Die entscheidende historische Frage ist doch: Was haben die Kohl- und die Schröder-Regierungen den Deutschen ins Trinkwasser gemischt, damit sie sie davon überzeugen konnten, dass es eine Super-Idee ist, menschliche Grundbedürfnisse wie Wohnen, Gesundheit, Energie und persönlichen Transport, praktisch exklusiv durch ausschließlich am eigenen Gewinn orientierte Privatunternehmen erfüllen zu lassen? Fuck the community for the profit of the few! Warum haben wir das geschehen lassen?
Deutschland vor der Privatisierungs- und Liberalisierungs-Orgie der Kohl-Jahre (Symbolbild)
@sixtus
@musevg Es ist ja nicht so, dass Kohl den technischen Fortschritt brachte. Korrelation ist keine Kausalität.

@sixtus
Nein, den brachte uns Kohl ganz sicher nicht. Aber gebratenen Saumagen, immerhin. Und irgendwas mit 'blühen'.

Aber. DE war damals technologisch in vielen Bereichen völlig hintendran.
Beispiel Telekommunikation: Die hoheitliche Bundespost und ihre FTZ in Darmstadt erstickten jede Innovation im Keim - und Konkurrenz gab's halt nicht. Erst die Privatisierung der DBP und die Liberalisierung des TK-Marktes (um mal ein nicht total misslungenes Beispiel zu nehmen) haben das geändert.

@musevg Wobei man hier auch sieht was genau nicht funktioniert: DSL/Glasfaser gibt es in dicht besiedelten Regionen, wo es sich kaufmännisch lohnt, aber bis heute nicht auf dem Land. Hätten wir das Wassernetz privatisiert, hätten Provinzbewohner heute noch kein fließendes Wasser!
@sixtus
Ich widerspreche dir nicht.
Das Primat des Profits hat ein paar gute aber auch jede Menge hässliche Seiten.
@sixtus @musevg also ich wohne auf einem Dorf mit 25 Häusern und 106 Einwohnern 50 km vor Nürnberg. Ich habe 100/40 Mbps DSL.
Glasfaser soll kommen. Schauen wir mal.
@Pingu @musevg Anekdotische Evidenz.

@sixtus
Nicht unbedingt. Ich kenne inzwischen einige kleine Orte, bei denen der Glasfaserausbau besser als in mittleren Städten läuft.

Das sind Orte, die die Telekom links liegen lässt, weil lohnt nicht.

Da gehen dann ganz gezielt Unternehmen wie die Deutsche Glasfaser rein und sagen Glasfaser zu, wenn 60% oder so des Ortes mitmachen.

Meist geht die Rechnung auf, weil die Befürworter dann am Stammtisch, im Fußballverein, bei der Arbeit massiv die Werbetrommel rühren.

@Pingu @musevg

@Dadmin @sixtus @Pingu @musevg Kann ich bestätigen. Dorf mit 180 Haushalten, wir sind 2016 an das Netz von Deutsche Glasfaser angeschlossen worden. Genau so wie alle umliegenden Orte im Kreis Segeberg.
@jensgr @Dadmin @sixtus @Pingu 2016. Da waren dann die Hardware-Preise so weit gesunken und der Ausbau des Backbones so weit forgeschritten, dass sich der Business Case eines privaten Anbieters endlich auch für eure Gegend gerechnet hat.
Das ist nach meinem Verständnis genau das, was Sixtus oben ausdrückt: Das flache Land kommt nie in den Genuss von $privatisierter_Ressource. Oder noch später.
@sixtus @musevg Bei uns auf dem Dorf, wollte die Telekom und andere jahrelang nichts ausbauen. Hatten hier teilweise 768er (Spar-)DSL nur. Die Gemeinde hat dann ne AöR gegründet und komplett Glasfaser hier verlegt. Sie waren zum 1/3 fertig, fing die Telekom an, ihr Netz hier auszubauen.
@sixtus @musevg Traurig aber wahr. Das unmenschliche Gesicht des Turbo-Kapitalismus. Momentan mal wieder in Turbo-Gelb am Werk.
@sixtus @musevg die Ironie ist ja, dass die Provinz dank Klimawandel wieder kein fließendes Wasser hat, aber das ist (trotz gleicher Ursache) eine andere Geschichte..
@sixtus @musevg die Landbewohner würden einfach mit dem Auto in die Stadt fahren und dort Wasser kaufen. Die CDU würde was von gleichwertigen Lebensverhältnissen faseln und das ganze subventionieren.
@musevg @sixtus Wieso "war"?
@Skreee @sixtus "war" ist Präteritum, lat. für "vorüber gegangen" ;)
Dass es heute in vielen Bereichen wieder so ist... tja, da kann ich dir kaum widersprechen :(
Aber zwischendurch war's mal besser.
@musevg @sixtus Die Post war unflexibel, aber nicht technisch rückständig. Sie wollte Analogmodems überspringen und gleich ISDN einführen, was rein technisch die modernere Lösung war. Und die Kabel-ISPs stellen sich bei der Endgerätefreiheit mindestens so störrisch an wie damals die Bundespost.

@bewo001 @sixtus Nein, die DBP & ihr FTZ waren auch rückständig: Offiziell zugelassen wurden Anfang der 90er nur Modems pardon DFÜ-Boxen mit 300 und 1200 bps und V.25ter, während im Rest der Welt schon 2400 und sogar 9600 bps übertragen und Hayes gesprochen wurde.

Dass es heute teilweise wieder ähnlich ärgerliche Zustände gibt wie vor der Liberalisierung... Tja. Das ist der Heilige Markt in Aktion, und du verstehst sein wunderbares Wirken nicht ;)

@musevg @sixtus und ISDN sah zu der Zeit schon 16 kbps vor, mit der Möglichkeit noch einen oder beide B-Kanäle zuzuschalten, dh 144 kbps. Technisch war das den Analogmodems weit überlegen. Die Post war nur zu unflexibel, die besseren Analogmodems zuzulassem, bis ISDN allgemein verfügbar und bezahlbar war. Und dann gab es noch ältere Teile des Netzes, in dem die Nicht-FTZ-Modems Probleme bereiten konnten.
@bewo001
Ich habe Jahre auf meinen ISDN-Anschluss gewartet und in der Zeit illegale US Robotics mit 9600 bps benutzt. Und bin dann gleich auf DSL von Arcor gewechselt.
Ja, jaa, in ihren Broschüren und Labors ISDN-Pilot-Ortsnetzen war die DBP ganz toll modern. Du hast recht und ich meine Ruhe.