Das schlafende Gleis von Budyšin nach Wilthen/Wjelećin. Erinnerungen an Fahrten nach Prag, tief in der #Bahnzeit, mit Umstieg in Bad Schandau. Der Blick auf Bautzen, wenn man sich aus den Bergen von Süden her in einer sanften Kurve näherte! Aber ach, seit 2007 schon nicht mehr.
Die Nächte sind kalt noch über der regenlosen, grün angemalten April-Steppe unter dem stumpfen, immerblauen Himmel. In den Gärten des Stadtrandes Qualm der Beistellöfen.
Zwischen Mülldeponie und Kleingartenhecke geht der alte Pfad hinaus in die Landschaft. Božemje, Budyšin. Ich gehe jetzt nach #Böhmen.
- "So blühst du also, Apfelbaum. Ich bin vor 20 Jahren aus der Erde eines Sacks Baumarkthumus ausgebrochen. Und mir gefällt es ganz gut auf euren Brachen und in euren Flußauen."
- "Das hört man vielfach, ja. Witajće k nam, Herr Staudenknöterich aus Japan!"
Abwegiges. #Draußen
Gleich südlich von Budyšin, ein #Sudetenweg wie gemalt.
April gibt es nicht mehr. Witaj Lubin!
Pfeifen im Walde. #Dynamoland #Serbja #AfD
Unter den Dächern von Bělšecy/Ebendörfel herrscht bereits Aufregung. Morgen zünden wir den Haufen an!
Nicht anders verhält es sich in Bónjecy/Binnewitz!
Wo mich der Wald umfängt, beginnt auch der Berg. Hier am Lubin hat sich die sorbische National-Romantik eine eigene Version der Kyffhäuser-Sage zusammen fabuliert. Sieben sorbische Könige sind es bei uns, drunter machen wir es nicht. Unlängst hat ein lokaler Steinmetz sie rund um den Berg verteilt. Sorbische Geschichtspolitik in der Verflechtungslandschaft #Oberlausitz.
Die Könige kommen, die Fichte geht. Božemje, Klima meiner ersten vier Jahrzehnte! #Warmzeit #Borkenkäfer
Eben noch Bahnhof von Budyšin, jetzt schon Kamm der nördlichsten Bergkette des Berglands. #Sudeten
Wie schon mehrfach festgestellt: Hinterm Berg ist vor dem Berg! Granitwelle um Granitwelle und dazwischen die malerischen Bachtäler des Berglands. #Oberlausitz
Dieses hier ist gleich ein ganz besonders hübsches. Unten liegt Chójnička/Kleinkunitz.
Im ganz besonders hübschen Tal von Chójnička/Kleinkunitz liegt ein ganz besonders hübscher statok. Oft abgebildeter Klassiker sorbischer Wandkalender. Mehr Postkarte geht in den sorbischen #Westsudeten kaum.
Gleich den Hügel hoch liegt Kóźły/Cosul im Böhmischen Wind.
Auch der Gasthof von Kózły schenkt schon seit über zwanzig Jahren kein Bier mehr aus. Die Eisenbahn hat die Berge verlassen. Die Webstühle haben die Berge verlassen. Viele Menschen haben die Berge verlassen. Und die Bierhähne haben die Berge verlassen. Still geht der Wanderer vorbei. #Westsudeten
Aber bissel Aufregung ist doch noch!
Erst haben wir den Wald gerodet und verbissen oben im Wind Heu für die Tiere gemacht, für die langen Winter. Dann haben wir die Berge nach Granit durchlöchert und in die Stube einen Webstuhl gestellt. Und jetzt wissen wir noch nicht so richtig, was wir in Kózły mal machen möchten.
Ein kleines Bachtal weiter liegt auf dem nächsten Wiesenhügel unterm Himmel Hornje Jiłojcy/Ober-Eulowitz, wo alles genauso ist. Und wo in den Wänden nach Westen zu Wind und Wetter hin die Fenster nur ganz klein sind. #Westsudeten
Wo die Sprjewja sich durch den letzten Bergkamm des Gebirges gedrängelt hat, liegt am Fuß des Wiesenhügels Budestecy/Großpostwitz.
Aber ich will weiter nach Süden, wo die zweite von drei Bergketten auf mich wartet. Der völlig vom Borkenkäfer verheerte Kälberstein/Chołmy, bis an dessen Nordfuß es die sorbischen Siedler entlang der Sprjewja geschafft hatten. Dahinter - die Fremde!
Unten fließt das Cunewalder Wasser zur Sprjewja hin, und die alte Straße geht nach Süden und da liegt Supow/Suppo und gleich daneben hielt in der #Bahnzeit der Zug, der hier zwischen Czorneboh und Bieleboh von Budyšin nach Lubij an den Textilbuden vorbei schnaufte. Alles vorbei. Kein Textil mehr. Und kein Zug. Und Supow sagt hier auch niemand mehr. Aber ein Radweg auf dem Schienenstrang.
Paar Meter weiter in Wbohow/Halbendorf ein erster Schiefergiebel des Berglands.
Wunderschöne #Sudetenwege führen hinauf zur Kleinen und zur Großen Horke und das versunkene Sorbisch des Berglandes ist durch den Schleier kurz noch einmal greifbar. #linguisticlandscapes #Serbja
Oben dann der Blick zur Bergwelle des #Czorneboh, hinter der sich Kindheitsdorf und -tal verštecken. #Westsudeten
Kurz noch Crostau/Chróstawa. Dahinter wartet neuerlich Wald und Berg. Und dann die nahe Fremde.
Bergkamm No. 2. Die #Borkenkäfer verdauen noch.
Hinterm Berg ist vor dem Berg. Unten Oppach (Wopaka). Drüben die nächste Bergkette ist dann schon in #Böhmen.

Deutšland einig Šunkelland. Der Geist von Achim Menzel und Andy Borg materialisiert sich im wolkenlosen MDR-Himmel über #Oppach.

Es hilft, als Sorbe so zu tun, als sei man hier im Ausland. (Andererseits: Uta Bresan ...)

Ach, die Häuser der Kleinen Leute in Lindenberg! #Westsudeten
Ach, der alte Bahndamm der Kleinbahn, die hier in der #Bahnzeit die Textilbuden von Oppach, Beiersdorf und Schönbach anfuhr (nach 1945 mit in die Sowjetunion genommen).
Der Alte Graben führt mich nach Süden zum Ende hin. Zur Sprjewja.
Ganz knapp streife ich Taubenheim und mit ihm dieses schöne Beispiel für nicht-staatlich organisierte baugebundene Kunst der DDR.
Witaj Sprjewja! Hier oben, wo Du von West auf Nord umzubiegen beginnst. Und für vielleicht einen Kilometer ein Grenzflüsschen bist. Nach #Böhmen hin.
Der Zipfel von Fukov/Fugau. 15km Luftlinie von meinem Kindheitsdorf immer südwärts beginnt #Böhmen. Begann Österreich-Ungarn. Im Norden die Spree. Und untern im Süden die Adria. Ich bin ganz erfürchtig. #Europa #Winterberg
Nach 1945 passte Fugau in seinem Zipfel mit seinen Bewohner:innen nicht mehr in die politische Landschaft Europas. Also mussten sie alle gehen. Und das Dorf mit allen Häusern, der Kirche, dem Friedhof verschwand. Was blieb waren die Hügel. Die Wiesen. Und die Spree.
Und natürlich die Erinnerungen. Um die man sich heute gemeinsam kümmert. Ich setze mich an die Mauer des ehemaligen Friedhofs, mache Mittag. Und denke an die Menschen von Fugau.
Oben schneidet die Eisenbahn nach Zittau durch Wald und Hügel (an der die Fugauer nie einen Haltepunkt bekamen, trotz langen Bittens). Und da steht ein Nepomuk! Der böhmische Brückenheilige - an einer Eisenbahnbrücke! Und die Geschichte dazu!! Weiß nicht, ob es das nochmal gibt. Könnte man jetzt Jaroslav Rudiš fragen, aber der ist ja hier leider nicht. #Bahnzeit
Ein Gebäude hat überlebt - das Wasserwerk von Fugau. Natürlich Jugendstil.
Der dritte Bergkamm. Die stillen Wälder hinter Šluknov.
Hoher Nachmittag nun. Unten liegt Jiřikov und gleich dahinter Ebersbach, wo ich wieder in den Zug steigen werde.
Gott sagt auf den #Sudetenwegen zum Ende hin auch noch einmal "Dobry den!"
Beim Vietnam-Imbiss an der Grenze gibt es dann ein frisch gezapftes Kozel für 1,33€. Die einzige, sehr gern getätigte Ausgabe dieses langen Tages, #draußen unterm blauen Himmel der #Oberlausitz.
So kann das alles touristisch hier nichts werden, ich sehe das total ein und bekenne mich im Angesicht des Leerstandes in Ebersbach schuldig.
@boblinger77 Danke fürs Mitnehmen, kenne die Ecke ja auch gut, schön die alte Heimat durch deine Brille zu sehen.
@boblinger77 Toll, wie immer! Danke!

@boblinger77

Trotz der römischen Geschichte?
(oder sind das griechische Säulen?)