Nun geben sich einige bereits die grĂ¶ĂŸte MĂŒhe, den Erfolg der #AfD in #Sonneberg und in den Umfragen als harmlose oder gar verstĂ€ndliche Reaktion auf die Ampel kleinzureden. Ich zeichne fĂŒr sie gern nach, was in der Region die vergangenen Jahre so abging:

Im August 2018 gab es in Chemnitz Demonstrationen, die sich vor allem gegen den immer noch amtierenden sĂ€chsischen MinisterprĂ€sidenten Kretscher richteten. Ich war damals fĂŒr @derfreitag und bento dort: https://www.freitag.de/autoren/konstantin-nowotny/der-blutdrucksenker (1/x)

PortrÀt Der Blutdrucksenker

Michael Kretschmer will das Ansehen Sachsens wiederherstellen – mit Diplomatie als Drahtseilakt

der Freitag

Das rechtsextreme BĂŒndnis „Pro Chemnitz“ sprach da vor einigen Tausend Leuten ĂŒber Migration, ĂŒber die „Eliten“ und die ĂŒblichen KulturkĂ€mpfe.

Man bemerke: Damals war noch die GroKo an der Macht, Sachsen war CDU-regiert. Schon damals verstanden sich die Nazis als Gegenentwurf zu allen nichtrechtsextremen Parteien. Das Geseier von Jan Fleischhauer, Friedrich Merz und Co., die Politik der GrĂŒnen und Linken wĂŒrde rechts stĂ€rken, ist so offensichtlich Unsinn, dass einem schlecht werden kann. (2/x)

ZurĂŒck zu 2018: Die Redner auf dieser Demo suggerierten ganz offen, dass der Osten Deutschlands seinen „slawischen Nachbarn“, gemeint war vor allem Russland, viel nĂ€her sei als der Bundesrepublik. Die Menge applaudierte.

Diese Idee ist meiner Meinung nach seit 2017-2018 in der Region zu einer mehrheitsfÀhigen Position geworden und spaltet derzeit sogar die AfD in ein irgendwie bundesrepublikanisch orientiertes und ein abspalterisches Lager, siehe die Debatte um Steffen #Kotré. (3/x)

Ein paar Jahre spĂ€ter, 2021, treffe ich den Linkspartei-Abgeordneten Sören Pellmann, der bei der Bundestagswahl gerade schon zum zweiten Mal sein Direktmandat in Leipzig verteidigt hatte – einzigartig in ganz Ostdeutschland, lĂ€sst man Berlin außen vor.

Er erzĂ€hlte mir, wie schwierig bis unmöglich sich der Wahlkampf im sĂ€chsisch-lĂ€ndlichen Raum fĂŒr einen Linkenpolitiker gestaltete. Wer hier mit der „Linken“-Fahne durch die KleinstĂ€dte zieht, lebe gefĂ€hrlich. https://www.freitag.de/autoren/konstantin-nowotny/der-retter (4/x)

Leipzig Der Retter

Sören Pellmanns Direktmandat sichert der Linken den Fraktionsstatus. Wie hat er das geschafft?

der Freitag

In manchen Teilen Sachsens hat sich die Linke – eigentlich mal traditionell stark im Osten – dem Rechtsruck schlicht ergeben.

Jetzt wird es anekdotisch, ich halte das aber fĂŒr wichtig: FĂ€hrt man durch diesen Raum in Sachsen und ThĂŒringen, hat sich in den vergangenen Jahren etwas Entscheidendes verĂ€ndert: Nicht mehr lĂ€nger nur Deutschlandflaggen zieren VorgĂ€rten und FensterlĂ€den, auch die Flagge des deutschen Reiches wird immer öfter gehisst. Das ist auch kein „Ost-Bashing“ sondern Fakt. (5/x)

Freunde erzĂ€hlen mir, dass unterdessen auch Unternehmen nicht mehr davor zurĂŒckschrecken, offen mit dem Nationalsozialismus zu sympathisieren. Dass die Polizei immer mal einen Nazirentner hops nimmt – geschenkt: https://www.saechsische.de/geldstrafe-fuer-hakenkreuz-schwibbogen-5181990.html

Diese „VorfĂ€lle“ gibt es stĂ€ndig, die Polizei kann oder will gegen den Trend insgesamt eh nichts unternehmen. Zeitgleich finden die Behörden aller paar Monate in der Region Waffen und NS-Kram (nur bspw. Auerbach, Mittweida, Crimmitschau). (6/x)

Geldstrafe fĂŒr Hakenkreuz-Schwibbogen

Ein Mann hat in Chemnitz einen Schwibbogen mit einem Hakenkreuz so aufgestellt, dass er von der Straße aus gesehen werden konnte.

SĂ€chsische Zeitung

Diese Leute verfolgen höchstens noch am Rand Debatten ĂŒbers Gendern, ĂŒber vegane ErnĂ€hrung oder die Rechte von Transpersonen. Sie verfolgen zum Teil ĂŒberhaupt keine Medien mehr, die nicht „alternativ“, also in der Regel rechtsextrem sind, vom ÖR ganz zu schweigen.

Sie sind in großer Zahl in das Rabbithole aus AfD, „Querdenken“ und ReichsbĂŒrger abgestiegen und haben die Kontakte zu allen, die es auch nur leicht anders sehen, zum Teil lĂ€ngst abgebrochen. (7/x)

Wer nun noch glaubt, diese Leute wĂŒrden „nur“ provozieren wollen (wie jĂŒngst im SPIEGEL-TV-Clip, wo ein Sonneberger sagt, er wĂŒrde NSDAP wĂ€hlen), seien unzufrieden, wĂŒrden einen „Denkzettel“ verpassen wollen, der verkennt m.E. auf dĂŒmmstmögliche Weise die Situation.

Die Schuld bei einer Partei zu suchen, fĂŒhrt zu nichts. Es macht fĂŒr diese Leute kaum einen Unterschied, ob Deutschland von CDU, SPD, den Linken oder den GrĂŒnen regiert wird. Sie wĂŒnschen sich ein gĂ€nzlich anderes Deutschland. (8/x)

Es wĂŒrde mich nicht wundern, wenn der parlamentarische Arm dieses Milieus bereits in ein paar Jahren ganz ungeniert darĂŒber spricht, den Osten vom Rest der Republik irgendwie abzuspalten.

Falls jemand gehofft hat, ich wĂŒrde am Ende noch die große Idee gegen diese Entwicklungen aufrufen, den muss ich enttĂ€uschen. Nur eins noch: Ja, es gibt auch Andere in der Region. (9/x)

Es gibt Sozialarbeiter, Lehrerinnen, Erzieher, Ortspolitiker, die sich kĂŒmmern, es gibt Antifaschisten, die unter gefĂ€hrlichsten Bedingungen AufklĂ€rung betreiben und auch eingreifen.

Das kann angesichts des Ausmaßes aber kein Anker der Hoffnung sein, allenfalls eine kleine Flamme in einem heftigen, rechtsextremen Sturm, der von Monat zu Monat stĂ€rker zu werden scheint. (10/10)

@konstantkarma im Notfall jene evakuieren und um das Neonazi-Freihgehege ne Mauer baun!

#Sarkasmus

@kkarhan @konstantkarma Die Mauer 2.0 sollte als Option nicht ganz vom Tisch 

@AndyGER @konstantkarma Ausweisen gejt ja nicht, weil keiner diese neonazikackbraunen Pfosen haben will...
@kkarhan @konstantkarma Es gibt zwei weitere Optionen. Eine davon ist: baut mehr GefÀngnisse 

@konstantkarma finde ich auch lĂ€cherlich. Das GeschwĂŒr Rechtsextremismus wuchert dort bereits seit 40 Jahren, aber es wird nichts dagegen getan.
Der Motzmichel :mastodon: (@[email protected])

AngehĂ€ngt: 1 Bild Ein bisschen ist fĂŒr Herrn Ahmad Mansour in Ordnung. Ein bisschen. Ein bisschen rechtsextrem. Ein bisschen antisemitisch. Ein bisschen rassistisch. Ein bisschen unmoralisch. Ein bisschen toxisch. Ein bisschen extremistisch. Ein bisschen asozial? Ein bisschen mörderisch? Ein bisschen frauenfeindlich? Ein bisschen Nazi? Ein bisschen dagegen? Ein bisschen demokratisch? Ein bisschen menschlich. Ein bisschen Herrenrasse! Ein bisschen nationalsozialistisch! Ein bisschen Hitler 
 😳

troet.cafe - Mastodon

@konstantkarma

Das war vor fast 100 Jahren auch so.

Es passiert alles wieder, wie immer in der Menschheitsgeschichte.

@andreasdotorg

@konstantkarma Absolut!! Der Vormarsch der #NoAfd begann schon laaaange vor Ampel, da gab es noch Merkel, damals wurde es auf ihren liberalen Kurs geschoben..
Ich hab bei Europawahl schon irre hohe Zahlen in Dresden-Striesen ausgezÀhlt - ... hat nichts mit Berliner Regierung zu tun, ist einfach dolle rechts hier.
@konstantkarma @SilkJag solange von den Kommentierenden nicht klar benannt wird , dass in Hessen NPD vor 30 Jahren auch schon 25% kommunal hatte, dass auch im Ruhrgebiet oder in Bayern Nazis weiter unterrichten oder Lehrer sein durften. Und dĂŒrfen. So lange Rechtsextremismus nicht als Gesamtdeutsches Problem begriffen wird, in unterschiedlichen AusprĂ€gung je nach Region, so lange können wir nicht gemeinsam dagegen angehen.