Ich denke ja immer wieder, es ist so nachvollziehbar, dass die Frauen der ersten Feminismuswelle ohne Männer gelebt haben in einer Zeit, als es noch gar nicht so einfach war, ohne Männer zu leben.
Ich kenne Männer und ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Männer, ganz und gar nicht, ich war immer eher mit Männern als mit Frauen befreundet. Männer, mit denen man befreundet sein kann, sind aber in der Regel nicht toxisch, sie wollen nicht besitzen.
Ich frage mich manchmal, ob ich noch einmal..
...eine Beziehung eingehen würde. Klar, man verliebt sich eben und dann setzt der Verstand erst einmal aus.
Meine Erfahrung sagt mir aber: eigentlich ist das eine ziemlich schlechte Idee. Ich bin Stand heute überzeugt davon, dass ich nach dieser Beziehung keine weitere mehr führen werde. Ich bin dabei weder verbittert noch leide ich, ganz im Gegenteil, aber meine persönliche Statistik spricht einfach dagegen, dass das eine gute Idee ist.
All diese Geschichten, die so krass sind, dass sie durch die Medien laufen, retraumatisieren mich, spülen so viele Dinge hoch, die ich erlebt habe, mit all diesen total netten, modernen, progressiven Männern, die zwar auch mal kochen oder wischen, die Frau letztlich aber doch als Eigentum betrachten.
Mein Mann ist kein Feminist, aber emanzipiert. Wenn wir streiten, liegt das daran, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen keinen einzigen Millimeter mehr zurückweiche. Er will das nicht, aber ich...
@sarah_ist_muede Obwohl ich eigentlich so mit dem Grundgefühl durchs Leben gehe, dass ich als Frau (bisher) echt Glück hatte, spült diese Geschichte gerade auch richtig viel bei mir hoch. Bin seit gestern sehr nachdenklich und wütend.
@melsdung Weil es eben nicht nur die großen Fälle sind, Pelicot oder so, sondern der ganz normale Alltag, der uns immer wieder zeigt, wo unser Platz ist. Weil es im System steckt und je mehr man sich damit befasst, desto offensichtlicher wird das alles. Kehrseite ist wohl, dass die, die sich nicht befassen, eben nichts erkennen, denn es ist ja alles so normal.
@lichtscheu hatte mal empfohlen "Jede_ Frau" von Agota Lavoyer. Ich mag den Stil nicht, aber das ist ein Augenöffner.

@sarah_ist_muede Perfekt beschrieben. Ich beschäftige mich schon seit dem #Aufschrei damals mit all den Themen und trotzdem kommen die Erkenntnisse dann - wie jetzt - immer wieder in Schüben. Und sich einzugestehen, dass man doch viel mehr auch selbst betroffen ist, ist vielleicht auch noch mal eine Hürde, die man Schritt für Schritt nehmen muss.

@lichtscheu

@melsdung

Mir waren viele der Dinge an sich sehr bewusst. Dennoch war das Lesen von z.B. "Jede_ Frau" für mich nicht umsonst, denn es so schwarz auf weiß vor sich zu haben, macht es (zumindest für mich) dann noch einmal greifbarer.

@sarah_ist_muede

@lichtscheu @melsdung So ging es mir auch. Es hat mir vor allem noch einmal gezeigt, dass viele der Situationen, in denen ich immer "sooo übertrieben" habe, Probleme im System sind, über die früher einfach nicht gesprochen wurde. Deshalb ist es wichtig, dass wir es jetzt wieder und wieder tun.

@sarah_ist_muede

Absolut!
Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Männer solch Literatur zu Gemüte führen würden. Aber wir haben aus den Kommentaren der letzten Tage ja mal wieder gelernt, dass sie das nicht betrifft. Darum ist das überflüssig.

@melsdung