Niemand suche das Seine, sondern das des anderen.
Elberfelder 1871 – 1.Korinther 10,24
Ihr sollt nicht an euch selbst denken, sondern an die anderen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – 1.Korinther 10:24
Jeder soll auf den Vorteil des anderen bedacht sein, nicht auf den eigenen Vorteil
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Kor 10,24
Denkt bei dem, was ihr tut, nicht nur an euch. Denkt vor allem an die anderen und daran, was für sie gut ist.
Hoffnung für alle – 1996 – 1.Kor 10:24
Sondern das ist der Maßstab: Keiner soll das in den Vordergrund stellen, was ihm selbst nützt, sondern das, was seinem Mitmenschen nützt.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1.Korinther 10:24
Der verneinte Imperativ (μηδείς … ζητείτω) und das zum dritten Mal erscheinende ἀλλά unterstreichen, dass das Kriterium christlichen Handelns nicht ein Recht ist, das man besitzt. Das entscheidende Kriterium christlichen Handelns ist der Nutzen für den anderen, d.h. der Nutzen für die Gemeinde: Niemand suche das Seine, sondern (jeder suche) das des anderen. Die Wendung τὸ ἑαυτοῦ bezeichnet das Eigeninteresse, das in der korinthischen Gemeinde das Handeln einzelner Christen bestimmt und nach dem sie „suchen“ (ζητέω), d.h. das sie erreichen und fördern wollen. Wenn W. Schrage die „Suche nach dem Eigenen“ als Suche „nach egozentrischer Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung“ beschreibt, dann ist dies sehr modern und psychologisierend formuliert, sachlich jedoch grundsätzlich richtig. Wenn korinthische Christen auf ihrem Recht beharren, in einem der Tempel Korinths (oder im Poseidon-Tempel in Isthmia) zu speisen (vgl. 8,7.10), dann haben sie nur ihren eigenen Vorteil (τὸ ἑαυτοῦ) vor Augen und handeln ohne Rücksichtnahme auf den Bruder und die Schwester (τὸ τοῦ ἑτέρου).
Gerade dazu fordert Paulus die Christen in Korinth jedoch auf: Sie sollen nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sein, sondern auf den Nutzen für die Gemeinde. Chr. Hinz schreibt zu Recht, dass es sich hierbei nicht um einen formalen Altruismus handelt, um „Kollektivgeist statt Individualismus, sondern (um) eine vom Gekreuzigten qualifizierte Agape. Sie lebt für Brüder, weil Christus für Brüder gekreuzigt ist“. Einige korinthische Christen hatten die imitatio Christi (vgl. 11,1; Phil 2,4.21) durch eine imitatio amicorum ersetzt, eine Nachahmung der Verhaltens von Freunden und Bekannten. Sie beriefen sich auf das säkulare Recht, das sie als römische Bürger besaßen und rechtfertigten ihre Teilnahme an Festmahlen in den örtlichen Tempeln mit dem Argument, dass Götzen „nichts“ sind. Sie handelten dabei ohne Rücksicht auf die Folgen für ihre Mitchristen (8,10) und ohne einen Gedanken an das Gerichtshandeln Gottes zu verschwenden (vgl. 10,22). S. Mitchell bemerkt, dass Christen im ersten oder zweiten Jahrhundert kaum deshalb rückfällig wurden und sich wieder dem Heidentum zuwandten, weil sie ihre Meinung im Blick auf den christlichen Glauben änderten: Es war der gesellschaftliche Druck zur Konformität, den die Institutionen der Stadt und die Aktivitäten der Nachbarn auf einen Christen ausübten, die diesen zur Aufgabe seines Glaubens bringen konnten. Paulus hatte gezeigt, dass Christen, die gemäß der säkularen Maxime „alles ist erlaubt“ leben, ohne Rücksicht auf den Bruder und die Schwester zu nehmen, in die Falle des Götzendienstes geraten, der die Eifersucht des Herrn provoziert (10,14–22). Im Gegensatz zu dieser Maxime orientiert sich rechtes christliches Verhalten immer (ζητείτω ist Imp. Präs.) an dem Nutzen für den Mitchristen.
Schnabel – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament
„Alles steht frei, aber nicht alles baut auf.“ Schon die ganze Fragestellung ist falsch, wenn ich nur nach meiner eigenen Freiheit, nach meinem eigenen Dürfen und Können frage. Es geht nicht um isolierte Einzelchristen, die nach ihren Erkenntnissen tun können, was sie wollen, es geht um den Aufbau der Gemeinde. Und dieser „Bau“ geschieht keineswegs nur durch die amtliche Tätigkeit bestimmter Mitarbeiter, auch nicht nur durch die Teilnahme aller Gemeindeglieder an Verkündigung und Seelsorge, sondern schon durch den „Wandel“, durch das praktische Verhalten, und durch die Liebe, die die Gemeinschaft mit dem andern hält. Paulus unterstreicht mit Nachdruck: „Niemand suche das Seine, sondern das des andern.“ Das ist es, was in Korinth so fehlte und was auch in unserem „Christentum“ oft zu vermissen ist.
Von da aus und gerade nicht unter der Leitung von „Gesetzen“ bekommen die praktischen Fragen unseres Verhaltens ihre Antwort. So fern die hier zur Besprechung stehenden Probleme uns heutigen Christen liegen, so wichtig ist es für uns zu sehen, wie ein Paulus überhaupt konkrete Einzelfragen des christlichen Lebens regelt. Es waren damals wie heute die Fragen um das „Darf ein Christ …?“
de Boor – Wuppertaler Studienbibel
Der zweite Satz, an den uns Paulus beim Gebrauch unserer Freiheit bindet, daß wir das zu wählen haben, was aufbaut, nicht das, was andere zerstört, erinnert noch ausdrücklich daran, daß wir bei dem, was heilsam ist, nicht bloß an uns selber denken dürfen. So würden wir die uns gegebene Macht gänzlich verderben. Einzig und allein der Liebe ist diese Freiheit gegeben, und ohne die Liebe ist sie nicht da. Nur vom guten Willen, nicht vom boshaften, gilt es, daß er zu allem ermächtigt sei, nur von dem, der mit Gottes Willen eins ist, nicht von dem, der gegen ihn streitet. Wenn Gott wider uns ist, so haben wir nicht zu allem Macht, sondern zu nichts Macht, weil Gottes Regierung den bösen Willen immer durchkreuzt und nichtig macht, so daß er scheitern muß, und keine Steigerung unserer Kraft hilft dem boshaften Willen auf, so daß er gelingen könnte. Der Liebe aber hilft alles, weil Gott ihr hilft. Darum verstehen wir es nur dann, wozu uns unsere Macht gegeben ist, wenn wir mit ihr nicht das Unsere suchen und unser Handeln nicht auf unseren Vorteil, unsere Ehre und unsere Befriedigung richten, sondern darauf, daß den anderen zuteil werde, was ihnen hilft.
Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament
Nicht die Verwirklichung meiner Freiheit unter allen Umständen ist Lebensbewegung des Jüngers, sondern das »Suchen«, das mit ganzem Einsatz Erstreben«, »was des andern ist«, was ihm nützt, was ihn auferbaut, was seinen Glauben festigt, gründet und mehrt (vgl. Phil 2,4). Nicht das Meine, nicht meine Person, meine Freiheit, mein Heil, nicht ich stehe im Vordergrund, sondern der andere. Die Jesusbegegnung befreit mich von der Eigensuche (= Eigensucht) und befähigt mich zur Brudersuche, zum Liebeseifer für und um den andern. Christen sind kenntlich am Eifer um den Bruder.
Edition C Bibelkommentar Neues Testament
Nun interpretiert und verstärkt Paulus, was er gerade gesagt hat. Niemand von uns darf von Selbstsucht gekennzeichnet sein, bzw. allem egoistisch geprägtem Bestreben. Was uns von selbst treiben sollte, ist das Suchen nach dem Wohlergehen, dem Vorteil, den Interessen, dem Guten von anderen, besonders für den, der sich von uns unterscheidet, für den, der uns unähnlich ist. Eine ähnliche Ermahnung findet sich in Röm 15,2 und wird in V.3 von dem Beispiel Christi gefolgt. Auch in Phil 2,4 werden wir ermahnt, Rücksicht auf andere zu nehmen, worauf in V.5 das Beispiel Christi folgt. Dieses Prinzip – wirkliche Liebe zu anderen – könnte gewinnbringend auf andere Gebiete unseres Lebens ausgeweitet werden, wo solche Selbstdisziplin die höchsten Interessen der anderen fördern würde.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
https://blog.thomas-pape.de/2026/04/20/sondern-das-ist-der-massstab-keiner-soll-das-in-den-vordergrund-stellen-was-ihm-selbst-nuetzt-sondern-das-was-seinem-mitmenschen-nuetzt/
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