„Mit einer ungewollten Schwangerschaft bewegt man sich auf geächtetem Terrain.“

Auch das war im #Osten zu meiner Zeit anders. Zumindest über #Berlin kann ich das wohl sagen. Manchmal liegen Dinge ja auf dem Land anders. Glaub ich aber in diesem Fall nicht.

Auch alleinstehende Frauen wurden nicht verachtet. Die #DDR hatte die höchste Scheidungsrate der Welt. Das war ganz normal.

https://www.taz.de/!6127320

Im Aufwachraum

Unsere Autorin wird ungewollt schwanger undentscheidet sich für eine Abtreibung. Was ein einfacher medizinischerEingriff sein könnte, erlebt sie als einen Weg durch ein politisches und gesellschaftliches Minenfeld

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

2/ Ich habe mal nachgelesen, wie das sich in der DDR mit dem #Schwangerschaftsabbruch entwickelt hat. Es gibt einen Artikel von Jessica Bock bei der @bpb:

https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/542838/der-schwangerschaftsabbruch-in-der-ddr/

Zuerst war es restriktiv und wurde dann sogar noch restriktiver. Die DDR-Staatsführung wollte mehr Kinder, auch weil ihr die Bürger*innen abhanden kamen.

„Der restriktive Paragraf 11 war eingebettet in eine Reihe von frauenpolitischen und geburtenförderlichen Maßnahmen, die die Entscheidung für das Kind erleichtern sollten. Damit Frauen Berufstätigkeit und Mutterschaft vereinbaren konnten, sah das Gesetz die Schaffung von 40.000 Kinderkrippen- und 160.000 Kindergartenplätzen sowie die Verbesserung bei der Versorgung von Schwangeren vor. Ferner strebte die SED mit dem Gesetz zum Mutter- und Kinderschutz und der Rechte der Frau eine Entstigmatisierung von alleinstehenden beziehungsweise alleinerziehenden Frauen und deren rechtliche Gleichstellung mit verheirateten Müttern an.“

Also, so wie es meiner Wahrnehmung entsprach, war es auch gewollt. Entstigmatisierung alleinerziehender Mütter.

„Am 9. März 1972 wurde das neue „Gesetz zur Schwangerschaftsunterbrechung“ mit 487 Stimmen angenommen, 14 Fraktionsmitglieder der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands stimmten dagegen, acht Abgeordnete enthielten sich. Damit wurde in der Geschichte der DDR zum ersten und letzten Mal in der Volkskammer ein Gesetz mit Gegenstimmen verabschiedet.“

Einmal im Leben was anders gemacht: Die #DDR-#CDU. Christliche Werte hochgehalten. Hüstl.

„Der Schwangerschaftsabbruch war dem Erkrankungsfall gleichgestellt (§ 4, 1), das heißt, Vorbereitung, Durchführung und Nachbehandlung des Abbruchs waren für sozialversicherte Frauen kostenlos. Auch Verhütungsmittel waren für sie unentgeltlich. Während ihrer Krankschreibung erhielten sie Krankengeld. Von der neuen Fristenregelung profitierten ausschließlich Frauen mit einer Staatsbürgerschaft der DDR.“

In dem taz-Beitrag stand, dass man das heutzutage immer noch selbst bezahlen muss: „Eine andere Sorge ist die Finanzierung. Die OP kostet 523 Euro, plus 19 Euro für die Nachsorge.“

Weiter bpb:
„Bis 1989 sank die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche auf 73.899. Damit hatte die DDR im Vergleich zu anderen osteuropäischen Staaten die niedrigste Quote an Schwangerschaftsabbrüchen.“

Das heißt, dass da irgendwas richtig gemacht wurde bzw. besser. Kinderversorgung? Behandlung von Müttern? Entstigmatisierung?

Im Fazit des Artikels steht: „Die Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs in der DDR ist ambivalent. Sie ist gekennzeichnet durch Phasen der Restriktion und solche der liberalen Handhabung. Der SED ging es keineswegs um das Selbstbestimmungsrecht der Frau als integralem Bestandteil einer politisch gewollten wie forcierten und gesellschaftlich akzeptierten Emanzipation. Von Beginn an betrieb sie eine Politik der kontrollierten Selbstbestimmung, die unter den Prämissen einer (rassistischen) Bevölkerungs- und Geburtenpolitik stand. Auch nach der Einführung der Fristenregelung blieb der Schwangerschaftsabbruch ein Tabuthema. Frauen, die eine Schwangerschaft abgebrochen hatten, wurden weiterhin stigmatisiert.“

Ich hab mal gelernt, dass im Fazit nur Dinge stehen dürfen, die auch im Text schon besprochen wurden. Ich halte das Fazit für tendenziös und irreführen. Ja, es wurde nach dem Krieg restriktiver, aber ab den 70ern dann eben wesentlich liberaler und zum Schluss sank die Zahl der Abbrüche, aber nicht wegen Gängelung der Frauen sondern wegen Förderung an anderer Stelle. Von Tabu und Stigmatisierung steht nichts im Artikel, wird einfach mal so in der Zusammmenfassung behauptet. Das mit der Stigmatisierung steht sogar im Widerspruch zu den im Artikel beschriebenen Zielen. Dafür hätten wohl noch Belege geliefert werden müssen.

#Abtreibung #Frauenrechte

Der Schwangerschaftsabbruch in der DDR | Deutschland Archiv | bpb.de

Die rechtliche, politische und wirtschaftliche Stellung der Frau war von 1949 bis 1989 ein Hauptschauplatz im Ost-West-Systemwettstreit. Jessica Bock über den Schwangerschaftsabbruch in der DDR.

bpb.de

@stefanmuelller @bpb Es wird im Artikel angedeutet: es gab bis 1989 einen de-facto-Abtreibungszwang für Vertragsarbeiterinnen. Ganz übel. Sie wurden vor die Alternative gestellt: Abtreibung oder Ausweisung plus Geldstrafe plus Rückzahlung der Unterkunftskosten in der DDR.

Mein Vater konnte beim Rat des Kreises aushandeln, daß ein mit uns befreundetes vietnamesisches Paar trotz Schwangerschaft bleiben durfte.

Das war aber selbst im Oktober 1988 noch eine richtig schwierige Sache.

Abtreibung

Projekte an der HU Berlin

@stralau

Danke! Das ist auch mal mit Quellen. Nicht nur ein journalistischer Beitrag.

Mich interessieren da mal die wirklichen Verträge.

Ich glaube, mir ist etwas klar geworden. Etwas zum Unterschied zwischen #Osten und #Westen.

Im Ost-Blog gehörten die Menschen dem Staat. Im Westen irgendwie auch, aber es wurde anders gerechnet.

Im Osten hat der Staat alles bezahlt: Kindergartenplatz, Schule, Studium, Gesundheitsversorgung. Dafür hat er Dankbarkeit und Loyalität erwartet, was zu bestimmten Schwierigkeiten geführt hat.

Die Summen, die in die Ausbildung investiert wurden, konnten berechnet werden. Deshalb hatte ein #DDR-Bürger für den Staat einen zu beziffernden Wert. Nachdem die Mauer zu war konnte man dann Dissidenten gegen Apfelsinen tauschen. Das ist/klingt alles sehr zynisch, aber im Westen geben Ökonom*innen Menschen auch einen Wert. Der Wert entspricht dem, was jemand bezahlen würde, damit die Person weiterlebt. Da ist #Rassismus schon eingebaut, weil dieser Wert für Menschen im globalen Süden wahrscheinlich niedriger ist.

Wenn man so rechnet, dann ergeben sich Verträge wie die mit #Vietnam und #Mosambik. Man macht einen Deal, wonach X Personen für Y Jahre in die DDR kommen. Dort eine Fähigkeit Z erwerben und dann wieder zurück gehen. Die Menschen haben dann für ihre Heimatländer an Wert gewonnen, weil sie mehr können und sie haben für die DDR gewisse Werte geschaffen.

So, wie die DDR ihre Bürger*innen nicht in den Westen verlieren wollte, wollte Vietnam nicht ihre Bürger*innen in die DDR verlieren. Die sollten unbedingt zurückkommen. Wenn nun der Vertrag eine Aufenthaltszeit von fünf Jahren vorsah und in Jahr zwei wurde die Arbeiterin schwanger, dann bedeutete das, dass sie ja ein Jahr mit Mutterschutz und Mutterschaftsurlaub ausfallen würde. Und das brachte alles durcheinander. Dafür gab es Regelungen, die uns nicht gefallen, die aber aus dieser Das-Volk-gehört-mir-Sicht der sozialistischen Staaten in sich schlüssig sind. Aus Sicht Vietnams wäre es ok gewesen, wenn die Vietnames*innen hier geblieben wären, sie hätten dann „nur“ die Ablöse zahlen müssen. Für die Ossis hatte das der Westen übernommen. Für die Vietnames*innen niemand. Das hätten die selbst abarbeiten müssen.

Ergibt das Sinn?

#DDR #Vertragsarbeiter #vertragsarbeiter_innen

@stefanmuelller Die DDR-Regelung war einfach nur menschenfeindliche Kacke, die auch nicht besser wird, wenn man sie mit anderen Orten der Welt vergleicht, wo schlimmeres Unrecht geschieht. (1/x)
@stefanmuelller Daß Ökonomen Menschenleben einen (theoretischen!) Wert geben, kenne ich heutzutage nur aus zwei Zusammenhängen: bei Schadenersatzzahlungen nach Unfalltod. Und bei Berechnungen von Krankenkassenleistungen, wo ggfs. „gesunde Jahre“ berechnet werden. Beides überhaupt nicht mit der Geschichte der Vertragsarbeiterinnen vergleichbar. (2/x)

@stralau Ja. Ich kenne das von hier:

Parncutt, Richard. 2019. The human cost of anthropogenic global warming: Semi-quantitative prediction and the 1,000-Tonne Rule. frontiers in Psychology 10(2323). 1–17. (doi:10.3389/fpsyg.2019.02323)

Das ist ein Aufsatz, in dem Parncutt versucht, die Folgen des Klimawandels in Toten auszurechnen und eben nicht in irgendwelchen Milliarden, die den Menschen letztendlich egal sind.

Und wie Du sagst: Das sind die Schadensberechnungen der Ökonom*innen.