Und er stieg zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Und sie erstaunten sehr über die Maßen bei sich selbst und verwunderten sich; denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, denn ihr Herz war verhärtet.
Elberfelder 1871 – Markus 6,51–52
Da gerieten sie vor Entsetzen ganz außer sich. Denn sie waren durch das Wunder mit den Broten nicht zur Einsicht gekommen; sie waren im Innersten verstockt.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Markus 6:51b–52
Da waren sie erst recht fassungslos. Denn selbst nach dem Erlebnis mit den Broten hatten sie noch nichts begriffen; ihre Herzen waren verschlossen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Mk 6,51b–52
Sie aber staunten und wunderten sich über die Massen. Denn durch jene Brode waren sie noch nicht zur Einsicht gekommen; weil ihr Sinn so unempfänglich war.
van Ess 1858 – Mk 6:51b–52
Wie hätten wohl die Gespräche ausgesehen, wenn die Jünger Jesus wirklich „erkannt“ hätten? Wenn sie gewusst hätten, dass er schon Adam & Eva kannte, und alle Fragen, die uns beim Bibellesen aufkommen, beantwortet hätte?
συνῆκαν Aor. -ίημι202 verstehen, einsehen, begreifen; Aor. hier wohl ingr. (A240b). ἐπί m. Dat. hier auf Grund von (v. dem Grund, auf dem ein Zustand od. ein Geschehen beruht); οὐ γὰρ συνῆκαν ἐπὶ τοῖς ἄρτοις, ἀλλʼ ἦν αὐτῶν ἡ καρδία πεπωρωμένη denn auf Grund der Brote (= des Brotwunders [V. 32–44]) waren sie (noch) nicht zur Einsicht gekommen (vgl. B II1bγ), sondern ihr Herz war verhärtet/verstockt od. denn selbst nach dem Erlebnis mit den Broten hatten sie noch nichts begriffen; ihre Herzen waren verschlossen (NGÜ); durch den γάρ-Satz erklärt (vgl. B γάρ 2) der Verfasser die eben genannte Reaktion der Jünger: obwohl sie das Brotwunder (das u. a. Jesu eig. Identität offenbaren sollte) persönl. miterlebt hatten, haben sie, die doch zu den engsten Vertrauten des Gottessohnes best. u. bereits aktiv an seinem Wirken beteiligt waren (V. 7–13 u. 30), noch immer nicht begriffen, wen sie vor sich hatten (vgl. zu 4,13). ἦν V. 47. πε-πωρωμένη Pf. (A231) Ptz. Pass. πωρόω versteinern, verhärten, verstocken; umschrieb. Plsqpf. (A249b).
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen TestamentV. 51 steigt Jesus in das Boot, wodurch sich der Wind legt (Konstatierung des Wunders) und die Jünger aus der Not gerettet werden. Sie reagieren darauf sehr bestürzt, was hier wohl positiver – im Sinne einer Admiration – als nach dem Schrecken von zuvor (V. 49.50a) zu verstehen ist.
Der abschließende erklärende Zusatz (vgl. gár: denn; V. 52) zeigt allerdings, dass die Admiration der Jünger nicht Ausdruck ihres Verstehens ist. Sie haben vielmehr schon die vorhergehende Speisung des Volkes durch Jesus in ihrer eigentlichen Bedeutung nicht verstanden (6,32–44); dies gilt auch vom Seewandel Jesu. Beides erklärt sich aus der Verhärtung ihrer Herzen, durch welche sie unempfänglich werden für Gottes Einfluss und damit auch für das Verstehen der Offenbarung der christologischen Hoheit Jesu bei der Speisung und beim Seewandel. An einer Herzensverhärtung leiden also nicht nur Jesu Gegner (vgl. dazu bei 3,5), sondern auch seine engsten Vertrauten, die Jünger.
Was ist die „Bedeutung der Brote“, von der in Markus 6:52 die Rede ist?
In Markus 6:51, 52 lesen wir: „Er [Jesus] stieg zu ihnen [den Jüngern] in das Boot, und der Wind ließ nach. Darüber waren sie bei sich selbst überaus erstaunt denn sie hatten die Bedeutung der Brote nicht erfaßt, sondern ihr Herz blieb im Verständnis abgestumpft.“ Die Jünger hatten zuvor erlebt, wie Jesus Christus fünf Brote und zwei Fische auf übernatürliche Weise so sehr vermehrte, daß ungefähr 5 000 Männer außer den Frauen und Kindern gespeist werden konnten. Die übriggebliebenen Brocken, die man gesammelt hatte, füllten 12 Körbe, was eindeutig bewies, daß alle Anwesenden satt geworden waren. Die Jünger hätten daraus erkennen sollen, daß Jesus von Gott ermächtigt worden war, Wunder zu wirken (Matth 14:19-21; Markus 6:41-44).
Als daher Jesus später über das Wasser schritt und der Wind nachließ, als er in das Boot stieg, hatten die Jünger Grund, diese Wunder mit der übernatürlichen Vermehrung der Brote in Zusammenhang zu bringen. Wenn Jesus Christus die Volksmenge speisen konnte, sollte es bestimmt nicht so ungewöhnlich oder erstaunlich erschienen sein, daß er auch über das Wasser schreiten und den Wind beschwichtigen konnte.
Doch die Jünger waren noch nicht in der Lage, das eine Wunder im Lichte des anderen zu sehen. Sie erfaßten in ihrem Herzen einfach noch nicht die Größe der Macht, die Jesus Christus durch den heiligen Geist gewährt worden war. Sie reagierten mit einem Erstaunen wie es für Personen charakteristisch gewesen wäre, die keinen Grund gehabt hatten, zu glauben, daß der Sohn Gottes über das Wasser schreiten und dem Wind Einhalt gebieten konnte.
Und sie staunten überaus stark; denn bei den Broten war ihnen das Verständnis nicht gekommen; sondern es war ihr Herz verhärtet, ganz so, wie Markus auch beim früheren Sturm gesagt hat: Fehlt euch denn der Glaube? Mit allem, was ihnen Jesus tat, hätte er ihnen gerne eine inwendige und bleibende Gabe geschenkt, nicht nur eine kurze Labung und Ergötzung an Gottes Schöpfermacht, sondern einen bleibenden, hellen Einblick in das, was Gott ihm und durch ihn auch den Jüngern war. Wenn sie aber über jeden neuen Erweis seiner Gemeinschaft mit dem Vater in ein tiefes Erstaunen verfielen und davon völlig überrascht wurden, als wäre es etwas Unmögliches, so wurde dadurch offenbar, daß sie Jesu Gemeinschaft mit dem Vater vor Augen hatten, ohne sie mit ihrem stumpfen Herzen wahrzunehmen und zu verstehen.
Matthäus hat noch das große Erlebnis des Petrus erzählt, der nach dem Anteil an Jesu herrlicher Macht begehrt, ihn auch empfängt, aber dabei erlebt, wie ungeschickt und unfähig er noch zum Glauben ist. Markus hat nicht an der besonderen, außergewöhnlichen Tat des Petrus, wohl aber am Verhalten aller Jünger mit bewußter Absicht hervorgehoben, wie deutlich und demütigend ihre Schwachheit zutage trat. Denn es gehört mit zum Bußwort des Evangeliums, daß es uns neben dem Reichtum Jesu die Armut der Jünger zeigt und allen an ihnen erkennbar macht, wie viel Güte und Geduld er mit uns haben muß, bis wir an ihn glauben.
Das letzte Echo im Bewusstsein der Beteiligten ist ein doppeltes. Bei den Teilnehmern ist es Fassungslosigkeit: »Sie entsetzten sich (oder: gerieten außer sich) über die Maßen sehr« (Mk 6, 51; vgl. Mk 5,42). Jesus vollbrachte, was nur Gott vollbringen kann: Er ging auf dem Wasser (vgl. das Bekenntnis in Mt 14,33). Der rückblickende Evangelist aber konstatiert den völligen Mangel an Verständnis: »Sie waren trotz der Brote nicht zur Einsicht gekommen, sondern ihr Herz war verhärtet« (Mk 6, 52). Wer Jesus ist, erfassen sie noch immer nicht. Jesu Leiden am Unverständnis der Jünger setzt sich fort. Also in diesem Sinne kein Happy End! Es fällt auf, dass bei Markus das Unverständnis der Jünger besonders betont wird (vgl. Mk 1,36ff.; Mk 4,13; 6,52; 7,18; 8,17ff.; Mk 9,10.32; 10,14). Es ist, als wolle Markus seinen Lesern sagen: Wir Menschen sind unfähig, die Herrlichkeit des Sohnes Gottes zu begreifen. Zweimal gebraucht er bei den Jüngern sogar den Ausdruck »verhärtetes Herz«. »Verhärtet« muss man unterscheiden von »verstockt«, obwohl beide Begriffe nahe beieinander liegen. In Mk 6,52 heißt »verhärtet« jedenfalls so viel: Die Jünger haben ihr Herz selber hart gemacht, so dass keine göttliche Erkenntnis in sie eindringen konnte.
Der Leser verlässt diesen Bericht mit der Frage: Wann werden die Jünger endlich begreifen? Andererseits stellt der Bericht auch an den heutigen Leser eine Frage: Hast du selbst schon begriffen?
Sie mussten lernen, sich in jeder Situation auf den Messias zu verlassen. Diese Lektion hätten sie schon bei der Speisung der Fünftausend lernen sollen, worauf Markus hinweist: „Und sie entsetzten sich sehr über sich selbst; denn sie verstanden nichts von den Broten, sondern ihr Herz war verstockt“ (Markus 6,51-52). Ihr Versagen, diese Lektion zu lernen, erklärte, warum sie im Boot so ängstlich waren. Matthäus berichtet: Und die im Boot waren, beteten ihn an und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn (Matthäus 14,33). Hier ist ein Beispiel für gute Theologie, aber schlechte Anwendung. Die Jünger wussten eindeutig, dass er der Sohn Gottes war (gute Theologie); aber sie hatten nicht gelernt, sich auf ihn zu verlassen (schlechte Anwendung). Sie wurden ängstlich in einer Situation, in der sie dem Herrn hätten vertrauen sollen. Geistliches Leben ohne gute Theologie ist unmöglich. Auf der anderen Seite führt eine gute Theologie ohne gute Anwendung zu geistlicher Leere. Der Gläubige muss gute Theologie auf das tägliche Leben anwenden.
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen PerspektiveDie Jünger erstaunten sehr über die Maßen. Markus gebraucht den Ausdruck bei zwei früheren Gelegenheiten. Bei der Heilung des Gelähmten und bei der Auferweckung der Tochter des Jairus waren die Zuschauer über die Maßen erstaunt. Das hier verwendete Wort existanto bedeutet wörtlich „außer sich sein“ (2, 12; 5, 42). Markus alleinberichtet den Grund für diese Haltung der Jünger: „Sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, denn ihr Herz war verhärtet.“
Das Wunder der Brotlaibe war ein machtvolles Zeichen der wahren Identität Jesu. Er war der allmächtige Sohn Gottes, der Schöpfer aller Dinge.
Der Mangel an Verständnis dieses Wunders ist ihrer geistlichen Taubheit zuzuschreiben. Sie vermochten nicht seine wahre Identität an dem öden Ort zu erkennen, wo er die Brote und die Fische vermehrt hatte. Infolgedessen erkannten sie ihn auch nicht, als er über die Oberfläche des Sees schritt.
