Ein eindrucksvolles, aber noch eher harmloses Beispiel für das Recht auf Fantasie ist das Etikett des berühmten Tomatenketchups Marke #Heinz. Dieses Etikett enthält in dunkelgrüner Schrift eine kurze, aber rätselhafte Aufschrift: »#57Varieties«.

Was das denn nun bedeute, wollte ein Mitarbeiter des Magazins der #SüddeutscheZeitung von Tom McGough, General Manager von Heinz Würzen und Saucen, wissen. Tom McGough erklärte die Sache mit den 57 Varieties so: »Vor vielen Jahren sah unser Gründer H.J. Heinz in einem New Yorker Schuhgeschäft ein Schild ›27 Varieties‹ von Schuhen. Das hat ihm so gut gefallen, dass er ›57 Varieties‹ aufs Logo schrieb. Das hatte nichts mit der Anzahl von Heinz-Produkten zu tun. Er fand, dass die 57 eine schöne Zahl war, die Vielfalt symbolisierte.«

Eine schöne Geschichte, die zeigt, weshalb gewisse Angaben aufs Etikett kommen: Sie sind einfach schön, und schöne Dinge gönnt eine Firma ihren Kunden gern. (h u g)

Früher, als es noch vorwiegend echte Lebensmittel gab, waren Überwachung und Kontrolle eine wesentliche Aufgabe des Staates. Schließlich geht es bei der Nahrung um ein existenzielles Thema, um Leben und Tod. Je mehr aber die gefälschte Nahrung zum Regelfall wurde, je größer also die Rolle von Aromen und anderen Mitteln zur Geschmacksmanipulation wurde, desto mehr haben sich die Staaten zurückgezogen und das Feld den Akteuren aus der Industrie überlassen. Die Interessen der Konsumenten sind in diesem Prozess als handlungsleitendes Kriterium weitgehend verschwunden. (h u g)
So ist das, wenn es um die weltweiten Vorschriften für die Nahrung geht. Der Termin in Peking war keine Ausnahme, es ist die Regel, dass die Lobby mit am Tisch sitzt. Die Republik #Österreich zum Beispiel wird zumeist vertreten durch einen Vertreter des Staates und einen von #RedBull. #Danone ist normalerweise Mitglied in der französischen Delegation, #Ferrero in der italienischen. #Coca-Cola und #Nestlé sind oft in mehreren Delegationen präsent. (h u g)

Immerhin hat die EU jetzt sogar einen Aromastoff verboten: lustigerweise einen, den sogar die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde #EFSA für völlig irrelevant hält. Am 14. Juni 2013 hat die EU-Kommission diesen mutigen Beschluss gefasst. Es ging um einen Aromastoff namens »3-Acetyl-2,5-Dimethylthiophen«. [...]

Der Jahresverbrauch in der gesamten Europäischen Union liegt bei genau 2,3 Kilo. (h u g) #lulz

Die Neue Zürcher Zeitung gab dem holländisch-britischen Multi #Unilever sogar nach Durchsicht der Bilanzen schon mal den schmerzlichen Rat: »Wenn die Rendite als strenge Messlatte angewendet würde, müsste sich Unilever von seinem ureigenen Stammgeschäft, den Lebensmitteln, trennen.« (h u g) #NZZ
Als einmal eine deutsche Verbraucherministerin die Regel durchbrach eine »Abwärtsspirale« bei den Preisen kritisierte und darauf hinwies, dass die Dumpingangebote der Supermärkte den Mittelstand ruinierten und die Qualität leide, da bellte die #Bild-Zeitung gleich los, auf Seite eins: »Was soll der Unsinn? Ministerin will Schnäppchen verbieten!« #DerSpiegel fragte leiser: »Bisschen durchgeknallt?« Und der Chef sprach ein Machtwort: Das solle man alles dem Markt und den Verbrauchern überlassen. Ende der Debatte.
Das war 2003, der Chef hieß #GerhardSchröder und war der Kanzler von der SPD, die Bild-Zeitung war erklärtermaßen sein Leitmedium. Die Ministerin war grün und hieß #RenateKünast. Auch ein CDU-Mann sprang den Schnäppchenkonzernen zur Seite: Er wolle sich »von einer durchgeknallten #Verbraucherschutzminister|in nicht sagen lassen, was ich kaufen darf und was nicht«. Er hieß #FriedrichMerz, war der Finanzexperte seiner Partei und gestand, er gehe auch beim Discounter einkaufen. (h u g)
Der Bedarf der globalen Nahrungsindustrie an #Vanillin ist groß. Etwa 15000 Tonnen Vanillin werden weltweit pro Jahr benötigt. Die Jahresausbeute an natürlichem Vanillin aus #Vanille|kapseln beträgt jedoch nur 16 Tonnen. (h u g)
Auch Süßgeschmack kann verwandelt werden – oder komplett gelöscht. Die sogenannte Gymnemasäure aus einem westafrikanischen Schlingstrauch (Gymnemea sylvestris) wirkt als Geschmacksblocker, kann Geschmack unterdrücken, etwa von Süßem: Zucker, so weiß die österreichische Studie, »schmeckt danach wie Meersand und Zuckersirup wie klares Wasser«. (h u g)