Der Sommer kann seinen Zenit schon sehen, das Gras ist in den Himmel gewachsen, die Kirschen fallen von den Bäumen, die Bächlein sind versiegt, in den Teichen bekommen die Karpfen allmählich keine Luft mehr und morgen stellt Polen Grenzwächter an den Fluss. Und ich habe eine Wanderung nachzutragen, aus den letzten Apriltagen noch, als wir auch schon wochenlang auf Regen gewartet hatten.
Von Budyšin/Bautzen nach Süden über drei von vier Bergketten der #Oberlausitz zum Oberlauf der Sprjewja/Spree. Und am Weg durch einen besonderen, von mir bisher nie besuchten böhmischen Zipfel. Das war der langgehegte Plan. Und kurz bevor die #Oberlausitz in der Walpurgisnacht ihre Hexenhaufen anzündet, machte ich mich mit dem Frühzug auf den Weg.
Budyšin/Bautzen wartet unter anderem mit dem modernistišsten Bahnhofsšriftzug der #Oberlausitz auf. Denkmalšutz. Beim Umbau unlängst hatten sie beim sorbišen Šriftzug einen der Štriche vergessen und mussten den dann auf Hinweis nachrüsten.
Vollkommen baumloser Behördenparkplatz gleich daneben. Weil Hitze ja bekanntlich überhaupt kein Problem darstellt in den kommenden Jahrzehnten. Dahinter die nördlichste Welle des Oberlausitzer Berglands (konkret der Lubin), wo noch Bäume sind (minus der Fichten). Der erste Wegpunkt.
Ein paar Meter stadtauswärts der ehemalige Milchhof. Im ersten Stock war in den 1990er eine Videothek. Einer der wichtigsten Schulungsorte meiner Bildung. Ich vermisse Videotheken. Sehr.
Weiter unten liegt Třělany/Strehla, das Anfang des 20. Jh. von Bautzen geschluckt wurde. Die Albrechtowka fließt hier, und ich folge ihr nach Süden zu Bahnschienen und Stadtrand.
Zwischen Viadukt und Japanischem Staudenknöterich in den Restspuren einer Bachaue.
Politische Bildung. So wichtig. #Dynamoland #AfD
Als sie in der #Bahnzeit die Schiene rüber nach #Görlitz durchs Gefilde gelegt haben, galt es alle paar hundert Meter ein Bächlein oder einen kleinen Fluss zu überbrücken. Die Albrechtowka hat meiner Meinung nach eine der eindrucksvollsten Lösungen erhalten. Sehr stimmungsvoll!
Grundregel: #Draußen immer den noch kleineren Weg nehmen! Immer.
Das schlafende Gleis von Budyšin nach Wilthen/Wjelećin. Erinnerungen an Fahrten nach Prag, tief in der #Bahnzeit, mit Umstieg in Bad Schandau. Der Blick auf Bautzen, wenn man sich aus den Bergen von Süden her in einer sanften Kurve näherte! Aber ach, seit 2007 schon nicht mehr.
Die Nächte sind kalt noch über der regenlosen, grün angemalten April-Steppe unter dem stumpfen, immerblauen Himmel. In den Gärten des Stadtrandes Qualm der Beistellöfen.
Zwischen Mülldeponie und Kleingartenhecke geht der alte Pfad hinaus in die Landschaft. Božemje, Budyšin. Ich gehe jetzt nach #Böhmen.
- "So blühst du also, Apfelbaum. Ich bin vor 20 Jahren aus der Erde eines Sacks Baumarkthumus ausgebrochen. Und mir gefällt es ganz gut auf euren Brachen und in euren Flußauen."
- "Das hört man vielfach, ja. Witajće k nam, Herr Staudenknöterich aus Japan!"
Abwegiges. #Draußen
Gleich südlich von Budyšin, ein #Sudetenweg wie gemalt.
April gibt es nicht mehr. Witaj Lubin!
Pfeifen im Walde. #Dynamoland #Serbja #AfD
Unter den Dächern von Bělšecy/Ebendörfel herrscht bereits Aufregung. Morgen zünden wir den Haufen an!
Nicht anders verhält es sich in Bónjecy/Binnewitz!
Wo mich der Wald umfängt, beginnt auch der Berg. Hier am Lubin hat sich die sorbische National-Romantik eine eigene Version der Kyffhäuser-Sage zusammen fabuliert. Sieben sorbische Könige sind es bei uns, drunter machen wir es nicht. Unlängst hat ein lokaler Steinmetz sie rund um den Berg verteilt. Sorbische Geschichtspolitik in der Verflechtungslandschaft #Oberlausitz.
Die Könige kommen, die Fichte geht. Božemje, Klima meiner ersten vier Jahrzehnte! #Warmzeit #Borkenkäfer
Eben noch Bahnhof von Budyšin, jetzt schon Kamm der nördlichsten Bergkette des Berglands. #Sudeten
Wie schon mehrfach festgestellt: Hinterm Berg ist vor dem Berg! Granitwelle um Granitwelle und dazwischen die malerischen Bachtäler des Berglands. #Oberlausitz
Dieses hier ist gleich ein ganz besonders hübsches. Unten liegt Chójnička/Kleinkunitz.
Im ganz besonders hübschen Tal von Chójnička/Kleinkunitz liegt ein ganz besonders hübscher statok. Oft abgebildeter Klassiker sorbischer Wandkalender. Mehr Postkarte geht in den sorbischen #Westsudeten kaum.
Gleich den Hügel hoch liegt Kóźły/Cosul im Böhmischen Wind.
Auch der Gasthof von Kózły schenkt schon seit über zwanzig Jahren kein Bier mehr aus. Die Eisenbahn hat die Berge verlassen. Die Webstühle haben die Berge verlassen. Viele Menschen haben die Berge verlassen. Und die Bierhähne haben die Berge verlassen. Still geht der Wanderer vorbei. #Westsudeten
Aber bissel Aufregung ist doch noch!
Erst haben wir den Wald gerodet und verbissen oben im Wind Heu für die Tiere gemacht, für die langen Winter. Dann haben wir die Berge nach Granit durchlöchert und in die Stube einen Webstuhl gestellt. Und jetzt wissen wir noch nicht so richtig, was wir in Kózły mal machen möchten.
Ein kleines Bachtal weiter liegt auf dem nächsten Wiesenhügel unterm Himmel Hornje Jiłojcy/Ober-Eulowitz, wo alles genauso ist. Und wo in den Wänden nach Westen zu Wind und Wetter hin die Fenster nur ganz klein sind. #Westsudeten
Wo die Sprjewja sich durch den letzten Bergkamm des Gebirges gedrängelt hat, liegt am Fuß des Wiesenhügels Budestecy/Großpostwitz.
Aber ich will weiter nach Süden, wo die zweite von drei Bergketten auf mich wartet. Der völlig vom Borkenkäfer verheerte Kälberstein/Chołmy, bis an dessen Nordfuß es die sorbischen Siedler entlang der Sprjewja geschafft hatten. Dahinter - die Fremde!
Unten fließt das Cunewalder Wasser zur Sprjewja hin, und die alte Straße geht nach Süden und da liegt Supow/Suppo und gleich daneben hielt in der #Bahnzeit der Zug, der hier zwischen Czorneboh und Bieleboh von Budyšin nach Lubij an den Textilbuden vorbei schnaufte. Alles vorbei. Kein Textil mehr. Und kein Zug. Und Supow sagt hier auch niemand mehr. Aber ein Radweg auf dem Schienenstrang.
Paar Meter weiter in Wbohow/Halbendorf ein erster Schiefergiebel des Berglands.
Wunderschöne #Sudetenwege führen hinauf zur Kleinen und zur Großen Horke und das versunkene Sorbisch des Berglandes ist durch den Schleier kurz noch einmal greifbar. #linguisticlandscapes #Serbja
@boblinger77 das mit dem Hexenbrennen gibt mir ja gleich schlechte Vibes... 🙈🧙
@Knipper1892 Ist aber tatsächlich mehr im Sinne von Walpurgisfeuer zu verstehen. Geisterabwehr in der Mainacht.