Ein Grund für diesen Politikwechsel war das Auftreten der schwedischen Truppen. Als die Verhandlungen ins Stocken gerieten, stellten sie sich vor der Berliner Stadtmauer auf und richteten ihre Kanonen auf das Schloss, damit der belagerte Kurfürst sich besser konzentrieren konnte. (c c)
Der junge Friedrich Wilhelm war allerdings ein schwieriges und aufsässiges Kind, das seine Lehrer zur Raserei trieb (von seinem geduldig leidenden Privatlehrer Jean Philippe Rebeur hieß es, er wäre als Galeerensklave glücklicher gewesen). (c c)
Voltaire erzählt in seinen Memoiren vom Fall eines Mannes, der wegen sexuellen Verkehrs mit einer Eselin zum Tode verurteilt worden war. Das Urteil wurde von Friedrich persönlich mit der Begründung annulliert, in seinen Landen habe man sowohl die Freiheit des Gewissens wie auch die des Penis. (c c)
Friedrich hatte keine Einwände gegen Edelmanns religiösen Skeptizismus, Deismus oder moralische Freigeisterei. Die Hauptstadt Preußens enthielt, wie er in einem charakteristisch hintergründigen Bonmot einmal bemerkte, bereits eine große Zahl an Narren und könne ohne Weiteres einen mehr aufnehmen. (c c)
Ungeachtet der alles durchdringenden Angst vor der Revolution und der ganzen Belästigung durch die Zensur bleibe es eine Tatsache, schreibt Axel Schumann, »daß unter preußischer Zensur zwischen 1789 und 1806 in der ›Haupt- und Residenzstadt‹ Berlin vier Journale erscheinen konnten, in denen die Französische Revolution als historische Notwendigkeit und Sieg der Vernunft über aristokratische Anmaßung und königliche Misswirtschaft gefeiert wurde«. (c c)
Es ist nicht bekannt, ob Friedrich Wilhelm III. über die beunruhigenden Erfahrungen des Großen Kurfürsten mit der Neutralität nachgedacht hatte oder ob ihn jemand an den Kommentar Leibniz’ auf dem Höhepunkt des Nordischen Krieges erinnerte: »Neutralis similies ei, der im mittelsten Stock wohnt, der wird von dem untersten beraucht und von dem obersten urina perfundiret.« (c c)
Seine Strategie bestand darin, jeden Schritt zu vermeiden, der die völlige Auslöschung seines Staates nach sich ziehen könnte. Ruhm und Ehre waren Luxus, den man sich zurzeit nicht leisten konnte; Überleben war alles. (c c)

Im Jahr 1822 hörte Theodor von Schön, der liberale Oberpräsident Westpreußens und ehemalige enge Freund Steins, dass Pläne existierten, dem konservativen General von Bülow ein Denkmal zu errichten.

Schön machte den Vorschlag, stattdessen dem Landsturmmann ein Denkmal zu setzen, der dem Vernehmen nach »Leck er p.p.« gerufen haben soll, als Bülow während des Marsches auf Leipzig zum Rückzug blasen ließ. (c c)

Mit der Eingliederung des Rheinlandes hatte sich die politische Natur des Königreichs unwiderruflich verändert.

Mit ihrer großen und selbstbewussten städtischen Mittelschicht brachte die Rheinprovinz ein Element der Unruhe und des Aufruhrs in das Königreich, das die preußische Politik während der Nachkriegsjahre fortwährend belebte.

Die rheinländischen Eliten standen der »litauischen« Regierung in Berlin skeptisch gegenüber, und sie wehrten sich hartnäckig gegen eine völlige Eingliederung in das Königreich. (c c)

Für die Gründung neuer Sekten war nach preußischem Gesetz eine amtliche Erlaubnis erforderlich, aber den Lutheranern konnte man schlecht vorwerfen, eine neue Sekte gründen zu wollen. Aus Sicht der Separatisten hatten die Regierungsbehörden, nicht die lutherischen Dissidenten eine neue Konfession in Preußen geschaffen. Das Luthertum war seit dem Augsburger Religionsfrieden im Jahre 1555 in den deutschen Landen eine anerkannte und öffentlich geduldete Konfession. (c c) #Altlutheraner #PreussischeUnion #Anno1830
Preußen, die am Ufer der Oder lebten, kamen in den Genuss eines seltsamen Anblicks: Kähne voller gesetzestreuer, Choräle singender Lutheraner, die vor der religiösen Verfolgung durch die preußischen Behörden flohen, auf ihrem Weg nach Hamburg zur Überfahrt nach London und von dort nach Südaustralien. (c c)
Klemzig – Wikipedia

Aufgrund der Lehren des ostpreußischen Endzeitmystikers Johann Heinrich Schönherr postulierten Ebel und Diestel, dass der Geschlechtsakt zwischen Mann und Frau im Grunde eine Wiederholung des Schöpfungsaktes sei, als zwei riesige Bälle, einer aus Wasser und einer aus Feuer, zusammengeprallt seien und so das Universum entstanden sei.

Dem Geschlechtsakt zwischen Mann (Feuer) und Frau (Wasser) wohne folglich eine kosmische Bedeutung inne, und er solle als wesentliches Merkmal einer jeden harmonischen Ehe akzeptiert und kultiviert werden.

Den männlichen Teilnehmern im Kreis wurde geraten, bei brennender Lampe die Frau zu lieben, statt in der Dunkelheit, damit erotische Fantasien gebannt würden und sich die blinde Lust in »bewusste Neigung zur Gattin« verwandle. »Der Anblick des Nackten sei förderlich zur Lösung der Phantasie von ihren Bildern«, hieß es. (c c)

Bei all dem Zusammenprall von Feuer und Wasser kam es zu einer unerwarteten Schwangerschaft. (c c)

Ganz ähnlich lag der Fall des jüdischen Majors Meno Burg: Er war 1812 als freiwilliger Jäger in die Grenadiergarde eingetreten und hatte sich seither im Dienst stets ausgezeichnet.

Im Jahre 1830, als die Beförderung Burgs in den Rang eines Hauptmanns anstand, äußerte der König in einer Kabinettsorder die Überzeugung, dass Leutnant Burg in Anbetracht seiner Erziehung und Lebenserfahrung unter preußischen Offizieren gewiss so viel Verstand habe, dass er die Wahrheit und erlösende Kraft des christlichen Glaubens erkennen und auf diese Weise jedes Hindernis für seine Beförderung beseitigen werde. (c c)

#Marx lehnte zwar später #Hegel|s Auffassung von der staatlichen Bürokratie als dem »allgemeinen Stand« ab, hielt aber dennoch an ihr fest.

Denn was war die Idealisierung des Proletariats durch Marx als die reine Verkörperung des allgemeinen Interesses anderes als die materialistische Umkehrung des Hegel’schen Konzepts? Auch der Marxismus stammte aus #Preußen. (c c)

Friedrich Wilhelms Einstellung gegenüber dem modernen, bürokratischen Preußenstaat war ambivalent. Der Staat war für ihn keine Verkörperung der lebendigen Kräfte geschichtlicher Kontinuität, er war ein künstliches Gebilde, dessen Anspruch auf universelle Autorität die ältere und heiligere Autorität der Krone, der Kongregation und des Standes verletzte.

Der König war folglich mehr als der oberste Verwalter und auf jeden Fall mehr als der höchste Diener des Staates. Er war ein geweihter Vater, in einer mystischen Einheit gebunden an sein Volk und von Gott mit einem einzigartigen Einblick in die Bedürfnisse seiner Untertanen gesegnet. (c c)

Das #Staatsschiff, hielt Gerlach fest, segele in Richtung Jakobinertum, angetrieben von dem »stets frisch wehenden Winde des Zeitgeistes«.

Er listete mehrere Maßnahmen auf, die geeignet sein könnten, den Liberalisierungsprozess aufzuhalten, gab sich aber hinsichtlich der Erfolgsaussichten keinerlei Illusionen hin.

»Was sollen diese kleinen Manöver ausrichten«, schloss er, »gegen den andringenden #Zeitgeist, der einen steten und konsequenten Krieg gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit führt und sich dazu mit satanischer Klugheit aller sich ihm darbietenden halben und dreiviertel Wahrheiten bedient?« (c c)

Andererseits war, wie selbst Varnhagen wusste, die preußische #Zensur geradezu lachhaft ineffektiv.

Ihr eigentlicher Zweck bestand, wie er im August 1837 anmerkte, nicht darin, die Lesegewohnheiten der Öffentlichkeit zu reglementieren, sondern vielmehr darin, ihre eigene Existenz gegenüber dem Rest der königlichen Verwaltung zu rechtfertigen.

»Das Volk mag lesen was es will, darin kann alles stehen; was aber dem König zu Gesichte kommen kann, das wird sorgfältig geprüft.« (c c)

»Ich bin jetzt ein ungeheurer Spediteur von verbotenen Büchern ins Preußische«, schrieb #FriedrichEngels, Sohn eines frommen Textilfabrikanten aus #Barmen, im November 1839 von Bremen aus an seinen Freund Wilhelm Gräber.

»Der ›#Franzosenfresser‹ von Börne in 4 Exemplaren, die ›Briefe aus Paris‹ von demselben, 6 Bände, Venedeys ›Preußen und Preußentum‹, das strengstens verbotene, in 5 Exemplaren liegen zur Versendung nach Barmen bereit.« (c c)

So furchtbar das Leid der Armen in Preußen in den Hungersnöten der 1840er Jahre auch gewesen sein mag, es verblasste vor dem Elend der Hungerkatastrophe, die das unter britischer Herrschaft stehende Irland heimsuchte, deren Ursachen wir heute im Zusammenwirken von Verwaltungsfehlern und der Dynamik des freien Marktes sehen.

Wären die Polen in Preußen von einer vergleichbaren Hungersnot dahingerafft worden, würden wir darin heute vielleicht Vorboten der Naziherrschaft nach 1939 sehen. (c c)

Auch hier wurde nur ein kleiner Teil der Urteile (unter zehn Prozent) tatsächlich vollstreckt, dennoch übertraf die Zahl der Exekutierten in England und Wales die der in Preußen um den Faktor 16 zu 1.

Und während die überwiegende Mehrheit der Todesurteile in England und Wales für Eigentumsdelikte (zum Teil sehr geringfügige) verhängt wurde, war diese Strafe in Preußen fast ausschließlich Mördern vorbehalten. (c c)

Sein Besuch im Rheinland im August 1848 löste in einem Maße öffentliche Begeisterung aus, dass die von Karl Marx herausgegebene Neue Rheinische Zeitung eine Ausgabe ausfallen lassen musste, weil die Arbeiter in der Druckerei den Tag freinahmen, um dem König zuzujubeln. (c c)
Bei diesen Gesellschaften handelte es sich im Prinzip um Investitionsinstrumente, mit denen die Privatwirtschaft den Widerstand der Regierung gegen die Zulassung von Aktienbanken zu umgehen suchte. Die Konservativen (darunter auch der König selbst) sahen in diesen Institutionen eine dubiose französische Neuerung, die hochriskanten Spekulationen Vorschub leistete und geneigt war, die gesellschaftliche Ordnung zu untergraben. (c c) #KGaA

Die Verlegenheit war groß, als der fragliche #Spion, ein ehemaliger Leutnant namens Carl Techen, von der Polizei geschnappt wurde und im Verhör zugab, dass er die Dokumente im Auftrag des Ministerpräsidenten besorgt hatte.

Noch peinlicher wurde es, als einer der gestohlenen Briefe belegte, dass Gerlach selbst einen Spion auf Prinz Wilhelm, den Bruders des Königs, angesetzt hatte, der damals als einflussreicher Gegner eines Bündnisses mit Russland galt.

Wie dieses »preußische #Watergate« zeigte, war die Problematik der Vorzimmerpolitik noch immer nicht gelöst. (c c)