Massenhaft KI generierte Bücher und was ihr als Leser*innen tun könnt
(ein Thread)

Der Deadsoft Verlag hat gestern darüber berichtet, dass neuerdings massenhaft KI-generierte Bücher auf Amazon zu finden sind, die sich des durch „Heated Rivalry“ auch im Mainstream populär gewordenen Trends der MM Hockey Romances bedienen.

1/x

#Lesen #Buch #Buchbubble #NoAI #Schreibcommunity

Der Verleger Simon Rhys Beck schrieb in seinem Beitrag:
„Eishockey Romance von Autorinnen, von denen ich noch nie gehört habe. Von Autorinnen, die keinen Social Media Account und keine Website haben. Titel, die - gerade erst erschienen - schon in 5 Sprachen übersetzt wurden. Eine ganze Reihe einer Autorin mit sehr ähnlich "gezeichneten" Bildern, bei denen in den Rezensionen steht "Lektorat hat wohl gefehlt", "schlecht übersetzt", "voller Widersprüche" ... etc.“

2/x

Und das betrifft bei weitem nicht nur dieses Genre. Alle populären Genres sind betroffen, ebenso Kinder- und Jugendliteratur, bis hin zu Sachbüchern.

3/x

#Literatur

Was könnt ihr tun (als Leser*innen)?

In diesen Zeiten gilt: Augen auf beim Bücherkauf.
🔷 Wirken Buchcover und Klappentexte auf euch deutlich KI-generiert? (Zugegeben, bei Bildern/Illustrationen ist das oft schwierig zu bewerten).
🔷 Gibt es auffällige Unstimmigkeiten aller Art in der Leseprobe (bei Amazon: „Blick ins Buch“)?
🔷 Haben die Autor*innen weder Social Media Profile, noch eine Webseite, oder andere Internetpräsenzen, auch nicht in Buchportalen oder einem Verlag?

4/x

🔷Falls sie z.B. auf Amazon ein Autorenportraitfoto haben, könnt ihr noch einen Schritt weitergehen: Gebt das Foto in die Google Rückwärtssuche für Bilder ein, dann wird euch angezeigt, wo dieses Foto überall auftaucht. Ich habe schon von Fällen gehört, bei dem angebliche Autorenportraitfotos nichts anderes waren als Fotomotive aus einer Stockfotoagentur.

5/x

Was aktuell fehlt, ist eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Bücher und allgemein Regulierungen für den gesamten Bereich des KI-generierten Materials.

Und ja, ich weiß, die von mir genannten Schritte sind nervig und unter Umständen zeitaufwändig. Aber auf diesem Weg könnt ihr reale Autor*innen unterstützen und den KI-generierten Bücher ausweichen. Wenn ihr weitere Tipps habt, schreibt gern einen Kommentar.

6/6

Nachtrag: Da mein Thread kritisiert wurde, hier eine Klarstellung:

Nein, nicht alle Autor*innen, insbesondere Selfpublisher*innen/Indie-Autor*innen haben Internetpräsenzen irgendeiner Art. Manche zeigen auch keine Fotos von sich online und sind nicht überall oder auch gar nicht in Social Media aktiv. Dafür gibt es oft persönliche Gründe. Einige haben auch Pseudonyme, teilweise auch für verschiedene Genres.
1/2

Aber: Wenn ihr auf euch völlig unbekannte Autor*innen stoßt, über die gar nichts online zu finden ist und die möglicherweise eine extrem hohe Zahl an Büchern pro Jahr veröffentlichen, unter Umständen auch mit zig Übersetzungen innerhalb kürzester Zeit, dann besteht
da durchaus eine Wahrscheinlichkeit, dass diese Autorys nicht existieren, sondern dass ihre Bücher komplett KI-generiert wurden.

Mehr habe ich heute zu diesem Thema nicht zu sagen.
2/2

@amalia12

Schon vor dem KI-Boom gab es ganze Bewegungen zu "Schreibe eine massive Anzahl an Büchern um die Passives Einkommen zu sichern!"

Es wundert mich nicht, daß das jetzt mit KI automatisiert wird.

@amalia12

Und noch eine Ergänzung:

Ich bin auf einer Facebook-Gruppe für unabhängige Autoren namens "20BooksTo50". Diese Gruppe war recht nützlich für mich, da ich da einige wertvolle Tipps erhalten habe, wie ich meine Schreibarbeiten professionalisiere - insbesonder habe ich dort das Konzept von "Alpha-" und "Beta-Lesern" kennengelernt.

Aber das Grundidee der Gruppe, daß man typischerweise 20 Bücher veröffentlichen muss, um ein Jahreseinkommen von 50K Dollars zu erreichen, und damit von der Schriftstellerei leben zu können. Auch wenn in der Gruppe betont wird, daß die Reise jedes Autors individuell ist, ist doch der Hauptfokus, so viele Bücher wie möglich und so schnell wie möglich zu schreiben und zu veröffentlichen, da man damit das meiste Geld verdient.

Und als das KI-Thema vor ein paar Jahren hoch kam, haben sie die Moderatoren für "neutral" erklärt, auch wenn die Mitglieder der Gruppe oft sehr deutliche Meinungen (in beide Richtungen) haben.

Von der Schriftstellerei sein primäres Einkommen zu erhalten und davon leben zu können, ist ein legitimer Wunsch - aber es ist sehr schwer, dieses Ziel zu erreichen. Daher wundert es mich nicht, daß viele die diesen Wunsch haben, moralisch dubiose Abkürzungen nehmen. Vor ein paar Jahren waren diese Abkürzungen noch das Anheuern von Ghost Writers in unterentwickelten Ländern, aber nun sind es KI-Systeme.

@juergen_hubert
Dazu fällt mir ein, dass die Produktionsbedingungen für Autor*innen in USA ein bisschen anders sind als in DE.
Der Markt ist sehr viel größer als hier, es gibt andere Strukturen in der Buchbranche, Autor*innen dort veröffentlichen teilweise mehr Bücher pro Jahr, und so weiter.
Von daher lassen sich Tipps aus solchen Gruppen nicht so ohne weiteres auf den deutschen Buchmarkt übertragen.
Aber das mit diesen Abkürzungen über KI generierte Bücher, das ist in jedem Fall übel.
@amalia12 Das betrifft bei weitem nicht nur Amazon. Es gibt Hinweise, dass auch im deutschsprachigen Raum "Selfpublisher" auf der KI-Welle eine schnelle Mark machen wollen. Die letzte GfM Musikforschung (https://mf.publia.org/mf/, Jg. 78/2025) berichtet von ca. 80 KI-generierten musikwissenschaftlichen Büchern alleine bei tredition.
Die Musikforschung

@amalia12 Nach relativ vielen deiner Kriterien wäre ich als No-Name-Selfpublisher ohne Instagram-Account und ohne Webseite (wegen Impressumspflicht + Doxxing-Gefahr) vermutlich auch schnell auf der Liste.

Dabei ist das Bild mit der blauen Rose sogar von mir persönlich geschossen worden (und im Originalfoto war sie rosa, nicht blau).
Die sieht man aktuell z.B. noch in meinem Wiki.
https://wiki.rothalin-stories.de/doku.php?id=start

start [Rothalin Wiki]

@viel_zu_negativ

Ja, ich weiß, dass meine Kriterien nicht überall zutreffen und einige Selfpublisher*innen keine Webseite etc. haben.
Aber wenn sich viele dieser von mir genannten Kriterien häufen, ist das nun mal zumindest tendenziell ein Hinweis darauf, dass eventuell keine realen Autorenperson hinter dem betreffenden Buch steht.

Dafür bist du ja immerhin im Fediverse unterwegs, was ja auch ein soziales Netzwerk ist.

@amalia12 Ich sehe das Problem schon selbst, aber mal ehrlich: Wo wurde denn der Beitrag gepostet, den du zitierst? In einem Millionärs*-Wohnzimmer? Hinter Registrierungsschranke via Newsletter?

Ich bin sowieso dabei, zu überlegen, ob ich überhaupt nochmal eine Öffentlichkeit an meinen trans-Ownvoice-Welten teilhaben lasse. Aber wenn's jetzt darauf hinausläuft, dass Verlage zur notwendigen Verifikationsinstanz werden, ist das für SP natürlich generell ein Problem.

*sry, Milliardär natürlich

@viel_zu_negativ
Du meinst das Zitat des Verlegers, Simon Rhys Beck? Er hat das auf Instagram gepostet. Oder meinst du etwas anderes?

Ansonsten kann ich noch diesen Beitrag empfehlen, der auch über das Problem berichtet:
"Wie KI-Bücher Amazon KDP überfluten und den Buchmarkt verändern"
https://buchmarkt.de/patrick-meier-amazon-ki/

Wie KI-Bücher Amazon KDP überfluten und den Buchmarkt verändern – buchmarkt.de

@amalia12 Ja, Instagram war meine Vermutung und exakt das, was ich mit Milliardärs-Wohnzimmern meinte.

Wer solche Infos schon nur innerhalb einer Bubble verteilt, die sich ebenfalls darauf geeinigt hat, sich nur noch in Spaces aufzuhalten, deren Regeln und Algorithmen US-Milliardäre aufstellen, wird doch niemals ernsthaft hingehen und mich als real ansehen, solange ich bloß in freien Spaces unterwegs bin.

Was für ein Problem LLMs sind, ist mir bereits bekannt, darum geht es mir nicht.

@viel_zu_negativ
Ich kann dazu nur sagen, dass die Buchbubble auf Instagram, auch bekannt als "Bookstagram", sehr groß ist (wesentlich größer als im Fediverse) und dass z.B. Kleinverlage wie der von mir genannte, darauf angewiesen sind, die Leute dort zu erreichen.
Dass Instagram als Meta-Unternehmen aus vielen, vielen Gründen bedenklich ist, das ist mir klar, darüber müssen wir nicht reden.
Ich würde mir wünschen, dass die Buchbubble hier größer wäre, aber das ist sie nun mal aktuell nicht.

@amalia12 Du hast nunmal auf Social Media als Verifikationsstelle hingewiesen, und da wir jetzt herausgearbeitet haben, dass mit diesem Begriff NICHT das Social Media hier inkludiert ist, auf dem wir uns gerade bewegen, wollte ich einfach mal klar benannt haben, dass wir alle hier erst "real" würden, wenn wir die Plattform wechseln sollten.

Und dass uns das betreffende Statement hier nichtmal direkt, sondern nur über Hörensagen zur Verfügung steht, veranschaulicht das einfach sehr gut.

@viel_zu_negativ

Also, was mich betrifft, sehe ich das Fediverse auch als Social Medium. Dass nicht alle Autor*innen hier aktiv sind, darüber haben wir ja nun schon geschrieben.

Es ist nicht böse gemeint, aber ich möchte das nun nicht weiter diskutieren, ich habe heute noch einiges vor, bei dem ich nicht nebenbei im Fediverse Toots tippen kann.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

@amalia12 Tja, wenn du nunmal eine Liste postest, die Leser*innen dazu auffordert, mich und andere Menschen wie mich künftig nicht als real existierenden Menschen und Autor, sondern als Maschine zu betrachten - und deine Reichweite ist beträchtlich größer als meine, weswegen das Menschen auch tun werden - musst du damit rechnen, dass ich das nicht toll finde.

@viel_zu_negativ
Das hat sie nicht getan.
Sondern sie hat Kriterien genannt, wie man KI-Bot-Werke identifizieren *KANN* und zwar anhand mehrerer Kriterien.
Und ich finde das hilfreich, bei der Menge an Slop.

Übrigens hatte ich letzthin ein Buch in der Hand, das von einer realen Person (mit Webauftritt und Insta) via KI geschrieben wurde. War auch Müll.
@amalia12

@amalia12 Und ohne diesem Verleger jetzt persönlich konkrete Absichten zu unterstellen: Wenn ein Verlag auf Leser*innen einwirkt mit dem Hinweis, dass Verlags-Autor*innen bevorzugt werden sollten, weil die ja dann verifiziert echte Menschen und real sind, und damit die eigene Position als Gatekeeper stärkt, hat das für mich zumindest ein Geschmäckle, und das egoistische Interesse an diesem Punkt sollte kritisch angemerkt werden.
@viel_zu_negativ
Okay, hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen, anhand meines Zitats. Ich kenne Simon recht gut und nein, er betreibt kein Gatekeeping. Er selbst liest auch Romane von Selfpublisher*innen. Er weist z.B. auch auf Instagram auf Romane von SPlern hin, die ihm gut gefallen haben.

@amalia12 Du scheinst meinen Punkt nicht verstanden zu haben:

Du hast oben eine Liste an Punkten aufgestellt, die man überprüfen sollte, und in der wird "hat einen Verlag" als Verfikationsmerkmal aufgelistet. Es werden die Verlage als gatekeepende, weil in dem Fall verifizierende Instanz gestärkt, und ob ein einzelner Verleger gelegentlich auch Menschen als solche betrachtet, die sich dem Gatekeeping nicht unterworfen haben, ändert an der Rolle in dieser Liste erstmal gar nichts.

@viel_zu_negativ
Ich würde Insta nicht als „Milliardärs-Wohnzimmer“ bezeichnen. Die Mehrzahl der User*innen sind ja normale Menschen. Und gerade fürs Vermarkten ist es schwierig, dort nicht zu sein.

Ich habe mal ein selbstverlegtes Buch viele hundert Mal verkauft, weil ich auf Facebook (auch von Milliardärs betrieben) in der richtigen Gruppe (wo man mich bisher nicht als Herausgeber kannte) dafür geworben habe.

Mittlerweile bin ich weg von fb, aber damals hats funktioniert.

@amalia12

@amalia12 Das sind keine nervigen Schritte, im Gegenteil sind das sehr gute Tipps. Das erspart einen Haufen Zeit mit miesen Texten und spart Geld.
@amalia12 Danke für den tollen Thread! Ich fand den sehr hilfreich. In Bibliotheken, in denen ja recht schnell entschieden werden muss, welche Bücher reinkommen und welche nicht, wäre eine Kennzeichnungspflicht eine echte Erleichterung.
@fuzzyleapfrog
Ab August soll es in der EU eine Kennzeichnungspflicht für KI generierte Texte, Ton und Bilder geben. (Ich habe dazu gerade keine Quelle zur Hand, bitte befrage bei Bedarf eine Suchmaschine deines Vertrauens).
Bleibt abzuwarten, wie das dann umgesetzt wird.
@amalia12 Danke, da halte ich ein Auge drauf

@amalia12 Einfach mal andere Plattformen als amazon nutzen, z.B. genialokal (unterstützt zugleich den lokalen Buchhandel): https://www.genialokal.de/

Und sich ganz grundsätzlich die Frage stellen: Will ich Geschichten lesen, die mir von Menschen erzählt werden - oder von Maschinen? Ich hab da eine eindeutige Antwort ...

genialokal - Bücher Online kaufen mal anders

Über 10 Mio. Bücher, ebooks, Hörbücher... Sehen Sie direkt, wo Ihr gesuchtes Buch sofort zum Abholen bereit steht, bestellen es zum nächsten Tag in Ihre Buchhandlung oder lassen es nach Hause liefern

genialokal.de
@steinstory
Ich nehme an, das schreibst du für Leute, die hier mitlesen? Ich kaufe seit letztem Jahr keine Bücher mehr bei Amazon, sondern in einer lokalen Buchhandlung meines Vertrauens, die auch einen umfangreichen Onlinebereich für E-Books hat (übrigens nicht über genialokal).
@amalia12 Ja, du hattest nach weiteren Ideen gefragt. ;)
@steinstory
Ach ja, stimmt. 😀 Danke dir. Wobei ich sagen muss, wie hier auch jemand kommentierte: auch in anderen Buchhandlungen tauchen teilweise KI-generierte Bücher auf, leider.
Was also wirklich dringend benötigt wird, ist eine KI-Kennzeichnung.

@amalia12 Wobei man sagen muss, dass für ihn vermutlich Mastodon nicht als Social Media zählt und er von mir dementsprechend auch nie etwas gefunden hätte.

Und auch keine Webseite, seit ich damals mein Impressum mal so 2 Monate drauf hatte (weil sich mein Impressumservice als Betrug herausstellte und ich auf der sicheren Seiten sein wollte) und es bis zu Gewalt- und Doxxingandrohungen seitens Faschos keine 3 Wochen dauerte.

Aber in dem Fall macht es wohl das Gesamtbild.