1 Liebe Cuties

Ich muss nochmal auf den gestrigen Post über #Fritzkola zurückkommen, weil es ein paar Nachfragen gab. Jetzt erzähle ich euch einfach mal ein paar Details, aus meiner Zeit in der #WfbM und was ich daraus gelernt habe.

#disability #inkluencer #ihrbeutetunsaus

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Ich habe 5 Jahre in dieser Hölle verbracht. Psychisch war ich danach kaputt und ich verachte dieses System daher zutiefst. Ich kam mir noch nie so nutzlos vor und es war klar, dass ich nur dort war, um die Industrie zu stützen, die sich um dieses System herum entwickelt hat.
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Ich bekam keine Weiterbildungen, falls mir doch mal etwas angeboten wurde, waren die Qualifikationsbausteine entweder fachfremd oder ich hätte sie nicht im Lebenslauf als Weiterbildung nennen dürfen. Folglich waren sie nutzlos. Teilweise hatten wir wochenlang keine Arbeit und die Arbeit, die getan werden musste, bekam das Personal ohne #Behinderung oder nur sehr ausgewählte Beschäftigte.
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Zu letzteren zählte ich zwar, aber der #Ableismus dahinter war so offensichtlich, dass ich mich schlecht dabei fühlte. In anderen Fällen konnten wir uns vor Arbeit kaum retten. Große Firmen und Krankenversicherungen gaben uns in der EDV regelmäßig Aufträge.
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Auf meinem Schreibtisch lagen teilweise täglich hunderte Datensätze von Patient*innen und Ärzt*innen. Die Auftraggebenden waren aber offensichtlich glücklich, denn sie kamen immer wieder mit neuen Aufträgen.
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Man redete wochenlang auf mich ein, dass ich in die WG der WfbM ziehen soll. Meine Weigerung wurde nie akzeptiert. Erst als meine Mutter einen wahren Tobsuchtsanfall bekam, weil derartig Druck auf mich ausgeübt wurde, nahmen die Mitarbeiter*innen mein Nein widerwillig an. Meine Stimme allein wurde schlichtweg ignoriert.
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Ich versuchte diesem System zu entkommen und ging nur noch halbtags arbeiten, dadurch sank logischerweise das “Gehalt” auf 125 € pro Monat. Ich bekam erneut Druck, denn auch diese Entscheidung wurde nicht akzeptiert. Ich war übrigens nicht in irgendeiner #Werkstatt, sondern in der Vorzeige-WfbM der Stadt München.
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Wisst ihr wie viele meiner Kolleg*innen in diesen 5 Jahren auf den 1. Arbeitsmarkt kamen? Nicht eine einzige Person. Warum auch? Keine Firma gibt freiwillig die besten Arbeitskräfte ab. Bemühungen? Fehlanzeige. #Inklusion? Lächerlich. Frust und Resignation? Aber hallo!
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Man muss verstehen, dass es in Werkstätten nicht um die Menschen mit Behinderung geht. Es geht um die Menschen ohne Behinderung. Wenn es keine Werkstätten mehr gäbe, würde ein in sich geschlossener Industriezweig der Wohlfahrtsindustrie von heute auf morgen zusammenbrechen.
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Unzählige Menschen ohne Behinderung wären arbeitslos, wohingegen sich für die Menschen mit Behinderung kaum etwas ändern würde. Perspektivlosigkeit bleibt Perspektivlosigkeit, solange sich nicht grundlegend etwas verändert.
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Der einzige Lichtblick in diesen 5 Jahren waren meine Kolleg*innen. Der Zusammenhalt untereinander war stark. Viele Dinge nahmen wir mit viel Sarkasmus einfach hin, mehr blieb uns auch nicht übrig. Wir konnten mitziehen oder gehen. Dinge verbessern? Keine Chance.
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An dieser Stelle werde ich regelmäßig gefragt, was ich mir wünschen würde und ob ich mit dieser drohenden Arbeitslosigkeit für Menschen ohne Behinderung leben kann. Ja, kann ich. Sehr gut sogar. Hier unterscheide ich mich von vielen Kolleg*innen, aber ich möchte dieses System nicht erhalten, auch nicht als Alternative. WfbMs müssen abgeschafft werden, alle, ausnahmslos. Wir erleben seit Jahrzehnten, dass dieses System kaputt ist.

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Es kann keine Option sein, weil diese Option für viele Menschen die einzige Alternative ist, was immer so war und immer so bleiben wird. Geben wir uns an dieser Stelle bitte keiner Illusion hin.

Deutschland muss endlich die UN-BRK umsetzen, was mit der Kultur der Sonderwelten in diesem Land nicht vereinbar ist. Wir müssen neue Wege finden. Wege, die den betroffenen Menschen gerecht werden. Doch Wege entstehen nur, indem wir sie gehen.

@Sexabled ich habe während der FOS zwei Monate Praktikum in eine Werkstätte machen müssen. Es ist ein furchtbarer Ort. Und ich hab keinen Respekt für Sozialpädagog:innen die dort arbeiten und das System stützen.
Es war ganz furchtbar. Sie sitzen da wie Vorgesetzte und tragen Sorge das "gearbeitet wird"
Und Freitag nachmittag gibts dann mal ein bissi "soziales Kompetenztraining"
Es ist so lächerlich.
Werkstätten gehören geschlossen!
@Sexabled ich frage mich, wie es wäre, wenn alle -zumindest die Behinderten - ein angemessenes Budget erhielten, dass als Grundeinkommen gilt und dafür reicht eine angemessene Arbeits-/ Betreuungsumgebung und Lebenssituation zu schaffen, in der man so gut arbeiten kann, wie man kann, ohne Verdienstobergrenzen. Wenn Menschen zu viel verdienen zahlen sie ja wieder hohe Steuern
@Sexabled Hab ähnliche erfahrungen mit der WFBM gemacht ist aber schon länger her.

Leider zieht sich diese WG geschichte durch das ganze System, WGs werden als die Lösung gesehen für alles das damit alle Freiheiten der Betroffenen eingeschränkt werden wird nicht anerkannt auch wenn sie selbständig leben könnten, ist auch klar damit wird richtig Geld verdient da ist AirBNB ein Witz gegen.

Höre ich leider auch sehr oft nach dem Motto WG und alles wird besser, was in meinem Fall absolut nicht stimmt dafür muß man der Passende Mensch sein wie jeder andere auch, und man kann sich nicht aussuchen mit wem man in eine WG geht schon alleine das ist der Fehler daran.

Ich denke mal das ist ähnlich wie bei Psychisch kranken, das da dann überhaupt nicht geschaut wird ob die Menschen zusammen passen also auch Krankheits/Behinderungsbedingt und das einfach nicht Funktionieren kann.





@Sexabled Ich bin den Weg Inklusion gegangen. Anders, auch mit viel Ärger und Enttäuschung. Der Begriff ist schlecht definiert. Es darf nichts kosten. Ich kann nur Teilzeit arbeiten, habe alle vollen Kosten, praktisch keinerlei Vergünstigungen. Ein paar Urlaubstage mehr, weniger was an Überstunden gemacht wird. Ich musste den Weg alleine beschreiten. WfB gekündigt und verlassen, keine Vermittlung, bloß keine Vermittlung in schlechten Job. Quereinstieg in einen Top Job.
@Sexabled Vor langer Zeit hatte der LVR angewiesen, halbe Stellen bedingungslos zu ermöglichen. Unsere GF hatte nicht bemerkt, dass der soziale Dienst willkürliche Hürden aufbaute, z.B. irgendwelche Atteste von Ärzten. Mit Öffentlichkeit und an den richtigen Stellen treten kam der erwünschte Knall. Seit dem haben sehr viele Menschen die Teilzeit genutzt. Das seltene Privileg, als Klient den Draht zu GF, Aufsichtsrat und LVR gehabt zu haben. Vom Keller hoch in den Elfenbeinturm die Meldung.
@Sexabled Die entsprechende Vertretung kann das nicht. Ich nenne es sehr sehr böse Vorzeigebehinderte für Presse immer mit Lachen.