1/ Das hier ist sehr lang, aber sehr gut:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/lange-nacht-ueber-cato-bontjes-van-beek-widerstandskaempferin-dlf-kultur-5c855e6b-100.html

Es handelt von Cato Bontjes van Beek, einer besonderen Frau, die nicht sehr alt geworden ist, denn ihr Leben wurde von einem Scharfrichter der Nazis beendet.

Sie war sehr eigenständig, ist in einer Künstlerfamilie nahe Bremen aufgewachsen, war in verschiedenen anderen Ländern, ist Flugzeug geflogen.

Sie war dann in der Roten Kapelle.

Die #RoteKapelle kannte ich natürlich, aber ich wusste nicht, warum sie so hieß. Kommunist*innen halt und irgendwas mit Musik. Ein Tarnname.

Es war aber eine Bezeichnung, die von den Nazis kam und die darunter versammelten Widerstandsgruppen waren nur lose assoziiert. Ganz verschiedene Menschen. Kommunist*innen, Jüd*innen, Bürger*innen. 400!

Rot entsprach der Fantasie der Nazis und Kapelle hieß das, weil Funker*innen im Geheimdienst-Jargon als Musiker bezeichnet wurden und mehrere davon waren eine Kapelle.

Die Rote Kapelle hat übrigens nicht viel gefunkt.

Cato Bontjes van Beek - Leben will ich, leben, leben

Am 5. August 1943 wurde Cato Bontjes van Beek wegen der Verteilung von Flugblättern hingerichtet. Ihre Briefe sind eindrucksvolle Zeugnisse einer NS-Gefangenen.

Deutschlandfunk Kultur

2/ Ich kann es immer nur beim Abwaschen hören. Bin noch nicht durch, aber schon im dritten Teil.

Es gibt Gespräche mit den letzten Zeitzeug*innen, aber auch viele Briefe von Cato. Wirklich sehr berührend. Man braucht die Musik zwischen den Textbeiträgen.

Cato Bontjes van Beek war mit einem Engländer verlobt. Sie hatte ihn 10 Monate nicht mehr gesehen, weil die beiden Länder im Krieg waren. Cato war irgendwo in Polen beim Reichsarbeitsdienst. Eine Freundin erzählte davon, wie sie Cato Nachts immer zum Himmel hat aufblicken sehen. Irgendwann erfuhr sie, dass Cato zu einem bestimmten Stern sah. In England gab es jemand anderen, der zum selben Stern blickte.

Es wurde so viel zerstört.

3/ Cato Bontjes van Beek in einem der Briefe, die sie im Gefängnis schrieb: „Ich will kein politischer Mensch sein nur Mensch.“

Das sind so schöne Briefe. Ich frag mich immer wieder, was von uns so übrig bleiben wird. Eine Festplatte, die nach einen Jahr weggeworfen wird. Oder früher? Disketten, die niemand mehr lesen kann? Gigabytes von Emails, die niemand nach Goldstücken durchforsten will?

Die „#RoteKapelle“ ist übrigens aufgeflogen, weil die Russen Namen durch die Gegend gefunkt haben und die Gestapo den Schlüssel von einem Funker erfoltert haben.

4/ Cato Bontjes van Beek hatte ein Bild von #VanGogh beim Arbeiten beim Reichsarbeitsdienst. Die Vorarbeiterin frage sie, was das denn sei und sie antwortete, dass das Bild sogar schon der Führer gesehen habe.

Das war die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Hitler hatte das Bild allerdings in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gesehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Entartete_Kunst

Hört Euch mal die lange, lange Sendung über Cato Bontjes vna Beek an.

Entartete Kunst – Wikipedia

5/ Die Mutter von Cato Bonjes van Beek musste über 10 Jahre lang klagen, bevor sie als Hinterbliebene einer Widerstandskämpferin entschädigt wurde. Erst 1998 (!!) wurde das Todesurteil wegen Hochverrat aufgehoben:

„Ihre Mutter beantragte am 23. Oktober 1948 Haftentschädigung und eine Rentennachzahlung als Hinterbliebene eines Opfers des NS-Unrechtregimes. Etwa ein halbes Jahr später wurde ihr eine Hinterbliebenenrente von 60 DM monatlich gewährt. In einem weiteren Antrag forderte sie die juristische Rehabilitierung und eine Kapitalentschädigung für Haft und Hinrichtung ihrer Tochter. Dieses Vorhaben wurde dadurch erschwert, dass der ehemalige Chefankläger Manfred Roeder die „Rote Kapelle“ und ihre überlebenden Mitglieder als sowjetische Spionageorganisation darstellte, die nichts mit dem deutschen Widerstand zu tun hätte. Cato Bontjes van Beeks Mutter musste jahrelang prozessieren, bis sie Anfang 1959 einen Betrag von 11.154 DM zugesprochen bekam.

Mit dem Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege hob der Deutsche Bundestag 1998 pauschal alle Verurteilungen der NS-Unrechtsjustiz wegen Hochverrats auf.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Cato_Bontjes_van_Beek

#Faschismus #Aufarbeitung

Cato Bontjes van Beek – Wikipedia

6/ Die #RoteKapelle bestand aus mehreren Gruppen von Widerstandskämpfern in verschiedenen Regionen, auch im Raum Berlin. Es waren 400! Im Westen wurden die einfach als kommunistische Spione abgetan, weil das auch die Einordnung der Gestapo war. Nicht zutreffend, wie man in dem Radio-Beitrag hören kann. Weder kommunistisch noch einheitlich gelenkt.

„Sie druckten Flugblätter, halfen Juden und Oppositionellen und dokumentierten die Verbrechen des NS-Regimes.“

„Tatsächlich zeigen die Ermittlungsakten, wie irritiert die Gestapo selbst über ihre unter dem Namen „Rote Kapelle“ geführten Ermittlungsergebnisse war, die eine vielfältige Zusammensetzung dieser Widerstandsgruppen zeigten. Bei den Frauen und Männern um Harnack und Schulze-Boysen handelte es sich oftmals um Vertreter aus gesellschaftlichen Kreisen, von deren Loyalität gegenüber dem NS-Regime sie ausgegangen waren. Sie hatten es hier mit Ministerialbeamten, Wehrmachtsbediensteten und weiteren Funktionsträgern des NS-Staates zu tun, weiterhin vielen Künstlern und deutlich über 40 Frauen. Das entsprach so gar nicht dem gängigen Feindbild, von dem sie ausgingen und das sie statt einer informell zusammengeschlossenen heterogenen Gruppe eine straff organisierte und hierarchisch gegliederte kommunistische Gruppe erwarten ließ.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Kapelle

Schulze-Boysen war Oberleutnant der Luftwaffe.

Ich habe als Kind in der Schulze-Boysen-Straße gewohnt. Es gab die Briefmarke 1964. Das war eine Zuschlagsmarke. Die Zuschläge waren Spenden. Die KZ-Gedenkstätten wurden aus solchen Spenden aufgebaut (ob aus diesen von dieser Marke, weiß ich nicht).

https://de.wikipedia.org/wiki/Harro_Schulze-Boysen

„Auf Antrag seines jüngeren Bruders Hartmut Schulze-Boysen bestätigte die Staatsanwaltschaft Berlin die Aufhebung des Urteils des Reichskriegsgerichts gegen Schulze-Boysen am 24. Februar 2006, 63 Jahre nach der Hinrichtung.[21] Dem vorausgegangen war ein jahrzehntelanges Bemühen, sich gegen die vor allem in den 1950er und 1960er Jahren nicht nachlassenden Angriffe auf das Ansehen von Harro Schulze-Boysen in seiner Rolle als überzeugter Kriegs- und NS-Gegner zur Wehr zu setzen. Dem NS-Duktus folgend, ließen sogar einzelne Historiker sowie juristische und politische Institutionen den vom sogenannten „Volksgerichtshof“ verkündeten Landesverrat in ihrer Argumentation wieder aufleben.“

Deutsch - IMDb

Das deutsche Kino ist bekannt für seine historische Tiefe, expressionistische Ästhetik und gesellschaftspolitisches Engagement. Es hat sich vom Expressionismus zur politischen Aufarbeitung, vom rohen Realismus des Neuen Deutschen Films bis hin zu zeitgenössischen Genre-Experimenten entwickelt. Sein Vermächtnis liegt sowohl in technischer Innovation als auch in tiefgründiger Auseinandersetzung mit Geschichte, Moral und Philosophie.

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Die rote Kapelle (Miniserie 1972– ) - Liste der Folgen - IMDb

Die rote Kapelle (Miniserie 1972– ) - Filme, TV, Promis und mehr ...

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@stefanmuelller @OhWeh Ja. Die steht bei mir jetzt auf der Watch-List.