1/10 Ich habe in der Grundschulezeit keine Freundschaften schließen können. Nicht weil ich nicht wollte. Sondern weil ich jeden Tag sechs Stunden im Taxi oder Bus saß. Drei Stunden hin zur #Blindenschule. Drei Stunden zurück. Kein #Kind bleibt da noch zum Spielen.
2/10 Ich war nicht Teil der #Nachbarschaft. Ich war nie auf #Kindergeburtstagen. Nie auf dem #Spielplatz. Nie bei #Freunden zu Hause. Ich war der Junge, der morgens ins Taxi stieg. Und abends lesen musste, dem danach draußen angeblich zu dunkel war.
3/10 Natürlich war ich nicht „#integriert“. Wie denn auch? Für die anderen #Kinder war ich der #Sonderling. Der, der „blind“ war – aber irgendwie doch sehen konnte. Einer, der sich wohl für was Besseres hielt, weil er in ein Taxi stieg, während sie zu Fuß gingen.
4/10 Kinder können grausam sein. Ich war angeblich ein #Hochstapler. Einer, der nur so tut, als wäre er #behindert. Einer, der sich morgens mit dem Taxi chauffieren ließ, während sie durch den Regen liefen. Und keines der Kinder wusste das ich alles gegeben hätte, um zu tauschen.
5/10 Am Wochenende wollte ich nichts mit diesen Kindern zu tun haben. Warum auch? Ich war fertig. Ausgelaugt. Und ehrlich gesagt: Ich wollte nicht wieder verletzt werden. Nicht wieder hören, dass ich „nicht wirklich behindert“ bin. Nicht dazugehören.
6/10 Der Wechsel auf eine Gesamtschule war ein Befreiungsschlag. Wir sind umgezogen. Eine neue Wohnung, eine neue Schule. Keine sechs Stunden Fahrt mehr. Keine Ausgrenzung mehr, weil ich „anders“ zur Schule komme.
7/10 Von über sechs Stunden Fahrt pro Tag runter auf fünf Minuten zu Fuß. Ein Segen. Ein neues Leben.
Ich muss aber gestehen: Diese fünf Minuten habe ich nicht immer geschafft. Manchmal war „abgelenkt“ von Freunden.
8/10 Ich lernte langsam, was es heißt, wirklich Teil von etwas zu sein. Ich hatte plötzlich Nachbarn, die ich in der Schule wiedertraf. Kinder, die mich kannten. Die wussten, dass ich nicht komisch bin. Sondern einfach nur bescheiden sehen kann.
9/10 Es war nicht meine Schuld, dass ich mich fremd fühlte. Es war das System. Es war diese Entscheidung, mich mit Gewalt in eine „Sonderschule“ zu stecken. Mit einem angeblichen „Förderbedarf“, den niemand wirklich verstand.
10/10 Heute weiß ich: #Inklusion heißt nicht nur, dass man lernen darf. Sondern auch, dass man #leben darf. In der Nachbarschaft. Im #Freundeskreis. Mit Menschen, die einen nicht komisch finden, weil man morgens ins Taxi steigt.
#Kindheit #EinfacheSprache