Im Jahr 1822 hörte Theodor von Schön, der liberale Oberpräsident Westpreußens und ehemalige enge Freund Steins, dass Pläne existierten, dem konservativen General von Bülow ein Denkmal zu errichten.
Schön machte den Vorschlag, stattdessen dem Landsturmmann ein Denkmal zu setzen, der dem Vernehmen nach »Leck er p.p.« gerufen haben soll, als Bülow während des Marsches auf Leipzig zum Rückzug blasen ließ. (c c)
Mit der Eingliederung des Rheinlandes hatte sich die politische Natur des Königreichs unwiderruflich verändert.
Mit ihrer großen und selbstbewussten städtischen Mittelschicht brachte die Rheinprovinz ein Element der Unruhe und des Aufruhrs in das Königreich, das die preußische Politik während der Nachkriegsjahre fortwährend belebte.
Die rheinländischen Eliten standen der »litauischen« Regierung in Berlin skeptisch gegenüber, und sie wehrten sich hartnäckig gegen eine völlige Eingliederung in das Königreich. (c c)
Aufgrund der Lehren des ostpreußischen Endzeitmystikers Johann Heinrich Schönherr postulierten Ebel und Diestel, dass der Geschlechtsakt zwischen Mann und Frau im Grunde eine Wiederholung des Schöpfungsaktes sei, als zwei riesige Bälle, einer aus Wasser und einer aus Feuer, zusammengeprallt seien und so das Universum entstanden sei.
Dem Geschlechtsakt zwischen Mann (Feuer) und Frau (Wasser) wohne folglich eine kosmische Bedeutung inne, und er solle als wesentliches Merkmal einer jeden harmonischen Ehe akzeptiert und kultiviert werden.
Den männlichen Teilnehmern im Kreis wurde geraten, bei brennender Lampe die Frau zu lieben, statt in der Dunkelheit, damit erotische Fantasien gebannt würden und sich die blinde Lust in »bewusste Neigung zur Gattin« verwandle. »Der Anblick des Nackten sei förderlich zur Lösung der Phantasie von ihren Bildern«, hieß es. (c c)
Ganz ähnlich lag der Fall des jüdischen Majors Meno Burg: Er war 1812 als freiwilliger Jäger in die Grenadiergarde eingetreten und hatte sich seither im Dienst stets ausgezeichnet.
Im Jahre 1830, als die Beförderung Burgs in den Rang eines Hauptmanns anstand, äußerte der König in einer Kabinettsorder die Überzeugung, dass Leutnant Burg in Anbetracht seiner Erziehung und Lebenserfahrung unter preußischen Offizieren gewiss so viel Verstand habe, dass er die Wahrheit und erlösende Kraft des christlichen Glaubens erkennen und auf diese Weise jedes Hindernis für seine Beförderung beseitigen werde. (c c)
#Marx lehnte zwar später #Hegel|s Auffassung von der staatlichen Bürokratie als dem »allgemeinen Stand« ab, hielt aber dennoch an ihr fest.
Denn was war die Idealisierung des Proletariats durch Marx als die reine Verkörperung des allgemeinen Interesses anderes als die materialistische Umkehrung des Hegel’schen Konzepts? Auch der Marxismus stammte aus #Preußen. (c c)
Friedrich Wilhelms Einstellung gegenüber dem modernen, bürokratischen Preußenstaat war ambivalent. Der Staat war für ihn keine Verkörperung der lebendigen Kräfte geschichtlicher Kontinuität, er war ein künstliches Gebilde, dessen Anspruch auf universelle Autorität die ältere und heiligere Autorität der Krone, der Kongregation und des Standes verletzte.
Der König war folglich mehr als der oberste Verwalter und auf jeden Fall mehr als der höchste Diener des Staates. Er war ein geweihter Vater, in einer mystischen Einheit gebunden an sein Volk und von Gott mit einem einzigartigen Einblick in die Bedürfnisse seiner Untertanen gesegnet. (c c)
Das #Staatsschiff, hielt Gerlach fest, segele in Richtung Jakobinertum, angetrieben von dem »stets frisch wehenden Winde des Zeitgeistes«.
Er listete mehrere Maßnahmen auf, die geeignet sein könnten, den Liberalisierungsprozess aufzuhalten, gab sich aber hinsichtlich der Erfolgsaussichten keinerlei Illusionen hin.
»Was sollen diese kleinen Manöver ausrichten«, schloss er, »gegen den andringenden #Zeitgeist, der einen steten und konsequenten Krieg gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit führt und sich dazu mit satanischer Klugheit aller sich ihm darbietenden halben und dreiviertel Wahrheiten bedient?« (c c)
Andererseits war, wie selbst Varnhagen wusste, die preußische #Zensur geradezu lachhaft ineffektiv.
Ihr eigentlicher Zweck bestand, wie er im August 1837 anmerkte, nicht darin, die Lesegewohnheiten der Öffentlichkeit zu reglementieren, sondern vielmehr darin, ihre eigene Existenz gegenüber dem Rest der königlichen Verwaltung zu rechtfertigen.
»Das Volk mag lesen was es will, darin kann alles stehen; was aber dem König zu Gesichte kommen kann, das wird sorgfältig geprüft.« (c c)
»Ich bin jetzt ein ungeheurer Spediteur von verbotenen Büchern ins Preußische«, schrieb #FriedrichEngels, Sohn eines frommen Textilfabrikanten aus #Barmen, im November 1839 von Bremen aus an seinen Freund Wilhelm Gräber.
»Der ›#Franzosenfresser‹ von Börne in 4 Exemplaren, die ›Briefe aus Paris‹ von demselben, 6 Bände, Venedeys ›Preußen und Preußentum‹, das strengstens verbotene, in 5 Exemplaren liegen zur Versendung nach Barmen bereit.« (c c)
So furchtbar das Leid der Armen in Preußen in den Hungersnöten der 1840er Jahre auch gewesen sein mag, es verblasste vor dem Elend der Hungerkatastrophe, die das unter britischer Herrschaft stehende Irland heimsuchte, deren Ursachen wir heute im Zusammenwirken von Verwaltungsfehlern und der Dynamik des freien Marktes sehen.
Wären die Polen in Preußen von einer vergleichbaren Hungersnot dahingerafft worden, würden wir darin heute vielleicht Vorboten der Naziherrschaft nach 1939 sehen. (c c)
Auch hier wurde nur ein kleiner Teil der Urteile (unter zehn Prozent) tatsächlich vollstreckt, dennoch übertraf die Zahl der Exekutierten in England und Wales die der in Preußen um den Faktor 16 zu 1.
Und während die überwiegende Mehrheit der Todesurteile in England und Wales für Eigentumsdelikte (zum Teil sehr geringfügige) verhängt wurde, war diese Strafe in Preußen fast ausschließlich Mördern vorbehalten. (c c)
Die Verlegenheit war groß, als der fragliche #Spion, ein ehemaliger Leutnant namens Carl Techen, von der Polizei geschnappt wurde und im Verhör zugab, dass er die Dokumente im Auftrag des Ministerpräsidenten besorgt hatte.
Noch peinlicher wurde es, als einer der gestohlenen Briefe belegte, dass Gerlach selbst einen Spion auf Prinz Wilhelm, den Bruders des Königs, angesetzt hatte, der damals als einflussreicher Gegner eines Bündnisses mit Russland galt.
Wie dieses »preußische #Watergate« zeigte, war die Problematik der Vorzimmerpolitik noch immer nicht gelöst. (c c)
Diese von erzwungener Untätigkeit und Ungewissheit über das, was die Zukunft bringen mochte, erfüllten Tage des Übergangs veranlassten den jungen #Bismarck sich zu überlegen, was aus ihm werden würde, sollte er sein Studium nicht abschließen.
Vom Familiengut Kniephof aus schrieb er die folgenden Zeilen an seinen Schulfreund Scharlach:
»Ich werde daher wohl […] mich einige Jahre mit der rekrutendressierenden Fuchtelklinge amüsieren, dann ein Weib nehmen, Kinder zeugen, das Land bauen und die Sitten meiner Bauern durch unmäßige Branntweinfabrikation untergraben. [...]
Wenn Du also in zehn Jahren einmal in die hiesige Gegend kommen solltest, so biete ich Dir an, adulterium mit einer jungen mulier facilis et formosa zu treiben, so viel Kartoffelschnaps zu trinken, als Du willst und auf der Hetzjagd den Hals zu brechen, so oft es Dir gut erscheint.
Du wirst hier einen fettgemästeten Landwehroffizier finden, einen Schnurrbart, der schwört und flucht, daß die Erde zittert, einen gerechten Abscheu vor Juden und Franzosen hegt und Hunde und Bedienstete auf das Brutalste prügelt, wenn er von seiner Frau tyrannisiert worden.
Ich werde lederne Hose tragen, mich zum Wollmarkt in Stettin auslachen lassen, und wenn man mich Herr Baron nennt, werde ich mir gutmütig den Schnurrbart streichen und um zwei Taler wohlfeiler verkaufen; zu Königs Geburtstag werde ich mich besaufen, und vivat schreien, übrigens mich häufig anreißen und mein drittes Wort wird sein: ›Auf Aehre! superbes Pferd!‹« (c c)
Er markierte, wie voll die Spirituosenflaschen waren, damit die Diener bei Hofe nicht heimlich daran nippten. Alte Uniformen mussten lange halten.
Nach der Unterzeichnung von Regierungsdokumenten wischte Wilhelm immer die feuchte Spitze des Federhalters am dunkelblauen Ärmel seiner Jacke ab.
Kutschen mit Gummireifen lehnte er beharrlich mit der Begründung ab, sie seien unnötiger Luxus. (c c) #WilhelmI
Am 25. Mai 1930 erließ die preußische Regierung eine Verordnung, nach der es preußischen Beamten verboten war, Mitglied der NSDAP oder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zu sein.
Braun drängte seine Kollegen in der Reichsregierung, mit einem Verbot auf Reichsebene nachzuziehen. Reichsinnenminister Carl Severing (SPD) erklärte sich einverstanden und traf Vorbereitungen, die NSDAP als verfassungsfeindliche Organisation zu verbieten.
Wenn diese Bemühungen Erfolg gehabt hätten, dann hätte das Kabinett verhindern können, dass Regierungsorganisationen (einschließlich der Reichswehr) von NSDAP-Mitglieder unterwandert wurden. (c c) #Dejavu #NoAfD
#Hindenburg war zutiefst konsterniert, als bei der Wahl des Reichspräsidenten am 13. März 1932 (zweiter Wahlgang 10. April) die rechten Parteien ihre eigenen Kandidaten aufstellten (u. a. Hitler für die #NSDAP und Duesterberg für die #DNVP) und er als Amtsinhaber auf die Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten angewiesen war, um seine Wiederwahl zu sichern.
Der mittlerweile 84-jährige Hindenburg, einst eine gefeierte Galionsfigur der nationalistischen Rechten, war zum Kandidaten der Katholiken und Sozialisten geworden.
Deutlicher hätte man das Scheitern der Pläne Brünings, einer konservativen Restauration den Weg zu bereiten, kaum demonstrieren können. (c c)
Die SPD-Führung reagierte auf dieses ganz und gar gesetzeswidrige Manöver mit völliger Passivität und Resignation.
Obwohl seit Wochen bekannt war, dass eine derartige Aktion in Vorbereitung war, wurden keinerlei Versuche unternommen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. (c c)
So kam es, dass die Führung der preußischen Koalition ihre Hoffnungen auf den deutschen Staatsgerichtshof in Leipzig und auf die anstehenden Reichstagswahlen richtete.
Sie gingen davon aus, dass der Staatsgerichtshof den »#Preußenschlag« für verfassungswidrig erklären würde und dass die Konservativen um Papen wegen ihrer mutwilligen Beschädigung der Republik vom Wähler abgestraft werden würden.
Beide Hoffnungen wurden enttäuscht. (c c)
Die Chance, einen letzten, verzweifelten Versuch zur Verteidigung der Republik zu unternehmen, war vertan.
»Man muss den Roten nur die Zähne zeigen, dann kuschen sie«, brüstete sich der NS-Propagandachef Joseph Goebbels in seinem Tagebucheintrag vom 20. Juli.
Und am nächsten Tag fügte er hinzu: »Die Roten sind beseitigt. [Sie] haben ihre große Stunde verpasst. Die kommt nie wieder.« (c c)