2/ Ich habe mal nachgelesen, wie das sich in der DDR mit dem #Schwangerschaftsabbruch entwickelt hat. Es gibt einen Artikel von Jessica Bock bei der @bpb:
https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/542838/der-schwangerschaftsabbruch-in-der-ddr/
Zuerst war es restriktiv und wurde dann sogar noch restriktiver. Die DDR-Staatsführung wollte mehr Kinder, auch weil ihr die Bürger*innen abhanden kamen.
„Der restriktive Paragraf 11 war eingebettet in eine Reihe von frauenpolitischen und geburtenförderlichen Maßnahmen, die die Entscheidung für das Kind erleichtern sollten. Damit Frauen Berufstätigkeit und Mutterschaft vereinbaren konnten, sah das Gesetz die Schaffung von 40.000 Kinderkrippen- und 160.000 Kindergartenplätzen sowie die Verbesserung bei der Versorgung von Schwangeren vor. Ferner strebte die SED mit dem Gesetz zum Mutter- und Kinderschutz und der Rechte der Frau eine Entstigmatisierung von alleinstehenden beziehungsweise alleinerziehenden Frauen und deren rechtliche Gleichstellung mit verheirateten Müttern an.“
Also, so wie es meiner Wahrnehmung entsprach, war es auch gewollt. Entstigmatisierung alleinerziehender Mütter.
„Am 9. März 1972 wurde das neue „Gesetz zur Schwangerschaftsunterbrechung“ mit 487 Stimmen angenommen, 14 Fraktionsmitglieder der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands stimmten dagegen, acht Abgeordnete enthielten sich. Damit wurde in der Geschichte der DDR zum ersten und letzten Mal in der Volkskammer ein Gesetz mit Gegenstimmen verabschiedet.“
Einmal im Leben was anders gemacht: Die #DDR-#CDU. Christliche Werte hochgehalten. Hüstl.
„Der Schwangerschaftsabbruch war dem Erkrankungsfall gleichgestellt (§ 4, 1), das heißt, Vorbereitung, Durchführung und Nachbehandlung des Abbruchs waren für sozialversicherte Frauen kostenlos. Auch Verhütungsmittel waren für sie unentgeltlich. Während ihrer Krankschreibung erhielten sie Krankengeld. Von der neuen Fristenregelung profitierten ausschließlich Frauen mit einer Staatsbürgerschaft der DDR.“
In dem taz-Beitrag stand, dass man das heutzutage immer noch selbst bezahlen muss: „Eine andere Sorge ist die Finanzierung. Die OP kostet 523 Euro, plus 19 Euro für die Nachsorge.“
Weiter bpb:
„Bis 1989 sank die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche auf 73.899. Damit hatte die DDR im Vergleich zu anderen osteuropäischen Staaten die niedrigste Quote an Schwangerschaftsabbrüchen.“
Das heißt, dass da irgendwas richtig gemacht wurde bzw. besser. Kinderversorgung? Behandlung von Müttern? Entstigmatisierung?
Im Fazit des Artikels steht: „Die Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs in der DDR ist ambivalent. Sie ist gekennzeichnet durch Phasen der Restriktion und solche der liberalen Handhabung. Der SED ging es keineswegs um das Selbstbestimmungsrecht der Frau als integralem Bestandteil einer politisch gewollten wie forcierten und gesellschaftlich akzeptierten Emanzipation. Von Beginn an betrieb sie eine Politik der kontrollierten Selbstbestimmung, die unter den Prämissen einer (rassistischen) Bevölkerungs- und Geburtenpolitik stand. Auch nach der Einführung der Fristenregelung blieb der Schwangerschaftsabbruch ein Tabuthema. Frauen, die eine Schwangerschaft abgebrochen hatten, wurden weiterhin stigmatisiert.“
Ich hab mal gelernt, dass im Fazit nur Dinge stehen dürfen, die auch im Text schon besprochen wurden. Ich halte das Fazit für tendenziös und irreführen. Ja, es wurde nach dem Krieg restriktiver, aber ab den 70ern dann eben wesentlich liberaler und zum Schluss sank die Zahl der Abbrüche, aber nicht wegen Gängelung der Frauen sondern wegen Förderung an anderer Stelle. Von Tabu und Stigmatisierung steht nichts im Artikel, wird einfach mal so in der Zusammmenfassung behauptet. Das mit der Stigmatisierung steht sogar im Widerspruch zu den im Artikel beschriebenen Zielen. Dafür hätten wohl noch Belege geliefert werden müssen.
#Abtreibung #Frauenrechte