Schweizer AKW: Wer hat den Nutzen, wer das Risiko?
Am vergangenen Mittwoch informierte der BUND Ortenau in Kooperation mit dem Offenburger Netzwerk für Nachhaltigkeit (ONN) über den Zustand der Atomkraftwerke in der Schweiz und die damit verbundenen Risiken. Die Schweiz betreibt nahe der deutschen Grenze vier Atomkraftwerke, die schon 41 bis 56 Jahre in Betrieb sind. Die vier Anlagen sind von aktuellen Sicherheitsstandards weit entfernt. Keiner der Reaktoren würde heute noch eine Genehmigung bekommen. Anders als beim inzwischen stillgelegten AKW Fessenheim fehlt im Falle der Schweizer Altreaktoren bisher jedoch das Bewusstsein für die Gefahr, die von ihnen ausgeht – insbesondere für Baden-Württemberg.
Das wird bei den Besuchern der Veranstaltung nun definitiv anders sein. Armin Simon, Referent für Atompolitik und Reaktor-Risiken bei .ausgestrahlt, stellte die aktuelle Studie des Trinationalen Atomschutzverbands (TRAS) vor, welche die Auswirkungen eines schweren Atomunfalls in der Schweiz auf Deutschland untersucht. Dabei wurde klar, dass je nach vorherrschender Windrichtung und Größe des Schadens auch extreme radioaktive Belastungen für den ganzen Oberrheingraben zu befürchten sind – bis hin zu einer langfristigen Verseuchung, die das Leben und die landwirtschaftliche Nutzung hier auf Jahrzehnte unmöglich machen könnten.
Die intensive „radioaktive Fahne“ könnte sich sogar bis Stuttgart oder darüber hinaus ziehen.
Ein wirksamer Schutz der Bevölkerung hierzulande ist kaum möglich. Die Verteilung von Jodtabletten, die erst noch von Zentrallagern in die jeweilige Region transportiert werden müssten, dürfte zeitlich kaum zu schaffen sein. Notfallpläne zu einer großräumigen Evakuierung von Hunderttausenden Menschen existieren nicht.
Nach einer lebhaften Diskussion waren sich Referent, Veranstalter und Besucher einig, dass die neue Landesregierung in Baden-Württemberg, mit Unterstützung möglichst vieler Bürger und Kommunen, einen verbindlichen Ausstiegsplan für die alten Atomkraftwerke der Schweiz einfordern sollte.
Quellenangaben:
Bild: Simulation der Bodenkontamination mit radioaktivem Cäsium-137 nach einem Atomunfall im AKW Leibstadt; Quelle: Universität für Bodenkultur Wien, Projekt FlexRISK
Foto: P. Rumpel
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