Das hat sich seitdem enorm verändert. Zum einen kaufen immer weniger Leute Papiermedien, zum anderen wird auch weniger Werbung so verkauft.
Man sieht immer wieder verzweifelte Aktionen, um die Werbeumsätze zu retten, wie etwa hier einen Titelseite, die nur aus einer Anzeige besteht.
Werbemarkt dank digitaler Erlöse leichtes Plus | 2024: Potenzial für Wachstum, Gefahr durch Überregulierung + weitere Wettbewerbsverzerrungen
Die Idee war: Wenn man weiß, dass die richtige Zielgruppe vor dem Fernseher sitzt, kann man etwa einen Hautcreme-Werbespot per Internet durch einen Werbespot für Rasenmäher ersetzen. Das beste zweier Welten!
Nur: Es klappte auf keiner Ebene. Die Zuschauer wollten es nicht, es gab technische Probleme und die Werbeindustrie wollte es auch nicht. https://www.heise.de/news/Personalisierte-Fernsehwerbung-4696978.html
Damit endlich Schwung in das Geschäft kam, wartete alle Welt auf den ehemaligen DVD-Versender Netflix. Aber erst vergangenes Jahr erhörte der Streaming-Dienst das Flehen - und es war ein gewaltiger Erfolg. Inzwischen gibt es kaum noch Streaming-Services, die nicht ein preisreduziertes, werbefinanziertes Modell haben.
https://www.theverge.com/news/667042/netflix-ad-supported-tier-94-million-users-upfront-2025
Wir haben uns die Werbepausen mal angesehen: Auf den ersten Blick wirkt es relativ attraktiv, insbesondere wenn man nicht das Geld hat, Zugang zu allen Angeboten zum vollen Preis zu kaufen. Die Unterbrechungen sind bedeutend kürzer als beim klassischen Fernsehen. Noch. (Abo-Link)
Streaming wird immer teurer. Doch wer bei Netflix, Disney+, Wow, RTL+ oder Prime Video mit Werbung leben kann, bekommt teils deutlich günstigere Zugänge. Ist das ein guter Deal? Wir haben es ausprobiert.
Das bedeutet, gewaltige Geldströme verlagern derzeit ihre Richtung. Nicht nur Richtung Netflix und Co, auch zu Plattformen wie Amazon, wo Werbetreibende sich direkt in der Shopping-Plattform anpreisen können. Warum noch den Umweg über Medien machen?
(Bildadaption von https://xkcd.com/2347/, CC2.5)
Ein unmittelbares Ergebnis: Das Zeitalter der Paywalls ist da. Zwar gibt es immer noch viele werbefinanzierten Kostenlos-Informationen, aber die Werbepreise sinken und sinken. Tiefgehende Recherchen können aber im Wesentlichen nur mit anderen Geldtöpfen finanziert werden. Daher: Paywalls.
https://www.heise.de/news/Das-Zeitalter-der-Paywalls-4696357.html
Wer denkt, dass auf diese Weise wenigstens das invasive Geschäftsmodell personalisierter Werbung zurückgedrängt wird - ich sehe nur eine Verlagerung, aber kein Ende. Im Gegenteil.
Ihr sehr in letzter Zeit viele Meldungen über juristische Erfolge für Datenschutz. Doch bei den meisten geht es schlicht darum, ob Datenverarbeitung als "berechtigtes Interesse" gelten oder eine andere Einwilligung benötigen. Die Branche hat sich schon drauf eingestellt: Zugang gibt es nur bei Zustimmung oder evtl mit "Pur-Abos".
Utiq mag es übrigens absolut nicht, wenn man ihr Geschäftsmodell "Super-Cookies" nennt. Aber das ist es nun mal: Apple hat vor Jahren angefangen, Cookies auf iPhones zu löschen und anders einzuschränken. Und die Mobilfunkprovider bieten sich an, diese verlorenen ID-Informationen über ihren Datenstrom wiederherzustellen.
(Abolink)
Danke für Eure Aufmerksamkeit.
Und nun dürft Ihr "Bohemian Rhapsody" singen. #rp25
@publictorsten
Auch pseudonymierte sind persönliche Daten, da diese Daten einer Person zugeordnet werden können (aka IP-Adressen, Autonummerschilder, etc). Und wenn diese Daten an Dritte weitergeleitet werden, bedarf dies mMn einer bewußten Zustimmung. Zudem sind weitergeleitete persönliche Daten an Dritte auch nach DSGVO auskunftpflichtig.
Ich bin auf die Argumentation der Mobilfunkprovider gespannt, wenn die diese mit einem Auskunftbegehren gemäß DSGVO konfrontiert werden und wie die LfDIs mit entsprechenden Beschwerden umgehen werden.
Ich bin selber kein Jurist, so dass ich für eine Einschätzung aus der Datenschutz- oder Juristenecke dankbar wäre.
@publictorsten Die Zahlen der Taz kenne ich halbwegs. Was ich nicht kenne ist der Kontext: was bedeutet das eigentlich für Journalistische Möglichkeiten?
https://taz.de/taz-zahl-ich-im-April-2025/!vn6089302/
(ich bin seit etwa 15 Jahren dabei)
Interessant: Nun hat die Deutsche Telekom auch ihre Breitbandverbindungen an Utiq geknüpft. Wenn ihr Cookies löscht, können sie so wieder aufgespielt werden.
@publictorsten Eine Statistik, die mitschreibt, wieviele Nutzer:innen danach die Zeit Online GmbH verklagt haben, wäre praktisch...
(SCNR)
@taketwo @publictorsten Und genau deswegen suche ich verzweifelt einen „DumbTV“, finde aber nix gescheites…
Vielleicht hat ja hier jemand einen Tipp?