn Eltern kann man Kinder nur schützen, wenn man deren Unvermögen zur Unterstützung ausgleicht. Wir können uns als Gesellschaft nicht leisten, so viele Talente und Fähigkeiten zu verlieren.

@teilenswert neben dem #Leibniz-Institut gibt es ja auch Leibniz-Schulen. die können mit gutem Beispiel bzgl. Herstellung von #ChancenGerechtigkeit vorangehen.

#edu

gibt es hierzu schon erkenntnisse ?
@lpb_saar

@leibnizgemeinschaft
@LeibnizIGB
@leibnizopenscience

ist das #LeibnizInstitutFürBildungschancen hierzu erreichbar

"Wissen über das Leben ist bei den Menschen vorhanden, wir müssen es gemeinsam erschließen." | Hartmut Rosa, Soziologe

Hartmut Rosa gehört zu den bekanntesten Soziologen Deutschlands. In seinem neuesten Buch beschäftigt er sich mit dem Phänomen, dass wir immer häufiger den "Spielraum" verlieren.

hr2.de

@teilenswert Danke! Auf Soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit kann nicht oft genug aufmerksam gemacht werden!

Gerne möchte ich darauf hinweisen, dass die Angaben in eurem Beitrag eventuell auch Vorverurteilungen von selbstverschuldeter Armut und Unvermögen Vorschub leisten könnten.
Das erscheint mir hinsichtlich erstarkender klassistischer Tendenzen wichtig zu betonen. Denn strukturelle Ausgrenzung im Bildungssystem dürfen hierbei nicht ausgeblendet werden.

@ninotschka_sumbeltroll ganz genau! Zumal die Studie sogar zeigt, dass Lehrkräfte Kinder je nach sozialer Herkunft unterschiedlich bewerten – trotz gleicher Leistungen.