Bitte seid euch bewusst, dass ihr mit eurer Freundlichkeit im Alltag gerade einen echten Unterschied machen könnt.

Die Botschaft, die gerade jeder kranke, behinderte und arme Mensch täglich in den Nachrichten liest, hört und sieht, lautet:
Weil du nicht genügend arbeiten kannst, bist du nicht würdig
- teilzuhaben
- zu essen
- zu leben

Und es macht was mit einem. Es nimmt die Würde, zerstört Hoffnung und es lässt verzweifeln. (1/x)

#armutsbetroffen

Der Unterschied sieht so aus: Die existenzielle Bedrohung, die permanent über einem hängt, zerrüttet jegliches Gefühl von Sicherheit durch krankmachende Angst - vor dem Briefkasten, vor den Nachbarn, vor Behördenmitarbeitenden.
Wenn z.B. im Verkehr eine Unachtsamkeit oder ein Missverständnis zu einem Anschiss führt, dann steckt man das nicht einfach weg.

Dann geht oder fährt man weiter und bricht in Tränen aus.
Und heult, wenn in einer Arztpraxis selbstverständliche Freundlichkeit geübt wird.

Man versteckt die Tränen der Dankbarkeit, weil man sich auch dafür schämt, weil ein bisschen Stolz übrig ist.
Man sieht es den Leuten nicht an. Weil sie vielleicht wie ich, immer noch privilegiert sind - oder so wirken.

3/4

Mein größtes Privileg ist es, dass ich auf die historischen Entwicklungen zurückblicken kann.

Und manchmal rettet mich die Wut, weil ich sehe, dass es das ist, was die echten Privilegierten dieser Welt reitet, seit JHten: Ihre Angst vor Vulnerabilität. Ihre Angst vor dem Geruch von Not & Schwäche.
Aus dieser Angst wird Verachtung, aus der Verachtung wird Härte, aus der Härte eine Politik, die das Leben und die Würde missachtet.

Seid euch bewusst: Eure Werte, eure Freundlichkeit tun Not. 4/4

@kallioke absolut richtig.
Schön dass du das öffentlich machst!

Wann immer ich in der Stadt bin und nicht gerade zum Bus oder einem Termin eile, spreche ich irgendwelche Leute an.
Einfach so.
Die Leute sehnen sich nach ein bisschen gesehen-werden.

Im Bus sowieso.
Der Klassiker zu Älteren: "Möchten Sie meinen Sitzplatz haben?"
Nur in dem Sommer mit dem 9€-Ticket hab ichs etwas übertrieben. Ich fuhr im RE von Wuppertal nach Münster und habe eigentlich die ganze Fahrt gestanden 🙈

@Bot_Anix @kallioke Ich bin ganz deiner Meinung. Einfach Leute freundlich anlächeln oder beim Spaziergang im Park oder Wald freundlich grüßen. . Freundliche sein an der Kasse und einen schönen Tag wünschen. Das hat immer sofort einen Effekt und das können wir alle doch echt gut gebrauchen, oder?
@kleinerBaer Mache ich meistens auch so - aber manchmal ist es mir nicht drum. @Bot_Anix @kallioke
@hiker @kallioke @kleinerBaer oh, ich bin auch nicht immer in Stimmung.
Ich bin ein ziemlich normaler Mensch.
@Bot_Anix @hiker @kallioke Natürlich nicht...jeder hat Muffeltage, die Grundeinstellung zählt ..

@Bot_Anix
Die Intention ist ganz sicher eine gute.
Aber "irgendwelche Leute einfach so ansprechen", das find ich dann doch nicht so toll.
Es gibt auch Menschen die das gar nicht abkönnen und in Ruhe gelassen werden wollen.
Das wollte ich an der Stelle vollständigkeitshalber nicht unerwähnt lassen.

Ansonsten geh ich natürlich voll d'accord. Freundlich sein, eigene Privilegien checken, umsichtig handeln macht das Miteinander besser und entspannter.

@impeira na klar. Ich lasse sie in Ruhe, wenn da keine Bereitschaft gezeigt wird.

Oftmals kommen wir über den Hund ins Gespräch, oder weil sie hinterm Gartenzaun mit irgendwas beschäftigt ist und ich hab nen Gartentipp, oder ihm steht das Kindchen im Kängurubeutel (wie heißen diese Geschirre noch?) ganz fantastisch oder oder oder.
Oder weil er mit mir übers Wetter meckern will 🙃🌧️
Aber nicht mit mir! Ich lenke die Energie dann um.

@kallioke Das fehlende Geld ist das eine, damit kann man lernen zu leben (als jemand der seit 14 Jahren Arbeitslos is sprech ich da aus Erfahrung <.<) aber das man von der Gesellschaft inzwischen als Belastung betrachtet wird, das man ständig fertig gemacht wird und das immer öfters und immer aggressiver Grundrechte genommen werden und das nur die wenigstens im Land sich dagegen stellen (aktuell ja nur noch die Linke), DAS ist was einen am Ende bricht.
@kallioke Ich habe 5 Jahre lang eine ziemlich depressive Phase gehabt und mich zuhause vor der Welt verkrochen. Durch das #Jobcenter habe ich seit letztem Sommer einen 1€-Job und fahre seitdem jeden Tag mit der U-Bahn.
Ich habe begonnen, einfach mal grundlos fremde Menschen anzulächeln. Menschen, die überhaupt noch andere Menschen wahrnehmen. Und das fühlt sich gut an, oft lächeln sie zurück, und das kann den ganzen Tag wirken.
"Ein Lächeln ist die kürzeste Entfernung zwischen zwei Menschen."
@miller das machst du gut.
@Bot_Anix Danke. 😘 Als anarchistischer Altpunk, der inzwischen auf die 60 zugeht und eigentlich keine Freunde mehr hat, neige ich inzwischen zu sarkastischem Fatalismus. Ich habe nichts mehr zu verlieren und kann auch nichts ändern.
Mal ein Lächeln und Freundlichkeit halten meinen tief empfundenen Zynismus im Gleichgewicht.
Es kostet mich absolut gar nichts, ich kann durch Lächeln und pointierten Sarkasmus nur etwas dazugewinnen. Irgendwann sterben wir sowieso alle.
@kallioke
Last but not least werden jene (mit Glück) auch irgendwann alt... eventuell behindert... brauchen Hilfe...
Mit negativem Blick auf nicht leistungsfähige Menschen, ist das Alter nicht lustig.

@kallioke

Was die Gedankenlosen nicht bedenken ist die Tatsache, daß sie selbst nur einen Schicksalsschlag entfernt sind von Armut und Ausgrenzung.

Und daß die menschlichen Grenzen lieber nicht zwischen srm und nicht srm, sondern zwischen anständig und nicht anständig laufen sollten.

:-;