Seitdem ich den Pflegeberuf hingeschmissen habe, gab es mehrere überwiegend politische Momente, in denen ich dachte: "Ok, spätestens jetzt hätte ich in den Sack gehauen."
Komischerweise hatte ich bisher nie den "Ohh, also wenn das so ist, dann gehe ich wieder zurück!"- Moment.

Vielleicht wäre es mal an der Zeit, die Taktik zu ändern, wenn wir nicht den gesamten Berufsstand vergraulen wollen? Eventuell vielleicht sogar BEVOR alle weg sind?

@Friedsch Wie bei Allem in Deutschland muss das Haus erst abgebrannt sein bevor die Feuerwehr kommt. Bestenfalls wird nachher analysiert wie das passieren konnte.
@11110110101 @Friedsch Und kommt dann zu völlig falschen Schlüssen damit man ja keine mitschuld trägt.
@Leshadow @Friedsch Schuld sind dann die Asylbewerber, die das System überlasten.
@Friedsch Geht mir genau so. Und nach wie vor erschreckt mich der geringe Grad der Organisierung in der Pflege. Das ist m.E. das Hauptproblem. Ist in D historisch erklärbar aber macht echte Veränderungen fast unmöglich.
@GrzegorzWA66
Ich bin noch 15 Jahren raus weil die Mehrheit der Kollegen selber gegenakademisierung und Einwanderung von unausgebildeten ist. Und gleichzeitig ihre Arbeitnehmerrechte freiwillig herschenkt und jeden anderen unter Druck setzt das auch zu tun. #Pflege
@Friedsch
@helles_sachsen @Friedsch Es gab einfach kaum politisches Bewusstsein, in den 20 Jahren, die ich in der Pflege gearbeitet habe. Weiß nicht, ob das inzwischen langsam besser wird.
@Friedsch eher wird man seitens #CDU / #CSU Leute per #KatS-Fall #zwangsrekrutieren, da hier anders als bei #Kriegsdienst keine #Berweigerung möglich ist...

@Friedsch
Bin seit sechs Jahren draußen und hatte noch nicht einen "Hmmm, vielleicht doch wieder?"-Moment.

Dafür aber, wie Du, jede Menge "Bin ich froh da raus zu sein!"-Momente.

Aber wenn ich ehrlich bin, gibt es vermutlich nichts, was mich wieder zurückholen könnte.

@Friedsch Meine Tochter macht eine Ausbildung zur Pflegerin. Sie verdient sehr gut und hat gute Ausbildungsbedingungen und viel Freude am Beruf.
@Silke Was ist mit "Pflegerin" gemeint" Altenpflegerin, Krankenschwester mit mindestens dreijähriger Ausbildung? Oder was genau?
@baumuc Sie macht eine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft.
@Friedsch
Gute Idee, aber was willst du denn geändert haben? Man kann sich keine Pflegekräfte backen oder kaufen.
@JuergenB @Friedsch
Da gäbe es einiges:
- Bessere Bezahlung
- Besserer Personalschlüssel (Ich war seinerzeit in der Nacht alleine für bis zu 50 Patient*innen zuständig, darunter viele schwerstpflegebedürftige und mit schweren Krankheiten)
- Bessere Arbeitszeiten: keine Wechselschichten von Spät- auf Frühdienst, 4-Schicht-System mit 6 Stunden pro Schicht (bei vollem Lohnausgleich natürlich)
@Haydar @Friedsch
Ja da habt ihr Recht. Leider sind dafür viele Instanzen zuständig. Die müssten alle das gleiche wollen. Wenn's aber ums bezahlen geht, mag es keiner. Gesetzesgrundlagen wurden ja schon geschaffen (Personalbemessungsgrenze)
Für die Kirchen gilt noch nicht mal der TVÖD, die nehmen sich ganz raus. Die privaten Pflegeeinrichtungen wollen auch nicht in den Tarifvertrag.
@JuergenB @Haydar Die Verluste, die durch fehlendes Personal entstehen, sind so hoch, dass Kliniken inzwischen astronomische Preise dafür zahlen, Pflegekräfte von Dienstleistungsfirmen zu beschäftigen.
Vielleicht nehmen wir das Geld für die Verbesserung der Umstände erst mal aus diesem Pool. Und dann bauen wir das System um. Profite raus aus dem Gesundheitssystem.
@Friedsch @Haydar
Schade - Es gibt da nicht irgend ein Pool. Das Finanzpolster haben sich einzelnen die Kliniken durch das katastrophale DRG System meist auf Kosten der Pflege zusammen gespart.
Klar ist, Gesundheitliche Versorgung ist eine gesellschaftliche Aufgabe und darf nicht durch den Markt erst erwirtschaftet werden. Das ist meine feste Überzeugung.
@JuergenB Es gibt tausende wie mich. Wir brauchen niemanden zu backen. Wir sind noch da. Wir haben die Pflege wegen der Arbeitsbedingungen verlassen. Wir würden zurückkommen, wenn die Umstände stimmen.
@Friedsch
Es hört sich gut an " ...die Taktik wechseln" und scheint so einfach zu sein. Ist es aber leider nicht. Wer soll denn mehr zahlen? Die Beitragszahler, der Staat, der Gesundheitsminister, die Krankenkassen, die Krankenhäuser, die Pflegekassen oder die privaten medizinischen oder Pflegeeinrichtungen im Gesundheitssystem?
@JuergenB Schau dir die Forderungen der Pflegenden einfach mal an.
@Friedsch
An den Forderungen ist nichts auszusetzen. Es bleibt die Frage: Wer bezahlt den Bums?
@JuergenB @Friedsch ich schlage mal ganz stumpf die Aktionäre der krankenhauskonzerne vor, die künftig auf Dividenden verzichten müssen.

@JuergenB @Friedsch

Apropos Backen. In dem Berufsfeld sieht es auch sehr mau aus.

@Friedsch
Geht mir seit 20 Jahren genau so.
@Friedsch In der Schweiz konnten wir zumindest einen Teilgewinn letztes Jahr für Pflegeberufe erziehlen
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/abstimmungen/20211128/pflegeinitiative.html
Dies wurde glaub ich auch nur möglich, weil der Fokus durch die Pandemie gerade auf den Berufen lag. In sonst irgend einer Zeit, wäre diese Initiative wahrscheinlich im ganzen anderem politikgesäusel unter gegangen

also ja, stimme ich dir zu, die Politik tut viel zu wenig für diese essentielle Berufe und meist leider nur dann, wenn der Fokus der öffentlichkeit in irgend einer weise auf Gesundheit liegt.
Pflegeinitiative

Am 28. November 2021 stimmen die Schweizer Stimmberechtigten über die Pflegeinitiative.

@puniko In Deutschland wurde an mehreren Kliniken ein TVE erstreikt und damit ist auch sicher noch nicht Schluss, aber da muss deutlich mehr passieren, deutschlandweit.
@Friedsch in Firmen gibt's ein ähnliches Problem. Neuer Manager verspricht Kostenreduktion und baut Leute ab. Die verbleibenden halten den Betrieb am Leben. Aha, denkt Manager, da geht noch was, und baut weiter ab. Irgendwann ist der Goodwill weg, und der Damm bricht. Manager wird gefeuert, ist ihm aber wurscht, seinen Bonus hat er schon lange in der Tasche und sein "Talent" ist anderswo gefragt.
@Friedsch was machst du denn seitdem
@Friedsch ich verstehe alle die sich den Beruf nicht mehr antun wollen... Aber solange alle wissen, dass viele Pfleger:innen nicht für ihr Recht streiken können, weil sie das letzte Bollwerk gegen die Verwahrlosung vieler Plegebedürftiger sind, wird dort weiter gespart. Ich erinnere mich noch als vor nicht sehr langer Zeit der Spahn meinte, die Pfleger:innen sollen sich gewerkschaftlich zusammenfinden. Wie kann man da nicht zynisch werden?
@Freudian_mistake Es wurde in diesem Jahr sogar sehr viel gestreikt.
@Friedsch jep, es wurde aber darauf geachtet, dass die kritische Pflege weiterhin gemacht wurde (wie es moralisch in dem Bereich richtig ist) aber dadurch hats halt auch nicht weh getan. Die Krankenkassen und die Politik weiß sehr wohl, dass wenn bei dem Streik Menschen sterben, die Pfleger:innen in den Knast wandern, nicht die Ausbeuter... Ich hab leider keine Ahnung wie man das auflösen soll... Das einzige Zugeständnis, dass die Gesellschaft bereit ist, ist 3 Tage abends klatschen
@Friedsch ein Stationsoberarzt sagt zu der präkeren Lage in der Versorgung von Kindern, dass sie bald mit Triage abfangen müssen und dem Lauterbach (schlimme Enttäuschung für mich) hat die Frechheit vorzuschlagen, man solle einfach Pfleger:innen aus anderen Stationen umzusortieren...
@Friedsch ich mein, sag mir dass du zero Fucks gibst ohne die Worte "zero" und "Fucks"
@Friedsch was wären denn so die Ideen dazu, die wirklich greifen würden? Es ist ja nicht so, dass nicht schon viele im Raum stehen: bessere Arbeitsbedingungen, besseres Gehalt, work life balance etc. Gebracht hat es bisher nix. Was also genau müsste sich ändern? Ich bin gespannt.
@stefan_goerres
Was hilft es denn, dass die Dinge im Raum stehen?
@Friedsch
Solange die Bevölkerung nicht begreift das es für sie ums eingemachte geht, solange üben sie keinen Druck aus. Solange sie keinen Druck ausüben besteht für Politik und den Markt kein Grund was zu ändern.
Am Ende wird keiner Schuld sein, alle total überrascht und das geflenne gross.
Nicht einmal der aktuelle Zustand in den Kinderkliniken bringt die Leute auf die Straße. Deutschland hat das Gesundheitssystem das es bekommt nicht besser verdient.
@Friedsch geht mir ganz genau so, pflexit 2009 und es wird weiterhin kontinuierlich immer NOCH schlimmer