Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas’; und siehe, mehr als Jonas ist hier.
Elberfelder 1871 – Matthäus 12,41
Die Männer von Ninive werden beim Gericht mit diesem Geschlecht [als Zeugen] auftreten und seine Verurteilung herbeiführen; denn sie haben auf Jonas Predigt hin Buße getan , und hier steht doch Größeres als Jona!
Menge 2020 – Matthäus 12:41
Die Menschen aus der Stadt Ninive werden am Gerichtstag zusammen mit den Menschen von heute aufstehen und sie anklagen. Denn schließlich änderten sie ihr Leben vollständig, als Jona ihnen Gottes Botschaft brachte. Und hier vor euch steht einer, der unendlich viel bedeutender ist als Jona.
Roland Werner – Das Buch – 2009 – Mt 12,41
Νινευίτης1 Bewohner von Ninive; ἄνδρες Νινευῖται Männer/Leute von Ninive (vgl. H-S § 260j). ἀνα-στήσονται Fut. Med. ἀν-ίσταμαι hier (als Zeugen) auftreten (B 2c). μετά m. Gen. hier (gemeinsam) mit im Sinn v. gegen (vgl. B AII3a). κατα-κρινοῦσιν Fut. -κρίνω127 verurteilen, hier wohl durch ihre Zeugenaussage. ὅτι hier denn (vgl. B 3b). μετ-ε-νόησαν Aor. μετα-νοέω seinen Sinn ändern, Reue empfinden, umkehren. εἰς hier auf … hin (B 6a; BDR § 2073). κήρυγμα3 Botschaft, Verkündigung. Ἰωνᾶ (zweites) gen. comparationis (A168); ἰδοὺ πλεῖον Ἰωνᾶ (V. 42 Σολομῶνος) ὧδε hier ist etwas Größeres (B πολύς II2c) als Jona (bzw. Salomo) am besten (vgl. auch V. 6) = hier ist einer, der mehr ist als Jona (bzw. Salomo).
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Jesus stellte die Schuld der jüdischen Führer durch zwei Gegensätze dar. Erstens waren die Heiden in Ninive weitaus weniger bevorzugt, doch als sie die Predigt des ungehorsamen Propheten Jona hörten, taten sie Buße. Sie werden im Gericht aufstehen, um die Menschen zu verdammen, die in den Tagen Jesu den nicht annahmen, der größer war als Jona: den fleischgewordenen Sohn Gottes.
MacDonald- Kommentar zum Neuen Testament
Der Text bleibt beim Vergleich mit Jona, die Perspektive wechselt. Die größere Bedeutung des irdischen Jesus gegenüber Jona wird herausgestellt. Jona vermochte durch seine Bußpredigt die Nineviten zur Umkehr zu bewegen (vgl. Jon 3). Worin ist das πλεῖον zu sehen? Nachdem es in Q auf die Würde Jesu als des kommenden Menschensohn-Richters bezogen gewesen sein dürfte, lenkt Mt wieder mehr zum ursprünglichen Sinn des Logions zurück. Er sieht das Mehr Jesu in seiner Predigt, in seiner Weisheit begründet, hat er doch – wie wir sehen konnten – Jesus selbst mit der Weisheit identifiziert (vgl. zu 11,19c). Wie in den Weherufen über die galiläischen Städte (11,21–24) liegt die Schärfe des Gerichtswortes in der Gegenüberstellung der bußfertigen Heiden mit dem unbußfertigen Volk.
Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Jesus möchte ihnen zeigen, wie sie mit ihrem Begehren sich selbst verklagen. Was empfingen die Bewohner von Ninive? Nichts als die Bußmahnung, die ihnen Jona brachte, und sie hörten sie. Dieses Geschlecht dagegen hört nicht auf die Bußpredigt. Es läßt sich umsonst bitten, daß es seine Bosheit lasse. Was zog die Königin von Saba herbei? Nichts als die Weisheit Salomos. Dieses Geschlecht läßt sich durch Weisheit nicht locken. Es hört die herrlichsten Worte voll Licht und Wahrheit umsonst. Weisheit ist nicht das, was sie begehren. So werden die Niniviten und die Königin von Saba zur Verklägerin Israels. An ihnen ist das, was Israel vergeblich empfing, nicht umsonst gewesen. Dadurch nehmen sie ihm die Entschuldigung.
Absichtlich wählt Jesus auch hier seine Beispiele unter den Heiden. Wenn ein Heide am Bußwort erwachen kann und ein Heide sich der Weisheit zu öffnen vermag, sollte es nicht der Jude noch viel mehr? Aber mit ihrem satten Stolz bereiten sie sich aus Gottes Gnade ihre Schuld. Sie sind schon längst gerecht und weise und hören darum das Buß- und Weisheitswort umsonst.
Die Sache steht aber für Israel noch schlimmer; sie haben nicht nur dasselbe umsonst empfangen, was sogar unter den Heiden seine Frucht gebracht hat, sondern ihnen wurde mehr gegeben. Jesus stellt sich über die alttestamentlichen Männer empor, weil er von ihnen wie der Sohn von den Knechten unterschieden ist. Er tut Israel dasselbe, was ihm die Propheten taten, richtet ihm Gottes Bußwort aus und bringt ihm den Unterricht aus Gottes Weisheit. Aber dadurch, daß ihnen der Sohn diesen Dienst tut, ist ihnen Größeres als den früheren Zeiten gegeben worden. Was er ihnen über Gottes Willen sagt, fordert von ihnen den Gehorsam mit besonderem Ernst.
Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament
Man begehrt von Jesus ein Zeichen vom Himmel. Es ist so, als ob die Pharisäer und Schriftgelehrten nun doch erschrocken waren durch die vorhergehenden, furchtbar ernsten Worte des Herrn. Es ist, als wollten sie mit dieser Forderung sagen: Gib uns doch ein Zeichen vom Himmel, damit wir endlich genau wissen, ob du wirklich von Gott kommst!
Jesus erwidert: »Ein solches Zeichen wird allerdings stattfinden; aber es wird kein bloßes Schauwunder sein wie das, welches ich nach eurem Wunsch in diesem Augenblick bewirken soll.« Es wird ein göttlicher Akt sein, der ein wesentliches Element des Erlösungswerkes bilden wird, das Jesus auf Erden auszurichten hat (Rö 4,25). Jesus denkt an seine Auferstehung. Diese Bedeutung seiner Auferstehung legt Jesus auch in Jo 2,19 dar. Der Sinn ist also: »Wie Jona, dem Tod entrissen, den Niniviten predigte, so wird auch der Menschensohn als Auferstandener der ganzen Welt das Heil ankündigen.« Der Tod und die Auferstehung Jesu werden dann zu einem Zeichen, dem teils widersprochen, teils Glauben geschenkt wird.
Wenn aber das Volk Israel so wäre, wie es sein sollte, so würde es, um an Jesus zu glauben, nicht erst ein außerordentliches Zeichen abwarten. Seine bloße Gegenwart würde ihm genügen. Dieser neue Gedanke wird im folgenden Abschnitt dann weiter entwickelt. Salomo hat der »Königin des Südens« kein himmlisches Zeichen getan, Jona hat in Ninive kein einziges Wunder verrichtet, und doch haben sie beide Glauben gefunden. Die Weisheit des Salomo und die Predigt des andern waren hinreichend, um die Heiden als Zuhörer zu gewinnen und zur Buße zu bewegen.
An die »Jona-Geschichte« schließt sich das Beispiel der Königin von Südarabien an, die, durch den Ruhm der Weisheit Salomos angelockt, aus weiter Ferne nach Jerusalem kam (1Kö 10,1–13). Durch diesen Beweis ihres Verlangens nach der in Israel vorhandenen, auf Gottes Offenbarung beruhenden Erkenntnis Gottes wird diese Heidin, wenn sie im Endgericht (zugleich mit den jüdischen Zeitgenossen Jesu) sich vor Gott zu verantworten hat, ein tatsächliches Verdammungsurteil über das jüdische Volk fällen; dieses Israel hat Jesus, der mehr ist als Salomo – weil die in ihm erschienene Weisheit Gottes höher steht als diejenige Salomos –, nicht angehört und ist gleichgültig und verständnislos an ihm vorübergegangen.
Die Niniviten, gleichfalls Heiden, taten Buße auf die Predigt des Jonas hin. Diese Toten richten sich auf und stehen als Belastungszeugen wider die Juden vor dem Gericht. Wie dramatisch ist in diesen Worten Jesu alles geschildert! Die beiden Beispiele ergänzen einander: bei der Königin von Saba die Wahrheitsliebe, bei den Niniviten die Reue über das begangene Böse und die Furcht vor dem Gericht.
Rienecker – Wuppertaler Studienbibel
Christus nutzte diesen Anlass, um den schlimmen Charakter und Zustand des Geschlechts zu beschreiben, in dem er lebte, ein Geschlecht, welches es ablehnte, gebessert zu werden. Menschen und Dinge erscheinen jetzt unter falschen Flaggen; Charakter und Beschaffenheiten sind hier veränderlich. Die Dinge sind in Wirklichkeit so, wie sie in der Ewigkeit sind. Christus beschreibt nun das jüdische Volk:
Als ein Geschlecht, das durch „die Männer von Ninive“ verurteilt werden würde, deren „Buße auf die Verkündigung des Jona hin“ im Gericht gegen sie vorgebracht werden würde (Vers 41). Christi Auferstehung würde für sie das Zeichen des Propheten Jona sein, doch es würde keine so selige Wirkung auf sie haben, wie das von Jona auf die Niniviten hatte, denn die Niniviten wurden dadurch zu solch einer Buße gebracht, dass sie ihren Untergang verhinderte. Die Juden jedoch würden in einem Unglauben verhärtet werden, der ihren Untergang beschleunigen würde. Christus erneuerte den Aufruf Jonas, indem er in den Synagogen saß und lehrte. Neben der Warnung vor unserer Gefahr hat Christus uns gezeigt, wovon wir Buße tun müssen und uns die Annahme zugesichert, wenn wir Buße tun. Christus vollbrachte viele Wunder und alle waren Wunder der Barmherzigkeit. Und doch taten die Männer von Ninive „Buße auf die Verkündigung des Jona hin“, aber die Juden wurden nicht durch Christi Predigen überzeugt. Die Güte derer, die weniger Hilfen und Vorzüge für ihre Seelen hatten, wird die Schlechtigkeit von denen hervorheben, die viel mehr hatten. Diejenigen, die im Dämmerlicht erkennen, was zu ihrem Frieden dient (s. Lk 19,42), werden diejenigen beschämen, die mittags umhertappen.
Der Neue Matthew Henry Kommentar
Noch einmal nimmt Jesus Bezug auf Jona (vgl. Jona 3,1ff.). Aber zugleich vergleicht er »dieses Geschlecht« mit einem heidnischen Geschlecht, nämlich den »Leuten von Ninive«. Jesus hat den Vergleich mit den Heiden öfter benutzt: z. B. mit Sodom und Gomorra, mit Tyrus und Sidon, mit der Witwe von Zarpath und Naeman aus Syrien (Mt 10,15; 11,22; Lk 4,24ff.). Wie Paulus in Röm 10,19; 11,14 gebraucht Jesus diesen Vergleich, um Israel zum Nacheifern zu reizen. Auch unser Wort enthält also die Aufforderung zur Umkehr! Noch immer ringt Jesus darum, die Pharisäer und das hinter ihnen stehende Volk zu gewinnen. Aber Jesus sieht auch schon schmerzvoll voraus, was geschehen wird: Während Jona genügte, um Ninive zur Umkehr zu bringen, tut Israel nicht einmal auf die Predigt des Gottessohnes hin Buße! »Hier ist mehr als Jona«, nämlich der Sohn Gottes (vgl. Mt 11,9; 12,6). Zwei Punkte halten wir noch fest. Einmal bezeugt unsre Stelle die allgemeine Totenauferstehung und das allgemeine Gericht. Auch die Heiden aus der Zeit vor Jesu werden auferstehen und gerichtet werden. Zum anderen wird wiederum klar, dass Jesus das Jonabuch als Bericht über wirklich Geschehenes liest. Das ist so real, dass die Niniviten im Endgericht besser dastehen: Wer auf Jonas Predigt hin umkehrte und auf Gott ausgerichtet blieb, der kann durch Jesu Sühnetod gerettet werden! Aber »dieses Geschlecht« Israels wird trotz der Erwählung im Endgericht verurteilt werden. Gerade im Vergleich mit diesen Heiden spricht man es »schuldig«.
Gerhard Maier – Edition C
Nachdem er die neue Politik bezüglich des Zwecks seiner Zeichen verkündet hatte, kehrte Jeschua zum Thema des Gerichts zurück, das die Pharisäer durch ihre Forderung nach einem weiteren Zeichen unterbrochen hatten (Matthäus 12,38). Aber beachten Sie jetzt die besondere Betonung auf diese Generation: Die Männer von Ninive werden im Gericht mit dieser Generation aufstehen und sie verurteilen; die Königin des Südens wird im Gericht mit dieser Generation aufstehen und sie verurteilen (Matthäus 12,41-42, Betonung hinzugefügt). Jeschua gab zwei Beispiele aus dem Alten Testament: die Männer von Ninive und die Königin von Saba. Dies waren Heiden, die viel weniger Licht, viel weniger göttliche Offenbarung erhalten hatten als diese Generation des jüdischen Volkes, und doch reagierten sie auf das Licht, das ihnen gegeben wurde. Deshalb werden diese Heiden beim Gericht vor dem großen weißen Thron in Offenbarung 20:11 stehen und diese besondere jüdische Generation dafür verurteilen, dass sie sich der unverzeihlichen Sünde schuldig gemacht haben, einer Sünde, die nur ihnen eigen ist, weil sie das größere Licht abgelehnt haben.
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive
Die Tatsache, daß »Männer von Ninive« im Gericht aufstehen werden, hat wichtige Konsequenzen, die im nachfolgenden Vers erklärt werden. Zwei Prediger werden einander gegenübergestellt: Jona, und einer, der größer ist als Jona. Zwei unterschiedliche Ergebnisse werden einander gegenübergestellt: Die Buße Ninives und die Weigerung der Pharisäer, Buße zu tun.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Leute von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht.
ἀναστήσονται ἐν τῇ κρίσει. Sanh 10, 3: Das Geschlecht der Flut hat keinen Anteil an der zukünftigen Welt u. sie stehen nicht im (großen) Gericht auf וְאֵין עוֹמְדִין בַּדִּין; denn es heißt: „Nicht soll richten mein Geist über den Menschen ewiglich“ Gn 6, 3. Die Leute von Sodom haben keinen Anteil an der zuk. Welt; aber sie stehen im (großen) Gericht auf עומדין בדין. R. Nechemja (um 150) sagte: Weder jene noch diese stehen im (großen) Gericht auf; Ps 1, 5: „Darum werden die Gottlosen nicht stehn im Gericht“, das bezieht sich auf das Geschlecht der Flut; „noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten“, das bezieht sich auf die Leute von Sodom. Da sagte man zu ihm: In der Gemeinde der Gerechten stehen sie nicht auf, wohl aber in der Gemeinde der Gottlosen.
Und werden es verurteilen, weil sie Buße taten auf die Predigt des Jona.
καὶ κατακρινοῦσιν αὐτήν. Daß das bußfertige Verhalten der Niniviten nicht zu einer Anklage wider das unbußfertige Israel werden möchte, war das Hauptmotiv zu Jonas Flucht, s. oben S. 643 f.
Der Gedanke, daß der Mensch im göttl. Gericht an seinesgleichen werde gemessen u. so durch seinesgleichen werde gerichtet werden, begegnet PesiqR 35 (161a): „Juble u. freue dich, Tochter Zion!… Und anschließen werden sich viele Heidenvölker Jahven an jenem Tage“ usw. Sach 2, 13 f. R. Chanina b. Papa (um 300) hat gesagt: Die Schriftstelle redet ausschließlich von jener Stunde, da Gott alle Völker der Welt in der Zukunft richten wird. In jener Stunde läßt Gott alle Proselyten, die in dieser Welt zum Judentum übergetreten sind, kommen u. richtet alle Völker in deren Gegenwart. Wenn er dann zu den Völkern sagen wird: Warum habt ihr mich verlassen u. den Götzen gedient, an denen nichts Wesenhaftes ist, so werden sie antworten: Herr der Welt, wenn wir an deine Tür gekommen wären, so hättest du uns nicht aufgenommen. Dann wird er sagen: Die Proselyten aus eurer Mitte sollen wider euch zeugen. Sofort läßt er alle Proselyten kommen, die übergetreten sind, u. diese richten (verurteilen) דנים jene u. sagen zu ihnen: Warum habt ihr ihn verlassen u. den Götzen gedient, an denen nichts Wesenhaftes ist? War Jethro nicht ein Götzenpriester? Als er aber an die Tür Gottes kam, hat dieser ihn aufgenommen. Sind nicht auch wir Götzendiener gewesen? Als wir aber an die Tür Gottes kamen, hat er uns aufgenommen. Sofort werden alle Gottlosen infolge der Antwort (oder der Bekehrung?) der Proselyten zuschanden. Und Gott fällt das Urteil u. sie verschwinden aus der Welt, s.: Mit einem Male werden sie zu Narren u. zu Toren werden; gezüchtigt sind die Eitelkeiten, Holz ist das! Jer 10, 8. — Eine ähnliche Ausführung von R. Alexandrai (um 270) in PesiqR 40 (167b); vgl. auch Midr Ps 9 § 11 (44a). ‖ Joma 35b Bar: Der Arme, der Reiche u. der Frevler werden in das (große) Gericht kommen. Man sagt zum Armen: Warum hast du dich nicht mit der Tora beschäftigt? Wenn er dann sagen wird; Ich bin arm gewesen u. mußte mich um meinen Lebensunterhalt bemühen, wird man zu ihm sagen: Bist du etwa ärmer gewesen als Hillel? Zu dem Reichen wird man sagen: Warum hast du dich nicht mit der Tora beschäftigt? Wenn er dann sagen wird: Ich bin reich gewesen u. mußte mich um meine Güter bemühen, wird man zu ihm sagen: Bist du etwa reicher gewesen als R. Elʿazar b. Charsom (zur Zeit des Tempelbestandes)? Zu dem Gottlosen wird man sagen: Warum hast du dich nicht mit der Tora beschäftigt? Wenn er dann sagen wird: Ich bin schön gewesen u. wurde umgetrieben von dem bösen Triebe (der Wollust), wird man ihm antworten: Bist du etwa schöner gewesen als Joseph? So wird Hillel erfunden werden als derjenige, der die Armen als schuldig erscheinen läßt מחייב; R. Elʿazar b. Charsom als derjenige, der die Reichen als schuldig erscheinen läßt, Joseph als derjenige, der die Gottlosen als schuldig erscheinen läßt. ‖ Aboth RN 6: Tag für Tag brachte R. ʿAqiba (während seiner Studienzeit) ein (von ihm selbst) gesammeltes Bund Stroh. Die eine Hälfte verkaufte er, um seinen Lebensunterhalt davon zu bestreiten, u. die andre machte er für sich selbst zurecht. Seine Nachbarn traten zu ihm u. sprachen: ʿAqiba, du richtest uns mit dem Rauch (vom Stroh) zugrunde; verkaufe es an uns u. kaufe dir dafür Öl u. studiere beim Licht der Lampe. Er antwortete: Große Vorteile genieße ich davon: ich studiere dabei; ich wärme mich daran u. ich kann darauf schlafen. Dereinst wird R. ʿAqiba alle Armen im (jüngsten) Gericht schuldig erscheinen lassen; denn wenn man (Gott) zu ihnen sagen wird: Warum habt ihr nicht (Tora) gelernt? u. sie antworten werden: „Weil wir arm waren“, wird man zu ihnen sagen: Ist nicht R. ʿAqiba überaus arm u. bedürftig gewesen? Und wenn sie dann sagen werden: „Weil wir eine große Familie hatten“, wird man ihnen antworten: Hatte nicht auch R. ʿAqiba Söhne u. Töchter? Daß er aber seinen Studien nachgehn konnte, kam daher, daß sein Weib Rahel tugendhaft war. ‖ TanchB תרומה § 3 (45b): In der zukünftigen Welt wird Gott jeden einzelnen Menschen mit seinen Berufsgenossen richten, u. der Gerechte wird mit den Treuen leben (Anspielung auf Hab 2, 4). — Dasselbe Tanch תרומה 100b. ‖ Aus den Apokryphen vgl. Weish 4, 16.
ὅτι μετενόησαν εἰς τὸ κήρυγμα Ἰωνᾶ. Midr KL Einl. Nr. 31: Einen Propheten habe ich nach Ninive gesandt, u. er hat sie zur Umkehr in Buße gebracht; u. wie viele Propheten habe ich an diese Israeliten in Jerusalem gesandt! s. 2 Kg 17, 13. — Zur Buße Ninives s. oben S. 647 f. Nr. 4.
Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch
eine „andere Ansicht“ als heute, und die meisten anderen Kommentatoren:
Auch wird die Tatsache, dass der Gerichtstag für das natürliche Israel neunzehnhundert Jahre zurückliegt, durch folgende Worte Jesu nicht verneint: „Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit dieser Generation und werden sie verurteilen, denn sie bereuten bei dem, was Jona predigte, doch siehe! hier ist mehr als Jona. Die Königin des Südens wird sich erheben im Gericht mit dieser Generation und wird sie verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomons zu hören; doch siehe! hier ist mehr als Salomon.“ (Matthäus 12:41, 42, NW; Lukas 11:31, 32) Dies bedeutet nicht, dass die Niniviten und die Königin des Südens während der Millennium-Gerichtsperiode den Juden der Tage Jesu gegenüberstehen werden. Warum sollte dies geschehen? Etwa nur, um jene Juden zu verurteilen, und dies wegen etwas, was sie in ihrem früheren Dasein taten? Im Millennium werden Personen auf Grund dessen gerichtet, was sie dann tun, und nicht auf Grund dessen, was sie in einem früheren Dasein taten. Doch sind jene Juden schuldig gesprochen und verurteilt, weil sie vor neunzehnhundert Jahren, also zu ihren Lebzeiten, während ihrer Gerichtszeit, den verwarfen, der mehr war als Jona und mehr als Salomon, nämlich den Messias-Christus. Sie erhalten keine zweite Gelegenheit in einer zweiten Gerichtsperiode, im Millennium.
Was Jesus sagen wollte, war, dass das Beispiel der reuigen Niniviten die Juden seiner Tage verurteilte; dieses Beispiel wird in den Hebräischen Schriften erwähnt und ist jenen Juden während ihrer damaligen Gerichtszeit vor Augen gehalten worden. Ebenso „erhob sich“ der Bericht über die Königin des Südens vor den unbussfertigen Juden. Jene Heiden horchten auf solche, die bloss Menschen waren, wie Jona und Salomon; das Bundesvolk der Juden aber horchte nicht einmal auf seinen Messias. Ehe die Gerichtsperiode vorbei war, standen den Juden buchstäblich Heiden gegenüber gleich den Niniviten und der Königin des Südens, Heiden aus ihren Tagen, die bereuten und Glieder der Braut Christi wurden. Die Juden erachteten sich selbst als des Lebens unwürdig. (Apostelgeschichte 13:44-50) Abel brauchte nicht am Leben zu sein, damit sein Blut vom Erdboden her schrie und Kain verdammte, und sein Lauf der Lauterkeit und die Aufzeichnung spricht davon, auch wenn Abel tot ist. (1 Mose 4:10; Hebräer 11:4) Ähnlich konnte die Handlungsweise der Niniviten und der Königin des Südens sowie der Bericht darüber „sich erheben“ und die Juden während ihrer damaligen Gerichtsperiode schuldigsprechen.
Um dagegen zu argumentieren, dass jene Zeit für die Juden eine Gerichtsperiode war, werden gewisse Worte Jesu angeführt: „Wenn jemand meine Worte hört und sie nicht bewahrt, so richte ich ihn nicht, denn nicht die Welt zu richten, sondern die Welt zu retten bin ich gekommen. Wer mich verachtet, und meine Worte nicht annimmt, hat jemand, der ihn richtet. Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tage; denn ich habe nicht aus eigenem Antrieb geredet, sondern der Vater selber, der mich sandte, hat mir ein Gebot gegeben, was ich sagen und reden soll.“ (Johannes 12:47-49, NW) Es war nicht eine Gerichtsperiode für die Welt, sondern eine solche für die Juden. Jesus musste nicht einmal sie richten. Die Worte, die er redete, und es waren nicht die seinigen, sondern diejenigen Gottes, richteten sie. Sie brachten Erleuchtung und Verantwortung, und wie die Juden darauf eingingen, zeigte ihre Einstellung zum Messias und ihre Stellung im Gericht an. (5 Mose 18:18, 19; Johannes 3:18-21; Hebräer 4:12) Die Texte, die wir betrachtet haben, tönen, als ob das Gericht der Juden noch künftig sei, und dieser Text spricht von ihnen als von solchen, die gerichtet werden „am letzten Tage“. Als Jesus vom Gericht der Juden seiner Tage sprach, war der Hauptteil jener Periode noch künftig, er begann erst, als er seine Worte sprach. Die letzten Tage derselben kamen nicht vor dem Jahre 70 n. Chr., also nahezu vierzig Jahre später. Damals erreichte die Gerichtsperiode der Nation des natürlichen Volkes Israel ihr entscheidendes Ende, als Jehova Titus dazu gebrauchte, die Gerichte zu vollziehen, die sich während der vorangegangenen vierzig Jahre angehäuft hatten.
Wachtturm 15.Januar 1953
https://blog.thomas-pape.de/2026/06/04/denn-schliesslich-aenderten-sie-ihr-leben-vollstaendig-als-jona-ihnen-gottes-botschaft-brachte/
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