Kolumne: Das uralte Problem der häufigen Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Teenagern wird drängender, wenn algorithmisch kuratierte Konsum- und Kommunikationsmedien den Alltag permanent verändern. Wissen Sie zum Beispiel, was „Teller-Tiktok“ ist? Fragen Sie mal ihre Kinder!
Erfreulich ist: Die Social-Media-Debatte wird zumindest teilweise differenzierter. Die Mottenkisten-Idee „Klarnamenpflicht“ bleibt unsinnig, aber über Altersgrenzen für algorithmische Sortierung kann man durchaus nachdenken. Geschenklink: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/social-media-verbot-sprechen-sie-mit-ihren-kindern-ueber-tiktok-ich-habe-es-getan-a-6b6ad6d6-668d-4821-9c49-7d7fab298df4?giftToken=98886a88-3128-47dc-b1ac-5f6d135d9c0e
Debatte über Social-Media-Verbot: Wissen Sie, was »Teller-TikTok« ist?

Endlich wird intensiv darüber debattiert, wie soziale Medien Jugendliche gefährden. Dabei lohnt es sich, die eigenen Kinder zu fragen, was sie von einem Verbot halten. Unser Autor hat es getan.

DER SPIEGEL
Das größte Problem im sozialen Netz sind aber ohnehin nicht Jugendliche, sondern skrupellos agierende Plattformen und deren Geschäftsmodelle, die absolut zwangsläufig Kollateralschäden erzeugen. Sowie die zahlreichen Erwachsenen, die auf diesen Plattformen Hass, Propaganda und Desinformation verbreiten, Drogen feilbieten, sich an Minderjährige heranmachen, mobben, hetzen, geifern.
@chrisstoecker Ich fahre mit dem ÖPNV zur Arbeit, da sehe ich die Leute mit ihrem Smartphones, und man erkennt auch recht schnell wer von denen alles ein Suchtproblem hat.

@PeterKratz @chrisstoecker Gewagte These.

Ich sehe im ÖPNV nicht anders aus als diejenigen, denen du ein Suchtproblem unterstellst. Tatsächlich gehe ich meinen Feedreader durch und bringe mich auf einen aktuellen Stand. Früher habe ich den Spiegel, die c't oder eine Zeitung dort gelesen. Jetzt lese ich digital.

Zugegeben, stattdessen ein _Buch_ zu lesen, erfordert tatsächlich mehr Anstrengung statt der kleinen mundgerechten Happen. Und mit dem Leeren des Feedreaders ist es auch zu leicht, auf die Social-Network-App zu wechseln. Immerhin nutze ich nur noch das Fediverse, und da fällt es mir tatsächlich leichter, mit dem Doomscrolling aufzuhören als bei FB vorher.

@PeterKratz @chrisstoecker

Ich kenne das noch von früher, da hatten wir diese schreckliche Zeitungssucht.
Die richtig Süchtigen konnte man daran erkennen, das sie die Seite „Vermischtes“ oder „Buntes aus aller Welt“ gelesen haben.

@chrisstoecker Bei Zigaretten und Alkohol ist uns lange auch nichts besseres eingefallen, als es den Minderjährigen zu verbieten.

@chrisstoecker
Aber man kann doch von profitorientierten Unternehmen nicht erwarten, dass sie auf Kinder und Jugendliche Rücksicht nehmen oder sogar. Darauf verzichten, mit ihnen Geld zu verdienen. Oder schlimmer noch, sie dafür bestrafen.

Daher bleibet, wenn man Kinder schützen will, nichts anderes übrig als sie auszuschließen. Ist doch logisch, oder?
Dass man damit einen Überwachungsstaat Bauen kann, ist purer Zufall.

@iamlayer8 @chrisstoecker ein glücklicher Zufall☝
@chrisstoecker
Sorry, aber:
Neben der Tatsache, dass es sich bei den "Kollateralschäden" um unsere Mitmenschen, unsere Demokratie und unseren Rechts- und Sozialstaat handelt, sind diese "Kollateralschäden" absolut so gewollt. 😡
@chrisstoecker Problematisch finde ich auch, dass im öffentlich-rechtlichen KiKa zur besten Sendezeit nach Logo bei KiKa live in letzter Zeit so ein wahnsinniges Triggern von so Zeug kommt: Hey, kennst Du den, der hat 4 Mio Follower, Ach, das ist doch gerade voll im Trend auf tiktok ... 😤 Machen alles kaputt, was bei Team Timster noch gerade so grenzwertig hingekriegt wird. Natürlich MUSS man das nicht anschauen, aber von wem sollte man sonst ein bisschen Durchatmen von dem Quatsch erwarten?
@chrisstoecker richtig, schön z.B. von #dieinsider auf facebook dokumentiert: das sind nicht die Jugendlichen in diesen einschlägigen Galgen-Facebook-Gruppen..

@chrisstoecker

was ältere wohlhabende weiße Leute nicht verstehen muss nunmal verboten werden. Ausserdem gab es dass ja früher auch nicht und da war alles super.

@TheOneSwit Ich diskutiere über meine Texte prinzipiell nur mit Leuten, die sie auch gelesen haben.

@chrisstoecker

Oh, der Herr. wusste nicht dass das Thema exclusiv von dir ist. Was liest du denn von mir um dich für eine diskussion mit mir zu qualifizieren? Klingt immer so einseitig.

Du möchtest ja sogar noch bezahlt werden dass ich deine Meinung lese.

@TheOneSwit Das Wort „Geschenklink“ erschließt sich offenbar nicht jedem. Komm mal runter von der Palme.

@chrisstoecker

"Algorithmisch sortierte Timelines erst ab einem bestimmten Alter zuzulassen, ist ein innovativer Gedanke".

Ja, von Erwachsenen, die mit Masto genau deshalb nichts anfangen können, weil ihnen hier kein Algo ihren Wohlgeformten hinterherträgt.

Entsprechend zäh läuft hier noch das Vernetzen.

Auf Twitter hat quasi das queere Grüppchen zum einsamen Teenie gefunden. Hier findet der Teenie dasselbe Grüppchen wenn, dann mit letztem Tröt 2023, weil die Interaktion nie ins Rollen kam.

@chrisstoecker und wenn sie nach der Arbeit noch den Verlauf kontrollieren.
@chrisstoecker Ich schließe aus Ihrem Artikel, dass Ihre Kinder ein recht behütetes, relativ problemfreies Leben mit einem guten, offenen Verhältnis zu ihren Eltern führen. Glückwunsch! Das ist aber nicht immer der Fall. Für manche Kinder unter 14 sind soziale Medien ein wichtiges Medium, um einem schlechten Elternhaus oder der sozialen Einsamkeit zu entkommen. Denen würde man mit einem Verbot wirklich viel nehmen. Das schließt natürlich nicht aus, dass man die sozialen Medien regulieren muss.
@fahrradmartin Und da sind wir eben sehr unterschiedlicher Meinung: Ich glaube nicht, dass man die Probleme von benachteiligten Jugendlichen am besten angeht, indem man sie ByteDance und Meta als Ware zur Verfügung stellt. Das ist aber aktuell der Fall. Es gibt andere, bessere Wege dafür.
@chrisstoecker Ich glaube, so unterschiedlich sind unsere Meinungen gar nicht. Eine Regulierung mit Konsequenzen bei Übertretungen finde ich absolut notwendig. Hier ist der Vorschlag der SPD nach Algorithmenfreiheit by default und keine eskalierenden Dauerschleifen durchaus nachdenkenswert, ebenso eine Begrenzung der Datensammelei oder ein Verbot der domainübergreifenden Datennutzung. Für alle, nicht nur für Kinder. Dazu Medienbildung in der Schule und Sozialarbeit in real live. Kostet halt was.
@chrisstoecker Danke für den Link.
Ich finde Medienkompetenz von Eltern und Kindern wird viel zu wenig diskutiert bzw. gelehrt.
Außerdem sehe ich die Eltern in der Pflicht die Endgeräte entsprechend ein zu stellen das die Platformen etc. zeitlich limitiert sind.
Außerdem sollten sich die Eltern auch fragen ob ein Smartphone unter 12 Jahren sinnvoll ist?
Ein Verbot ist meines Erachtens Käse.

@chrisstoecker

Sind es wirklich nur diese Medien oder die Medien?

Und was machen die Eltern dieser Kinder? Klären diese auf ohne sich ständig aufzuzwingen?

Und was tun jene Kinder/Jugendliche die sich dort wirklich sozial engagieren?

Ich sehe es eher skeptisch und würde eher ein generelles Abschalten bestimmter "asozialer Medien", wie X, vorziehen. Denn es sind ja nicht nur die Jüngsten die gefährdet sind, sondern die Gesellschaft allgemein.

@JamesBont @chrisstoecker abschalten finde ich übertrieben.
Ich fände eine Staffelung der Altersgrenze abhängig von dem Gefährdungsgrad der Plattform sinnvoll. Twitter z.b wegen der furchtbaren bis nicht existenten moderation fsk18, und dann eben bewerten lassen, wie viel gefährdende inhalte kindern angezeigt werden und wie schnell Radikalisierungsalgorithmen wirken, davon dann abhängig machen ob ab 14 oder ab 16.

@Nephele @chrisstoecker

X kannste gerne abschalten. Gehört ohnehin einem Faschisten.

Bei den anderen sind wir einer Meinung. Nur fsk18 der ähnliches lässt sich schwerlich durchsetzen oder erfordert vom Bürger komplett die Hosen herunter zulassen und dann ist es schon wieder fraglich.

Ich kann mir nicht vorstellen dass es eine wirklich fachliche Lösung aus der Politik dazu geben wird, weil dann nicht auch gegen die Grundrechte verstößt.

@chrisstoecker Sehr aufschlussreicher Beitrag. Ich denke auch, dass die ein oder andere Person gar nicht realisiert, dass sie spätestens bei einem Verbot mehr mit den eigenen Kindern kommunizieren müsste und auch nicht mehr das ständige am Smartphone sitzen vorleben kann und darf. Glück dem, wie in Ihrem Fall, der oder die schon jetzt eine offene Diskussionskultur mit den eigenen Kindern lebt und sie in wichtigen Debatten mit einbezieht.

@chrisstoecker Meine Kinder kamen auf uns Eltern zu und wollten Konten bei Instagram, nicht weil sie Instagram so toll fanden, sondern weil für einen großen Teil ihrer Peergroup dort das Leben abseits der Schule stattfindet. Der Gruppendruck, ob real oder empfunden, spielt für Kinder durchaus eine Rolle, und sie sind sich dessen zumindest in Teilen bewusst. Aus der Perspektive heraus schafft eine gesetzliche Altersgrenze ihnen Klarheit, die Eltern den Kindern offensichtlich nicht geben können.

Ähnlich mit WhatsApp. Schön, dass es Signal gibt, und in der Familie nutzen wir das auch. Im schulischen Umfeld dominiert aber WhatsApp, und wer nicht ausgeschlossen sein will, muss WhatsApp nutzen.

@chrisstoecker TikTok war bei uns noch kein Thema; YouTube Shorts scheinen ein hinreichender Ersatz zu sein. Inwiefern das besser oder schlechter ist, kann ich nicht beurteilen. Bei der Vorstellung, erst einmal die Plattform als Elternteil ausführlich kennenzulernen, um mir ein fundiertes Urteil bilden zu können, wird mir ein wenig schummrig. Ich kenne Facebook, die Messenger-Landschaft und habe ein gutes Bild von den Microblogging-Plattformen. Ich habe Instagram beobachtet und Clubhouse und zahlreiche andere Plattformen verfolgt. Aber um TikTok zu verstehen, reicht das alles nicht aus. Und ich weiß nicht, ob ich mir die Zeit ans Bein binden will. Ich habe auch den Appeal von 4chan und 8chan nie nachvollziehen können. Andere Plattformen, andere Mechanismen, aber einflussreich in Sachen Radikalisierung und Netzkultur.

Ich habe nur ein begrenztes Zeitbudget, um mich neben dem Alltag um Erziehung und meine eigene Freizeit zu kümmern. Ich kann nicht alles auf Herz und Nieren testen.

@chrisstoecker Ich finde Verbote doof. Ich hätte gerne mündige Mitmenschen und mündig getroffene Entscheidungen. Aber Mündigkeit ist neben dem Vollzeitjob Arbeit und dem Vollzeitjob Erziehung ein zusätzlicher Vollzeitjob. Schön, wenn Mitmenschen in der Lage sind, in dem von Regulierung und Verboten bedrohten Bereich unseres Lebens Mündigkeit zu erlangen und dementsprechend vehement gegen Regulierung und Verbote argumentieren, aber den Luxus hat nicht jeder. Ab einem gewissen Punkt muss ich zurücktreten und sagen, dass ich da nicht mehr auf Selbstverantwortung setzen kann, schlicht weil es an Zeit oder womöglich auch Interesse fehlt.

Dass Regulierung und Verbote nie zu 100 Prozent funktionieren, erwähnst du ja auch im Artikel. Ich würde an der Stelle nur hinzufügen, dass der Hinweis darauf als Argument gegen Verbote auch nur eine Ablenkung ist, um eine Regulierung allgemein zu verhindern oder zumindest zu verzögern.

@fluchtkapsel Absolut zentrales Problem, so ist es.
@chrisstoecker zum einen weißt ja ständige Internetnutzung auf mangelnde
andere Freizeitnutzung hin und oftmals sind ja Eltern aufgrund
doppelter Berufstätigkeit ja übermuedet sich mit den Kids zu beschäftigen.
Wer einmal bei der Polizei mit Sex.Kindesmissbrauch war weiß
das die Schaender auf Schulhöfen und vor Kindergärten stehen und da auch Bilder machen.
Bessere Scamer und Zeiteinstellungen ,Kindersicherung würden bestimmt was bringen.

@chrisstoecker

Hab meine #Kids gefragt, die wussten nix dazu... 🤷

...voll ok für mich.

@chrisstoecker

Danke für den Artikel, das ist der richtige Weg.

Nur: Das ist das ein soziales und damit ein dynamisches Problem.

Ein starres "der Staat regelt das" fühlt sich gut an, wird höchstens kurzfristig wirken, selbst das als von Ihren Kindern als "gut" bewerteten Altersgrenze:

Wir Menschen müssen lernen, mit der Dynamik umzugehen, die in "Teller-TikTok" steckt - auch und gerade die Eltern:

Die Eltern müssen dabei Verantwortung übernehmen und Erziehungsbefugnisse behalten!

1️⃣ /6️⃣

@chrisstoecker

D.h., das "Ja" Ihrer Kinder zur Regulierung muss die Verantwortung an die richtige Stelle geben:

Die Eltern sind Eigentümer der Geräte ihrer Kinder - und die Eltern sind Erziehungsberechtigt!

Nicht der Staat und nicht Monopolplattformen haben darüber zu entscheiden, was die Kinder sehen dürfen und müssen, sondern die Eltern!

Wenn das geklärt ist, muss der Staat die Regeln definieren und die Eltern befähigen, ihre Verantwortung wahr zu nehmen.

2️⃣ / 6️⃣

@chrisstoecker

Und hier muss der Staat einen Standard schaffen, wie Bürgerinnen und Bürger solche Daten auf ihren Geräten hinterlegen können.

Diese Schnittstelle ist aber hoch-brisant und wie schief das gehen kann sehen wir täglich beii der ePA oder jetzt bei der EUDI-Wallet Implementierung durch die Bundesdruckkerei. Wenn wir das genauso bei der Altersverifikation machen, rennen wir vorhersehbar in die nächste Katastrophe.

3️⃣ / 6️⃣

@chrisstoecker

Dabei haben wir den Gold-Standard! Das schwierige Problem, das nur "einfach" aussieht, haben wir bei der Corona Warn App bereits einmal nach allen Regeln der Kunst gelöst!

Im Kern besteht die Lösung darin, die Zivilgesellschaft bei der Entwicklung mit einzubeziehen!

Es wäre tödlich, hier wieder einzelnen Experten mit unklaren Interessen, hinter verschlossenen Türen (siehe ePA oder EUDI-Wallet) die Macht über diese Architektur und den Code zu geben!

4️⃣/ 6️⃣

@chrisstoecker

Was wir daher brauchen sind quelloffene Apps (ZenDIS: OpenCode !), die für alle Plattformen (Linux, Windows, MacOS, LineageOS, Android, ..) existieren und den Eigentümern(!) der smarten Geräte (Handy, Autos, Saugroboter, ..) ermöglicht, die relevanten Daten in eigener Verantwortung(!) hinterlegen können.

Der Staat fordert nur DASS Daten hinterlegt werden und überlässt es den Verantwortlichen (Eltern, Eigentümern) die Entscheidung, WIE sie es machen.

5️⃣ /6️⃣

@chrisstoecker

Dann legen die Eltern in den Handys ihrer Kinder fest, dass ihr Kind 11 Jahre alt sind. Dadurch übernehmen Sie die Verantwortung ob sie Ihrem Kind "ab 14"-Content zutrauen, obwohl es erst 12 Jahre alt ist.

Der Staat zwingt Unternehmen, nur die Schnittstelle abzufragen, deren Software-Architektur und Programmierung wir öffentlich diskutiert, abgestimmt und mit quelloffener Software festgeschrieben haben.

So funktioniert imho "digitale Demokratie" im Jahr 2026!

6️⃣ /6️⃣

@chrisstoecker

Dazu empfehle ich noch die Lektüre von

#Tristan_Harris #TristanHarris

Es lohnt sich.

@chrisstoecker Vielen Dank für einen Debattenbeitrag, der sein Thema nicht aus den Augen verliert: die Kinder. Leider gehen viele meinungsstarke Experten und Expertinnen auch hier im Fedivers über deren Bedürfnisse relativ schamlos zugunsten der eigenen Agenda hinweg.
@chrisstoecker Wenn man den Jugendlichen die "Sozialen" Netzwerke verbietet - wer ekrlärt uns Älteren dann, wie sie funktionieren?