@chrisstoecker Meine Kinder kamen auf uns Eltern zu und wollten Konten bei Instagram, nicht weil sie Instagram so toll fanden, sondern weil für einen großen Teil ihrer Peergroup dort das Leben abseits der Schule stattfindet. Der Gruppendruck, ob real oder empfunden, spielt für Kinder durchaus eine Rolle, und sie sind sich dessen zumindest in Teilen bewusst. Aus der Perspektive heraus schafft eine gesetzliche Altersgrenze ihnen Klarheit, die Eltern den Kindern offensichtlich nicht geben können.
Ähnlich mit WhatsApp. Schön, dass es Signal gibt, und in der Familie nutzen wir das auch. Im schulischen Umfeld dominiert aber WhatsApp, und wer nicht ausgeschlossen sein will, muss WhatsApp nutzen.
@chrisstoecker TikTok war bei uns noch kein Thema; YouTube Shorts scheinen ein hinreichender Ersatz zu sein. Inwiefern das besser oder schlechter ist, kann ich nicht beurteilen. Bei der Vorstellung, erst einmal die Plattform als Elternteil ausführlich kennenzulernen, um mir ein fundiertes Urteil bilden zu können, wird mir ein wenig schummrig. Ich kenne Facebook, die Messenger-Landschaft und habe ein gutes Bild von den Microblogging-Plattformen. Ich habe Instagram beobachtet und Clubhouse und zahlreiche andere Plattformen verfolgt. Aber um TikTok zu verstehen, reicht das alles nicht aus. Und ich weiß nicht, ob ich mir die Zeit ans Bein binden will. Ich habe auch den Appeal von 4chan und 8chan nie nachvollziehen können. Andere Plattformen, andere Mechanismen, aber einflussreich in Sachen Radikalisierung und Netzkultur.
Ich habe nur ein begrenztes Zeitbudget, um mich neben dem Alltag um Erziehung und meine eigene Freizeit zu kümmern. Ich kann nicht alles auf Herz und Nieren testen.
@chrisstoecker Ich finde Verbote doof. Ich hätte gerne mündige Mitmenschen und mündig getroffene Entscheidungen. Aber Mündigkeit ist neben dem Vollzeitjob Arbeit und dem Vollzeitjob Erziehung ein zusätzlicher Vollzeitjob. Schön, wenn Mitmenschen in der Lage sind, in dem von Regulierung und Verboten bedrohten Bereich unseres Lebens Mündigkeit zu erlangen und dementsprechend vehement gegen Regulierung und Verbote argumentieren, aber den Luxus hat nicht jeder. Ab einem gewissen Punkt muss ich zurücktreten und sagen, dass ich da nicht mehr auf Selbstverantwortung setzen kann, schlicht weil es an Zeit oder womöglich auch Interesse fehlt.
Dass Regulierung und Verbote nie zu 100 Prozent funktionieren, erwähnst du ja auch im Artikel. Ich würde an der Stelle nur hinzufügen, dass der Hinweis darauf als Argument gegen Verbote auch nur eine Ablenkung ist, um eine Regulierung allgemein zu verhindern oder zumindest zu verzögern.