1/ So. #tazlab2024 war großartig. Ich freue mich wirklich, dass das so stattgefunden hat. Die Auftaktveranstaltung war gleich um 9:00 mit @sis_yphos und Jan Feddersen. Sie hatten ein paar Gäste eingeladen und einen großen Tisch vorbereitet, an dem noch mehr Gäste teilhaben konnten. Ich bin ja ein sehr schüchterner Mensch (doch wirklich), aber ich dachte, ich kann ja nicht jahrelang schreiben, dass wir miteinander reden müssen und nicht übereinander und mich dann in die Zuschauerreihe setzen.

Hab dann sogar was gesagt. Simone Schmollack bestätigt, die meinte, dass diese Ost-West-Geschichte erst vor zehn Jahren oder so wieder hochgekommen ist. Ich bin ja 2013 zum Ossi geworden. Einfach auch weil ich die Fremdzuschreibungen und falschen Behauptungen über den Osten nicht mehr ertragen konnte.

Ich habe die taz für ihre veränderte Berichterstattung gelobt und meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass das so bleibt. Jan Feddersen meinte: Ja, es sind neue Zeiten angebrochen.

Ich hoffe, dass das stimmt! =:-)

#tazlab

@stefanmuelller
So wie ich dich verstehe, siehst du eine Singularität, nämlich den Wiedervereinigungstaumel, als Ursache für den starken Rechtsextremismus im Osten? Erziehung und Sozialisierung spielen damit keine Rolle?
Du schreibst viel über deine persönliche Erfahrung und dass du auf das marode System der DDR nicht stolz sein konntest?
Ich konnte als Wessi auch nie 'Stolz auf Deutschland' sein, aber weil es historisch negativ belastet war. Es fühlt sich eigentlich noch immer nicht gut an.

@Mr_GHARice

Nein, das wäre zu einfach. Es gab immer #Rassismus und #Nationalismus und auch #Antisemitismus in der DDR. Die Punks sind von Nazi-Skins verprügelt worden. Es gab im Osten eine Antifa. Wozu wohl?

Aber die Frage ist, in welchem Ausmaß es das gab. Hat die Erziehung der DDR dagegen irgendwas gebracht? Waren die Naziskins über Kontinuität nach 1945 zu erklären (wie z.B. Burschenschaften in der BRD?) oder eine Jugendkultur, die aus England zurück in die DDR kam? Nazi-Skin war der maximale Gegensatz zum Staat. Die Jugendlichen waren zum Teil die Kinder hoher Funktionäre. Das war sicher keine Nazitradition in der Familie.

Meiner Meinung nach waren all diese Sachen in weit geringerem Maße präsent als im Westen.

Ich schreibe persönlich, aber das steht für meine Bubble. Alle, mit denen ich heute rede, sehen das so wie ich. (Anne Rabe hat ja nicht mit mir geredet. =:-p) Manchmal kommt was Neues, dann ändere oder ergänze ich auch Posts.

Die Nazis sind nach der Wende gezielt in den Osten gegangen. Das ist ja auch alles dokumentiert. Auch in meinen Posts. Die Frage ist natürlich, warum es funktioniert hat.

Wogegen ich anzustinken versuche, sind vereinfachende Töpfchentheorien.

Das Ganze ist komplex und multifaktorell und irgendwie zu sagen, weil die Ossis schon in der DDR alle Psycho-Mütter hatten, sind sie gewalttätig geworden und wählen jetzt AfD, ist etwas zu simpel und die Voraussetzung für den Schluss ist eben auch faktisch falsch.

Die Ossis haben nach der Wende einen übelst radikalen Bruch erlebt. Das sollte man in allen Überlegungen mit berücksichtigen. Und sie haben am Anfang die PDF/Linke gewählt. Dann irgendwann AfD. Sind sie da alle zu Nazis geworden? Selbst wenn man das annehmen würde, was übrigens beim #tazlab NIEMAND gemacht hat (das macht nur die #SofaAntifa in den sozialen Medien), dann kann man die Gründe dafür nicht ohne Weiteres in der DDR verorten, denn das ist ja dann erst nach 2013 passiert.

@stefanmuelller
Die Frage ist aber, warum fanden die Wessi-Nazis diesen Nährboden im Osten? Es gab ja auch abgehängte Regionen im Westen, wo die Rechten tatsächlich auch stark sind. Aber nicht so stark.
Die Wiedervereinigung als Katalysator ist bestimmt ein Grund. War es dann doch ein Verlust der Identität? Das Konzept Deutschland war nach der Wende das der alten Bundesländer. Die Identität DDR war weg. Vielleicht hätten 2 Staaten eine andere Entwicklung mit Rechten gebracht.

@Mr_GHARice

Das war gestern auch Thema. Der Konstruktionsfehler der #DeutscheEinheit war der schnelle Anschluss. Hätte man eine gemeinsame #Verfassung ausgearbeitet, wäre alles gut oder vielleicht wenigstens besser geworden.

#Grundgesetz

Die Linken (also die ganze links-grün versiffte Bubble, inkl Frauen Liste) wollten keinen Anschluss. Wir wollten eine bessere #DDR. Letztendlich gab es aber ökonomische Gründe für die Mauer und nachdem sie weg war, wäre es eben nicht mehr weitergegangen. Die DDR war dann doch ziemlich schnell weg. Die Ossis hatten ja CDU gewählt. Am 18.3.1990 war das Ende besiegelt.

Ansonsten gibt es bei mir das angepinnte Interview mit dem Autoren der Rechtsextremismusstudie, die in den (West-)Medien verkürzt zitiert wurde. Wichtig sind Stadt-Land-Unterschiede und die Bevölkerungszusammensetzung. Alter. (Doofe) Männer usw. Wenn man das berücksichtigt, gibt es keinen speziellen Rechtsextremismus im Osten. In der taz gab es mal einen Artikel über das Zonenrandgebiet im Westen. Komplett parallele Lage. Menschen haben einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet, weil sie bei BMW arbeiten. Sie werden mit Bussen über weite Strecken zu den Werken gekarrt. Und jetzt kommen die doofen Ökos mit dem #Klimawandel und wollen ihnen alles wegnehmen! Da wähl ich doch lieber diese Nazi-Partei, die mir sagt, dass es den Klimawandel gar nicht gibt. Oder vielleicht doch, aber wegen der Sonne (Beatrice von Storch).

@stefanmuelller
Ich komme aus Rheinland-Pfalz und Eifel/Hunsrück sind solche Randgebiete im Westen, mit Ausnahme des Speckgürtels um Luxemburg, was aber wirtschaftlich vielleicht erst 40 Jahre eine Rolle spielt. Natürlich gab es hier auch Nazis. In meiner Jugend in den 80er waren sie aber quasi nicht wahrnehmbar. Auch heute, mit #noafd hier bei 15%, haben meine 3 Kinder auf dem Gymnasium bisher keine Erfahrung mit rechter Gesinnung gemacht. Aber das ist auch im besagtem Speckgürtel.