Wenn man mit dem Zug ankommt, erwartet einen schon mal das erste Highlight: der Bahnhof von Toledo. 1919 nach Plänen des Architekten gebaut weist er nicht nur eine eindrucksvolle Bahnhofshalle auf mit reichlich verzierten alten Fahrkartenschaltern aus Holz, die natürlich nicht mehr in Benutzung sind sowie eine Fensterfront wie in einer Kirche, er hat auch an der einen Seite einen hohen Turm, in dessen Erdgeschoss sich das königliche Wartezimmer befand.
Ich schrieb aber nicht umsonst: WENN man mit dem Zug ankommt bzw. ankommen kann. Nicht nur, dass ausschließlich Alvias, also Pseudo-Fernverkehrszüge inkl. dem obligatorischen Gepäckscan verkehren, ähnlich wie vor ein paar Tagen schon bei @mikey179 waren heute sämtliche Nachmittagsfahrten ausverkauft. Es empfiehlt sich daher, die Fahrkarte rechtzeitig zu buchen oder es mit einer Mittagsfahrt zu versuchen. Gefahren wird im Stundentakt mit Lücken, der letze Zeit ab Madrid z.B. fährt aber auch schon um 20:45. Die Alternative ist der auch bis spät abends halbstündliche ALSA-Bus am Madrid Plaza Eliptica, wie gestern Abend gezeigt. #PajaresXMas
Nachdem der Berg erklommen wurde, widmet sich dieser Rundgang zunächst rechts der Plaza de Zodocover. Diese diente quasi als Marktplatz, zu maurischen Zeiten blühte hier der Handel mit Maul- und Huftieren. Ein Markt findet hier aber schon seit Jahrhunderten nicht mehr statt.
Ich versuche, die ausgetretenen Touristenpfade etwas zu umgehen und gehe zunächst etwas nördlich... #PajaresXMas
Wo war ich stehen geblieben? Ach richtig, in Toledo. Die Altstadt liegt nicht nur auf einem Berg, es sind auch weite Teile der Stadtmauer und deren Tore erhalten geblieben, davon mehrere am Stück in der Nähe und genau die wollte ich mir zuerst mal anschauen.
Das war aber gar nicht so einfach, denn Autos, Autos, Autos 😱 Die Calle de Venancio González ist eine von zwei Auffahrten für Autos und Busse und natürlich konnte man einerseits die Parkhäuser nicht unterhalb lassen, andererseits haben bemerkenswert viele Anwohner ihre Autos auf den wenigen Parkplätzen in den engen Gassen stehen.
Früher muss sämtlicher Verkehr durch die Calle Caretas mit gleich zwei Toren hintereinander gegangen sein, der Puerta de Alarcones und der Puerta de Sol, die hier noch gar nicht so von der Sonne bestrahlt wurde. Oder gleich nebenan bei der Puerta de Valmardón, durch die es auch für mich zurück in die Altstadt ging. #PajaresXMas
Wie schwachsinnig das auch mit dem Anliegerverkehr in der Altstadt ist, zeigte sich prompt hier rund um den Cobertizo de Santo Domingo El-Real. Google übersetzt "Cobertizo" mit "Schuppen", gemeint ist eine überbaute Straße, die hier verschiedene Klöster verband. Juana La Loca, auch bekannt als Königin Johanna von Kastilien oder "Johanna die Wahnsinnige", befahl einst den Abriss aller Cobertizos, die nicht mindestens etwas höher waren als ein Reiter auf seinem Pferd und breit genug für seine Lanze, und somit ohne Licht dunkle Orte waren, aber der Cobertizo de Santo Domingo El-Real überlebte aufgrund seiner Höhe ebenso wie der benachbarte Cobertizo de Santa Clara.
Und prompt kam wie zum Beweis ein SUV um die Ecke, klappte noch nicht mal die Spiegel ein sondern riskierte lieber Lackschäden... die Ampeln, die man in anderen engen Straßen findet, dienen übrigens nicht etwa dazu, dass sich keine Autos begegnen, sondern der prinzipiellen Zufahrtskontrolle. #PajaresXMas
Die Cobertizo hier verband also kirchliche Zentren, hier den Convento de los Carmelitas Descalzos (der Konvent der barfüßigen Karmeliter) mit dem Convento de las Comendadores de Santiago (Konvent der Kommandeure Santiagos), der Monasterio Santa Clara und der Monasterio Santo Domingo el Real, beides Klöster.
Im Kloster Santa Clara binden oder banden Nonnen und stell(t)en Süßigkeiten her, außerdem sollen hier alle Schlüssel der Stadt aufbewahrt worden sein, mit denen die Türen nachts verschlossen wurden. Die Kommendeure Santiagos betreiben oder betrieben eine Gärtnerei, außerdem liegt hier die Reliquie des Heiligen Grabtuchs Christi. #PajaresXMas
...und einer Statue von Garcilaso de la Vega, ein bekannter spanischer Renaissance-Dichter, dessen berühmtes Gedicht "Bailandon bailando" zu einem internationalen Eurodance-Hit verwurschtelt wurde. Das ist natürlich Unsinn, aber ich muss ja mal schauen, wer aufpasst.
Die Iglesia de San Ildefonso, eine barocke Jesuitenkirche, lässt sich ironischerweise hier von hinten leichter fotografieren als von vorne, wie sich noch zeigen wird, im Gegensatz zur Iglesia de San Román in mozarabischer Architektur, in der sich heute das Museo de los Conicilios y de la cultura Visogoda (Museum der Konzile und westgotischer Kultur) befindet. Direkt gegenüber was für @mikey179: die Bar und Cerveceria "El Medieval". Hoffentlich wird er da aber auch ohne Ritterrüstung bedient... #PajaresXMas