#wildeThese

Viele sehen die Digitalisierung nur als Werkzeug, aber es ist viel mehr.

Die Digitalisierung ist eine Kulturtechnik. So wie Lesen eine Kulturtechnik ist, und Schreiben ebenfalls.

Wenn Digitalisierung als Werkzeug gesehen wird, dann vielfach mit der Meinung, dass es ja nur technische Fragen sind, die unpolitisch zu betrachten sind. "Das Werkzeug alleine ist nicht Schuld, es kommt auf die Benutzer*innen an".

1/x

Das ist genau der Unterschied zwischen dem Verständnis als Werkzeug und dem Verständnis als Kulturtechnik.

2/x

Die Digitalisierung ist eine Kulturtechnik. Sie ist politisch, sie nimmt sozial und kulturell (starken) Einfluss. Sie ist bereits in ihrer Anlage, in der Art und Weise, wie sie geschaffen wird, vorbelastet mit unseren unfairen, teilweise unmenschlichen sozialen Strukturen. Die erste Aufgabe für alle Stakeholder der Digitalisierung ist diese Erkenntnis, die nächste Aufgabe ist es, diese Erkenntnis entsprechend zu nutzen.

3/x

Ein immenses Problem ist, dass wir einen Großteil der Menschen nicht mitgenommen haben. Wir haben, um im Vergleich mit Lesen und Schreiben zu bleiben, quasi sehr viele Analphabet*innen. "Digitale Analphabet*innen" (Digital Iliteracy) [über die Begrifflichkeit kann gestritten werden].

4/x

@johnnythan Oh Gott ja! Und zwar nicht etwa in bildungsfernen Milieus, sondern zu aller erst in den Reihen der Führungskräfte, Funktionseliten und Verwaltungsstellen aller Art, dicht gefolgt von Lehrern, Ausbildern usw. usf. Ich weiß das als Dienstleister und Schulender von eben jenen Gruppen. Daher übrigens unsere krasse Abhängigkeit von US-Softwareunternehmen und auch bestimmten europäischen IT- und Telekommunikationsunternehmen. Es sieht nicht nur nach Dummheit aus, es ist Dummheit.
@plinubius
Bildungsnah schließt träge nicht aus. Wir haben uns digital vom Handgeschriebenen Folianten zur Schreibmaschine für einen Monatslohn bewegt. nur eben nicht binnen Jahrhunderten, sondern ein paar Dekaden.
Das viele immer noch unterrichtende Lehrkräfte gefühlt seit dem Erscheinen von Windows XP und dem Dogma 'Wikipedia ist nicht zitierfahig' nicht wirklich strukturelles dazu gelernt haben, ist ein Symptom davon.
@johnnythan
@plinubius @johnnythan
Das #Wikipedia -Beispiel möchte ich gern noch kurz weiter verfolgen:
Mir ist das noch mehr aufgefallen, als ich kürzlich den Podcast "Sockenpuppenzoo" gehört habe:
Wir haben in den 2010er Jahren in der Schule gelernt "wikipedia ist nicht zitierfähig". M.E. eine Abwehrhaltung von Lehrkräften, die selber nicht sattelfest waren bei der Struktur digitaler Medien.
Was wir nicht gelernt haben: "Hinter" Wikipedia zu schauen. Quellen, Changelog, Diskussionsseite (1/2)
@plinubius [email protected]
Uns wurde nur beigebracht, dass klassische "analoge" Quellen das einzig wahre seien. Oder halt analoge Quellen-Strukturen im Digitalen übertragen, wie die Webseiten von Zeitungen, Fachwebseiten (analog bekannter und anerkannter Verlage oder Institutionen).
Der Versuch, digitale Formen von Wissen kennen zu lernen, fand nicht statt.
Statt zu lernen, wie wir mit Wikipedia, aber auch mit wissenschaftlichen Preprints / peer reviews umgehen, (2/3)
@plinubius
[email protected]
haben wir noch beigebracht bekommen, uns auf klassische Papier-Lektüre zu verlassen.