Super Bericht zum Thema #Framing bei der #Unfallberichterstattung durch die #Polizei, auf basis einer Masterarbeit eines Polizisten.

Den Bericht sollte jeder an seine örtlichen Polizei schicken, sobald es entsprechend unpassende #Pressemitteilungen von diesen gibt. Ich werde mir den Link gut abspeichern. https://www.velobiz.de/news/verzerrte-wahrnehmung-veloQXJ0aWNsZS8zMjYxNQbiz

#Verantwortungsdiffusion #Polizeisprech #übersehen #verkehrswende #ÜbersehenNarrativ #fahrradalltag #Polizeisprache #Unfallbericht #TäterOpferUmkehr #victimblaming

Verzerrte Wahrnehmung

Ist es angemessen, Verkehrskollisionen als »Unfälle« zu bezeichnen? Warum sind Berichte über Verkehrsunfälle oft verharmlosend? Welche Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit hat die Berichterstattung in ihrer heutigen Form?

velobiz.de
Framing in der Verkehrsunfallberichterstattung: Eine empirische Bestandsaufnahme zum „Übersehen von Verkehrsteilnehmenden“ bis hin zu „konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen“

WISOM - Die digitale Bibliothek für verkehrsbezogenes Wissen für Arbeitssicherheit & Prävention. Deutsche Hochschule der Polizei; Nordhoff, Jan: Framing in der Verkehrsunfallberichterstattung: Eine empirische Bestandsaufnahme zum „Übersehen von Verkehrsteilnehmenden“ bis hin zu „konnte nicht mehr [...]. 2023

@JensDai

Stellenweise finde ich den Bericht aber auch zu kurz gedacht.
Zum einen ist die konkrete Ursache zum Zeitpunkt des Polizeiberichts noch Gegenstand von Ermittlungen. Also ist da eine zurückhaltende Sprache noch angebracht, da die Schuldfragen häufig erst durch aufwendige Gutachten, Zeugenbefragung, etc. abschließend feststehen.

Und zum Thema Verletzungen: Die genauen Verletzungen erfährt die Polizei gar nicht. Das einzige, was die vom Rettungsdienst bekommen (sollten), ist ein ungefährer Schweregrad und die Information, ob mit Ableben des Patienten zu rechnen ist (Schweigepflicht und so). Also kann die Art der Verletzungen auch nicht in einem öffentlichen Bericht erscheinen.

@SnejPro @JensDai

"Bei 16,5 Prozent aller Unfälle war die Ursache noch unbekannt. Doch nur bei 23,2 Prozent der untersuchten Berichte wurden Unfallursachen klar benannt."

@skyglowberlin @JensDai

Aber nur weil scheinbar aus dem Polizeibericht eine Ursache erkennbar ist, muss diese noch lange nicht stimmen.

@SnejPro @JensDai

Ich habe das Gefühl, dass Sie den Artikel nicht oder zumindest nicht vollständig gelesen haben. Er ist wirklich interessant, und es lohnt sich, ihn zu lesen.

Für den Fall, dass Sie den Artikel doch gelesen haben, bin ich über Ihre Antwort verwirrt, denn es geht ausschließlich darum, was in dem Polizeibericht selbst steht.

@skyglowberlin @SnejPro Die Polizei ist häufig aber auch nicht sauber bei der "Schuld"zuweisung in ihren PMs.
Z.B. wenn eine Person über die Straße läuft und dann von einem Autofahrer mit seinem Fahrzeug erfast wird, steht da schnell: "Der Fußgänger trat unvermitelt auf die Straße und wurde vom Auto schwer verletzt" (1/2)
@skyglowberlin @SnejPro
(2/2) Das der Autofahrer trotz schlechten Sichtbeziehungen, z.B. wegen parkenden Fahrzeugen am Fahrbahnrand mit 49 kmh und nicht mit einer der Situation vorgeschriebenen Angepasstengeschwindigkeit fuhr und der ältere Fußgänger garkeine Chance hatte das heranbrausende Auto rechtzeitig zu sehen, wird dann nicht kommuniziert.

@JensDai @skyglowberlin

Mir wäre neu, dass man auf einer normalen Straße jederzeit damit rechnen muss, dass zwischen den Autos jemand auf die Straße tritt und entsprechend langsamer fahren muss.
Vielmehr darf der Fußgänger nicht die Straße queren, wenn es unübersichtlich ist (§ 25 Abs. 3 S. 2 StVO).

Genauso wie ein Autofahrer nicht einen Radweg kreuzen darf, wenn es unübersichtlich ist.

@JensDai @skyglowberlin

Zumal man als Fußgänger deutlich besser, z.B. nur mal kurz aus der Lücke rausschauen kann, um zu prüfen, ob ein Auto kommt. Da streckt man den Kopf weniger weit raus, als die Spiegel von den geparkten Autos in die Straße ragen.
Wenn dann der Autofahrer mit zu wenig Abstand zu den geparkten Autos fährt, macht er was falsch, aber nicht alleine durch das Fahren mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit.

@JensDai @skyglowberlin

Aber grundsätzlich stimme ich dir zu und gehe sogar weiter: Die Polizei sollte möglichst gar keine Aussagen zur Schuld treffen (sofern nicht offensichtlich oder unstrittig zwischen den Beteiligten), da das Aufgabe der Gerichte ist.

@SnejPro @skyglowberlin

Die #VisionZero sagt, "fehlerverzeihend" wenn aber schon die Unfallberichterstattung nur einseitige Schuldzuweisungen findet, sobald eine Person vermeidlich sich in korrekt verhalten hat, werden wir dem Ziel Zero nicht näher kommen. $1 StVO gibt ja schon die gegenseitige Rücksichtsnahme vor. Und das sollte auch beinhakten, dass ich mich nicht so verhalte das ich jemanden schwer verletze sobal er einen kleinen Fehler macht. z.B. in dem ich langsamer fahre.

@JensDai @skyglowberlin

Dann müsste man aber genauso fehlerverzeihend ggü. Autofahrern sein.

Und ist ohne Sicht auf eine Straße laufen ein kleiner Fehler? Wenn man das mal aufs Auto überträgt: Ohne Sicht in eine Kreuzung einfahren und einen Radfahrer, der auf der Vorfahrtsstraße fährt, vom Rad holen. Würde man da sagen, dass der Radfahrer langsamer hätte fahren sollen, da er mit dem "kleinen" Fehler des Autofahrers rechnen musste?

Ein kleiner Fehler ist vielleicht, wenn man mit dem Rad am Fußgängerüberweg nicht absteigt, sondern langsam drüber fährt und dabei dem Verkehr auf der Straße nicht Vorrang gewährt.

@SnejPro @skyglowberlin Genau, gegen über Autofahren muss man genauso fehlerverzeihend sein, das wird ja auch, im Gegensatz zum Fall anders rum, ständig von Radfahrenden erwartet. Ich sage nur #Totewinkel, den es so ja garnicht gibt und letztlich die Verantwortung vom LKW Fahrer, der seine vielen und auch eigentlich alles einsehenden Spiegel nicht gut geprüft, an den Radfahrer abgiebt, der doch wissen muss das der "blind" ist. Und natürlich muss ich darauf achten ob der LKW Fahrer mich sieht.
@SnejPro @skyglowberlin Es ist doch letztlich auch egal wer Schuld hat! Wichtig ist, dass sich alle so verhalten und das auch die Rahmenbedingungen aus Ordnungsrecht (da wo die Leute sich nicht von selbst gut verhalten) und der Infrastruktur, so sind das niemand inversiebel Verletzt erleidet oder gar getötet wird. Das sind die Grundsätze der #VisionZero und wir haben leider noch nen langen Weg, bis diese in der normalen Arbeitswelt längst verankerten Regeln auch im Verkehr gelten.
@SnejPro @JensDai
Ja, mit Schuldzuweisungen sollte sich die Polizei zurück halten, das muss ein Gericht klären. Man sollte nicht aus Gründen der Abschreckung und Verkehrserziehung die Unschuldsvermutung über Bord werfen.
@SnejPro @JensDai Lies mal zu Ende. Die Handlungsempfehlung ist tatsächlich, weniger detailliert über Sachschäden zu berichten (warum ist überhaupt eine Schadenssumme so früh bekannt?), und Personenschäden mehr textlichen Raum zu geben (etwa „musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden“, statt nur das kurze „leicht verletzt"/„schwer verletzt“). Dazu bedarf es keiner präzisen Kenntnis der Verletzungen (was auch ethisch schwierig wäre)
@JensDai ich finde es auch immer interessant, wie Medien über Verkehrskollisionen durch Senioren berichtet. Richtig verharmlosend wie “Auto fährt in Tram-Haltestelle”. https://www.reddit.com/r/RentnerfahreninDinge/ ist eine gute Linksammlung in dem Bereich
Reddit - Dive into anything

Unfallsprache – Sprachunfall

Neutrale, unpersönliche Formulierungen in Unfallberichten verhindern präventive Massnahmen und lassen Unfälle als schicksalhaft erscheinen.

@JensDai
Habe ich die Originalquelle übersehen?
Wenn nicht wäre es schön, die zu bekommen.
@villon siehe oben, habe einen Kommentar mit Links ergänzt. Danke der Nachfrage
@JensDai More police officers like this, please.

@JensDai Find ich gut, besonders, wenns von einem Polizeirat kommt und damit nicht von jemandem "von außen". Da sind meiner Meinung nach die Chancen größer, dass künftig entsprechend formuliert wird.

Kann die nächste Masterarbeit dann bitte darüber sein, wie mehrfacher Mord zum "Familiendrama" wird, oder bei einem Femizid Victim Blaming betrieben wird?

@JensDai wie ich neulich schon mal tröötete: manche Begriffe wie „übersehen“ oder „geblendet“ sollte die Polizei in Meldungen komplett unterlassen.

Wer nicht guckt oder nicht gucken kann muss im Verkehr anhalten. Ausnahmslos.