Hallo #FediLZ , liebe #Lehrer*innen,
mir ist bewusst, was ihr leistet, ihr eure Freizeit braucht. Trotzdem bitte ich euch diese Fragen zu beantworten:
1) Wann habt ihr im Studium/Ref. Infos über #Autismus erhalten?
2) Wann hattet ihr das erste Mal Kontakt mit self-disclosed #Autist*innen?
3) Kennt ihr #autistische Role Models?
4) Fühlt ihr euch beim Thema alleingelassen (RW)?
5) Was können Autist*innen tun, um euch zu unterstützen? Wissenstransfer?

Bitte boostert! Danke!

@ShinoMe
zu 5)
Das was du z.B. machst. Einblicke gewähren, aufklären etc. Ist ein Augenöffner.
@ShinoMe
1) Gar nicht.
2) Auch nicht. Infos kamen (wenn überhaupt...) über Klassenleitung o.Ä.
3) Nach eigener Einschätzung: nur sehr oberflächlich, d.h. ich habe bestimmt schon mehrere Begriffe inkl. kürzer Definition gehört, kann sie aber nicht einfach so ad hoc wiedergeben/erkennen...
4) Ja, gibt deutlich zu wenig Infos (außerhalb von selbstgewählten Fortbildungen).
5) Klare Ansagen, was miss-/schwer/gut verständlich ist, wie es in anderen Schulformen gelaufen ist...

@tuedelig
Würde es dir helfen, wenn es neben dem sehr guten Wegweiser #Autismus und #Schule noch eine Art "Kurzversion" für #lehrkrafte gäbe? Oder BSP "aus dem Leben"?

Ich erkläre oft an mir auf, damit Menschen einen Zugriff bekommen, aber so etwas wäre ja für die Schule eher nicht geeignet oder?

Wie siehst du eine Möglichkeit, Wissen weiterzugeben, ohne gleichzeitig den Overload an Arbeit für #Lehrer*innen noch mehr zu erhöhen?

@ShinoMe
Eine Art How-To oder Dos and Don'ts in kurz wäre schon hilfreich.
IMHO sind viele Aspekte, die für Autist:innen wichtig sind, auch für andere SuS hilfreich, z.B. die Gestaltung von Arbeitsblättern (klare Gliederung/Ausdrucksweise, nur wichtige Abbildungen...) oder die Struktur / Atmospähre im Unterricht.

Da aber jede:r ja andere wichtige Aspekte hat, ist ein persönliches Gespräch immer wichtig, auch persönliche Erfahrungen helfen da.

@ShinoMe
Wissen weitergeben... Puh...

Geht eigtl. nur über Fortbildungen o.Ä. gezielte Veranstaltungen, so zwischendurch passt das ja nie richtig.
Außer zwischen Lehrkräften, aber auch da haben wir Teamsitzungen, in denen wir uns über SuS austauschen.

@ShinoMe Ich finde es schon traurig, dass die Resonanz aus dem #FediLZ zu Deinen Fragen zu #Autismus so gering ist. Ich habe den Eindruck, dass sich die meisten Lehrer:innen als Wissensvermittler:innen sehen und das Thema #Inklusion lieber Spezialist:innen (Sonderpädagog:innen, Förderschulen) überlassen. Solange die Kinder im Unterricht "unauffällig" sind, gibt es scheinbar keinen Handlungsbedarf. Bei "Auffälligkeiten" wird dann segregiert und die Spezialist:innen sollen übernehmen. (1)

@ShinoMe @donaldist naja, ich hatte noch keinen Kontakt, da hätte das Beantworten der Fragen nicht viel gebracht.

Sollte ich irgendwann Kontakt dazu haben, werde ich mich natürlich einlesen und darum kümmern, bis da hin gibt es halt auch tausende andere Probleme.

@liebero3
Ich schließe aus deiner Antwort/Zeitpunkt des Trötens, dass du sehr engagiert bist, die Schule von dir zu viel in zu wenig Zeit verlangt und du daher priotisieren musst. Und nun kommt mein aber:
Wir #actuallyautistic sind schon da, als Schüler*innen und Kolleg*innen, in deinem Umfeld. Wir sind nur unsichtbar. 1 % der Menschen sind #autistisch. Grade Mädchen kompensieren aufgrund sozialer Skills ihr autistisches Inneres und stehen - unerkannt - unter hohem Druck.

@ShinoMe @liebero3 Das stimmt. Dann ist da die unerkannte AD(H)S (auch hier eine hohe Dunkelziffer bei Mädchen), Gewalt in der Familie, Drogenprobleme, Depression, Magersucht, selbstverletzendes Verhalten, transgender Jugendliche, Kinder, die "einfach so" nicht "ins System passen" und Hilfe brauchen, Mobbing, Hochbegabung, LRS, Dyskalkulie, ...

Natürlich hast du Recht. Aber ich bin nur eine einzige Lehrkraft. 1/

@ShinoMe @liebero3 Sassi (liniert.kariert aus dem instalehrerzimmer) hat mal den schönen Vorschlag gemacht, dass man sich im Kollegium aufteilt, so dass man theoretisch Ansprechpartner für viele Dinge hat.

Das wäre aus meiner Sicht eine praktikable Lösung.

Wobei mein Verständnis das ist, dass Dinge, die bspw. für Kinder mit Hochbegabung, ADHS, usw. usf oft auch für die Kinder ohne irgendeine erkannte Auffälligkeit hilfreich wären (oder nicht schaden).

@MsBasement @liebero3

Von #Autist*innen aus den Staaten höre ich oft die Zahl 68 %, eine Zahl für "tatsächlich neurotypischen" Menschen. Alle anderen sind neurodivergent/neurodivers. #actuallyautistic #ADHS #Dyskalkulie #LRS und und und.
Und dann sollen Lehrer*innen, ohne passende Ausbildungsabschnitte im Studium, sich informieren und verstehen.
Daher kämpfe ich so vehement für die Sichtbarkeit #autistischen Lebens. Es wird am Ende nicht nur uns helfen, sondern allen.

@MsBasement @ShinoMe @liebero3 Idealerweise gäbe es dafür ja Schulpsycholog:innen. Da ist das Wissen ja schon da. Ist aber leider nicht leistbar, wenn ein:e Psycholog:in für viele Schulen zuständig ist.

@miss_summer @MsBasement @liebero3

Ich glaube nicht, dass der Weg über Schulpsycholog*innen reicht, es muss ein Basisverstehen geben
BSP: Ich #actuallyautistic könnte trotz eines verbalen IQs von über 140 in bestimmten Settings (es reden gleichzeitig mehrere Personen) das von dir Gesagte nicht prozessieren und daher nicht adäquat antworten. Ich bräuchte keinen Psy, sondern einen Platz mit zwei Wänden (weniger Schallrichtungen) und ein klares, "wir reden der Reihe nach".

@ShinoMe @MsBasement @liebero3 Das stimmt, ich wollte die Schulpsychologen auch nicht für dich, sondern für die Lehrkräfte. Eine Lehrkraft kann nicht noch ein Psychologiestudium absolvieren, aber ein Psychologe vor Ort kann das Wissen vermitteln, das im Einzelfall gebraucht wird.
@miss_summer @ShinoMe @liebero3 In NRW gibt es nur den schulpsychologischen Dienst, der i.d.R. für einen ganzen Kreis zuständig ist (und von dem erschreckend wenige Lehrkräfte überhaupt wissen- übrigens auch, dass der auch für Lehrkräfte da ist, die in einer Krise sind, nicht nur, um Schüler*innen und deren Familien zu helfen).
@MsBasement @ShinoMe @liebero3 Ich weiß, das ist ja das Problem. Idealerweise sollten die Psycholog:innen direkt an der Schule angestellt sein, ähnlich wie bei Schulsozialarbeiter:innen. Ich wollte damit sagen, das Fachwissen ist eigentlich schon da, es müsste nur besser verteilt werden.
@miss_summer @ShinoMe @liebero3 Genau - ebenso wie es Schulen gibt mit guten Konzepten, aber keinen systematischen Austausch.

@miss_summer @MsBasement @liebero3

Ein BSP aus meiner Schulzeit: Neue Schule, Shakespeare, Sonette. Shino = kein Wort im Unterricht, denn sie konnte nichts prozessieren, zu laut, zu viel Nähe. Kurz vor der Klausur Bücher geholt, gelesen. Top Klausur geschrieben.
Lehrerin zu mir: "Ich lasse mich doch von ihnen nicht "verarschen", kommen in meine Klasse, beteiligen sich nicht und ich denke, sie können nichts und dann so eine Klausur! Ab jetzt erwarte ich 100 % Mitarbeit von ihnen."
Wie?

@ShinoMe @miss_summer @liebero3 Das ist aber nicht nur Unwissen über Autismus etc., sondern einfach so aus meiner Sicht alles andere als pädagogisch wertvolles Verhalten (mich regen solche Lehrkräfte einfach nur auf: Wie wäre es mal mit ins Gespräch gehen? Das täte allen gut, neurotypisch, neurodivergent... 🙄)

@MsBasement @miss_summer @liebero3

Sehe ich auch so. Und daher halte ich die Diskussion über #Autismus und #FediLZ für einen ersten Schritt zu einer Gemeinsamkeit, die weit über Autismus hinausgeht.
Wenn wir verstehen, dass andere eben andere Ansprüche und Prozessierungswege haben, dann erleichtern wir das Zusammenleben für alle.
Der eine oder die andere Introvertierte wäre sicher dankbar für ruhigere Plätze.

@ShinoMe @miss_summer @liebero3 Nicht nur die Introvertierten... Rückzugsräume, variable Arbeitsplätze/-räume, Dinge im eigenen Tempo erarbeiten, usw usf wäre für alle gut, egal ob neurotypisch oder neurodivergent.

@MsBasement @miss_summer

Ich habe jetzt zum ersten Mal diese Lernwaben für Schüler*innen gesehen. Fand das echt interessant. Gut, ich hätte aus Hygienegründen noch einige Vorschläge. Aber so was für Grundschulen zum Lernen, wäre sicher für viele hilfreich.

@MsBasement @ShinoMe @liebero3 Da stimme ich dir voll zu. Pädagogik und Psychologie sollten in der Ausbildung einen viel höheren Stellenwert bekommen. Da ist in den letzten 15 Jahren schon viel passiert, aber es reicht noch lange nicht aus. Vor allem in der Ausbildung von Gymnasiallehrkräften wird das immer noch sehr stiefmütterlich behandelt.
@ShinoMe Dann hilft es auch nur wenig, wenn Eltern die Lehrer:innen z.B. auf den Heureka!-Leitfaden hinweisen. Es müsste viel klarer zum Berufsbild gehören, dass die "individuelle Förderung" der Kinder, die in den Schulgesetzen verankert ist, auch bedeutet, dass alle Lehrer:innen Rahmenbedingungen dafür schaffen müssen. Dieser Mindset-Shift passiert nicht von selbst. Man muss ihn von oben anordnen. (2)

@donaldist @ShinoMe Ich würde mir aber auch etwas Unterstützung wünschen, um diese Rahmenbedingungen schaffen zu können - in der Regel kommt das nämlich einfach nur "on top", ohne dass an irgendeiner anderen Stelle mal echte Entlastung geschaffen wird, so dass man Zeit hat, Konzepte zu entwickeln, Unterricht bzw. Lernumgebungen vorzubereiten.

Ich gebe dir Recht, dass Schule sich ändern muss - es ist völlig absurd, dass alle dasselbe in der gleichen Zeit lernen sollen 1/

@donaldist @ShinoMe nur weil sie zufällig gleich alt sind.

Und bestimmt sieht man manchmal als Lehrkraft auch den Wald vor lauter Bäumen nicht und manche Dinge wären einfach umzusetzen - aber auch hier: es fehlt Zeit und Ruhe, und auch ein systematischer Austausch zwischen Schulen, voneinander lernen... Wenn gerade aber immer drei bis vier Korrektursätze hier liegen, Klassenleitungsaufgaben, Sprechtage etc pp habe, bin ich froh, wenn ich genug Schlaf kriege 🤷🏼‍♀️

@MsBasement @donaldist
Hi, es ist in meinen Augen ein sehr wichtiger Punkt, dass interessierte und engagierte Lehrer*innen überlastet und alleingelassen werden.

Grade die, die "wollen", bezahlen also einen Preis dafür, indem sie ihre Freizeit opfern. Während, die die sich nicht engagieren, dafür mehr Freizeit haben. Hier bedarf es dringend einer anderen Art von Aufwertung für integrative Arbeit.

@ShinoMe Ich versuche es, habe aber auch kaum Kontakte:

1) Gar nicht. (Studium 20005 beendet, 2009 Ref beendet - evtl relevant)
2) nur indirekt, m.W. nach sind bei uns (Gym) 2 (?) Kinder auf dem Autismus-Spektrum, habe aber nie in den Klassen unterrichtet.
3) nein
4) Wie alles rund um Inklusion: Absolut. War nie Thema meiner Ausbildung, als die zieldifferente Inklusion zu uns kam, gab es zwar immerhin eine Sonderpädagogen-Stelle, aber die eine Person kann auch nicht alles auffangen 1/

@ShinoMe und die ein, zwei offiziellen Fortbildungen konnte man in der Pfeife rauchen, weil völlig an der Schulrealität vorbei (was kann ich als Lehrkraft leisten, wenn das einfach "oben drauf" kommt ohne Entlastung an anderer Stelle?)
@ShinoMe zu 5) Ist das nicht schwierig, dass so allgemein zu beantworten? Mein Verständnis war, dass es da große Unterschiede gibt und man vieles individuell abklären muss? (Jenseits von Rückzugsräumen schaffen - die im übrigen allen in der Schule gut tun würden?)
@MsBasement
Deine Frage ist vollkommen berechtigt, denn, "kennst du einen Autisten, kennst du einen".
Trotzdem können Menschen wie ich oft ein Bindeglied sein. Ich habe beruflich sehr stark gemaskt. Masken = berechnen, was Allistics ("ihr") brauchen und bei mir anfordern.
Wenn ich z.B. zeige, wie unterschiedlich ich ohne und mit masking bin, führt das oft zu einem, oh, so viel Arbeit ist das?
Es ändert die Sichtweise.
@ShinoMe Ich habe einige Jahre lang Lehre im Fach Psychologie für Lehramtsstudierende gemacht. Ich finde, wichtig ist, das die Lehrkräfte eine grobe Ahnung haben, für alles weitere und individuelle Lösungen sollte die Schulpsychologie viel präsenter in den Schulen sein. Min. 1-2 Psycholog:innen an jeder Schule fest angestellt.
@ShinoMe
1) Nie (ist aber 20 bzw 30 Jahre her)
2) vor ca. 4 Jahren
3) Nö
4) Ja
5) Habe nicht wirklich eine Idee, außer - soweit möglich - offen aus der eigenen Lebenswelt zu kommunizieren/veröffentlichen. Wie so oft wird viel _über_ Menschen gesagt/geschrieben, aber meiner Erfahrung nach hilft direkte Kommunikation/ Kenntnis von Erfahrungen oft besser und schneller weiter.