Ich denke ja immer wieder, es ist so nachvollziehbar, dass die Frauen der ersten Feminismuswelle ohne Männer gelebt haben in einer Zeit, als es noch gar nicht so einfach war, ohne Männer zu leben.
Ich kenne Männer und ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Männer, ganz und gar nicht, ich war immer eher mit Männern als mit Frauen befreundet. Männer, mit denen man befreundet sein kann, sind aber in der Regel nicht toxisch, sie wollen nicht besitzen.
Ich frage mich manchmal, ob ich noch einmal..
...eine Beziehung eingehen würde. Klar, man verliebt sich eben und dann setzt der Verstand erst einmal aus.
Meine Erfahrung sagt mir aber: eigentlich ist das eine ziemlich schlechte Idee. Ich bin Stand heute überzeugt davon, dass ich nach dieser Beziehung keine weitere mehr führen werde. Ich bin dabei weder verbittert noch leide ich, ganz im Gegenteil, aber meine persönliche Statistik spricht einfach dagegen, dass das eine gute Idee ist.
Ich sehe mich eher so als crazy guinea pig lady.
@sarah_ist_muede
Oh man. Ich bin nicht allein mit dem Gedanken. Und ich denke da schon den ganzen Tag drüber nach.
@Julia1985 Ich bin sooo kurz davor, zu skizzieren, was ich so erlebt habe, und warum ich zu keinem noch so kleinen Kompromiss mehr bereit bin...
@sarah_ist_muede
Dein gutes Recht zu entscheiden, wo Kompromisse möglich sind und wo nicht.
@Julia1985 @sarah_ist_muede bist du nicht, seid ihr nicht. Habe das in etwa heute mit meinem Kind diskutiert mit einem ähnlichen Schluss
All diese Geschichten, die so krass sind, dass sie durch die Medien laufen, retraumatisieren mich, spülen so viele Dinge hoch, die ich erlebt habe, mit all diesen total netten, modernen, progressiven Männern, die zwar auch mal kochen oder wischen, die Frau letztlich aber doch als Eigentum betrachten.
Mein Mann ist kein Feminist, aber emanzipiert. Wenn wir streiten, liegt das daran, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen keinen einzigen Millimeter mehr zurückweiche. Er will das nicht, aber ich...
...reagiere lieber zehn Schritte zu früh als einen zu wenig. Meine Lust, wieder in so einem toxischen Scheißloch zu landen, liegt nämlich exakt bei null.
Schon der Gedanke, irgendwas könnte dazu führen, dass ich auch nur einen Funken meiner körperlichen und sonstigen Selbstbestimmung aufgeben, lässt mich alle Geschütze auffahren. Ich will nicht mehr. Ich werde nicht mehr.
Zur körperlichen Selbstbestimmung gehört nicht nur irgendwas mit Sex, sondern mein ganzer Körper, über den ich keinen Kommentar dulde. Ich will nicht mehr hören müssen, wie meine Haare, meine Brüste, mein Arsch zu sein haben. Ich will nicht mehr hören, was ich anziehen soll, oder dass ich bei der Schwiegermutter an der Kaffeetafel dieses oder jenes Wort nicht sagen darf. Ich habe echt so sehr alles satt.
@sarah_ist_muede
Wow. Und ja. Ja. Puh. Ja. 🫂

@sarah_ist_muede
Sehr persönliche Worte, die mich spüren lassen, wie sehr Dein Vergangenes nachwirkt.

Gut, dass Dein Mann davon weiß- und es entsprechend einzuschätzen vermag.

Dieser Selbstschutz ist wichtig, finde ich.

@sarah_ist_muede

Ich würde mich ehrlich gesagt nicht einmal mehr neu verlieben wollen. Ist nichts mehr für mein Nervenkostüm.

@Saupreiss Verliebtsein ist halt trotzdem schön, auch wenn es ein Ritt ist...

@sarah_ist_muede Jo. Alles hat seine Zeit.

Mittlerweile wäre es auch zu viel Angst vor Verletzung.

@Saupreiss Mein Opa hat sich mit etwa 80 noch verliebt und mein Schwiegervater ist mit 90 noch ein echter Casanova.

@sarah_ist_muede

Wie sie mögen. Ich sehe das nicht altersbezogen, sondern sehr individuell auf meine eigenen Lebensphasen bezogen.

@sarah_ist_muede Obwohl ich eigentlich so mit dem Grundgefühl durchs Leben gehe, dass ich als Frau (bisher) echt Glück hatte, spült diese Geschichte gerade auch richtig viel bei mir hoch. Bin seit gestern sehr nachdenklich und wütend.
@melsdung Weil es eben nicht nur die großen Fälle sind, Pelicot oder so, sondern der ganz normale Alltag, der uns immer wieder zeigt, wo unser Platz ist. Weil es im System steckt und je mehr man sich damit befasst, desto offensichtlicher wird das alles. Kehrseite ist wohl, dass die, die sich nicht befassen, eben nichts erkennen, denn es ist ja alles so normal.
@lichtscheu hatte mal empfohlen "Jede_ Frau" von Agota Lavoyer. Ich mag den Stil nicht, aber das ist ein Augenöffner.

@sarah_ist_muede Perfekt beschrieben. Ich beschäftige mich schon seit dem #Aufschrei damals mit all den Themen und trotzdem kommen die Erkenntnisse dann - wie jetzt - immer wieder in Schüben. Und sich einzugestehen, dass man doch viel mehr auch selbst betroffen ist, ist vielleicht auch noch mal eine Hürde, die man Schritt für Schritt nehmen muss.

@lichtscheu

@melsdung @sarah_ist_muede Es ist ja schon so krass, dass man sich als Frau glücklich schätzt, wenn man ohne Partnerschaftsgewalt durchgekommen ist, obwohl das ja eigentlich normal sein sollte. Der Mann & ich hatte die meiste Zeit eine mehr pragmatische als rosige Beziehung & die Kids haben manchmal gefragt, warum ich ihn eigentlich geheiratet habe. Dann haben sie mal mitbekommen, wie eine andere Mutter (auch berufstätig, natürlich) erzählte, dass sie allein ein Zimmer gestrichen hätte, während>
@melsdung @sarah_ist_muede > der Mann sich mit dem Boot rumtrieb, & als er nach Hause kam, hätte er nur gesagt: Sieht Sche... aus, kannste gleich nochmal machen - und sie hat das erzählt, um zu erklären, warum sie bei xyz nicht dabei sein kann, da sie nochmal das Zimmer streicht. Als sie außer Hörweite war, haben wir darüber geredet & die Kids meinten: okay, wenn das normal ist bei Männern, dann ist Papa ja echt Hauptgewinn. Tja.
@lipow @melsdung Mein Ex hat von mir erwartet, dass ich die Wohnung putze, als ich gerade eine Krankheit hatte, an der ich fast gestorben wäre (leider keine Übertreibung). Denn das sei keine Ausrede für meine Faulheit.
@sarah_ist_muede In der Hinsicht hatte ich echt Glück, an so einen bin ich nie geraten; ich war auch bei der Zimmerstreich-Geschichte echt geplättet ... wirklich krass. Vor allem: es gibt so viele Frauen, die das alles neben Erwerbstätigkeit dauerhaft wuppen (und für normal halten), aber Frauen sind das schwache Geschlecht, ja, ja ... @melsdung
@lipow @melsdung Besagter Mann war auch der Meinung, ich müsse als Frau mehr im Haushalt machen, obwohl ich damals 40 Stunden gearbeitet habe und eine längere Anfahrt hatte, er nur 35. Als ich ausgezogen bin, war er aber trotzdem der Gute und ich die Böse.
@sarah_ist_muede Wirklich krass. In der Hinsicht machen mir unsere aktuellen Mieter gerade echt Hoffnung (dass meine Kids nicht so sind, brauche ich ja nicht erwähnen, oder?) Die sind beide an unterschiedlichen Orten & unterschiedlichen Familienkonstellationen in Deutschland groß geworden & kümmern sich ganz selbstverständlich um ihren Kram, können kochen, machen die Küche sauber, lassen sich auch was sagen, wenn ich andere Vorstellungen habe ... der eine hatte beim Einzug> @melsdung
@sarah_ist_muede > noch keine Erfahrung mit der Wäsche, aber der kam dann direkt und hat gesagt: du, ich habe das noch nicht so oft gemacht, kannst du mir nochmal zeigen, wie es geht & worauf ich achten muss? Und fertig. Auch dieses Zugebenkönnen von Erfahrungsmangel fand ich so positiv. Das macht schon Hoffnung, trotz der ganzen Incelbroculture ... @melsdung

@melsdung

Mir waren viele der Dinge an sich sehr bewusst. Dennoch war das Lesen von z.B. "Jede_ Frau" für mich nicht umsonst, denn es so schwarz auf weiß vor sich zu haben, macht es (zumindest für mich) dann noch einmal greifbarer.

@sarah_ist_muede

@lichtscheu @melsdung So ging es mir auch. Es hat mir vor allem noch einmal gezeigt, dass viele der Situationen, in denen ich immer "sooo übertrieben" habe, Probleme im System sind, über die früher einfach nicht gesprochen wurde. Deshalb ist es wichtig, dass wir es jetzt wieder und wieder tun.

@sarah_ist_muede

Absolut!
Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Männer solch Literatur zu Gemüte führen würden. Aber wir haben aus den Kommentaren der letzten Tage ja mal wieder gelernt, dass sie das nicht betrifft. Darum ist das überflüssig.

@melsdung

@lichtscheu @sarah_ist_muede An sich sind mir viele Sachen auch schon viele Jahre klar. Allerdings glaube ich, dass u. a. meine Sozialisierung im Fußballstadion auch dafür gesorgt hat, dass meine Skala von "normal" bis heute etwas verschoben ist. Andererseits haben wir uns damals schon ganz aktiv gegen Sexismus im Fußball engagiert. Aber es ist in mir trotz allem ein langer Erkenntnisprozess, der vielleicht nie endet.

@melsdung @lichtscheu @sarah_ist_muede

Mich hat im Zusammenhang mit Aufschrei und MeToo besonders bestürzt, wie viele Frauen eigentlich Erfahrungen mit Übergriffen gemacht haben, davon aber eher zögerlich erzählen, weil die ja "nicht so schlimm" waren.

Dass da erst eine Schmerzgrenze überschritten werden muss, bevor uns zugestanden wird, dass etwas nicht okay war.

Bevor wir uns das selber zugestehen.

@AngelaCarstensen Ja, da finde ich mich sehr wieder. "Andere haben zigfach Schlimmeres erlebt, dagegen sind meine Erfahrungen ja nicht so wild."

Und obwohl sie nicht so wild waren, erzähle ich teilweise trotzdem nie davon und schäme mich vielleicht sogar für die Erfahrungen. Daher finde ich den Satz "Der Scham muss die Seiten wechseln" so unfassbar stark und ziehe vor Frauen wie Gisèle Pelicot und Collien Fernandes so sehr den Hut.

@lichtscheu @sarah_ist_muede

@melsdung @lichtscheu @sarah_ist_muede

Ja, sie sind echt große Vorbilder.

Immerhin schäme ich mich nicht, sondern bin nur sehr sehr wütend, immer noch.

@sarah_ist_muede Same. Ich bin echt durch damit (wenn ich denn mal durch bin ... ) Ich seh mich eher so wie Jessica Fletcher in Murder She Wrote (auf die ganzen Morde kann ich verzichten, aber sonst ... )
@sarah_ist_muede
Ich finde es großartig, das es thematisiert wird. Einen Zugang zu finden zu dem Leid, das der Hälfte der Bevölkerung zugeführt wird. Durch Gespräche mit Flintapersonen die das artikulieren (können) bekam und bekomme ich überhaupt einen Eindruck. Das Patrichat macht alles an Menschlichkeit kaputt.