Mein Mann und ich haben gerade unseren Favoriten unter den pädagogisch wertvollen Lieblingssätzen unserer Mütter gekürt:
"Wenn dein Vater nach Hause kommt, kannst du dich auf was gefasst machen!"

So ungemein wichtig für eine harmonische, angstfreie Vater-Kind-Beziehung...

#Kinder #Erziehung

Nochmal zum Thema Eltern: Meine beste Freundin wurde jeden Tag nach der Schule (auch noch in der Oberstufe) zuhause erst mal von ihrer Mama in den Arm genommen und kräftig geknuddelt. "Komm setz dich mit mir aufs Sofa, nimm dir ein Stück Schokolade, erzähl wie dein Tag war...!"
Wenn ich mit dabei war, kam auch ich in den Genuss ihrer Liebe. Und habe mich gefreut wie ein Schneekönig.
MEINE Mutter hatte ab dem Moment, wo ich laufen konnte - da war ich elf Monate - krampfhaft verhindert,
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mich jemals wieder berühren zu müssen. Und Küsschen oder drücken schon mal gar nicht. Da ich mit einem Jahr auch schon "sauber" dressiert worden war, musste sie nicht mal anfassen, um Windeln an mir zu wechseln.
Meine gesamte Verwandtschaft mütterlicherseits war so, weshalb ich eher das Verhalten der Mama meiner Freundin ungewöhnlich fand, als das, was ich erlebte.
Kennt Ihr solche Distanz auch? Und was hat das mit Euch gemacht?
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@LeilahLilienruh
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_deutsche_Mutter_und_ihr_erstes_Kind

So heißt der Nazi-Pädagogik-Schinken der damals als Bestseller in den Köpfen der Mütter und auch der folgenden Generation enormen emotionalen Schaden angerichtet hat.

Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind – Wikipedia

@deckers Jep, da wird wohl bei vielen Eltern/Müttern eine seltsame eigene Sozialisation (bei meiner Familie nicht faschistisch und auch nicht religiös aber streng wilhelminisch noch über mehrere Generationen) und eine gehörige Portion Narzissmus im Spiel gewesen sein.
Erschreckend jedenfalls, wie skrupellos viele damalige Eltern ihren eigenen Frust und ihren im Alltag verkappten Sadismus hinter verschlossenen Türen an wehrlosen Kindern ausließen.
@LeilahLilienruh Meine Mutter hat die Milch abgepumpt und in ein Fläschchen gefüllt und mich dann mit Kissen in eine Sofaecke gelegt, damit ich das Fläschchen allein halten und trinken konnte. Sie fand das so toll, dass sie davon erzählt hat, Fotos gibt es auch. Sie mochte Kinder schön angezogen und abgelegt und ruhig.
@Sabi Heh, könnte es sein, dass wir die gleiche Mutter hatten?? 😉
Obwohl... meine hat nicht mal abgepumpt. Sie hat nach fünf Tagen aufgehört zu stillen ("Ein furchtbarer Schreihals, dieses Baby! Und wollte auch nicht gestillt werden!"), hat Pulvermilch angerührt, eine verquirlte Banane hinzugefügt, damit ich lange Ruhe gebe und mich dann damit in die Wiege gelegt, die mein Vater gebaut und mit Elektromotor ausgestattet hatte, damit man nicht zum Schaukeln dabei bleiben muss.
@LeilahLilienruh Was wurde aus "Solange du deine Beine unter meinen Tisch stellst...", oder "Zum streiten gehören immer Zwei."?
@ausm Wurden beide mit der "Silbernen Axt im Walde" ausgezeichnet... wie noch so einige mehr.
@LeilahLilienruh
Och. Meine Mutter hatte keine Hemmungen selbst zuzuschlagen.
@villon Meine Mutter war eine "Dame". Sie machte sich an mir nicht "die Hände schmutzig". Zum Schlagen hätte man das Kind ja berühren müssen, was meine Mutter grundsätzlich nach meinem ersten Lebensjahr niemals mehr tat.
Zum Brüllen und Schlagen hatte sie "den Herrn im Haus". Und der hat das nicht ungern erledigt. Er hatte ja sonst wenig Spaß.
@LeilahLilienruh Das tut mir sehr leid für dich. Wobei ich mir vorstellen kann und in diesem Fall auch weiß, dass die Schläge leichter zu ertragen waren, als die Lieblosigkeit der Mutter. War jedenfalls bei mir so.
Der Hass gegen die Täterinnen und Täter möge irgendwann mal nachlassen, damit ich nicht in Verbitterung sieche.

@villon Ja, das "Ghosting" war vernichtend. Wenn ein Therapeut später fragte, sagte ich immer: "Mein Vater hat nur geschlagen. Meine Mutter hat mich richtig verletzt."
Das "Wie Luft behandeln" ging manchmal über Wochen. Und ich lief ihr hinterher wie ein kleiner Hund, auch wenn ich gar nichts falsch gemacht hatte. So dressiert man Menschen.

Und ja: Man muss arg aufpassen, nicht daran zu verbittern.

@LeilahLilienruh
Und dieses Verhalten unreflektiert zu kopieren. Ist echt ein ganz beschissener Ansatz.
@villon @LeilahLilienruh Also Lieblosigkeit und Prügel schließen einander keineswegs aus. Glaube ich zu wissen ...
@LeilahLilienruh
Welch eine Verachtung musst du gespürt haben. So viel Trauer.

@villon Damals habe ich keine Verachtung gespürt. Ich glaubte immer, ICH sei schuld, weil ich ein ganz schrecklicher Mensch wäre. Sie sagte auch gern rückblickend: "Du warst ein wirklich schlimmes Kind! Deshalb bist Du Einzelkind geblieben. Noch so eins wäre zuviel gewesen."

Ich war das herzallerliebste Kind der Welt. Keine Frechheiten, keine Lügen, supergute Manieren in jeder Lebenslage und stets adrett, Klassenbeste, höflich...

@LeilahLilienruh
Ich hab's wortwörtlich rausgehauen. Schuld war ich "natürlich" auch. Und wenn ich nicht schuld war, hat es mir eine tiefe Befriedigung gegeben, so zu tun, als wenn ich schuld wäre, nur um für mich zu beweisen, wie vorurteilsbeladen und vorschnell die anderen waren. Was ein krankes System.

@LeilahLilienruh @villon

Ich kann gar nicht sagen, wie schlimm ich das finde.

@buboxa @LeilahLilienruh
Ist im Nachhinein nicht zu ändern. Das einzige was zu verhindern ist und muss, dass sich so etwas wiederholt. Durch Ursachenforschung, die sich nicht von irgendwelchen Klischees täuschen lässt und aufzeigt und aufarbeitet, wie es zu so etwas kommen kann.
Ich hänge da mal den Tag dran.
Wäre es in deinem Sinne Leilah, wenn ich dies sogar zum Anlass für eine Umfrage nehme, ob die Anwesenden als Kind geschlagen oder psychisch gequält wurden?

#Kinderrechte

@villon @buboxa Wäre ich sogar sehr einverstanden mit.
Wir haben mal in einem Soziologie-Seminar an der Uni (ca. 27 Teilnehmer*innen) rumgefragt, wessen Eltern seines/ihres Wissens ihretwegen (also wegen Schwangerschaft) "heiraten mussten" u. dies an ihnen ausgelassen haben. Zwei Kommiliton*innen mochten nicht teilnehmen.
Vom Rest haben 23 die Hand gehoben...
Warum die Kindheiten der 1960er bis 1980er Jahre in den Medien immer gern so pauschal glorifiziert werden, ist mir schleierhaft.
@LeilahLilienruh @villon
Buh, das ist unterste Schublade.
@cojajo @villon Eine Schublade, die in bürgerlichen Kreisen mindestens genauso oft geöffnet wurde wie bei den von ihnen so verachteten "Asos".
Wenn die Generationen VOR den Millennials mal offen sprechen würden, was sie als Kinder erlebt haben, statt alles schönzureden, dann würde man vieles besser verstehen...
@LeilahLilienruh @villon
Erst ab den siebzigern wurde über Kindererziehung offiziell „nachgedacht“. Vorher waren sie da, hatten jedoch still zu sein. Das war halt so, damals, hat ja auch keinem geschadet (sagt man).
@LeilahLilienruh @villon das ist ja furchtbar 😨😤

@benny @villon Ist furchtbar... aber ein fetter Teil deutscher (und anderer) Gesellschaftsgeschichte. Ein Teil, der wahnsinnig gern totgeschwiegen wird.

Missbrauch und Misshandlungen, seelische Vernachlässigung, Druck und Zwang ohne Ende... sowas darf es aus gesellschaftlicher Sicht nur bei den "Asos" geben. DIE sind so, aber wir doch nicht!
Ich kann Dir aber versichern, dass "sowas" bis mindestens in die 1980er hinein auch in bürgerlichen und Akademiker-Kreisen nicht nur die Ausnahme war.

@LeilahLilienruh @villon ich kannte bisher zwei ähnliche Geschichten, beides bürgerlich. Also ich weiß, daß es das gibt, aber es erschreckt mich immer wieder, wenn ich sowas höre.

@villon @LeilahLilienruh

Ja, ab und zu auch bei uns, auch als wir schon um die 13-16 Jahre alt waren. Ich spüre noch ihre knochigen Finger auf meiner Wange. Hat sich wohl in meine Seele eingebrannt, vermutlich wegen der überraschenden Brutalität.

@LeilahLilienruh Könnte noch anbieten: „Du weißt doch, dass du deinen Vater nicht provozieren darfst“ 🙄
@BeeDoubleYou Der kam dann, wenn sie ihm mein "böses Verhalten" bereits beim Betreten des Hauses gepetzt hatte - also, noch bevor er Mantel und Tasche ablegen konnte - und er so genervt von ihrem Gezeter war, dass er zwecks Aggressionsabbau seinen Gürtel ausziehen u. mich verprügeln musste, bevor ich ihm die Situation aus meiner Sicht erklären konnte.
Die Provokation bestand dann aus meinem unglücklichen "Aber Papa!", woraufhin Mutter mich, logisch, eine Woche lang wie Luft behandeln musste.
@LeilahLilienruh @BeeDoubleYou Wow, das tut mir leid. Ich halte eine Ohrfeige für schlimm, aber verprügln mit dem Gürtel, verpetzt von Mama, das ist eine ganz andere Kategorie. Da hätten sich meine Eltern in meiner Erwachsenen-Zeit schön was anhören können.
@ausm @BeeDoubleYou Prügel galt damals (auch bei uns hinter blütenweißen bürgerlichen Fassaden) noch als "Erziehung".
Fast allen Akademikerkindern (Ärzte, Studienräte, Künstler) in meinem Umfeld ging's kein bisschen besser.
Vieles habe ich erst vor einigen Jahren von den längst erwachsenen Kindern der Freunde unserer Familie, also meiner Eltern, erfahren. Damals als Kinder u. Jugendliche sprachen wir nicht miteinander über sowas.
Gürtel, Fäuste, Schuhe, Valium... da kam vieles zum Einsatz.
@LeilahLilienruh Ich kenn sowas höchstens aus Erzählungen von meinem Vater aus seiner Kindheit. Ich hoffe du konntest das irgendwie verarbeiten. Wie ist jetzt deine Beziehung zu deinen Eltern?

@ausm Beide verstorben. Der Vater, als ich im Studium war und die Mutter vor drei Jahren.
Und nein: Ein Gespräch über all das war nie möglich. Der Vater war zu krank, um ihn am Ende noch ohne schlechtes Gewissen mit seinem Handeln zu konfrontieren. Die Mutter hat sich selbst stets als Opfer (wessen u. von was auch immer) gesehen. Ich war ein "Überleg mal, was wir alles für dich getan und dir ermöglicht haben -Kind".

Verarbeitet? Ich bin Künstlerin. Kunst ist unsere Art der Verarbeitung. 🤷‍♀️

@LeilahLilienruh

Ich bin selbst nie geschlagen worden, meine Ex auch nicht und nie, nie wäre es uns in den Sinn gekommen, unsere Kleinen irgendwie zu "bestrafen", aber nicht, weil die nun zwei kleine Engelchen sind, sondern, weil das Konzept "Strafe" einfach so komplett sinnlos ist.

Wenn die irgendwas machen, was sie nicht dürfen oder etwas nicht tun, was sie müssten, hat das natürlich Folgen, aber gewiss keine Strafe oder eine Predigt oder Liebesentzug.

Bringt ja nix.

@ausm @BeeDoubleYou

@LeilahLilienruh
Mutter zum Vater:
"Schlag den Jungen nicht so viel, er wird schon schlechter in der Schule."

@HarryHurry Meiner bestand darauf, dass er überall hin schlagen würde außer auf den Kopf. Weil, das sei ja gefährlich.

Er schlug auch auf den Kopf, wenn der gerade beim Schlagen im Weg war...

@LeilahLilienruh

Kenne ich Wort für Wort. Ein Trauerspiel.

@LeilahLilienruh
Ja, kenn ich auch.
Da hatte ich wenigstens Zeit, ein paar Lagen Zeitungspapier in die Unterhose zu stecken und meine Lederhose anzuziehen.
@LeilahLilienruh meine Mutter, kam „sich entschuldigen mit den Worten: der Herr Jesus hat mir schon verziehen“. Und da stand ich dann. Und musste meiner Mutter, die sich selbst ins Unrecht gesetzt hatte, auch noch verzeihen, obwohl sie mir geschadet hatte.
@EarlyTwix Kenne ich (nur ohne fromme Sprüche). Meine Mutter war die bedauernswerteste Frau der Welt... in ihren eigenen Augen.
Und an diesem bedauernswerten Zustand ließ sie auch jeden verbal teilhaben: gesund, wohlhabend, verheiratet, ein einziges Kind, große Häuser, eigenes Auto, selbstgewählt nicht berufstätig...
ICH habe mich für jedes Unrecht, das mir angetan wurde, bei ihr entschuldigt.
@LeilahLilienruh ich hatte zum Glück einen ganz wunderbaren Vater, kannte das aber von meiner besten Freundin. Ich sehe noch, wie er abends nach Hause kam und sie mit gezücktem Hausschlappen durch den Garten jagte. Da müssen wir so 7, 8 gewesen sein. Was mich aber am meisten irritierte: ich sprach das mal an und sie hat ihren Vater aufs Heftigste verteidigt. Siw war ihm gegenüber bis zu seinem kürzlichen Tod absolut loyal.
@Frau_Ilka Ein ganz häufiges Phänomen! Kinder, die wirklich schlimme Eltern haben, neigen dazu, diese Leute zu glorifizieren. Ich denke, dieses Schönreden ist eine Art Selbstschutz im Sinne von "Sie hatten mich in Wahrheit doch ganz lieb!"
Ist offenbar leichter zu ertragen als das Gefühl, grundlos ungeliebt gewesen zu sein od. brutale Eltern zu haben. Lieber sagen sie später: "Ich hatte es wohl auch verdient, weil ich ungezogen war."
Solche Leute rennen auch Vätern nach, die abgehauen sind.
@LeilahLilienruh
Ich war eher das vorlaute Kind (noch immer)
meiner Mutter hätte ich gefragt „ Krigst du das nicht selbst hin?“
Mein Vater ist nach einer solchen Ansage seiner Mutter immer auf einen hohen Baum geflüchtet und hat wild in den Ästen geschaukelt, bis seine Mutter ihm versprochen hat Vater nichts zu sagen. 🤣
@LeilahLilienruh Ich konnte nicht einmal in den Augen meiner Mutter als schwierig bezeichnet werden. Das hat aber nicht geholfen. Ich wurde schlicht ignoriert, und war das Kindermädchen für meine Geschwister, die alle etwas anspruchsvoller waren als ich.
Lob? Nie. Gut genug war ich trotzdem nicht.
Geschichten wie deine machen mich traurig.
@Sabi Sooo viele traurige Geschichten, die so viele von uns ihr Leben lang mit sich herumtragen müssen. Und solch eine Kindheit führt nicht selten in ein Erwachsenenleben, wo die erlernten Schutzmechanismen (z.B. Kopf einziehen u. sich alles gefallen lassen) endgültig zum Verhängnis werden.
Eine liebe Freundin, der es auch so erging, bittet mich immer wieder, sie irgendwann alle in einem Roman zu verarbeiten, damit die Opfer eine Stimme bekommen.
Aber noch bin ich selbst innerlich nicht soweit.