Die Tagesschau berichtet, der Deutschlandfunk auch: Gestern wurde ein Denkmal enthüllt, das Sprengkraft hat für das deutsche Selbstverständnis, das unsere Werte und Lebensweisen hinterfragt und neu herausfordert.

Es geht um das Denkmal auf Shark Island. Nie gehört?

(1/6)

Wenig verwunderlich. In deutschen Schulen und in der deutschen Öffentlichkeit findet dieser Ort bisher so gut wie nicht statt.

4.000 Menschen lebten und starben auf Shark Island - in einem Konzentrationslager des deutschen Kolonialregimes.

Weshalb wissen wir das nicht?

(2/6)

Was wir auch nicht wissen: In Namibia - ehemals kolonisiert als Deutsch Südwest Afrika - wurden 80% der OvaHerero und fast 70% der Nama ermordet. Ihre Körper für eugenische Experimente verwendet und ihren Nachfahren entwendet. Bis heute.

Und wer weiß vom Maji-Maji-Krieg?

(3/6)

Erinnern macht uns Menschen erst menschlich. Das Erinnern wirft aber grundlegende Fragen auf:

An wen wird erinnert - und an wen nicht? Weshalb? Was lässt sich aus der eigenen deutschen Gewaltgeschichte lernen, wenn es gegenüber Opfern an Interesse, an Empathie mangelt?

(4/6)

Bei der Ausleuchtung der deutschen Kolonialgeschichte spielen Medien eine zentrale Rolle.

Sie können eine journalistische Matrix anbieten, ein gesellschaftliches Denk- und Treff-Feld, auf dem unser Interesse erst entstehen und bedient werden kann.

(5/6)

Über eine neue, vielfältige deutsche Erinnerungskultur, über angefochtene Opferhierarchien & über ein Aufwachen deutscher Medien für die deutsche Kolonial-Geschichte spreche ich mit Journalistin Charlotte Wiedemann, Autorin des aktuellen Buchs „Den Schmerz der anderen begreifen.“

In der neuen quoted-Folge. Hier: https://open.spotify.com/episode/5XcqhYZn3NWYmjf6OM8EFK

Kolonialismus: Erinnerung und Verantwortung

Listen to this episode from quoted. der medienpodcast on Spotify. Die Krönung von Charles III. wird ein mediales Großereignis, bei dem die Royals vor allem gefeiert werden. Die koloniale Vergangenheit der britischen Krone wird dabei in der deutschen Medienlandschaft wenig reflektiert. Dabei sind die Ausbeutung und blutige Unterwerfung ganzer Weltregionen eine der Grundlagen des Reichtums des Königshauses. Inwiefern haben wir uns als Gesellschaft mit dem Kolonialismus auseinandergesetzt, vor allem auch mit der deutschen kolonialen Vergangenheit? Leiden wir unter „kolonialer Amnesie“? Wie hat sich das Bewusstsein über das Unrecht der Vergangenheit und seine Folgen entwickelt? Und welche Rolle spielen Medien dabei? Darüber spricht Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura mit der Autorin und Journalistin Charlotte Wiedemann. Ihr aktuelles Buch heißt: Den Schmerz der anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis. „quoted. der medienpodcast“ ist eine Kooperation der CIVIS-Medienstiftung für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa und der Süddeutschen Zeitung, gefördert von der Stiftung Mercator. Zum Weiterlesen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/deutscher-kolonialismus-100-jahre-koloniales-nicht-gedenken-100.html https://www.dw.com/de/wie-l%C3%A4uft-die-aufarbeitung-des-deutschen-kolonialismus/a-57314614 https://www.sueddeutsche.de/politik/deutsch-suedwestafrika-wie-deutschland-langsam-seine-kolonialgeschichte-aufarbeitet-1.2559180 https://taz.de/Aufarbeitung-des-deutschen-Kolonialismus/!5767433/

Spotify
Danke @nadia_z für das spannende Interview. Ein absolut hörenswerter Beitrag zu unserem gesellschaftlichen Umgang mit Kolonialismus und gleichzeitig ein Armutszeugnis, wie wenig dieses Wissen in unserer Gesellschaft vebreitet ist.

@SchnDa @nadia_z

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit #Geschichte. Im Zuge eines neuen Kontakts hier im #Fediverse aus #Kanada (#SocialActivist, #Decolonizer), fragte ich mal bei ein paar Lehrern (qualitativ, zudem Ländersache) an, wie es denn heute um die #kolonialgeschichtliche #Bildung bestellt ist.
Subjektiver Ersteindruck: das Thema hat C-Prio, für das keine Zeit im #Lehrplan ist.

Natürlich hat #Deutschland keine #Kolonialgeschichte wie #Spanien,...

#Kolonialismus

...#Portugal, #Frankreich, die #Niederlande, #Belgien und v.a. auch das #VereinigteKönigreich, jedoch ist dieser Umstand nur eine schwache Ausrede für eine diesbezüglich völlig verfehlte #Bildungspolitik.

Wer hier ausser Akademikern kennt z.B. den Klassiker, "King Leopold's Ghost" von #AdamHochschild? Oder das akribisch recherchierte Buch über den amerikanischen #Slavenhamdel von #JonathanBryant, "Dark Places of the Earth"?

Deutschland wird international...

@SchnDa @nadia_z

@SchnDa @nadia_z

...Fachkreisen durchaus als beispielhaft für seine #Erinnerungskultur im Hinblick auf den #Nationalsozialismus gesehen.

Die Verbrechen im Zeichen des #Kolonialismus werden jedoch mit einem Feigenblatt im #Geschichtsunterricht weitestgehend totgeschwiegen.

Im Zeitalter des erneut zunehmendem Ost-West-Konflikts ist der "#GlobaleSüden", insbesondere #Afrika, von geostrategischer Bedeutung.
Die Vergangenheit nicht aufgearbeitet zu haben wird...

@SchnDa @nadia_z

...sich dabei bitter rächen.

Wenngleich auch viele Staaten, die im Rahmen der #RoadAndBeltInitiative von #China finanziell abhängig geworden sind nun aufwachen, so hat #China einen massiven Vorteil: es hat keine jahrhundertealte Tradition der Ausbeutung der afrikanischen und amerikanischen Kontinente durch die #Europäer und #US-#Amerikaner.

Dabei hätte man durch die kulturellen und linguistischen Einflüsse durchaus grosse Vorteile.

"Erinnern" kann..

@SchnDa @nadia_z

...man sich nur an Dinge, die man vorher schon einmal gehört hat.

Für alle Erwachsenen in den einstigen Kolonialmächten ist dieser Zug weitestgehend abgefahren.

Da bleibt nur die Eigenverantwortung im Zeitalter von #InformationAtYourFingertips, diese enormen Wissenslücken zu schließen.

Dies kann und darf die #Politik und die #Regierung nicht exkulpieren:
verstärkte Besuche in und Kontakte sowie Partnerschaften mit den ehemaligen Kolonien sowie.
..

@SchnDa @nadia_z

...konvertierte, landesweite Ausstellungen zum Thema Über längere Zeiträume können hier Bewusstsein schaffen.

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